Autor: Wilfried Geiselhart

Sich wie Tom Sawyer und Huck Finn fühlen

Mit Kindheitsträumen ist das so eine Sache. Die meisten erfüllen sich nie. Wer hat sich nicht schon mal gewünscht, wie Tom Sawyer und Huck Finn auf einem selbstgebauten Floß den großen Fluss hinunterzuschippern und dabei so manches einmalige Abenteuer zu erleben. Unerfüllbar? Von wegen.

Mit Kindheitsträumen ist das so eine Sache. Die meisten erfüllen sich nie. Wer hat sich nicht schon mal gewünscht, wie Tom Sawyer und Huck Finn auf einem selbstgebauten Floß den großen Fluss hinunterzuschippern und dabei so manches einmalige Abenteuer zu erleben. Unerfüllbar? Von wegen.

Geht sogar relativ einfach. Man muss auch nicht nach Übersee reisen und es muss auch nicht der Mississippi sein. „Ol‘ man river“ darf man auch aus voller Kehle singen, wenn man in der mittelschwedischen Region Värmland auf dem mächtig langen Kläralven unterwegs ist. Und es gibt die Chance, für einen oder mehrere Tage zu einem echten Helden zu werden.

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Die Floßfahrt in Schweden startet bei „Ulvsby Hergard“ in Sunne. (Fotos: Wilfried Geiselhart)

Die schwedische Flagge steht stramm im Wind

Der Morgen eines aufregenden Tages beginnt zunächst einmal ganz beschaulich. Am Frühstückstisch von „Ulvsby Hergard“ in Sunne. Der Blick richtet sich auf den wenige Meter entfernten See Fryken und auf das herrlich nostalgische Saunahäuschen, in dem sich die deutschen Urlauber am Vorabend einige urig-entspannende Stunden gegönnt und nach ordentlichem Schwitzen die perfekte Abkühlung direkt im erfrischend kühlen Seewasser gefunden haben. Was heute ein Hotelbetrieb mit echter Gourmetküche ist, war in früheren Jahrhunderten ein Herrenhaus, dessen Ursprünge bis ins 16. Jahrhundert zurückgehen. 1649 hat die schwedische Königin Christina hier schon ihre Finger im Spiel gehabt. 200 Jahre später hatte Sheriff Anders Wahlstrand an gleicher Stelle seinen Sitz inklusive zugehörigem Gefängnis. Er soll sogar als Romanvorlage für Selma Lagerlöfs berühmte „Gösta Berlings Saga“ gedient haben. Fast zu schön um wahr zu sein, dass beim Gedanken an die Literaturnobelpreisträgerin wie bestellt ein Schwarm von Nils Holgerssons Wildgänsen an diesem wunderschönen Morgen vorbeifliegen. Die schwedische Flagge steht stramm im Wind. Gut gefrühstückt? Also raus aus der Komfortzone.

Der Vänern-See, das größte Binnengewässer in Westeuropa

Der Klarälven fließt träge durch die Landschaft im schwedischen Värmland. Von Norwegen kommend mündet er nach 478 Kilometern in Karlstad in den Vänern-See, das größte Binnengewässer in Westeuropa. Noch bis ins Jahr 1991 wurde auf dem Klarälven Flößerei betrieben und Unmengen von Baumstämmen nach Süden transportiert. Die potentiellen Flößer von heute müssen zunächst einmal etwas über den Bau und die Steuerung des eigenhändig zu bauenden Floßes erfahren. Guide Jan ist genau der richtige, um die nötigen Tipps zu geben. Eines wird schnell klar: Kräftiges Zupacken ist nicht nur erwünscht, sondern unbedingt erforderlich. Aber lange „Watstiefel“ aus Neopren, die bis zu den Schenkeln reichen und – fast wie Strapse – am Gürtel der Hose befestigt werden – muss das denn wirklich sein?

Drei und sechs Meter lange, auch unterschiedlich dicke Baumstämme lagern am Flussufer. Jede Menge Seile und sonstiges Equipment. Das Floß soll später mal aus drei Lagen á 3×6 Metern bestehen, die mittels besagter Seile und fachmännischen Knoten zusammengezurrt werden – und insgesamt mehr als zwei Tonnen wiegen. Auf der obersten Plattform ist aus Stangen und einer Plane ein Zelt zu erstellen – als Sonnen- und Regenschutz während der Fahrt. Das Ganze erfordert krassen Körpereinsatz und dauert im Normalfall für zwei bis vier Erwachsene sicher locker einen halben oder ganzen Tag. Mit professioneller Hilfe geht’s schneller – Jan und seinen Kollegen sei Dank. Dass es für den eigentlichen Bau des Floßes in knietiefes Wasser geht, daran kommt mal als abenteuerlicher Tourist aber nicht vorbei. Erfüllen die Watstiefel aus Neopren doch noch ihren Zweck.

 

Erst pinkeln, dann paddeln

„Hey Guys. Ready to Start?“ Logo. Aber nicht vergessen, vorher noch zu pinkeln. Kräftiges Abstoßen mit einer überlangen Stange durch Jan, redlich bemühtes Paddeln durch den Rest der Besatzung und schon entfernt sich das stattlich anzusehende Floß mit seinen zwei Kajaks im Schlepptau vom Ufer. „Der Klarälven fließt ganz gemütlich dahin. Ihr könnt euch ihm anvertrauen und müsst nicht ständig rudern oder steuern“, wird Jan fast ein wenig philosophisch. Gut so. Die Entspannungsphase kann also beginnen. Durchschnaufen und genießen. Vor allem die Schönheit der Natur und die fast unbeschreibliche Stille, Kein Wunder, dass dieses ökotouristische Abenteuer von National Geographics in die List der „50 Tours of a Lifetime“ aufgenommen wurde. „Wisst ihr, zu uns kommen die unterschiedlichsten Leute aller Altersklassen“, kommt Jan ins Plaudern. „Familien mit Kindern, Erwachsenengruppen – auch Firmen, die eine Floßfahrt als Teamfindungsseminar nutzen. Hier geht es um Vertrauen und Selbstvertrauen. Um den Einklang mit der Natur und ums Runterkommen vom Stress des Alltags. Und um das Gefühl, am Ende des Tages etwas geleistet und geschafft zu haben, dass man sich vielleicht gar nicht zugetraut hat. Viele unserer Gäste entscheiden sich für Mehrtagestouren, um 50 Kilometer, vielleicht sogar bis zu 100 Kilometer auf dem Fluss zu bewältigen. Geschlafen wird auf dem Floß, in Zelten am Ufer oder in Hütten – je nach Geschmack und Abenteuerbereitschaft. Das schwedische Jedermannsrecht erlaubt das Übernachten in der Natur praktisch überall. Und glaubt mir: abends am Lagerfeuer schmeckt der selbst gefangene Fisch am allerbesten.“

Es gilt, diverse Strudel zu umschiffen

Es geht voran, in gemächlichem Tempo von zwei bis drei Stundenkilometern. Gelegentlich auftauchende Hindernisse wie Sandbänke oder herabhängende Äste im ufernahen Bereich sind allerdings nicht zu unterschätzen. Das Steuern des schwerfälligen Floßes ist recht mühsam und erfordert gegebenfalls vorausschauendes Denken und Eingreifen. Auch diverse Strudel sind zu umschiffen, wenn man sich nicht längere Zeit nur im Kreis drehen will. Ein kleiner Ausflug mit einem der mitfahrenden Kanus sorgt für Abwechslung und für perfekte Fotomotive. Der Fluss gibt den Takt vor und die Landschaft zieht langsam vorüber. Fünf, sechs Stunden auf dem Floß vergehen wie im Flug. Gut, dass Jan auch für warmen Kaffee und ein leckeres Picknick gesorgt hat. Spannend wird aber das Anlegemanöver, das gut und rechtzeitig vorbereitet sein will. Jan ist der Boss. Er weiß, was zu tun ist und er gibt die richtigen Kommandos. Und er ist dafür verantwortlich, dass sich seine Gäste auch diesmal wieder keine nassen Füße holen. Der Endpunkt Gunnerud ist erreicht. Komisch, aber irgendwie fühlt man sich wirklich wie ein kleiner, nein sogar wie ein großer Held.

Flossfahrt Värmland - Wilfried Geiselhart - Värmland 10 Breitengrad53

Gegessen wird im Kuhstall

Zwei Stunden später ist Relaxen angesagt – im Hotel Sahlströmsgarden am Stadtrand von Torsby, das auch auf eine hundert Jahre lange Geschichte zurückblicken kann und im Speziellen durch seine künstlerische Ausstrahlung überzeugt. Diniert wird hier übrigens in der wunderbar rustikalen Atmosphäre eines ehemaligen Kuhstalls. Doch zuvor geht’s wieder ins Warme, wieder in eine urige Saunahütte. Wieder er Sprung ins eiskalte Wasser – diesmal in den Sirsjön See. Und die Überlegung, sich beim nächsten Mal doch den ultimativen Kick und die komplette Siebentagestour auf dem Kläralven zu geben. Könnte anstrengend werden, aber auch irre romantisch und erholsam. Vielleicht, wer weiß.

Morgen geht’s in die Region Dalarna. Unweit von der Stadt Särna betreibt ein deutsches Ehepaar einen eigenen Elch- und Huskypark. Auch das verspricht neue spannende Eindrücke. Aber das ist eine andere Geschichte aus Mittelschweden.

Weitere Infos zur Reise nach Värmland

Värmland: Das Land der Seen und Wälder

Große Gewässer und Naturattraktionen prägen die Region Värmland in Mittelschweden: Hier gibt es 11 000 Seen. Schwedens längster Fluss Klarälv fließt mitten durch die Provinz, bevor er in der Nähe von Karlstad in den Vänern mündet. Er ist der größte See Westeuropas und ideales Urlaubsgebiet für Wassersportler. Die Region, hat aber nicht nur Wasser, sondern auch jede Menge Platz zu bieten. Auf einer Fläche von mehr als 19 000 Quadratkilometern leben rund 320 000 Menschen – also gerade einmal 17 Personen pro Quadratkilometer. Die von der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf beschriebenen blauen Berge sind hier ebenso zu finden wie die einsamen, schneebedeckten Wälder des Malers Gustaf Fjaestad.

Dalarna – das Herz Schwedens

Die Provinz Dalarna liegt in Mittelschweden und grenzt im Westen an Norwegen und die schwedischen Gebirge. Hier dreht sich vieles um Tiere, um Natur und die Farbe Rot – und das nicht nur deswegen, weil das berühmte Dalapferd allgegenwärtig zu sein scheint und man sich an den dunklen Wäldern, den glitzernden Seen und den schnuckeligen roten Holzhäuschen nicht satt sehen kann. Fröhliche Schweden, die in Volkstracht an Mittsommer um den Maibaum herumtanzen, auch das gehört zu Dalarna, ebenso wie der berühmte Wasalauf, bei dem sich jährlich rund 15 000 Skilangläufer auf der 90 Kilometer langen Strecke zwischen Sälen und Mora tummeln. Auf einer Fläche von rund 30 000 Quadratkilometern wohnen in Dalarna etwa 280 000 Einwohner, was einer Bevölkerungsdichte von neun Personen je Quadratkilometer entspricht. Die Provinzhauptstadt ist Falun.

Anreise nach Värmland

Zum Beispiel in knapp drei Stunden mit dem Flugzeug von Frankfurt nach Karlstad – zweimal täglich mit bmi regional.

Weitere Informationen

www.visitvarmland.se/en

www.visitdalarna.se/de

www.vildmark.se/de

HInweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

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Radlerherz – was willst du mehr

Jeder hat so seine Macken. Es gibt Leute, die schwingen sich Tag für Tag auf ihr Fahrrad – egal ob es jetzt zur Arbeit geht, aus reinem Freizeitvergnügen oder wegen sportlicher Ambitionen. Selbst im Urlaub können sie von diesem Hobby nicht lassen. Kaum vorstellbar, dass solche Leute gerade auf einer Kreuzfahrt auf ihre Kosten kommen. Erster Irrtum. Denn als Gast auf einer Kreuzfahrt mit der AIDAbella hat man die Gelegenheit, sogar an den spektakulärsten Schauplätzen der Welt auf geführten Routen in die Pedale treten zu können.

Jeder hat so seine Macken. Es gibt Leute, die schwingen sich Tag für Tag auf ihr Fahrrad – egal ob es jetzt zur Arbeit geht, aus reinem Freizeitvergnügen oder wegen sportlicher Ambitionen. Selbst im Urlaub können sie von diesem Hobby nicht lassen. Kaum vorstellbar, dass solche Leute gerade auf einer Kreuzfahrt auf ihre Kosten kommen. Erster Irrtum. Denn als Gast auf einer Kreuzfahrt mit der AIDAbella hat man die Gelegenheit, sogar an den spektakulärsten Schauplätzen der Welt auf geführten Routen in die Pedale treten zu können. Zu glauben, man hätte auf einer phantastischen achtstündigen Bike-Tour durch Manhattan schon alle radfahrerischen Herausforderungen gemeistert, ist allerdings schon der zweite Irrtum.

Wilfried Geisselhart - Kreuzfahrt mit der AIDAbella - Breitengrad53-1-2

Dezember  2016. Die AIDAbella ist mit rund 2.000 Gästen und 600 Besatzungsmitgliedern auf ihrer Kreuzfahrt im Indischen Ozean unterwegs. Vom indischen Subkontinent geht es in den kommenden 14 Tagen in Richtung Sri Lanka, Malaysia, Singapur und schließlich in thailändische Hoheitsgewässer. Mit an Bord ist auch Arne Horstmann aus Hamburg – freilich nicht als Passagier, sondern in beruflicher Mission. Als Activity Manager sorgt er zusammen mit seinem Team dafür, dass erholungsbedürftige Urlauber auch in Sachen Sport nichts zu vermissen brauchen. Wenn’s ums Tauchen, um Golf, ums Kajakfahren – oder eben auch ums Radfahren geht, dann sind Arne und seine Jungs zur Stelle. Seit fünf Jahren bereist der 27-Jährige als Mitglied der Aida-Crew mittlerweile schon die Meere der Welt, hat von Spitzbergen bis Kap Hoorn schon fast alles gesehen, und hat von seinem „Traumjob“ noch lange nicht genug. Auch dass er in diesem Jahr Weihnachten nicht bei winterlichen Temperaturen und nicht in Hamburg unterm Tannenbaum, sondern bei tropischen Bedingungen auf seinem schwimmenden Zuhause in Bangkok verbringen wird, ist für ihn kein Problem. „Dann rückt man zusammen und feiert mit der ganzen Crew wie in einer großen Familie“, weiß er aus Erfahrung.

Cochin – Königin des Arabischen Meeres

Zurück zum aktuellen Tagesgeschehen an Bord der AIDAbella, die heute in Cochin angelegt hat – mit ihren 600 000 Einwohnern nicht die größte Stadt im Bundesstaat Kerala im Südwesten Indiens, aber die bedeutendste an der Malabarküste. Insbesondere der traditionsreiche Gewürzhandel hat sie im Laufe der Jahrhunderte zur „Königin des Arabischen Meeres“ gemacht.

Zeit für einen Landausflug. Organisiert oder auf eigene Faust. Mit Bus, Auto, Motorroller oder per Pedes. Oder eben mit dem Fahrrad. 80 bordeigene Mountainbikes stehen punkt 10 Uhr vor der Anlegestelle des Kreuzfahrtschiffes, darunter auch 20 Pedellecs. „Viele unserer Gäste buchen Aida speziell wegen der Fahrradausflüge, die für jeden Geschmack – auch für unterschiedliche sportliche Ansprüche – viel zu bieten haben“, hatte Generalmanager Thomas Scharfenberg am Vorabend gesagt. Der Blick auf die pünktlich bereiten Fahrradfans, denen die pure Vorfreude ins Gesicht geschrieben zu sein scheint, gibt ihm Recht. Die 20-jährige Studentin Tanja ist genauso auf den Ausflug gespannt wie der rüstige Rentner Günther. Sie und 78 weitere amüsierbereite und sportlich aktive Urlauber haben sich für eine „Soft-Bikingtour“ – also eine Tour, bei der es in mäßigem Tempo insgesamt 25 Kilometer, aber nur wenige Höhenmeter zu bewältigen gilt und die somit auch keine besonderen konditionellen Voraussetzungen erfordert – angemeldet. Eingeteilt werden sie in fünf jeweils etwa gleich starke Gruppen, die von Mitgliedern des Aida Activity Teams begleitet werden. „Seid’s Ihr bereit? Dann pack mer’s“, sagt der Niederbayer Stefan Eckl gut gelaunt. Als Guide wird er seiner Gruppe in den kommenden fünfeinhalb Stunden die Schönheiten der Region näher bringen, bei verschiedenen Stopps natürlich ein wenig über Land und Leute erzählen, und seine Gäste auch zu Plätzen führen, die man auf einem Busausfug garantiert nicht zu sehen bekommt.

Kreuzfahrt mit der AIDAbella – Radfahren der anderen Art

Nach einer gründlichen Sicherheitseinweisung geht es mit dem Bike vom Schiff auf die andere Seite des Flusses. Unzählige dreirädrige Auto-Rikschas und Geräusche aller Art begleiten den Weg zum Fleisch- und Gemüsemarkt. Die auf den Straßen offenbar ständig herrschende Rush-Hour ist unglaublich. Auch der Linksverkehr muss beachtet werden. Schlaglöcher ohne Ende. Die Vielzahl der Eindrücke ist kaum zu beschreiben. Trotzdem gilt es, die Konzentration hoch zu halten. Stefan hat die Route bereits mehrmals abgefahren und somit auch alles im Griff. Beim nächsten Halt erklärt er, dass chinesische Händler ihre kunstvollen Fischernetze im 13. Jahrhundert vom Hofe Kublai Khans mitgebracht haben und dass die Fischer mit diesen Netzen auch heute noch auf traditionelle Weise ihre Beute an Land ziehen.

Runter von der Hauptstraße und durch schmale und schmalste Gässchen, die teilweise weniger als einen Meter breit sind. Jetzt sind Steuerungskünste gefragt. Zwischendurch muss das Rad auch mal geschultert werden. Immer wieder winken Menschen mit fröhlichen Gesichtern den Urlaubern aus Deutschland zu – kleine Kinder genauso wie Alte und Gebrechliche. Auch in Slums und Wohngegenden, deren Anblick mit mitteleuropäischen Augen nur schwer zu ertragen ist. Im Fort Cochin ist Kolonialgeschichte noch spürbar. Mal mittelalterlich-portugiesisch, mal holländisch oder englisch und dann wieder ganz asiatisch – so präsentieren sich die historischen Stadtteile. Stefan hält bei der St. Francis Kirche. Sie wurde 1503 von portugiesischen Franziskanermönchen errichtet. Vasco da Gama, der 1524 in Cochin starb, wurde hier beerdigt. Zwar ruhen seine Gebeine seit 1538 in Portugal, doch der Grabstein erinnert auch heute noch an den berühmten Seefahrer und Entdecker.

Kreuzfahrendes Radlerherz – was willst du mehr.

Es ist Nachmittag geworden. Die Stimmung in der Gruppe ist nach wie vor hervorragend. Noch einmal ein Fotostopp. Dann geht es zurück zum Schiff. Jetzt heißt es, das Erlebte erst mal zu verdauen. Da kommt tags darauf ein entspannender Seetag gerade recht. Höchste Zeit, sich einen Platz für die Radtouren auf Sri Lanka und in den Millionenmetropolen Kuala Lumpur und Singapur zu sichern. Dann warten wieder neue Abenteuer. Kreuzfahrendes Radlerherz – was willst du mehr.

Weitere Informationen zu Reisen mit der AIDAbella finden Sie hier.

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Auf dem Oregon-Trail 2.0

Sich im Wilden Westen mal wie ein richtiger Cowboy fühlen. Die wechselvolle Geschichte der Indianer und der ersten Siedler reflektieren. Entlang der rauen Pazifikküste atemberaubende Ausblicke genießen. Im Landesinnern fernab…

Sich im Wilden Westen mal wie ein richtiger Cowboy fühlen. Die wechselvolle Geschichte der Indianer und der ersten Siedler reflektieren. Entlang der rauen Pazifikküste atemberaubende Ausblicke genießen. Im Landesinnern fernab jedes Massentourismus unberührte Landschaften und Naturwunder auf sich wirken lassen. Ja, es gab sicher viele Gründe, sich im Frühsommer 2016 auf eine Rundreise durch den US-Staat Oregon zu machen. Einer davon war nicht zuletzt die vergleichsweise unproblematische Anreisemöglichkeit. Der Direktflug mit Condor von Frankfurt nach Portland dauert knapp elf Stunden. Wenn man die neunstündige Zeitverschiebung mit einbezieht, kommt man also zwei Stunden später an, als man abgeflogen ist – und kann noch am selben Abend sein erstes Bier genießen.

Portland ist so etwas wie die Welt-Bier-Hauptstadt

Kaum zu glauben, aber Portland ist so etwas wie die Welt-Bier-Hauptstadt. Hier sind 53 Brauereien angesiedelt – mehr als in jeder anderen Stadt der Welt – und es kommen ständig neue dazu. „Die Portlander sind echte Bierkenner“, sagt der gebürtige Freiburger Tobias Hahn. „Umso mehr weiß man also ein gutes deutsches Bier zu schätzen.“ Der promovierte Mikrobiologe und Immunologe hat inzwischen sein ursprüngliches Hobby zum Beruf gemacht – und ist zusammen mit seinem Geschäftspartner Nick Greiner – Bierbrauer geworden. Vor neun Monaten haben die beiden ihr Bier „Rosenstadt“ auf den Markt gebracht. Rosenstadt ist übrigens ein überaus passender Name, schließlich ist Portland auch als „City of Roses“ bekannt. Dass er sich in der 600 000 Einwohner zählenden Wirtschaftsmetropole des Landes, die sich ihr typisches kleinstädtisches Flair bewahrt hat, so richtig wohl fühlt, das glaubt man Tobias Hahn gerne. Als idealer Ausgangspunkt für eine Stadterkundung erweist sich das stilvolle Hotel Monaco in Downtown Portland.

Als nächste Station wird Astoria angesteuert – nahe der Mündung des Columbia-River. Start einer traumhaften Küstenfahrt. Keine schlechte Idee, ein wenig für Bewegung zu sorgen, zu Fuß den 200 Meter über der Stadt thronenden „Astoria Column“ zu erklimmen und sich anschließend im luxuriösen Cannery Pier Hotel & Spa bei einer Massage ein wenig verwöhnen zu lassen. Am nächsten Tag geht es entlang dem „Highway 101“ in Richtung Süden. Stopp am „Ecola State Park“ – ein absolutes Muss. Ein- und Ausblicke auf die schroffe Küstenlandschaft, die man sich wirklich nicht entgehen lassen darf. Frisch gebackene Kekse am Abend eines aufregenden Tages als Appetitanreger? Keine Seltenheit in amerikanischen Hotels und eine nette Geste – auch im „Elizabeth Inn“ in Newport.

Toketee Falls – ein spektakulärer Wasserfall

„Ihr werdet es mir nicht glauben, aber von den Leuten, mit denen ich hier spreche, sind höchstens zehn Prozent aus Oregon“, sagt am nächsten Morgen Senior Ranger John Mare, der am „Cape Perpetua“ – etwa drei Kilometer südlich von Yachats gelegen – Freiwilligendienst leistet. „Viele Besucher kommen aus Kanada, aber auch aus Europa und allen anderen Teilen der Welt.“ Warum sie alle hierherkommen, ist beim Blick über unzählige Kilometer der Oregon-Küstenlinie selbsterklärend. Fast alleine darf sich der Tourist bei der wunderschönen kleinen Wanderung zu den „Toketee Falls“ fühlen – ein spektakulärer Wasserfall von knapp 40 Meter Höhe in einer Schlucht des „North Umpqua River“. Gut hundert Treppenstufen werden da allzu gerne in Kauf genommen. Ende einer spannenden Küstenfahrt in North Bend – zur Ruhe kommen im außergewöhnlichen Ambiente eines „Tower Room“ des „Mill Casino Hotel“.

Es geht ins Landesinnere. Die Straßen werden ruhiger, die Autos seltener. Tagesziel ist der kristallklare „Crater Lake“, ein vulkanisches Becken, das sich bildete, als der „Mount Mazama“ vor 7 700 Jahren eruptierte. Überraschung: Es schneit auf einer Meereshöhe von etwa 2 000 Metern – und wie. Und das Mitte Juni. Wer war darauf schon eingestellt. Nicht wenige der Touristen posieren gut gelaunt in kurzen Hosen. Bei der Einkehr im „Crater Lake Lodge“ darf man sich am Feuer des offenen Kamins aufwärmen und sich für eine Nacht wie in einem noblen Schweizer Chalet fühlen.





Aufwärmen ist am nächsten Abend in der Sauna des wunderschön im Boutique-Stil gehaltenden „Oxford Hotel“ in Bend angesagt. Und sich der Vorfreude einer durchaus anspruchsvollen Wanderung auf den „Smith Rock“ hingeben. Er gehört zu den sogenannten „Sieben Wundern Oregons“, ebenso wie die „Painted Hills“, deren unglaubliches Farbenspiel in der Nachmittagssonne ganz besondere Facetten von gelb, gold, schwarz oder rot preisgeben und dem Betrachter nichts als ehrfürchtiges Staunen abverlangen. Übernachtung in der Einsamkeit des Gästehauses der Wilson Ranch in Fossil. Man fühlt sich wie auf dem Oregon-Trail 2.0 und glaubt die Situation der ersten Farmer, die sich im Westen eine bessere Zukunft versprachen, fast erahnen zu können. Familiäre Atmosphäre dann beim Frühstück am kommenden Morgen, das die Farmchefs Nancy und Phil Wilson persönlich vorbereiten. Eier, Speck und frisch gebackene Muffins sind eine gute Grundlage für das, was anschließend kommt: Rauf aufs Pferd und zeigen, was man drauf hat – beim Reiten und wenn es darum geht, den richtigen Cowboys bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen oder vielleicht sogar ein wenig beim Zusammentreiben der Rinderherde unter die Arme zu greifen. „Für mich ist das wie eine Rückkehr zu meinen Wurzeln“, sagt Michelle aus Seattle. „Und für meine Kinder eine ganz spezielle Erfahrung.“

Pendleton wird zum Nabel der Rodeo-World

Vorletzte Station: Die Kleinstadt Pendleton, die jedes Jahr Anfang September beim „Pendleton Round-Up“ zum Nabel der Rodeo-World wird. Das „Pendleton House Bed and Breakfast“, das 1917 im italienischen Renaissance Stil erbaut wurde, ist zentral gelegen und strahlt einen Charme aus, dem sich der Besucher kaum entziehen kann. Besonderer Höhepunkt: Das Frühstück wird Punkt 8.30 Uhr vom Chef nicht nur serviert, sondern zelebriert. Heute ein Kirschtörtchen als Entrée, perfekte Eier „Benedikt“ – von glücklichen, selbst gehaltenen Hühnern – und nicht zuletzt viele gut erzählte Geschichten. „What a lovely place“, sagt Layne aus Portland, die hier zusammen mit ihrem Mann Ross ihren Geburtstag gefeiert hat. Treffen mit Bobbie Conner. Sie ist indianisch-stämmig und Direktorin des „Tamastslikt Cultural Institute“ – ein Museum, das an historischer und damit genau an der richtigen Stelle steht, um auf die oft leidvolle Geschichte der ursprünglichen Besitzer dieses weiten Landes aufmerksam zu machen und sie auch für die kommenden Generationen zu bewahren.

Rundreise Oregon USA - Wilfried Geiselhart - Reiseblog Breitengrad53-00926

Die Kleinstadt Pendleton wird jedes Jahr Anfang September beim „Pendleton Round-Up“ zum Nabel der Rodeo-World. (Fotos: Geiselhart)

Es wird Zeit, die vergangenen elf Tage Revue passieren, Körper und Geist ein wenig zur Ruhe kommen zu lassen, bevor am nächsten Tag der Rückflug von Portland nach Frankfurt auf dem Programm steht. Ein Appartement in den großzügigen „Columbia Cliff Villas“ in Hood River bietet dazu genügend Gelegenheit. Noch einmal das unvergleichliche Panorama von Bergen und Tälern, von Klippen und rauschenden Flüssen genießen. Es heißt Abschied zu nehmen von einem faszinierenden Land, das soviel Abwechslung zu bieten hat. Ein Land, in das man allzu gerne zurückkehren möchte.

Weitere Infos zur Rundreise Oregon

Anreise: Condor fliegt im Sommer 2016 viermal wöchentlich ab Frankfurt nonstop nach Portland.

Weitere Informationen: Weitere Informationen und Kontakt: www.condor.de, www.travelportland.de, www.TravelOregon.de, E-Mail: [email protected], Telefon +49 89 6890638-42

Geld im Urlaub: Gesetzliches Zahlungsmittel in den USA ist der US$. Geld kann an jedem Bankschalter in Island gewechselt werden. Die meisten Geschäfte akzeptieren EC- und Kreditkarten. Geldautomaten stehen fast überall zur Verfügung. Mehr Tipps zur Zahlung im Ausland im Urlaub gibt es auf unserer Service-Seite: Geld im Urlaub.

Hinweis: Die Reise fand auf Einladung statt!

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