Alle Artikel von Tina Engler

Redaktion Reisemagazin breitengrad53.de„Mache dein Hobby und deine Leidenschaft zum Beruf“, diesen Rat gab ihr Vater der bekennenden Reisesüchtigen Tina Engler schon als 11-jährige. Nach beruflichen Umwegen, u.a. als PR-Frau im Musikbusiness und beim Fersehen, ist Tina seit 2001 als freie Reisejournalistin, immer auf der Suche nach spannenden Geschichten, rund 170 Tage im Jahr Weltweit unterwegs. Die gebürtige Hamburgerin fühlt sich überall zuhause, von Patagonien, bis in die afrikanische Wildnis Sambias. Ihre inspirierenden Reiseartikel wurden u.a. in der Madame, Glamour, Jolie, TopHotel, Connoisseurs Circle, Petra, Grazia, Shape, Joy u.a. veröffentlicht. Ihr eigener Blog heißt „Tinas weite Welt“.

Bali – Die Insel der Götter

Kurz vor Sonnenaufgang werden den Göttern kleine Gaben gereicht. In kunstvoll aus Palmenblättern gefertigten Schälchen, werden Reis, Blüten, duftende Räucherstäbchen und Früchte arrangiert, in die Tempel gebracht und vor die Schreine gelegt.

Kurz vor Sonnenaufgang werden den Göttern kleine Gaben gereicht. In kunstvoll aus Palmenblättern gefertigten Schälchen, werden Reis, Blüten, duftende Räucherstäbchen und Früchte arrangiert, in die Tempel gebracht und vor die Schreine gelegt. Schließlich müssen die Götter gütig gestimmt werden. Zudem wird bei dem täglichen Ritual an die Ahnen gedacht und so ganz nebenbei, werden noch die Dämonen beschwichtigt. Eine Reise nach Bali.

Es sind kleine Momentaufnahmen im vorbeifahren, während ich nach rund 15 Stunden Flug Balis Hauptstadt Denpassar erreicht habe und mich mit dem Taxi immer weiter aus den Touristenzentren Kuta und Legian Beach, ins Herz der Insel bewege. Es ist feucht, schon früh morgens klettert das Thermometer auf tropische 30 Grad. Ein süßlicher Geruch von Frangipaniblüten liegt in der Luft. Unzählige Mopedfahrer liefern sich ein fröhliches Hupkonzert. Auf den Zweirädern ist von fünfköpfigen Familien bis hin zu Fahrern, die Hunderte von Plastikkanistern übereinander transportieren, alles vertreten. Der Morgen ist erfüllt von einem ohrenbetäubenden Lärm, der zunächst so gar nichts mit meiner romantischen Vorstellung der Tropeninsel zu tun hat, die mir seit dem Kinofilm mit Julia Roberts, „Eat, Pray, Love“, so vertraut scheint. Die Insel im Indischen Ozean gilt als Sehnsuchtsort, als ein Platz der Glückseligkeit, doch es fällt mir im ersten Moment schwer, diese Magie zu erfassen.

Instant happiness

Doch dann passiert es doch schneller als erwartet. Die Landschaft stimmt friedlich, die faszinierende Insel beginnt schon nach wenigen Stunden wohltuend auf mich zu wirken, macht trotz galoppierender Müdigkeit glücklich, „Instant Happiness“ sozusagen. Es sind Szenen wie aus einem Bilderbuch, die meine Augen im Zeitraffer erspähen: Vorbei an sattgrüner Landschaft, mit symmetrisch angelegten Reisterrassen und üppiger Regenwald-Vegetation, führt die Fahrt. Die Insel ist mit 145 Kilometern Länge und einer Gesamtfläche von 5780 qkm überschaubar. Die Einheimischen begrüßen mich überall herzlich und offen und machen mir das Ankommen in dieser fremden Kultur leicht. Um möglichst viel von Land und Leuten zu entdecken, habe ich mir ein Auto mit Fahrer gemietet, Chapouk nennt mich „Mam“ und ist sehr nett, aber versteht wenig englisch und ich kaum balinesisch. Macht nichts,  dafür kennt der gebürtige Insulaner die schönsten Plätze und letztendlich sagt sein zahnloses Lächeln ohnehin mehr als tausend Worte, wir reden kaum und ich habe viel Zeit, alles auf mich wirken zu lassen. Der erste Stopp ist der Taman-Ayun-Tempel in Mengwi, ein verzauberter Ort inmitten von Seerosen bewachsenen Kanälen. Es ist völlig still, Eidechsen dösen im Schatten. Auf dem weiteren Weg machen wir einen Abstecher zum Meerestempel Tanah Lot, im Südwesten der Insel. Andenken-Läden mit furchterregenden Masken markieren den Weg zum Heiligtum. Fast täglich finden hier Zeremonien statt, bei Ankunft tanzen zwei grazile Frauen den Tempeltanz Legong.  Durch das Hochland geht es weiter nach Sangsit, zum Botanischen Garten, danach locken die farbenprächtigen Märkte in Bedugul. Shop till you drop ist die Devise. Für ein paar Euro erstehe ich schöne Pashmina-Schals und Silberschmuck.

Der Sitz der Götter

Das mystische Bergland rund um den Vulkan Batur, ist für die Einheimischen ein heiliger Ort. Auf dem Weg zum Gunung Agung, dem mit 3142 Metern höchsten Vulkan, verändert sich die Vegetation permanent. Dichter Dschungel weicht Nebelwäldern, die Wolken hängen tief, es wird kühler. Der Pura Besakih, der „Muttertempel“ liegt in 1000 Metern Höhe am Rande des Berges. Auf dem Gelände befinden sich über 30 Tempel, der Platz hat etwas Geheimnisvolles. Auf der indonesischen Insel Bali, ist der Glaube allgegenwärtig und spirituelle Rituale sind fest in den Alltag verankert.  Laut einer Sage halten zwei beschützende Drachen die Insel fest im Meer umkrallt. Die Einwohner sind überzeugt, dass auch heute noch viele Dämonen und Geister an den zahlreichen Stränden wohnen. Die vielschichtige Unterwelt lebt ihrem Glauben nach im Ozean, während die Berge von den Göttern bewohnt sind.  Der Gunung Agung, ist ihr Hauptsitz und so wird der Vulkan selbst verehrt, als wäre er ein Gott. Balinesen leben mit all’ den mystischen Geschöpfen und ihren Ahnen, die zwar nicht greifbar, aber durchaus spürbar für sie sind – und irgendwie springt das auch auf mich über und ich fühle mich nie allein.

Spirituelles – in the mix!

Auf der Insel vereint sich eine entspannte Mischung aus Hinduismus und Buddhismus, vermischt mit einem ganz besonderen Ahnenkult. Dieser einzigartige Spirit verschafft eine friedfertige Stimmung, bei der die Götter Teil der Gesellschaft sind. Nicht von ungefähr kommt es deshalb, dass Bali auch als die „Insel der Götter“ bezeichnet wird.

Vom heiligen Berg aus dauert die Fahrt Richtung Inselmitte nach Ubud, drei Stunden. Ich komme an schwarzen, einsamen Lavastränden und Kunsthandwerk-Dörfern wie Celuk, die von Tausenden religiöser Statuen gesäumt werden, vorbei und passiere unzählige Tempel. Jedes Haus hat seinen eigenen, jedes Dorf dazu noch mindestens drei. Das wirkt fast inflationär. Selbst vor Geschäften und Restaurants sind winzige Schreine zu finden. Die quirlige Kleinstadt Ubud durchweht noch immer das Flair der Bohème. Sie zieht schon seit über 80 Jahren Künstler aus aller Welt an. In den vergangenen Jahren entwickelte sich das ehemalige Dschungel-Dörfchen rasant: Aus Sandwegen wurden asphaltierte Strassen, an jeder Ecke machten chice Boutiquehotels, Yogastudios, Kunstgalerien und Loungebars auf, doch entfernt man sich auch nur wenige Schritte von den belebten Straßen, so verströmt Ubud noch immer den Hauch längst vergangener Zeiten.

Leben mit Geistern und Dämonen

Kleine Opfer-Schälchen befinden sich auch hier mitten auf der Straße, sie gehören zum gewohnten Straßenbild, wie die Affen, die auf den alten Tempelmauern auf der „Monkey Forest Road“ miteinander spielen.  Fast jeden Tag werden religiöse Feste gefeiert: Tempelfeste zu Neumond und zum Vollmond, zu Ehren der Ahnen und regelmäßig, alle 210 Tage das große Fest zur Erschaffung der Welt. Auf Bali regiert in den meisten Dörfern das aus Indien übernommene Kastensystem. Ganz oben stehen die Brahmanen, die Angehörigen der Priester-Kaste. Diese wachen darüber, dass alle Rituale richtig ausgeführt werden. Die Brahmanen sind auch dafür da, Fremden die Kultur und die verschiedenen Bräuche näher zu bringen, ihnen zu lehren, wie das komplizierte Gefüge aus Göttern, Geistern und Dämonen funktioniert und im Alltag zusammenspielt. Um ganz in die faszinierende Kultur der Balinesen einzutauchen, miete ich mich selbst bei einem Brahmanen ein.  Im Haus der Brahmanen werden mir die vielen, täglichen Rituale immer vertrauter. Und ich lerne viel über die Menschen und ihr Leben vor Ort. Ida Bagus Weda ist mein Gastgeber. Gemeinsam mit seiner Frau und seinem Sohn Gus De und dessen Familie, lebt er im Ort Mas, nur wenige Kilometer von Ubud entfernt, inmitten fast jungfräulicher Natur. Kleine Flüsse, die in sprudelnde Bäche münden und raschelnde Bambuswälder umgeben mich, während ich auf meiner Terrasse sitze und der Stille lausche. Das Grundstück der Wedas grenzt an Felder, auf denen Wasserbüffel grasen. Was für eine Idylle! Alle Probleme und Sorgen des Alltags sind weit weg, berühren weder Geist noch Seele. Was zählt ist nur der Moment und der ist perfekt!

Goldrausch

Die aufwendig mit Gold verzierten Hütten gruppieren sich um einen begrünten Innenhof mit bunten, duftenden Blumen, kleinen Schreinen und handgeschnitzten Götterstatuen. Auf den Veranden hängen Vogelkäfige und es zwitschert in allen Tonlagen, als säße man inmitten eines Vogelorchesters. Wer mehr über böse und gute Geister, Karma, Seher und Heiler erfahren möchte, der ist bei Gus De, dem Sohn des alten Brahmanen bestens aufgehoben.

Gus De macht es Spaß, mir den doch sehr komplexen Glauben der Inselbewohner Balis zu erklären. Er ist, als Nachfahre eines Priesters, der vor Hunderten von Jahren den Hinduismus von Java nach Bali brachte, dazu prädestiniert. Nach dem Hinduismus kamen im Laufe der Zeit der Buddhismus und der sehr weit gefächerte Ahnenkult auf die Tropeninsel. Heute nennt man diese ganz besondere Glaubensrichtung den Hindu-Dharma-Glauben. Er lehrt das harmonische Zusammenspiel von Menschen, Göttern, Geistern, Dämonen und Ahnen, das hier auf der Insel der Götter bestens zu funktionieren scheint. Was immer das auch für magische Wesen sein mögen, die hier den Alltag regieren, sie machen einen verdammt guten Job!


Weitere Informationen für eine Reise nach Bali

Einreise
Es genügt ein mindestens noch 6 Monate gültiger Reisepass

Anreise
Zum Beispiel mit Etihad – www.etihad.com

Reiseveranstalter Bali
Lotus Travel München – www.lotus-travel.com

Weitere Infos zu Bali

www.tourismus-indonesien.de

www.bali.de

www.bali-insider.at


Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

Titelfoto: Fotolia.de | #147846816 | Urheber: tawatchai1990

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Von einer die auszog, das Chillen zu lernen

Eigentlich hatte breitengrad53.de – Autorin Tina Engler mit Beachclubs nie viel im Sinn, bis sie zufällig im „Purobeach“ in Andalusien landete – eine Art Selbstversuch… In meiner Heimat Hamburg gießt…

Eigentlich hatte breitengrad53.de – Autorin Tina Engler mit Beachclubs nie viel im Sinn, bis sie zufällig im „Purobeach“ in Andalusien landete – eine Art Selbstversuch…

In meiner Heimat Hamburg gießt es seit Tagen wie aus Eimern. Das ist an sich nichts Neues, aber beim Gedanken daran, dass der Sommer endgültig vorbei zu sein scheint, schlägt das ziemlich auf mein Gemüt. Gegen emotionale Verdunkelungsanfälle hilft bei mir nur eines: ein spontaner Kurztrip. Ich kenne mich, sommerliche Temperaturen und blaues Meer wirken Wunder. Draußen ist es schlichtweg zu grau, um zu bleiben. Ich will nicht weit fliegen, brauche Sonnengarantie und habe nur ein verlängertes Wochenende Zeit.

Spontan packe ich meine Tasche und fahre zum Flughafen. „Andalusien“ empfiehlt mir die nette Dame am Last Minute Schalter. Das klingt gut. Der wilde, ungestüme Süden Spaniens, genauer gesagt Estepona, rund 80 km von Malaga entfernt, ist mein Ziel. Marbella die internationale Jetset-Hochburg, mit ihren Luxusyachten, Edeldiscos und Designer-Boutiquen, ist gerade mal 20 Kilometer entfernt und gilt als Zufluchtsort der Schönen und Reichen. Dass ich mal freiwillig an die Costa del Sol fliege hätte ich nicht gedacht, aber manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden.

Andalusian sky

Als ich nach 2,5 Stunden in Malaga lande, küsst mich die Sonne. Es duftet nach Rosmarin, wildem Thymian und süßlichen Bougainvillea. Grünes Hinterland und andalusische Hitze zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht. Eine Explosion aller Sinne. Alles scheint dramatischer im tiefsten Süden. Das Licht ist intensiver, die Farben greller, karge Landschaft wechselt sich mit verschwenderischer Natur ab. Die Häuser der Dörfer sind weiß getüncht und bilden einen starken Kontrast zum tiefblauen Postkartenhimmel. Aus dem Radiolautsprecher dudeln feurige Flamenco-Rhythmen und mein Fahrer klopft den Takt dazu. Meine Laune steigt, genau genommen komme ich aus dem Strahlen gar nicht mehr raus. Während der Taxifahrt lese ich die verschiedenen Abzweigschilder, die mir irgendwie vertraut vorkommen. José, der Fahrer erzählt mir, was ich in drei Tagen machen soll. José, der Fahrer erzählt mir, in einer wilden Mischung aus englisch, spanisch und deutsch begeistert, was ich in den drei Tagen alles machen sollte, die „must do’s“ der Region sozusagen. Von Estepona aus könne ich Tagesausflüge nach Sevilla, Granada oder Tarifa unternehmen oder sogar mit der Fähre einen Abstecher ins marokkanische Tanger machen. Klingt verlockend, will ich aber nicht. Mir steht der Sinn danach, nichts zu tun und einfach ein paar relaxte Tage am Meer zu verbringen. Ich will seinen Enthusiasmus nicht bremsen. Dem Abstecher in den Hafen von Marbella, nach Puerto Banus stimme ich gern zu. Ich bin neugierig und irgendwie muss ich José ja für seine Passion als Reiseführer belohnen. Das ist ein Kompromiss. Schließlich liegt es mir fern ihn in seinem Stolz zu kränken.

Luxusyachten locken viele Touristen

Besonders die unzähligen Luxusyachten locken viele Touristen der „Sonnenküste“ in den Nobelort. Bis zu 1000 edle Boote haben hier gleichzeitig Platz. So richtig passen die Tagesbesucher, die meist mit Reisebussen von umliegenden Badeorten wie Torremolinos und Benidorm für ein paar Stunden her gefahren werden, in ihrer anscheinend nach den Kriterien bunt und praktisch ausgewählten Kleidung nicht ins edle Ambiente des Yachthafens. Sie treffen vor Ort auf die etwas feinere Fraktion, die lässig die neuesten Modelle der Louis-Vuitton- und Hermès-Kollektionen präsentiert und durch Versace-,  Armani- oder Dolce & Gabbana-Boutiquen bummelt. Maseratis, Ferraris und Bentleys werden spazieren gefahren, um in zweiter Reihe vor dem „News Cafe“, direkt an der schmalen Hafenpromenade, der Flaniermeile des Ortes, zu parken Auf der voll besetzten Terrasse funkeln sehr junge und sehr geliftete Damen mit ihren Diamant beringten Fingern mit der Sonne um die Wette. „Sehen und gesehen werden“ gilt hier noch mehr, als anderswo, ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, ein herrliches Schauspiel für die Zaungäste, die vielleicht gern dazu gehören würden, denen jedoch der Zugang zu den oberen Zehntausend, der „High society“ verwehrt bleibt. Mir auch, zugegeben. Ich habe genug gesehen und lasse mich von José am Hotel absetzen.

Es liegt in einer weitläufigen Parkähnlichen Anlage direkt am Strand, verfügt über alle Annehmlichkeiten, die ein 5-Sterne-Hotel so mit sich bringt, ist sehr chic und hat, wie mir die junge Rezeptionistin euphorisch gleich beim Check-in erklärt, noch einen weiteren, unschlagbaren Vorteil. Fußläufig ist der hippste Beachclub von ganz Andalusien zu finden: Purobeach! Sie ist sichtlich irritiert, weil ich nicht gleich in einen Freudentaumel verfalle. Dazu muss ich vielleicht vorab etwas erklären: Eigentlich bin ich eher der Typ für den verschwiegenen Strandflecken, den man erst stundenlang suchen muss. Von dem man nicht mal weiß, ob er nur als Gerücht existiert. Für den ich mich durchs Gebüsch schlage oder sogar ein Boot miete, weil es nicht mal einen ausgetretenen Pfad dorthin gibt. Ein absoluter Geheimtipp. So geheim, dass ich ihn kaum finde und schlimmstenfalls den ganzen Tag umher irre. Mich von Moskitos zerstechen lasse und fast verdurste. Denn natürlich gibt es weit und breit keine Infrastruktur. Dafür aber eine ganze Menge andere „Abenteurer“, weil der Geheimtipp sich dann doch als nicht ganz so „top secret“ entpuppt und viele Andere vor mir im Finden etwas schneller waren. Kaum bin ich da, muss ich auch schon wieder los. Dabei kann es doch so einfach sein den perfekten Strandtag zu genießen. Beachlife heute geht anders. Schon länger. Ich habe nur etwas gebraucht, dahinter zu kommen. Gut Ding will wohl Weile haben.

Wer etwas auf sich hält, chillt im Beachclub

Wer etwas auf sich hält, geht heutzutage nicht einfach nur schwimmen oder an den Strand, sondern chillt im Beachclub. Dieser ist die Quintessenz des modernen, komfortablen Strandlebens. Ich spreche an dieser Stelle von den echten Beachclubs  mit Möwengeschrei, salziger Luft und kitzelndem Sand unter den Füßen, nicht von urbanen Oasen auf Parkdächern in Großstädten. Wahre Kosmopoliten pilgern mittlerweile von einem zum Anderen, die Fangemeinde wird immer größer und weltweit werden ständig Neue eröffnet. International  ist diese Art entspannten Müßiggangs im Vormarsch. Das „Rundum Sorglos-Paket“ für Strandhungrige- und für mich, bis zu meinem „ersten Mal“ der Inbegriff dessen, was ich nicht wollte… Die Bilder in meinem Kopf von gigantischen Magnum-Champagnerflaschen und Beinahe-Orgien im Pool verschreckten mich eher. Schließlich hatte ich diese schon zu häufig in einschlägigen Hochglanzmagazinen gesehen. Und jetzt liegt also einer dieser angesagten Orte direkt nebenan. Höchste Zeit eine für mich ganz neue Erfahrung zu machen. Diesmal siegt die Neugier.

 

Vom Meer ziehen Loungeklänge zu meiner Liege hinüber. Ich laufe am Meer entlang und nach knapp 200 Metern stehe ich dann tatsächlich vor dem Puro Beach. Schneeweiße Liegen im Bali-Style, Cabanas, in denen vier Personen locker Platz haben, orientalisch anmutende Sonnenschirme. Ein paar Palmen spenden wohltuenden Schatten. Eine leichte Brise weht, das Meer glitzert, die Wellen plätschern und die Eiswürfel im süffigen Cocktail schlagen den Takt dazu. Puro Beach ist etwas salopp gesagt, die „Mutter aller Beachclubs“. Der Wegbereiter eines vor zehn Jahren aufkommenden neuen Lifestyletrends hat, bedingt durch den großen Erfolg, mittlerweile viele Nachahmer gefunden. Jetzt, in der Nachsaison habe ich Glück und es ist leicht, eine freie Liege zu bekommen. Unaufgefordert reichen mir dienstbare Geister kalte Tücher, Wasser, frisches Obst. Statt Heerscharen feierwütiger und Champagner trinkender Touristen, wie ich es meinem Klischeebild entsprechend immer vermutete, wirken die Gäste im Alter zwischen 18 und 50 Jahren eher vollkommen tiefenentspannt.  Sie aalen sich auf ihren schneeweißen Daybeds, chillen zu relaxten Klängen von „Moby“ am- oder im 25 Meter langem  Pool und fahnden in der angrenzenden Shoppingpassage nach den neuesten Strandoutfits. Keine Magnumflaschen, kein Gekreische. Im Gegenteil. In einer Ecke findet eine Yogasession statt. „Ommmm“…  Die sanften Klänge Mobys vermischen sich mit den Stimmen der Yogis und dem Rauschen des Meeres.

Musik spielt ohnehin eine große Rolle im Purobeach. DJ’s stehen Tag und Nacht live an den Reglern, um je nach Uhrzeit, die passende Musik zu spielen.  Vormittags werden ruhige, fast schon meditative  Töne angeschlagen, der Nachmittag ist in softe Lounge-Sounds eingehüllt und ab dem Sonnenuntergang wird feinster Elektropop und House gespielt.  Nach dem Dinner drehen die DJs die Regler am Mischpult höher. Partytime. Weil ich ein wenig Puro  mit nach Hause nehmen möchte, um mich in grauen Herbsttagen zumindest mental an diesen Ort zurück zu beamen, erstehe ich die „Purobeach CD, mittlerweile schon die 11. Ausgabe. Entspanntes Lebensgefühl zum kaufen.  „Instant happiness“ sozusagen.

Das „Purobeach“ ist lässig und ein Hotspot für urbane Nomaden aus aller Welt. Da reihe ich mich doch gerne mit ein. Ein bisschen kosmopolitisch, mit internationalem Flair. Der Dresscode:  viel weiß, Bohemian-Hippie-Style. Unaufgeregt, chic – ein Hauch von St.Tropez. Kein Chi Chi, wenig Glitzer, eher pur, „puro“, der Name ist Programm.

 

Estepona BeachDer lässige Club ist nicht nur ein edler Hangout für Stilbewusste. Dahinter steht ein erfolgreiches  Imperium. Eine spanische Lifestyle-Marke, die mit viel Herzblut und Leidenschaft zum Leben erwachte und bis heute weltweit immer weiter expandiert.

Der erste „Purobeach“ wurde vom schwedischen Unternehmer Mats Wahlström bereits 2005 auf Mallorca eröffnet, fast zeitgleich zum stylishen Boutique-Hotel „Puro“ in Palmas Altstadt. Marbella öffnete 2006 als zweiter Club in Spanien seine Tore. Ende Mai dieses Jahres wurde das große Opening der „Urban Oasis“ inmitten von Barcelona gefeiert,. Längst schon ist Puro Beach in vielen anderen Ländern vertreten, u.a. in Dubai, in Italien und am Schwarzen Meer in Rumänien. Noch in diesem Jahr wird ein weiterer „Purobeach“ in Dubai seine Pforten öffnen, zwei werden demnächst in Ägypten eröffnet.

Tagsüber relaxen, abends Party.  Die nächsten Tage pilgere ich immer wieder in meine neu entdeckte Oase und auch wenn es mir anfangs, wahrscheinlich aus Imagegründen schwerfällt, mir das einzugestehen, entwickle ich mich innerhalb kürzester Zeit zum echten Beachclub-Fan. Für die, im wahrsten Sinne des Wortes „Liege-Gebühr“, bekomme ich eine Menge geboten. Frühmorgens geht es los mit Yogakursen, Meditation oder Tai-Chi. Mittags gönne ich mir eine Massage im angeschlossenen Spa. Perfekte Tage am Meer. Ein Lebensgefühl, nicht nur ein idealer Ort zum Sein. Auch verhungern muss ich hier nicht. Zwei Restaurants sorgen mit einer spannenden Fusionküche aus Miami, Marokko und Melbourne für Abhilfe. Tag und Nacht werden leckere Snacks, Salate und Sushi serviert. Die Klassiker sind der „Puro Burger“ und das Kobe-Beef-Carpaccio, das absolutes Suchtpotential in sich trägt. Zudem gibt es sündige Desserts und Smoothies zum Niederknien. Am Nachbartisch stapeln sich die gegrillten Lobster und der Champagner fließt. Ein bisschen Wahres liegt eben in jedem Klischee.

Einsamkeit vor spektakulärer Naturszenerie

Bevor es zum Flughafen zurück geht, will ich das pure Andalusien noch mal auf mich wirken lassen. José, der mich auch wieder vom Hotel abholt, weiß dafür den perfekten Ort. Eine gute Stunde vom beschaulichen Fischerort Estepona entfernt, liegt oberhalb von Zahara de la Sierra ein maurisches Kastell. Statt Chillout-Rhythmen der Luxus der Stille. Nur ein paar Menschen haben sich hierher, in die Provinz von Cadiz, verirrt. Einsamkeit vor spektakulärer Naturszenerie. Wie ein Adlerhorst klebt das schneeweiße Dorf am Hang. In allen Blaustufen ergießt sich der See unter mir, frische Bergluft in 500 Metern Höhe und eine malerische Komposition aus dem leuchtenden Gelb des Ginsters, dem satten Grün der Ölbäume und den bizarren Strukturen der Feigenkakteen öffnen alle Sinne. Ziegen blöken in der Nähe, ein Glöckchen rasselt, ich höre den Flügelschlag eines Adlers. Ein Hirte kommt mit seinem Maultier vorbei. Chillout auf andalusische Art. Egal ob im „Purobeach“ am Strand, oder hier ein paar Tage wirken Wunder gegen aufkommenden Herbstblues.

Infos Purobeach: Daybeds, je nach Lage und Saison zwischen 25 und 50 Euro. „Nomad Beds“ für bis zu 4 Personen zwischen 70 und 250 Euro. Im Preis inklusive sind Handtücher, frische Früchte, ein Smoothie, Wasser und After Sun Lotion. Einem Selfie-Post auf den Liegen steht nichts im Wege: WiFi ist in allen Purobeach-Clubs kostenlos.

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Hinweis: Die Reise fand auf freundliche Einladung des Purobeach und des Kemoinski Hotel Bahia Estepona statt.

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Der Stoff, aus dem die Sehnsucht gemacht ist

Es war die viel zitierte „Liebe auf den ersten Blick“, gepaart mit purer Leidenschaft. Obwohl bei meinem ersten Mal wirklich alle Umstände gegen mich waren. Doch eine wahre Liebe kann…

Es war die viel zitierte „Liebe auf den ersten Blick“, gepaart mit purer Leidenschaft. Obwohl bei meinem ersten Mal wirklich alle Umstände gegen mich waren. Doch eine wahre Liebe kann nichts erschüttern, weder Zigeunerinnen, die einem eine Nelke in die Tasche stecken, dafür jedoch, quasi als gewinnbringenden Ausgleich, gleich 200 D-Mark (ja, es ist lange her) aus dem Beutel stehlen, noch strömender Regen oder lärmende Touristenmassen, die sich durch die Ramblas in Barcelona schieben. Sie bleibt. Und hat mich seit meinem ersten Besuch immer wieder hergezogen. Wenn die Sehnsucht langsam lauter wird, ist es für mich an der Zeit, ihrem Ruf zu folgen. Immer wieder. Dieser Ort, er macht etwas mit mir. Ich fühle mich freier, entspannter, strahlender. Und bekomme das Lächeln nicht mehr aus meinem Gesicht. Wie eine wärmende Decke umhüllt mich die pulsierende Atmosphäre dieser Stadt. Ich bin ihr verfallen. Es gibt kein Entrinnen.

Wie oft ich schon in Barcelona war? Zehnmal? Zwölfmal? Ich habe aufgehört zu zählen, es war der Moment, an dem ich mich nicht mehr als Tourist, sondern heimisch fühlte. An dem ich mit souveräner Lässigkeit begann, den wahren Touristen, die nur kamen, um ein wenig Kultur einzuatmen und sich an der Schönheit „meiner“ Stadt zu ergötzen, den Weg zu Gaudis Prachtbauten, wie der Sagrada Famila, dem Casa Mila oder zum zauberhaften Park Güell zu zeigen. So viele Plätze, die „man“ gesehen haben muss. Die Stadt strotzt und protzt mit ihren opulenten Türmchen, Fassaden und phantasievollen Skulpturen. Ich bin immer wieder begeistert über das Bild, das sich mir zeigt, doch die Seele dieses magischen Ortes, die ist für mich woanders zu finden. Angekommen sein heißt für mich, einfach endlos wirkende Stunden am Meer zu verbringen und dem Ruf der Möwen zu lauschen, mich mit der Multikulti-Bevölkerung in der Markthalle von Sant Antoni durch mediterrane Köstlichkeiten zu probieren oder ziellos durch enge Gassen zu wandeln, um immer wieder neue Geheimnisse der mir so vertrauten Stadt zu entdecken. Und natürlich jedes Mal voller Staunen vor dieser Pracht innezuhalten.

Die breiten Alleen, die verspielten gotischen Bauten an der Nobelstraße Avenida Diagonal und am Passeig de Gràcia und ja! Gaudis märchenhaften zu Stein gewordenen Visionen, an denen ich immer wieder neue Details entdecke. An denen ich mich nie satt sehe. Für mich ist diese Stadt eine bunte Wundertüte voller Überraschungen. Barcelona erfindet sich immer wieder neu. Einmal im Jahr muss ich mindestens in die katalanische 3-Millionen Metropole, zumeist im Juni, denn dann ist das „Sonar Festival“. Freunde der Elektromusik aus aller Welt treffen sich, um dem internationalen „Who is who“ der Szene zu frönen. Ein friedliches Happening, mit vielen Partys und Konzerten, die in den frühen Morgenstunden an einem der vielen Stadtstrände enden. Oftmals im Viertel „Barceloneta“. Ehemals vornehmlich die Adresse für Fischer, hat sich das „kleine Barcelona“ mittlerweile zu einem der angesagtesten Spots der Stadt gemausert. Die Szene ist jung, hierher zieht es viele Surfer, entsprechend ist das Angebot an Bars. Mein Lieblingsplatz: Das „Surf House“ in der Carrer l’Almirall Aixada, definitiv mit den leckersten Green Smoothies der Stadt und Live-DJ.

Barrio El Raval – die ganze Welt auf einem Fleck

Die beste Art, tief in die Seele der Stadt einzutauchen ist, sich eine Wohnung zu mieten und Tür an Tür mit den Locals zu wohnen. Ein völlig anderes Gefühl, als im Hotel, denn man ist kein Zaungast, sondern gehört gleich dazu. Auf jeder Reise erkunde ich ein neues Viertel. Diesmal habe ich mich für „El Raval“ entschieden. Untergebracht in einem Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert, liegt das Apartment „Valdonzellaa“ im dritten Stock und ist nur einen Katzensprung vom MACBA, dem Barcelona Museum of Contemporary Art und dem „CCCB“, dem Barcelona Centre of Contemporary Culture entfernt. Herzlich werde ich von der Eigentümerin begrüßt und mit allem vertraut gemacht. Drei Zimmer, zwei kleine Balkons, insgesamt 80qm- und das alles nur für mich. Der Preis im Vergleich zum Hotel? Ein Schnäppchen. Gratis dazu bekomme ich jede Menge praktische Tipps. Ein kleiner Supermarkt ist in der nächsten Seitenstrasse, das morgendliche Frühstück gibt es gleich im Cafe gegenüber und auf einer Liste hat die Senora die besten Ausgehtipps zusammen gefasst.

Die Wohnung in Barcelona ist liebevoll eingerichtet, hell und puristisch. Mit sehr stylishem Bad. Aber das absolute Highlight sind zwei traumhafte Relax-Sessel von Eames, von denen ich am liebsten gar nicht mehr aufstehen möchte. Der Boden ist mit uralten Fliesen ausgelegt und ich frage mich, was sich in den vergangenen Jahrhunderten hier so alles abgespielt haben mag. Im Hier und Jetzt ist in meiner neuen Gegend einiges los. Unten auf der schmalen Einbahnstrasse, die nachts für den Autoverkehr gesperrt wird, skaten ein paar Jungs, die Bar gegenüber öffnet gerade ihre Pforten, ein paar Jugendliche stehen davor. Aus meinem Schlafzimmer blicke ich auf den begrünten, idyllischen Hinterhof. Wäscheleinen sind malerisch quer über die Häuser gespannt und meine Nachbarn winken freundlich, als sie mich erblicken. Auf ein Glas Vino nach unten in den Hof? Gern, warum nicht? Die Nacht wird lang, später ziehen wir um die Häuser. In der Calle Hospitàl reihen sich Bars und Restaurants aneinander. El Raval ist sicher einer der spannendsten „Barrio“ Barcelonas. Früher hieß der Stadtteil Barri Xino, das chinesische Viertel. Bunt und exotisch ist er immer noch. Überall erklingt Musik. In seinen engen Gassen wurde der Mestizo-Sound von Manu Chao geboren. Eine bunte, etwas schräge Szene hat sich im ehemaligen Rotlichtviertel versammelt. Ein Schmelztiegel der verschiedensten Kulturen mit indischen Sounds, chinesischen Glückskatzen, muslimischen Schlachtern, pakistanischen Falafeln, afrikanischen Friseuren und brasilianischen Rhythmen.

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Neue Plätze und Parks wurden in Barcelona angelegt, um das Viertel attraktiver und großzügiger zu gestalten.

Die ganze Welt auf kleinstem Fleck. Viele Künstler, Lebenskünstler, junge Studenten und Familien. Alle leben friedlich miteinander. Alle Weltreligionen sind vertreten. Wenn es doch nur überall so einfach wäre, wie hier in El Raval, das übrigens ganz zentral zwischen der Universität, den Ramblas und dem Yachthafen Port Vell liegt. Der Placa Catalunya, das gotische Viertel „Barri Gotic“ und das Künstlerviertel El Born, sind in wenigen Gehminuten erreichbar. Doch dort wimmelt es zu jeder Jahreszeit von Touristen. „Mein Viertel“ El Raval, umweht noch der Hauch vergangener Zeiten, ein verruchter Platz, an dem einst Prostitution, Schmuggel und Drogenhandel dominierten. Lange Zeit galt El Raval nachts als gefährliches Pflaster, doch die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Längst schon wird Luxussaniert, es entstehen Designhotels und Gourmetrestaurants und es gilt als chic, sich in dem ehemaligen Arbeiterquartier eine Eigentumswohnung zu kaufen. Bereits seit der Olympiade im Jahre 1992 entwickelte sich dieses Stück unverfälschtes Barcelona immer weiter und hat zum Glück bis heute seinen eigenwilligen Charme bewahrt. Neue Plätze und Parks wurden angelegt, um das Viertel attraktiver und großzügiger zu gestalten, mit der Rambla del Raval bekamen die Einwohner sogar ihre eigene Prachtstraße, an deren Ende „El Gato Gordo“, die fette Katze, eine Skulptur des kolumbianischen Künstlers Botero thront. Viele Theater, Galerien und lokale Designerboutiquen haben sich angesiedelt, den Ort umweht ein Bohemian-Flair, der eine künstlerisch-intellektuelle Szene inspiriert. Das war schon immer so. z.B. in der „London Bar“ in der Picasso und Dali ganze Nächte verbrachten, um ihren Kummer mit edlen Tropfen zu betäuben- oder die „Bar Marsella“, Lieblingsspot von Ernest Hemingway. Schöne Orte zum Sein – auch heute noch.

Barcelona schläft nie

Die Abende gehören meinen „neuen Freunden“ aus der Nachbarschaft, mit denen ich die Lounges, Nachtclubs und Bars erkunde. „La marcha“ nennt man das hier, der Nachtbummel. Manchmal sitzen wir im Hof und philosophieren über Gott und die Welt. Völlig entspannt, herrlich unaufgeregt. Über kurz oder lang landen wir immer wieder in den Tapas-Bars, wie z.B. dem „Dos Pallilos“. Kleine Tellerchen werden gereicht, mit scharfen Krabben, Kartoffelscheiben in pikanter Soße, Tintenfischen und geröstetem Weißbrot mit Olivenöl und Tomaten, „Pa amb’Oli“. Wir reden und lachen, bis der Morgen anbricht. Die Stadt schläft nie und ich lasse mich gern mitreißen. Tagsüber streune ich allein durch das Viertel. Finde die „Filmoteca de Catalunya“, mit ihren herrlich verstaubten Filmen, erkunde die coolen Vintage-Läden in der Rua Ribeira Baixa. Mittags mache ich Siesta, ziehe die leichten Gardinen zu, um mich vor der strahlenden Sonne zu schützen.

Gegen späten Nachmittag, wenn die Rolläden der Geschäfte wieder hochgezogen werden, schnappe ich mir ein Fahrrad und fahre auf der Promenade am Meer entlang. Jetzt im Mai, ist es schon warm genug, um am Strand zu entspannen oder ein erfrischendes Bad zu nehmen. Schwimmen macht hungrig. In einer der vielen Boquerias kaufe ich ein leckeres Panini, mit „Jamon Ibericò“, köstlichem Schinken und setze mich auf die Hafenmauer. Es ist einfach, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Die Stadt versprüht eine fröhliche Leichtigkeit, der sich keiner entziehen kann. Alles scheint möglich. Irgendwann breche ich auf und besorge im „Bauch der Stadt“, der wunderbaren Art-Deco-Markthalle „La Boqueria“ alles, was ich für eine Paella brauche. Mein Abschied soll schließlich gebührend gefeiert werden und die Auslagen der Stände sind verführerisch. Ich verfalle in einen regelrechten Kaufrausch. Alles ist so frisch und so liebevoll dekoriert. Mit den Zutaten, die in meinem Korb landen, könnte ich ganz „El Raval“ versorgen, aber ich beschränke mich auf meine direkte Nachbarschaft. Die Nacht wird lang, ein rauschendes Fest und das Versprechen, ganz schnell wieder zurückzukehren. Wahre Lieben lässt man besser nicht so lange allein.

[toggle title=”Sonderkonditionen bei Only Apartments”]Bei Buchung eines Apartments in BCN (und Rom) erhalten Gäste von Only Apartments noch ein ganz besonderes Goodie. Viele Extras im Wert von 250 Euro (u.a. Gratis-Fahrrad, Exkursionen, Restaurantbesuche, ein T-Shirt) sind inkludiert. Weitere Infos gibt hier.[/toggle]

Hinweis: Wir bedanken uns bei Only-apartments für die freundliche Unterstützung der Produktion.

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Viva la Nostalgia – Sizilien für Fortgeschrittene

Wie in einer Zeitmaschine, fühle ich mich zurück versetzt in den unbeschwerten Sommer, in dem ich gerade mal 20 war… Mit meinem Freund mietete ich mir einen klapperigen Fiat und…

Wie in einer Zeitmaschine, fühle ich mich zurück versetzt in den unbeschwerten Sommer, in dem ich gerade mal 20 war… Mit meinem Freund mietete ich mir einen klapperigen Fiat und erkundete Sizilien. Wir hatten keinen Plan, viel Zeit und fuhren einfach über die Insel. Wir landeten an Dünenstränden, in verwinkelten Gassen uralter Städtchen, pflückten herabhängende Zitronen von den Bäumen und bekamen Bauchschmerzen, weil wir an keiner Eisdiele vorbeigehen konnten, ohne ein Gelati zu kaufen.

Das Geld war knapp, wir schliefen im Auto oder im Schlafsack im Sand. Es war heiß, wir waren glücklich und diese Insel erschien uns als der Nabel der Welt, die Quintessenz purer Lebensfreude. „Che nostalgia“ sagt man dazu auf italienisch, die sanfte Erinnerung, die einem mit leiser Wehmut erfüllt. Tief innen berührt. Sie fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen. Es kann ein Duft sein, ein Geschmack, ein Lied, das einen unverhofft trifft. Alles ist wieder da. Plötzlich, aus dem Nichts.

Vor allem bin ich wieder da. Endlich. Auf „meiner“ Insel, diesem Ort, den ich in diesem süßen Sommer in den Achtzigern, eigentlich nie mehr verlassen wollte. Endlich!

„Primavera“ empfängt mich. Die Luft ist warm und weich, wie ein sanftes Versprechen. Der viel besungene Frühling, ist die beste Zeit, um die größte Insel Italiens zu genießen. Überall duftet es nach herben Kräutern, die sich mit dem sanften Blütenduft des Flieders vermischen. Aus den Boxen des Taxis schallen italienische Liebeslieder. Intensiv, voller „Amore“ und „Baci“ … Italien ist der ideale Ort zum Schwelgen. Wer immer als weibliches Wesen sein angeschlagenes Selbstbewusstsein wieder aufpeppen möchte, dem empfehle ich dringend die Flucht in den Süden. Das „Ciao Bella“ klingt süß im Ohr, der Duft von Rosmarin, Thymian und Oregano weckt alle Sinne, die leichte Brise, die vom Meer hinüber weht, küsst die Seele.

Diesmal brauche ich kein “Remmidemmi”

Diesmal schlafe ich nicht im Auto. Die Zeiten ändern sich, ich bin anspruchsvoller geworden und habe nichts gegen ein wenig Luxus. Ich brauche kein „Remmidemmi“, sondern viel Natur und einfach Ruhe. Also Taormina, den traumhaften, aber quirligen Urlaubsort meiden und auf in den tiefsten Süden, in die Region Ragusa. Die Südspitze der Insel ist ursprünglich und vom Tourismus weitestgehend verschont. Hierher reisen Menschen, die tief in die kulturelle Vergangenheit des Eilands eintauchen wollen. Maurische, griechische, römische und normannische Einflüsse treffen aufeinander, ein Schmelztiegel der Kulturen und UNESCO-Welterbe-Städte, wie Modica, Ragusa und Scigli, liegen dicht beieinander. >> Weiter auf Seite 2

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„Donnafugata“ oder die „Geflohene Frau”

Das 5-Sterne Hotel „Donnafugata Golfresort & SPA“ erscheint mir der rechte Platz für meine Inselflucht zu sein. Wobei mich bei der Buchung ehrlich gesagt eher das Wörtchen „SPA“ angesprochen hat, denn meine wenigen Schnuppergolfversuche endeten bis dato damit, dass ich das „green“ umpflügte und man mir charmant, aber bestimmt, von weiteren Stunden abriet. Ironie des Schicksals, nun lande ausgerechnet ich in einem Hotel, das jedes Golferherz höher schlagen lässt.

Das „Donnafugata“ übrigens treffenderweise mit „Geflohene Frau“ zu übersetzen, ist auch ohne Schläger der perfekte Ort für entspannte Tage. Umgeben von zwei 18-Loch-Golfplätzen (designt von Gary Player und Franco Piras), die sich völlig natürlich in die hügelige Landschaft einfügen, liegt das traumhafte, ehemalige Herrengut einsam und ruhig, inmitten einer malerischen Landschaft. 202 Zimmer verteilen sich auf mehrere einstöckige Gebäude. Das Refugium strahlt mediterrane Leichtigkeit und Großzügigkeit aus. viel Platz zum Sein. Von meinem Balkon kann ich, hinter knorrigen Johannisbeerbäumen, den Golfern beim Abschlag zuschauen. Zum Glück bin ich außer Schussweite.

Zunächst flüchte ich, wie es sich für eine echte „Donna“ gehört, ins SPA. Werde von der kleinen drallen Rosalla geknetet, gedrückt und eingeölt. Entschwinde mental in andere Sphären. Tiefenentspannt wandle ich ins „Clubhouse 19th hole“. Wie zu Erwarten, treffe ich dort hauptsächlich auf Golfer, die hier nach der ersten Platzrunde ihr Lunch-Büffet genießen. Lässig-sportliches Flair. Die Sonne brennt auf meiner Haut, für April ist es, mit 26 Grad selbst für Sizilien ungewöhnlich warm. Ich ordere im gebrochenen Italienisch einen Rossini, Prosecco mit frischem Blutorangensaft, der meine Lebensgeister beschwingt und labe mich am Büffet an den Köstlichkeiten. „Arancini“, kleine gefüllte Reisbällchen, mit Spinat und Ricotta, paniert und in heißem Öl gegart, „Parmigiana di Melanzane“, Auberginenauflauf zum Niederknien landen auf meinem Teller. Als Nachtisch passen die „Fiocci di Neve“ perfekt zum Cappuccino.

Vorsicht, die Schneeflöckchen machen süchtig!

Die luftigen Schneeflöckchen, sind ein Gebäck aus frischen Mandeln, bestäubt mit Puderzucker. Aber Vorsicht, die machen süchtig! Die sizilianische Küche ist eine der vielseitigsten und ältesten Regionalküchen des Landes, „Kilometro 0“ ist hier die Norm, alles, was auf den Teller kommt, ist wahrscheinlich gerade beim Bauern nebenan gepflückt worden, das Lamm hat eben noch sein letztes „Mäh“ von sich gegeben, ehe es hübsch drapiert und in Rosmarin eingebettet auf dem Teller landet und der Fisch hat eben noch gezappelt.

Aber wo haben sie den eigentlich heraus geholt? Ich bin auf einer Insel und sehe kein Meer. Es ist „in viscino“, in Sichtweite, erklärt mir der Concierge und hält auch gleich ein „Bici“, ein nostalgisch anmutendes Fahrrad für mich bereit. 8 km sind nichts, denke ich, bis ich den ersten Hügel erklimme. Das ist Schwerstarbeit, denn mein Fahrrad hat leider keine Gangschaltung. Voller Vorfreude auf ein kleines Bad im Mittelmeer, trete ich in die Pedale. Mir kommen auf der schmalen Landstraße kaum Autos entgegen. Die Insel, ein einziges Blütenmeer, „50 shades of green and yellow“, mit immergrünen Stein- und Korkeichenwäldern, Klatschmohn und Ginster, wie gemalt. Die Grillen zirpen, ich passiere duftende Orangenhaine und Weinreben. >> Weiter auf Seite 3

[nextpage title=”Die ‘geflohene Frau’ will am Ende nicht von der Insel rollen”]

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Ein Morgen voller mediterraner Leichtigkeit

Der süffige „Nero d’Avola“, der dunkle Rote kommt von hier, aber auch der leicht-moussierende Sommerwein „Frappato“, perfekt für einen sommerlich anmutenden Tag wie diesen. Irgendwann erreiche ich dann das Örtchen Scoglitti. Die kleine Bar am Hafen eignet sich bestens, um das mediterrane Leben an einem Samstagvormittag zu beobachten. Während ich in „Pistacchio“ und „Cioccolato con Peperoncino“- Eis schwelge, schaue ich den Kindern zu, die mit bunten Luftballons über den Platz laufen, sehe die alten Männer auf der Hafenmauer, die ins Kartenspiel vertieft sind und muss über die Teenager, schmunzeln, die sich gegenseitig in schönsten Macho-Posen mit ihren Smartphones ablichten. Ein Morgen voller mediterraner Leichtigkeit.

Gleich neben dem kleinen Yachthafen liegt ein Sandstrand. Vorsichtig tappe ich mit meinen Füßen ins glasklare Wasser, aber irgendwie ist mir das selbst als Nordlicht noch zu frisch. Auf dem Rückweg hupen und winken die LKW-Fahrer, ein paar Mal überlege ich, ob ich mir nicht einfach einen Lift zurück geben lasse, aber dann denke ich an die vielen „Cannolo“, Ricotta-Röllchen, die so sündhaft lecker sind, dass ich ihnen nie widerstehen kann und strampele tapfer weiter. Schließlich will die geflohene Frau nicht am Ende des Kurzurlaubs von der Insel rollen.

Drei Städte in zwei Tagen, das muss mir erstmal Jemand nachmachen. Und was für Märchenorte! Ich verfalle in einen regelrechten Kulturtaumel. Das „Donnafugata“ ist ein idealer Ausgangspunkt für Touren in die nähere Umgebung. Da das öffentliche Verkehrssystem am Inselzipfel eher unerschlossen ist, nehme ich mir einen Leihwagen. Mit dem Fiat 500 nehme ich rasant die Kurven und laufe zudem nicht Gefahr, in den engen Altstadtgassen an barocken Häuserwänden hängen zu bleiben. Meine erste Tour führt mich nach Scicli. Kleine Jungs spielen auf dem Vorplatz der barocken San Bartolomeo-Kirche Fußball, in ehemaligen Höhlen haben Handwerker und Galerien ihr Quartier bezogen und posieren für Touristen und ansonsten ist das zauberhafte Kleinod herrlich unaufgeregt und sehr romantisch. Ein Ort, um einfach von Cafe zu Cafe zu spazieren und herauszufinden, an welchem Platz es den besten Cappuccino gibt. Natürlich darf man den eigentlich nur morgens trinken, weil die Einheimischen sagen, dass er durch den Milchschaum eine ganze Mahlzeit ersetzt, aber ich bin ja keine Italienerin. Mein Favorit ist übrigens die „Pasticceria Basile“, aber das nur am Rande.

Modica ist für mich als Chocaholic ein „must“, denn die UNESCO-Welterbe-Stadt ist bekannt für ihre Schokolade. Die zweitgrößte Stadt der Provinz Ragusa wurde 1697 durch ein Erdbeben fast völlig zerstört und danach im spätbarocken Stil wieder neu errichtet. Welch’ perfekte Kulisse. Bella Italia, wie aus den schwarz-weiß Filmen der 50-er Jahre. Es würde mich nicht wundern, wenn gleich Sophia Loren auf einer Vespa um die Ecke biegt. Herrlich nostalgisches Flair, überall kleine Kirchen, Türmchen, Plätze, es wirkt wie ein lebendiges Freilichtmuseum und ich bin mittendrin. Ich teste mich durch die Familiengeführten Manufakturen, die dicht aneinander im kleinen Stadtzentrum liegen. In die „L’Antica Dolceria Bonajuto“, möchte ich mich am liebsten einschließen lassen. Rund 30 verschiedene Sorten werden in dem kleinen Eckladen seit 1880 hergestellt. Eine Sünde wert: „Canela“, mit Zimtgeschmack und „Xocoatl“, mit rotem Chilipfeffer, mit krustigen Schokoladenkrumen, nach alter Azteken-Rezeptur. Die landen dann auch gleich in meiner Tasche. Wegzehrung für meine letzte Etappe. >> Weiter auf Seite 4

[nextpage title=”Marina di Ragusa erinnert mich an meine Kindheit”]

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Ein botanischer Garten voller Liebespaare

Die Hauptstadt der Provinz, Ragusa ist so schön, dass ich vor meiner Rückreise von Catania gen Heimat, gleich eine Nacht dortbleibe. Ich buche mir ein charmantes B&B, mit eigener Terrasse über den Dächern der Stadt. In die historische Altstadt, sind es über viele Treppchen und durch kleine Gassen nur 20 Minuten zu Fuß. Eine fast unwirklich schöne Szenerie. Ragusa Ibla strahlt im schönsten Sonnenlicht. Am späten Nachmittag putzt sich jung und alt heraus. Der botanische Garten ist voller Liebespaare.

Es ist die Stunde des „Aperitivo“, die in den Bars den Abend einläutet. Ein Campari, ein paar leckere Snacks und dann weiterziehen, zum Beispiel in die Eisdiele „Gelati del Vini“, um hausgemachte Eiscreme mit Marsala-Wein oder Oliveneis zu kosten. Oder um im „4 Gatti“ im lauschigen Innenhof, einem italienischen Sänger zu verfallen, dessen melancholische Melodien sich in mein Herz brennen. Weinselig den Weg zurück anzutreten, im Taumel des Glücksgefühls, fast betäubt vom Duft des Oleanders.

Den letzten Tag verbringe ich am Meer. Das Seebad Marina di Ragusa ist in 30 Minuten erreicht. Die Luft ist salzig, die Möwen kreischen. Es ist ein herrlich altmodisches Seebad, das mich an das Italien meiner Kindheit erinnert. Ich setze mich an den Strand und fröne dem „dolce far niente“, dem süßen Nichtstun. Eine sanfte Wehmut beschleicht mich. Che nostalgia. Vielleicht sollte ich diesmal einfach bleiben…

Hinweis: Wir danken dem Donnafugata Golfresort & SPA für die freundliche Unterstützung der Reise. 

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In the Mix – Malaysia

Einsame Inseln und glamouröse Städte… Das asiatische Land mit spannender Ethno-Vielfalt, bietet die perfekte Mischung für Reisende, die Abwechslung suchen. Breitengrad53-Autorin Tina Engler hat die schönsten Plätze des asiatischen Multi-Kulti-Staates…

Einsame Inseln und glamouröse Städte… Das asiatische Land mit spannender Ethno-Vielfalt, bietet die perfekte Mischung für Reisende, die Abwechslung suchen. Breitengrad53-Autorin Tina Engler hat die schönsten Plätze des asiatischen Multi-Kulti-Staates erkundet.

Schrille indische Klänge in tropisch-schwüler Hitze, die mir fast den Atem nimmt. Es ist fast Mitternacht, doch das Thermometer zeigt immer noch 30 Grad. Trompeten mischen sich mit lauten Trommeln. Ganz Malakka scheint auf den Beinen zu sein, die Stadt vibriert und erstrahlt im hellsten Lichterglanz. Aufwendig geschminkte Inderinnen in farbenfrohen Saris, tanzen im Schein des Feuerwerkes. Bunte Raketen erleuchten den Fluss. Über mir regnet es glitzerndes Konfetti. Ich werde zum Teil einer Kulisse, die jedem kitschigen Filmset locker die Schau stehlen würde. Die überschäumende Freude der Tanzenden springt auf mich über. Ich kann mich nicht entziehen.

Bollywood lässt grüßen

Ich erlebe eine gigantische Show zu Ehren der indischen Gottheiten. Gern lasse ich mich in diese fremde, exotische Welt entführen. Mehr Bollywood geht nicht! Deepawali (oder auch Diwali), ist so eine Art hinduistisches Weihnachten, das mit einer großen mythologischen Bedeutung behaftet ist. Das Gute siegt über das Böse, das Licht über die Dunkelheit. Ein schöner Gedanke, gerade in unserer heutigen Zeit. Das größte indische Fest wird nirgends in Malaysia so groß und pompös gefeiert, wie an der Südwestküste des Landes. Die kleine Hafenstadt verströmt das charmante Flair längst vergangener Zeiten. Ein Hauch Indochine weht durch die engen, mit Kopfstein bepflasterten Gassen. Es fällt leicht sich vorzustellen, wie es damals war, als Malakka noch als florierende Handelsstadt galt. Ein Ort, wie aus dem Bilderbuch, gelegen an einer der wichtigsten Handelsrouten zwischen China, Indien und dem Mittleren Osten und vor Jahrhunderten der größte Hafen der ganzen Region.

Malakka River

Der Name Malakka bezeichnet auch die Meerenge, den gleichnamigen Fluss und einen Berg.

Zeitmaschine

Der Atem der Geschichte weht noch heute wie eine frische Brise vom Meer. Ein Platz, an dem sich einst die Wege von Seide und Gewürzen kreuzten und viele Schriftsteller auf Inspiration hofften, indem sie einfach nur in das atmosphärische Treiben eintauchten. Chinesische und hinduistische Tempel säumen die engen Gassen. Hinter Jahrhundertealten Gemäuern sind chice Bed & Breakfasts entstanden, Cafes, Galerien und Boutiquen. Das ist der touristische Teil, der viele Besucher aus aller Welt herzieht. In anderen Gassen, nur ein paar Meter weiter, wird noch echtes Handwerk geboten und vom Gefühl her, reise ich wie in einer Zeitmaschine um Epochen zurück, während ich den bunten Alltag der Stadt auf mich wirken lasse. Über den Dächern erschallt der Ruf des Muezzins. Der ehemalige Piratenstützpunkt ist eine islamisch geprägte Stadt mit Raum für alle großen Religionen Asiens. In friedlicher Eintracht leben sie auf kleinem Raum miteinander.

Der Name Malakka bezeichnet auch die Meerenge, den gleichnamigen Fluss und einen Berg. Im frühen 15. Jahrhundert blühte der Handel mit Seide, Gewürzen und Keramik. Zur damaligen Zeit erstreckte sich Malakka von der Ostküste Sumatras bis zur Ostküste der Malaiischen Halbinsel. In den folgenden Jahrhunderten stritten sich dann Portugiesen, Holländer und Franzosen um die Stadt, die geografisch ausgesprochen günstig liegt.

Mit der Zeit entwickelte sich das benachbarte Singapur immer mehr zum Handelsmittelpunkt und stellte Malakka schon bald in den Schatten. Doch der Dornröschenschlaf, in den der Ort dann versank, währte nur kurz. Ab dem 19. Jahrhundert wurde das vom Opiumqualm verhangene Provinzstädtchen, getrieben durch den Ehrgeiz der Babas (an der Meerenge von Malakka geborene Chinesen) zum größten Kautschukproduzenten der Welt, was der Stadt erneut immensen Reichtum verschaffte.

Nachts zieht eine phantasievolle Fahrrad-Rickschaflotte durch die Straßen. Alles blinkt, Hello Kitty und Winnetou geben sich als wilde Dekorationen auf den Gefährten ein fröhlich-lautes Stelldichein, Musik wummert aus den kleinen Lautsprechern. Von der verschlafenen Verträumtheit des Tages keine Spur mehr, jetzt zeigt sich Malakka als lebenslustiger Touristenmagnet, von dem jedes Jahr Hunderttausende von Besuchern aus aller Welt angezogen werden.

Bright light – big city

Nur vier Autostunden von Malakka entfernt, liegt die Hauptstadt des Landes, Kuala Lumpur. Die 1,6 Millionen Einwohner zählende Stadt, gilt unter Trendsettern als eine der hippsten Destinationen in Asien und fasziniert mich auf Anhieb. Alt und neu, Moderne und Tradition, malaiische, chinesische und indische Kultur liegen dicht beieinander. Unübersehbar zeigt sich der kulturelle Dreiklang in den engen Gassen rund um den Central Market. Das grüne Gebäude aus den Zwanziger Jahren verströmt noch heute orientalische Sinnlichkeit. Überall duftet es verführerisch. Knallrote Tandoori-Chicken schauen, von den Haken baumelnd auf mich herab, während ich mein „Teppan Mee“, Nudeln mit Gemüse für einen Euro verzehre und frischen Mangosaft schlürfe.

Kuala Lumpur

Kuala Lumpur bei Nacht. (Foto: Hasselkuss PR)

Die besten Mitbringsel erstehe ich auf dem Nachtmarkt in Chinatown, rund um die Petaling Street. Schon von Weitem leuchten mir die roten Neonschriftzeichen entgegen. Auf dem Markt ist Feilschen ein „must“ und ganz einfach, denn die Amtssprache ist Englisch. Es gelingt mir eine grüne Ledertasche für umgerechnet zehn Euro zu kaufen, ein echtes Schnäppchen! Auch hier in Chinatown ist bunter Multi-Kulti Mix zu finden. Der Duft von Hibiskus weht durch die Straßen. Indische Frauen beten vor den vielarmigen Götterfresken des Sri Maha Mariamman Tempels. Neblige Räucherstäbchenschwaden ziehen aus dem chinesischen Guandi Tempel herüber und verschleierte Teenager hantieren mit ihren Smartphones vor Mc Donalds.

Nightfever in KL

Zur Einstimmung auf die Nacht schlürfe ich einen leckeren „Mai Tai“ in der Bar im 21.Stock des Traders Hotels, genau gegenüber der 485 Meter hohen Zwillingstürme, den „Petronas Towers“. Sie werden mit Tausenden von Watt angestrahlt und leuchten silbern in der Dunkelheit. Es fällt mir schwer, mich von diesem Blick auf die Stadt zu lösen, doch schließlich möchte ich noch das Nachtleben erkunden. Mit dem Taxi fahre ich in den angesagtesten Club der Stadt, dem „Zouk KL“. Hunderte von edel gestylten Partygängern haben sich vor dem Eingang gruppiert, um Einlass zu finden. Heute Nacht legt Resident– DJ Shazz auf. Seinem grooviger Mix aus House, Soul und  Electronic, kann auch ich mich nicht entziehen und finde erst bei Morgengrauen zurück zum Hotel. Nur einige Stunden später muss ich schlaftrunken wieder raus aus den Federn, denn schon am Vortag habe ich mir ein Ticket für die „Petronas Towers“ besorgt.

Mutprobe in schwindelnder Höhe

Mit dem Fahrstuhl fahre ich in den 83. Stock und wandle über die gläserne Brücke zwischen den Zwillingstürmen. 304 Meter Vollverglasung sind nichts für schwache Nerven. Es ist verdammt hoch und mir wird schon etwas flau im Magen, aber die Aussicht belohnt mich. Spektakulär! Im Anschluss bummele ich durch die riesige Mall „KLCC“, die zu Füßen der Türme liegt. Hier sind alle Labels angesiedelt. Da viele internationale Marken in Malaysia produzieren lassen, sind die Preise für unsere Verhältnisse günstig. Nachmittags erkunde ich den historischen Stadtkern. Rund um den Merdeka Square ist die britische Vergangenheit der Stadt spürbar und viele koloniale Prachtbauten reihen sich aneinander. Nur ein paar Straßen weiter und ich befinde mich in „Little India“, gleich daran schließt sich „Little Arab“, Klein Arabien an. Wo sonst kann man binnen eines Tages eine Weltreise machen?

Malaysia: Teepflücker bei der Arbeit

Teepflücker bei der Arbeit. (Foto: Dr. Bernd Kregel)

High Tea in den Bergen

Nach soviel Stadtluft steht mir der Sinn nach purer Natur und Entspannung. Die finde ich, gerade mal drei Stunden von KL entfernt, in den Cameron Highlands. Das große Teeanbaugebiet ist eine grüne Oase für Stadtneurotiker. Kleine Dörfer, in denen die Zeit still steht, inmitten eines gigantischen Urwalds. Nur an einigen Stellen hat der Bauboom der vergangenen Jahre deutliche Spuren hinterlassen und stört die Idylle. Ansonsten fühle ich mich, als wäre ich in einem riesigen Naturpark. Bunte Schmetterlinge kitzeln meine Nase und kleine Cafes am Wegesrand, im typisch britischen Kolonialstil, verströmen englisches Flair, fernab der europäischen Heimat. Mein Guide ist ein echtes Naturkind. Er ist hier aufgewachsen und steht der Modernisierung des Gebietes ausgesprochen kritisch gegenüber. Kein Wunder, denn er kennt diese Welt noch aus seinen Kindertagen, als es nichts gab, außer wilden Wasserfällen, Waldpfaden, Orchideen und Tieren, die versteckt im Dschungel lebten. Vom Cafe der „Boh Teaplantation“ , schaue ich auf ein Meer aus sanften, plüschigen Hügel. Der Tee wuchert in allen Grünschattierungen und schmeckt köstlich. Hier wird noch der klassisch britische High Tea zelebriert. Die Scones mit Clodded Cream sind ein Gedicht. Der Platz eine Wohltat für alle Sinne.

Cameron Highland 2

Cameron Highland 2

Leg dich nicht mit Affen an!

Die Halbinsel Penang ist die nächste Station meiner Reise. Purer Dschungel, lange Sandstrände und mittendrin die quirlige Kleinstadt Georgetown. Im kolonialen Stadtkern des Insel-Hauptortes, haben in den ehemaligen chinesischen Handelshäusern Boutiquehotels, Galerien und Restaurants eröffnet. Die Atmosphäre ist entspannt. Ich nehme mir für umgerechnet 2 Euro eine Fahrradrikscha und lasse mich durch die engen Gassen kutschieren. Der Hauch längst vergangener Zeiten ist auf jedem Meter zu spüren. Garküchen, „Hawker Stalls“ verbreiten köstlichen Duft. Eine Wahrsagerin liest mir die Hand und sagt mir viele Reisen und spannende Begegnungen voraus. Sie trifft voll ins Schwarze, denn Letztere habe ich dann gleich danach ein paar Kilometer von Georgetown entfernt, im Botanischen Garten. In dem großangelegten Park springen zahlreiche Affen durch die Bäume und schäkern mit den Besuchern. Als ich mich einer Brücke nähere, gruppiert sich eine Affenfamile so davor, dass ich diese nicht passieren kann. Ich nähere mich vorsichtig und sie fletschen ihre Zähne. Wenn einen plötzlich 20 Affen ihr Gebiss zeigen, macht das ganz schön Eindruck. Voller Respekt ziehe ich mich zurück und die Affen lachen sich kaputt. Sie wollten mich einfach nur ärgern. Danke dafür!

Beachlife Penang

Beachlife Penang

Ein kurzer Abstecher auf die „Tropical Fruit Farm“ macht mich als Vegetarierin schlichtweg glücklich. Auf dem riesigen Areal unweit des Hauptbadeortes Batu Feringghi, werden rund 130 verschiedene Früchte und Gemüsearten angebaut. Nach dem kleinen Rundgang über die Farm teste ich mich bei einem gigantischen Früchtebüffet durch die verschiedensten Aromen. Drachenfrüchte, Ananas, Mango und selbst Durian, die berühmt-berüchtigte Stinkfrucht, schmecken so lecker und intensiv, dass es mir in Zukunft schwer fallen wird, in europäischen Gefilden exotische Früchte zu genießen. Hier werden sie direkt von Sträuchern und Bäumen geerntet. Was für ein Unterschied. Maracuja, „Passionfruit“ ist mein persönliches Highlight, absolutes Suchtpotential – so köstlich!

Vom Penang Hill, auf den mich eine altersschwache Cablecar durch dichten Urwald bringt, genieße ich aus luftigen 783 Metern Höhe, die Aussicht auf das grüne Eiland.

Nach drei Tagen Sightseeing auf Penang, bin ich reif für die nächste Insel und fliege nach Langkawi. Der rund 100 Kalksteininseln zählende Archipel ist, aufgrund seiner ursprünglichen Natur, von der UNESCO zum Welt-Geopark erklärt worden und ein Wander- und Unterwasserparadies.

Insel der Traumstrände- Langkawi

langkawi

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Weltweit berühmt geworden, ist Langkawi jedoch wegen ihrer vielen Traumstrände. Im Norden, am einsamen Strand von Tanjung Rhu, einem der, laut Lonely Planet, zehn schönsten Strände der Welt, beziehe ich mein Quartier. Ursprünglich hatte ich vor, die Insel zu erkunden, doch dieser Ort entspricht dem perfekten Tropenparadies und lädt zum süßen Nichtstun ein. Herrlich entspannt verbringe ich die letzten Tage zwischen Hängematte und Liegestuhl- oder lasse mich von einem der Taxiboote für ein paar Euro zu einem der anderen Bilderbuch-Strände fahren. Sightseeing auf Langkawi verschiebe ich auf meinen nächsten Besuch. Es stehen eine Menge unerledigter Punkte auf meiner Liste. Macht nichts, schließlich hat mir die weise Frau in Georgetown viele Reisen prophezeit. Ich komme sicher schnell wieder.

[toggle title=”Infos”]www.tourismmalaysia.com[/toggle]

[toggle title=”Veranstalter”]Der private Reiseveranstalter Tischler Reisen, bietet maßgeschneiderte Individualreisen und interessante Gruppenreisen an, so z.B. die 7-tägige Rundreise „Malaysia deluxe“ www.tischler-reisen.de[/toggle]

[toggle title=”Shopping”]KL ist ein Eldorado für Shoppingsüchtige. Trendy Boutiquen und moderne Einkaufszentren konzentrieren sich an der Jalan Tuanku Abdul Rahman, der Jalan Masijd India und im „Golden Triangle“ an der Jalan Bukit Bintang, Jalan Sultan Ismail und Jalan Ampang. Im „Fahrenheit 88“, einer supermodernen Mall, unbedingt das „Factory Outlet“ aufsuchen. Diesel, Mango, Hilfiger etc. zu Tiefstpreisen. Asiatische Designer-Boutiquen mit der neuesten Mode findet man im „Pavillon“, an der Bukit Bintang. Chinatown ist perfekt für Schnäppchenjäger. An der Jalan Petaling und Jalan Hang Lekir ist jeden Abend Kleider- und Warenmarkt (17-22 Uhr). Im malaiischen Stadtteil Kampung Bahru ist der Straßenmarkt Pasar Minggu ein Erlebnis (Sa 18-23 Uhr, Sonntags 6-13 Uhr | Jalan Raja Muda). Die Jalan Kia Peng ist eine hippe Wohngegend mit vielen Galerien, Boutiquen, Restaurants und Nachtclubs. Georgetown auf Penang lockt mit vielen kleinen Boutiquen. Exotische Secondhand-Mode findet man in der Lebuh Chulia und Lebuh Bishop, das chicste Einkaufszentrum ist das Guernsey Plaza.[/toggle]

[toggle title=”Food”]In den kleinen Garküchen an den Straßen in Kuala Lumpur und Penang werden die leckersten Gerichte gebraten. Für ein bis zwei Euro bekommt man eine komplette Mahlzeit. Unbedingt probieren: Yam Put, leckere Blätterteigpasteten mit Huhn, Gemüse oder Fisch, Oyster Omelette, Omelette mit frischen Austern und das Erbe britischer Vergangenheit, den Carrot Cake, leckerer Karottenkuchen. Eine günstige Alternative zu den Restaurants sind auch die Foodcourts in den Einkaufszentren. Im KLCC und im Pavillon ist die Auswahl riesig und von Indisch, bis hin zu Sushi oder Pizza ist für Jeden was dabei. Auf Penang ist der Guernsey Drive am Abend die beste Adresse für leckere Garküchen- und so ganz nebenbei bekommt man viel vom lokalen Leben mit.[/toggle]

Hinweis: Die Reise erfolgte mit freundlicher Unterstützung von Tourism Malaysia und Turkish Airlines 

Fotos: Tina Engler, Hasselkuss PR, Dr. Bernd Kregel

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Zwischen geballter Lebenslust und sanfter Melancholie

Das klangvolle, portugiesische Wort „Saudade“, steht für Melancholie und tiefste Sehnsucht und prägt das Lebensgefühl der Lissabonner genauso, wie ihre nahezu unbändige Sucht nach Leben! Tina’s letzter Teil über ihren…

Das klangvolle, portugiesische Wort „Saudade“, steht für Melancholie und tiefste Sehnsucht und prägt das Lebensgefühl der Lissabonner genauso, wie ihre nahezu unbändige Sucht nach Leben! Tina’s letzter Teil über ihren Besuch in Lissabon.

Der Abend beginnt in den Gassen des Bairro Alto und sehr spät in der Nacht oder am frühen Morgen werden die ehemaligen Docks unter der Tejo-Brücke oder am Bahnhof Santa Apolónia. angesteuert. Tagsüber sind sie triste Ansammlungen von Lagerschuppen am Kai, doch in der Dunkelheit verwandelt sich das Viertel zum “Place to be” für das chice Szenevolk.

Wer will, kann dort auch nach Mitternacht zum Friseur gehen, Kunstgalerien besuchen und natürlich tanzen, bis der Morgennebel den Fluss in ein surreales Licht taucht. US-Schauspieler John Malkovich ist Betreiber eines der schönsten Etablissements, dem “Bica do Sapato” Stilecht im 60er-Jahre-Design beim Hollywoodstar essen und sich stärken für den anschließenden Besuch im Club “LuxFragil”, einer Intuition für Nachtschwärmer seit Jahren, so könnte der perfekte Abend aussehen.

Strassenverkaeufer Lissabon

Nur nicht zu lange in den Federn bleiben, auch wenn meine kleine Altbauwohnung so heimelig ist, dass ich sie am liebsten gar nicht verlassen möchte. Doch es gibt so vieles zu entdecken. Spannend und berauschend ist der Mix der Stadt, denn Lissabon ist kosmopolitisch. Menschen unterschiedlichster Kulturen leben wie in einem bunten Schmelztiegel, friedlich miteinander, Egal ob in der Mode, in der Musikszene, bei Design, Kunst, Theater, Küche oder im Nachtleben, hier herrscht ein afrikanisch-lateinamerikanischer Stilmix, der 24 Stunden lang vibriert- und das überall. Lissabons Altstadt ist bequem zu erlaufen, doch gemütlicher und mit leicht nostalgischem Flair gewürzt, ist eine Fahrt mit der historischen Straßenbahn, Linie 28, die am Prachtplatz “Rossio” startet und auch nach über 100 Jahren Betrieb noch die steilsten Steigungen meistert.

Lissabon ist eine romantische Stadt

Mit ratternden Sound schraubt sich die hölzerne Tram immer weiter nach oben und gewährt stets neue Aussichten und Einblicke, in das alltägliche Leben. Je weiter sich die Bahn ins Graça-Viertel hocharbeitet, desto abenteuerlicher wird es. Die Straßen werden immer enger, es wäre ein Leichtes, durch das heruntergekurbelte Fenster nach den Auslagen zu greifen, die liebevoll aufgetürmt vor der Obstläden liegen.

Oben und unten bestimmten schon immer das Leben in der Stadt. Ende des 19. Jahrhunderts konstruierten findige Ingenieure drei Schrägaufzüge, um Ober- und Unterstadt miteinander zu verbinden und schufen mit dem Elevador de Santa Justa auch gleich das Wahrzeichen des modernen Zeitalters. Die 32 Meter hohe Stahlkonstruktion, unweit des Rossio, diente zur damaligen Zeit als Transportmittel. Heute ist der Aufzug eher ein beliebtes Fotomotiv der Touristen und beherbergt ein winziges Freiluft-Café auf der obersten Plattform, mit spektakulärem Ausblick auf die Stadt. Ganz besonders schön ist es bei Sonnenuntergang, wenn der Tejo in sanftes Rosa getaucht wird und die Liebespaare auf den klapprigen Stühlen Platz nehmen.

dorade in lissabon

Lissabon ist eine romantische Stadt, das ist auch am nächsten Morgen im Alfama-Viertel zu spüren, es liegt ein Hauch von Wehmut und Nostalgie in der Luft, der das Herz berührt. Käfige mit Kanarienvögel hängen vor den typischen Häusern, im maruelinischen Stil, mit farbigen Azulejo-Kacheln. Sehnsüchtige Fado-Weisen klingen aus weit geöffneten Fenstern, der dicke Fischhändler sortiert seine Ware in der Auslage. Der Blick bleibt an einem übergroßen Plakat hängen, “Alfama é fácil de amar” – Alfama ist leicht zu lieben. Das gilt für ganz Lissabon, die gefühlvollen Melodien des Fado und der Wunsch, ganz schnell wieder dorthin zurückzukehren, werden mich nie wieder loslassen. Und jetzt habe ich hier sogar ein richtiges Zuhause gefunden!

[toggle title=”Sightseeing-Tipps”]Castelo Sáo Jorge: Hoch über der Stadt thront die Burg. Der Blick über die Stadt und den Tejo wird Sie verzaubern und die Gärten laden zu romantischen Spaziergängen ein.
Torre de Belém: Das Wahrzeichen der Stadt liegt etwas außerhalb. In der frühen Abenddämmerung leuchtet der weiß schimmernde Turm am eindrucksvollsten. Belém.
Eléctrico Nr. 28: Die altersschwache, hölzerne Bahn, passiert auf ihrer regulären Strecke, alle wichtigen Sehenswürdigkeiten. ab Prazeres- oder Martin Moniz
Miradouro de Santa Luzia: Einer der besten Aussichtspunkte, mitten im alten Viertel Alfama. Am schönsten bei Sonnenaufgang! Tram 28 bis Santa Luzia
Stadtteil Alfama – ein undurchsichtiges Labyrinth aus Plätzen, Gassen und Treppen
Elevador de Santa Justa – der eiserne Aufzug verbindet Ober- und Unterstadt
Parque das Nacoes – Das futuristische Expogelände aus dem Jahre 1998 – ist heute ein Freizeitpark mit großer Shoppingmall und Aquarium – ein gelungener Kontrast zur Altstadt.
Fado-Museum – Klangvolll durch die Geschichte des Fado. Hier kann man wunderbar einen verregneten Nachmittag verbringen und den melancholischen Weisen lauschen.
Lisboa Story Center – Lissabons Geschichte für alle Sinne, zum riechen, hören, fühlen… interaktives Museum mit überraschenden Momenten. Terreiro do Paco 78 www.lisboastorycentre.pt[/toggle]

[toggle title=”Ausgehen”]O Faia – Edler Fadoclub mit traditionellem Fado und leckerem Menü – Rua da Barroca, 56 – Bairro Alto – www.ofaia.com

Maria da Mouraria – Wie ein Wohnzimmer wirkt das familiäre Fado-Restaurant. Hier singen viele junge Talente, kein Wunder, Inhaber xx ist vom Hauptberuf Musikproduzent. Largo da Severa, 2 – Mouraria www.mariadamouraria.pt
Lux-Frágil: Toller Flussblick von der Terrasse, wechselnde, internationale DJ’s, cooles, modisches Publikum und gut gemixte Drinks. Di.- So. 18-6 Uhr, Av. Infante D. Henrique, Armazém. www.luxfragil.com
Cafe Suave: Statt Kaffee, gibt es hier leckere Longdrinks, Bier und Wein. Das „Suave“ ist das ausgelagerte Wohnzimmer der hippen Lissabonner Musiker- und Literatenszene. http://www.lisbonlux.com/lisbon-bars/cafe-suave.html
Hot Clube de Portugal: Der schummerige Jazzclub ist eine Institution. In dem kleinen Kellergewölbe traten schon Jazzgrößen wie Pat Metheny auf. Di. und Mi. finden Jamsessions statt. Pr. Da Alagria 39/ Restauradores www.isa.utl.pt/HCP/ushome.html
Noobai Café – Bis Mitternacht kann man in dieser Outdoor-Lounge mit zwei Terrassen sitzen und den spektakulären Blick auf die rote Brücke Ponte 25 de Abril und die andere Tejo-Seite bewundern – bei DJ Musik und guten Drinks. Rua de Santa Catarina21 www.noobaicafe.com[/toggle]

[toggle title=”Genuss”]Mercado da Ribeira – Lissabons größter Wochenmarkt und Gourmet-Foodtempel in einem, mit Dependancen der besten Küchenchefs Lissabons. Cais do Sodre
Manteicaria Londrina – Leckere, portugiesische Spezialitäten, z.B. Portwein, Rohmilchkäse aus der Serra de Estrella u.a. für zuhause. Rua das Portas de Santo Antao 55/ Restauradores
Bica do Sapato: Das In-Restaurant, ist in einem ehemaligen Speicher direkt am Tejo untergebracht. Probieren Sie unbedingt die Ravioli mit Krebsfüllung, ein Genuss! . Avenida Infante Dom Henrique, Armazem 8, www.bicadosapato.com
Panadaria das Mercés: Die Bäckerei im Bairro Alto, ist bis auf Samstag, jede Nacht durchgehend geöffnet – und immer voll! Alles frisch, direkt aus dem Ofen. Unbedingt die „Pao com Chourico“ testen! Travessa das Mercés 12, Tel. +351/21 3463054
Royale Cafe: Bei frisch gepressten Säften und hausgemachten Scones lässt es sich perfekt in den Tag starten. Largo Raphael Bordallo Pinheiro 29
Estufa Real: Lunch im Gewächshaus, ein entspannter Spot für einen Sightseeing-Break, mitten im Botanischen Garten. Calcada do Galvao, Jardim Botanico da Ajuda www.estufareal.com
Bota Alta: Kunst, wohin das Auge blickt, dazu vorzügliche, rustikale Küche aus dem Alentejo. Das „Bota“ ist immer gut besucht und frühes Kommen (ab 19 Uhr) sichert die besten Plätze. Travessa de Queimada 37/ Baixa, Tel. +351/21 3427959[/toggle]

[toggle title=”Allgemeine Infos”]http://www.visitlisboa.com

http://www.golisbon.com[/toggle]

Die beiden Teile von Tina’s Reise durch Lissabon

Teil 1: Lissabon – Die Melodie der Lebenslust als Local entdecken
Teil 2: Zwischen geballter Lebenslust und sanfter Melancholie

Hinweis: Die Reise fand mit freundlicher Unterstützung von “Visit Lisboa” – www.visitlisboa.com, der portugiesischen Airline TAP Portugal www.flytap.com und der internationalen Apartmentvermittlung Only Apartments, www.only-apartments.de statt.

1 Kommentar zu Zwischen geballter Lebenslust und sanfter Melancholie

Lissabon – Die Melodie der Lebenslust als Local entdecken

Das klangvolle, portugiesische Wort „Saudade“, steht für Melancholie und tiefste Sehnsucht und prägt das Lebensgefühl der Lissabonner genauso, wie ihre nahezu unbändige Sucht nach Leben! Tina’s erster Teil über ihren…

Das klangvolle, portugiesische Wort „Saudade“, steht für Melancholie und tiefste Sehnsucht und prägt das Lebensgefühl der Lissabonner genauso, wie ihre nahezu unbändige Sucht nach Leben! Tina’s erster Teil über ihren Besuch in Lissabon.

Immer wieder zieht es mich in die portugiesische Metropole… che saudade… kaum bin ich weg, befällt mich so etwas wie ein leises Heimweh, den Wunsch zurückzukehren, einfach zu bleiben, dort zu leben, zumindest auf Zeit. Diesmal mache ich alles richtig und buche mir ein Apartment, mitten Im Amüsiervierteil Bairro Alto. Die Stadt, die mir so vertraut ist zu erleben, als würde ich wirklich dort leben, ist meine Devise für ein langes Wochenende. Mein kleiner französischer Balkon, geht auf die enge Gasse hinaus. Mehr Lissabon geht nicht! Die kuschelige Zweizimmerwohnung ist nur wenige Schritte vom Aussichtspunkt Miradouro de São Pedro de Alcântara und der “Funicular”, einer Jahrhunderte alten Bahn, die Ober- mit Unterstadt verbindet, entfernt. Im Haus gegenüber baumelt die Wäsche auf der Leine. Eine Katze hat sich malerisch im Fenster gegenüber drapiert.

Lissabon Praça do Comércio

Blick auf den Praça do Comércio. In der Mitte des Platzes steht die Reiterstatue von José I. (Foto: Greta Pasemann)

Damit ich mich auch gleich Zuhause fühle, erklärt mir der Besitzer Jorge, der bei meiner Ankunft schon auf mich wartet, allerhand Praktisches. Der nächste Supermarkt? Nur 250 Meter entfernt. Snacks “to go” soll ich mir im “Vitaminos” in der Rua Garrett der portugiesischen Fast Food-Variante, mit leckeren Salaten und frisch gepressten Säften besorgen- und die besten Natas, die sündigen Vanilleplunder-Teilchen in der berühmten “Cafeteria A Brasileira” im Chiado. Das edle Viertel grenzt direkt ans Bairro Alto an. Hier naschte schon der bekannte Schriftsteller Fernando Pessoa. Ein würdiger Ort für eine reisende Autorin, um sich Inspirationen für die nächsten Geschichten zu besorgen. Die werden hier automatisch geliefert, denn das legendäre Cafe im Art Deco-Stil, das schon im Jahre 1907 seine Pforten öffnete, ist “place to be” für halb Lissabon- und natürlich auch für die Touristen aus aller Welt.

Im Herbst ist Lissabon ideal für einen Kurztrip

Mit vielen weiteren Tipps ausgerüstet, mache ich mich auf, Neues zu entdecken und Altbekanntes wieder zu finden. Gerade im Herbst ist die Stadt am Tejo ideal für einen Kurztrip. Die Hitze des Sommers ist aus den dicken Mauern der Häuser gewichen, die Tage sind angenehm mediterran, die Abende sind von weicher, lauer Luft erfüllt und statt Pauschaltouristen, treffen Besucher allerorts auf herzliche Einheimische, die sich und das Leben feiern. Einige Anbieter fliegen inzwischen direkt ab München nach Lissabon.

Lissabon vereint Gegensätze auf faszinierende Weise: Mondäne Prachtbauten längst vergangener Zeiten, treffen auf futuristische Glaspaläste, Tradition und Moderne leben in trauter Eintracht miteinander und nirgendwo ist die Seefahrer-Geschichte so spürbar, wie in den Kopfsteingepflasterten Gassen am Hafen. Nostalgisches Flair weht durch die Stadt, doch hinter den alten Fassaden schlägt das moderne Herz der Lisboas. Die Stadt ist trendy, ohne Zweifel!

Standseilbahnen in Lissabon

Die Standseilbahnen in Lissabon (Ascensores de Lisboa) verbinden die tiefer gelegene Teile der Altstadt mit den höheren Teilen. (Foto: Greta Pasemann)

Die Altstadtviertel, wie meine neue Heimat, das Bairro Alto, der Chiado oder Alfama lassen sich wunderbar zu Fuß erkunden. Etwas Kondition braucht man dafür schon, denn es geht ständig hoch und runter, doch es lohnt sich, denn links und rechts, in den engen Altstadtgassen, verstecken sich tolle Boutiquen, coole Designshops, quirlige Bars und zahlreiche Restaurants, zum Teil so diskret, dass man sie erst auf dem zweiten Blick entdeckt.

Auf den sieben Stadthügeln, zwischen Ober- und Unterstadt, pulsiert das Leben. Gerade 500.000 Einwohner zählt das Zentrum Lissabons, mit Außenbezirken liegt die Bevölkerung allerdings bei rund 2,7 Millionen.

Der Zauber der Stadt erschließt sich über alle Sinne. Lissabon zu entdecken heißt sehen, riechen, fühlen, schmecken- und hören. Die Seele Lissabons liegt im Fado begründet, jene melancholisch-schönen Lieder die kleine Geschichten erzählen, vom Alltagsleben vor Ort. Von Liebe und Leid, Trauer und Glück. So traurig der Fado für unsere Ohren manchmal auch klingen mag, eigentlich, so erzählt eine der bekanntesten, modernen Fado Sängerinnen, Mafalda Arnauth, die sogar von der New York Times als spannendste Entdeckung des modernen Fado gefeiert wurde, ist dieser Gesang letztendlich nur pure Lebensfreude, die geballte Ladung Leben. Und diese Stadt ist voll davon. Momente, die berühren, festgehalten in Liedern, die die Seele öffnen. Besungen wird, was nahe liegt. Ob der Sonnenaufgang über dem Castelo São Jorge, der alten Festung, die erhaben über der Stadt thront, das Alfama-Viertel mit seinem engen Gassen-Gewirr, der Fluss Tejo, der unaufhaltsam dem atlantischen Ozean entgegen strömt… Die ganz spezielle Melodie Lissabons, vermischt sich dem Geschrei der Möwen und dem salzigen Geruch des Meeres.

“Bom dia” in Bairro Alto

Im Viertel Bairro Alto ein paar Muße-Stunden zu verbringen bedeutet, durch unterschiedlichste Epochen zu wandeln, vor einer Kulisse, die jedes opulente Filmset blass erscheinen lässt. Die Vormittage gehören der älteren Generation. Alles wirkt ein wenig verschlafen, entschleunigt. Im Zeitlupentempo bewegen sich die Anwohner durch ihre vertraute Umgebung, erledigen ihren Einkauf, verweilen auf einen Bico, fast beißenden Espresso in der Bar, plaudern mit ihren Nachbarn hängen Wäsche auf oder genießen einfach nur selbstzufrieden den Sonnenschein auf ihrem Balkon- und grüßen mit einem herzlichen “Bom dia”, all’ die, die vorbeischlendern.

Lissabon - Cafe

Trendige Boutiquen, Cafés, Buchläden, Friseure und Musikshops öffnen in Lissabon ihre Pforten – und das bis weit nach Mitternacht.

Am späten Nachmittag verändert sich die Szenerie. Mit knarrenden Geräuschen werden die dunklen Rolläden der Geschäfte hoch gezogen, hinter denen sich die Parallelwelt des Bairro Alto verbirgt: Trendige Boutiquen, Cafés, Buchläden, Friseure und Musikshops öffnen ihre Pforten – und das bis weit nach Mitternacht. Abends strömen die jüngeren Lissabonner in “mein” Viertel. Die Bars schließen nicht vor drei Uhr morgens. Handgemalte Schilder weisen den Weg zu Designer-Shops mit integrierter Disco und zu den derzeit angesagtesten Nachtclubs. Vieles, was eben noch einer privaten Wohnung aussah, entpuppt sich plötzlich als Mini-Cafe oder Private-Bar mit internationalen DJ’s..

Gleich um die Ecke liegt der perfekte Ort für Musikfans, der “Hot Clube”, der berühmteste Jazz-Club der Stadt und das “O Faia”, ein Fado-Restaurant, in dem die crème de la crème der Fado-Szene auftritt. Wohlfühlorte, von denen es in Lissabon unzählige gibt, herrlich unprätentiös und entspannt. Vielleicht ist es gerade diese Unaufgeregtheit, die “Lisboa” diese etwas entrückte, verzauberte Atmosphäre verleiht.

Die beiden Teile von Tina’s Reise durch Lissabon

Teil 1: Lissabon – Die Melodie der Lebenslust als Local entdecken
Teil 2: Zwischen geballter Lebenslust und sanfter Melancholie

Hinweis: Die Reise fand mit freundlicher Unterstützung von “Visit Lisboa” – www.visitlisboa.com, der portugiesischen Airline TAP Portugal www.flytap.com und der internationalen Apartmentvermittlung Only Apartments, www.only-apartments.de statt.

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Tina’s Nacht in Hamburgs Speicherstadt

Das neue 4-Sterne Hotel AMERON Speicherstadt Hamburg, ist das einzige Hotel in dem historischen Lagerhausviertel im Herzen Hamburgs. Reiseautorin Tina Engler blieb dort über Nacht und begab sich auf eine…

Das neue 4-Sterne Hotel AMERON Speicherstadt Hamburg, ist das einzige Hotel in dem historischen Lagerhausviertel im Herzen Hamburgs. Reiseautorin Tina Engler blieb dort über Nacht und begab sich auf eine Zeitreise zwischen 60-er Jahren und Moderne…

Als Kind hatte ich einen Traum: Ich wollte, als echte Hamburger Deern, unbedingt in der Speicherstadt wohnen, dort, wo es damals noch nach Kaffee und Tee roch, sich Brücken über die Elbarme spannten und ich das Gefühl hatte, um Jahrhunderte zurück versetzt zu sein, wenn ich durch die Kopfsteingepflasterten Straßen lief.

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Blick auf das Hotel AMERON Hotel Speicherstadt in Hamburg. (Foto: Ameron)

Dream on…

Manchmal muss man einfach nur ganz fest an seinen Traum glauben, dann wird er wahr. Es hat zugegeben ein paar Jahrzehnte gedauert, aber das Warten hat sich gelohnt. Ich gönne mir eine Nacht im einzigen und vor Kurzem eröffneten Hotel des denkmalgeschützten Viertels, dem „AMERON Hotel Speicherstadt“ und meine Kindheitserinnerungen werden wieder lebendig. Mehr Hamburg geht nicht. Mittendrin in der Jahrhundertealten Speicherstadt, vis a vis der neuen Hafencity. Ein sehr besonderes und ungewohntes Gefühl, zu Gast in der eigenen Stadt zu sein und für 24 Stunden Tourist zu spielen. Altbekanntes und Vertrautes wird plötzlich spannend. Neugierig öffnen sich alle meine Sinne.

Speicherstadt Hamburg

Immer wieder ein Besuch wert: Die Speicherstadt in Hamburg.

Nostalgische Moderne

Seit Anfang September hat das AMERON Hotel Speicherstadt seine Pforten für Besucher geöffnet und ist jetzt schon Sehnsuchtsort vieler internationaler Gäste. 192 Zimmer und Suiten stehen zur Verfügung. Wer eincheckt, wählt je nach Vorliebe den Blick auf die moderne Hafencity oder auf die historische Speicherstadt. Nostalgiefeeling auch in den Zimmern. Contemporary und zeitgenössisches Design treffen auf den Stil der 50-er/ 60-er Jahre. Parkettböden, viel Holz, Glas, Granit und warme Farben dominieren. Ein sehr stylishes und chices Ambiente, dabei aber so gemütlich, dass es mir schwer fällt, mein Zimmer im sechsten Stock überhaupt zu verlassen, um die nähere Umgebung zu erkunden. Der Standort ist ideal, Hamburg leicht zu Fuß zu erlaufen. Nur gute zehn Minuten sind es bis zur Außenalster und zur edlen Einkaufsmeile Jungfernstieg, 15 Minuten zu den Landungsbrücken, ebenso kurz ist der Fußmarsch zum Hamburger Hauptbahnhof und für weitere Strecken bieten sich die hauseigenen Fahrräder an.

Kindheitserinnerungen

Mein Zuhause auf Zeit, zeigt sich pur und wie es sich für die Hafenstadt gehört, ohne Chi Chi. Hanseatisches Understatement im ehemaligen Bürogebäude aus den 50-er Jahren, einem Denkmal geschütztem Haus, das in den letzten zwei Jahren Luxus saniert und zu einem edlen 4-Sterne-Hotel umfunktioniert wurde. Elegant und modern, mit viel Liebe zum Detail und von lässiger, unprätentiöser Atmosphäre geprägt. Die Mischung aus historischer Architektur und einem modernen, internationalen Design-Hotel ist für Hamburg neu. Ein echter Wohlfühlort und mein Eckzimmer, mit Blick auf Fleet, St. Katharinenkirche und den Fernsehturm, bietet mit rund 34 qm viel Platz zum sein. Das schwarze Wählscheibentelefon funktioniert zwar zeitgemäß auf Tastendruck, lässt mich aber gleich wieder in Kindheitserinnerungen schwelgen. So eines hatten wir nämlich auch mal, manuell versteht sich.

Die eher einem sehr großzügigen Wohnzimmer nachempfundene Lobby ist in dunklen, warmen Farben gehalten. Sitzkojen, Sessel, Wand und Lichtelemente sind klar und pur von der Formgebung. Anleihen an die alte Hansezeit, sind auf moderne Weise interpretiert. Eine kleine Library lädt zum Verweilen ein. Coffeetable-Books liegen bereit, maritime Fotobände, Kunstbände aus aller Welt. Ein besonderer Schwerpunkt im AMERON wird auf die Kunst gelegt. Überall im Haus, finden sich spannende Exponate aus dem Internationalen Maritimen Museum Hamburg, riesige Wandfotos und Gemälde, wechselnde Ausstellungen internationaler Künstler sind geplant. Laut Generalmanager Michael Lutz, soll das Kunstkonzept eine Geschichte erzählen, die auf den Ort und die Historie eingeht. Spielerisch interpretiert. Erlaubt ist, was gefällt.

Von der Bar im Erdgeschoss mit großzügigen Sitznischen auf Emporen und einer Außenterrasse, blicke ich beim Rumtasting (der Barkeeper ist spezialisiert auf Rum) über die Bauten und Kanäle der Speicherstadt. Hier spielte sich im vergangenen Jahrhundert der internationale Gewürz- und Kaffeehandel ab, die umliegenden Speicherhäuser, die mittlerweile zumeist als chice Büros oder Showrooms genutzt werden, verströmen noch den Hauch der alten Zeit.

Vitality Spa Ameron Hamburg

Spa mit Traumblick

Surreale Szenerie der Superlative

Früher bin ich oft hierher gepilgert, um Touristin zu spielen, damals war ich ungefähr zehn Jahre alt. „Bewaffnet“ mit Stadtplan, Kamera und Fernglas, habe ich jeden Winkel meiner Heimatstadt erkundet. Auf meinen Spuren der Vergangenheit ziehe ich los und entdecke dabei ganz viel Neues. Wohl kaum ein anderer Stadtteil der Hansestadt hat sich so sehr verändert, wie das riesige Hafengebiet. Rund 26 Hektar umfasst der gigantische Lagerhauskomplex und ist damit der weltgrößte seiner Art. Futuristische Neubauten entstehen allerorts. Vom 7. Stock des Hauses, in dem auch die Suiten untergebracht sind, schweift der Blick vom Wellnessbereich, mit Dachterrasse und Fitnessraum bis hin zur Elbphilharmonie. Vom Hafen tönen Schiffshupen dumpf zu mir herüber. Chice Geschäfte haben sich direkt gegenüber dem Hotel angesiedelt. Boutiquen und Galerien, wechseln sich mit Cafes und Restaurants ab. Weiter runter die Straße geht es im dämmernden Abendlicht an die Magellanterrassen. Ein Stimmen-Wirr-Warr aller Kontinente zieht sich über die lang gestreckte Elbuferpromenade. Noch jetzt im Herbst, sind alle Terrassencafes besetzt, in Wolldecken eingekuschelt warten Touristen aus aller Welt und ich, die Hamburgerin, die auf Touristin mimt, auf den Sonnenuntergang. Vom Farbspiel her eine fast surreale Szenerie, wie gemalt. In schönsten Rot- und Orangetönen wird die Elbe in sanftes Licht getaucht. Mein Heimathafen, den ich plötzlich wieder mit ganz anderen Augen betrachte. Ich verstehe die Begeisterung der Gäste um mich herum und bin selbst ganz beseelt in diesem Augenblick. Als Gast in der eigenen Stadt nehme ich Alltägliches plötzlich ganz anders wahr.

Eldorado für Freunde italienischer Küche

Die frische Brise, die vom Fluss herüber weht, macht Hunger. Natürlich beherbergt das AMERON Hotel Speicherstadt auch ein hauseigenes Restaurant, das über eine historische Eisenbrücke zu erreichen ist. Vorbei an der ehemaligen “Kaffeebörse”, in der früher eifrig gehandelt wurde und die jetzt als Börsensaal für Events mit bis zu 200 Gästen dient, führt mein Weg in das Restaurant „cantinetta ristorante & bar“. Untergebracht, ist es im einzigen Neubauelement des Hauses. Durch die Panoramafenster biete sich mir ein fantastischer Blick auf das Brooksfleet, während ich genüsslich mein Steinpilz-Risotto esse. Alle Speisen werden in der offenen Showküche vorbereitet, wer will, hat als Gast den Werdegang seiner Speisen klar im Blick. Ehrliche, italienische Küche, inspiriert von den Köchen der Althoff-Hotels, zu deren Hotelkollektion neben den AMERON Hotels, auch das legendäre Schloss Bensberg in der Nähe von Köln zählt. Auf der Speisekarte ist authentische Küche zu finden, der Schwerpunkt liegt auf leckerer Pasta, frischen Salaten und Focaccia-Spezialitäten, natürlich ergänzt mit Tagesgerichten, je nachdem, was der Markt gerade hergibt. Die Zutaten für die landestypischen Gerichte der „cucina casalinga“ werden ausschließlich aus der Region- oder direkt aus Italien bezogen. Schon jetzt hat sich das Ristorante zu einem beliebten Lunch-Treff für Hamburger entwickelt, denn es werden auch preisgünstige Mittagsgerichte angeboten, die bei den Angestellten umliegender Agenturen und Büros auf positives Feedback stoßen. Kein Wunder, denn das AMERON Hotel Speicherstadt ist eine der schönsten Adressen der Stadt und hat groß Chancen, auch bei den Locals zum „place to be“ zu avancieren. Um wieder zu kommen, brauche ich diesmal also nicht wieder Jahrzehnte warten!

Hinweis: Die Produktion erfolgte mit freundlicher Unterstützung der Althoff-Hotelgruppe und dem AMERON Speicherstadt Hamburg.

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Willkommen im Hotel der Diebe in Frankfurt – Die drei ???

Einer der Aufzüge ist ungewöhnlich groß“, bemerkt Justus Jonas, bestens  bekannt als eines der „drei ???“ mit seinem angeborenen, detektivischem Sachverstand, als er die Hotel-Lifts des „ Derlin“ Hotels in…

Einer der Aufzüge ist ungewöhnlich groß“, bemerkt Justus Jonas, bestens  bekannt als eines der „drei ???“ mit seinem angeborenen, detektivischem Sachverstand, als er die Hotel-Lifts des „ Derlin“ Hotels in LA etwas genauer unter die Lupe nimmt. Und natürlich hat der pummelige Genius und Chef des Detektivbüros mal wieder Recht – wie übrigens (fast) immer.  In dem überdimensional großen Aufzug sollten nämlich ursprünglich tatsächlich Särge transportiert werden können. Das und noch vieles mehr weiß Technikmeister Franzicek Krolop,  im Mitmach-Krimi „Hotel der Diebe“ , einem neuen Fall der legendären „Die drei ???“- Reihe, den jungen Schnüfflern zu berichten…

Das „Hotel der Diebe“ gibt es wirklich, Autor, Christoph Dittert, ließ sich beim Schreiben vom „Lindner Hotel & Residence Main Plaza“in Frankfurt inspirieren. Aber keine Angst, es ist ein schönes 4****-Sterne Hotel und wer hier eincheckt hat nichts zu befürchten, sondern kann alle Annehmlichkeiten des Hauses, wie etwa die klassische „Harry’s New York Bar“ oder den SPA, mit Indoor-Pool und Saunalandschaft, einfach nur  genießen. Der Aufenthalt vor Ort ist also absolut sicher. Versprochen! Auch für den technischen Leiter des Hauses, der im Roman eine Schlüsselrolle spielt, gibt es eine reale Vorlage, Frank Krolop. Ein windiger Typ im Roman, doch dieser würde  im wahren Leben keiner Fliege was zu Leide tun. Alle kriminellen Handlungen, die im „Hotel Derlin“ passieren, sind reine Fiktion, um entsprechende Spannung zu erzeugen und zum mitraten zu animieren.
Die drei ???

Die Leser sollen sich gruseln

Gruseln sollen sich die Leser, die Gänsehaut darf ihnen über ihren Rücken laufen, das Blut ansatzweise in den Adern gefrieren, aber bitte alles nicht zu sehr. Eher auf sanfte Art. Das ist das Erfolgsgeheimnis der „drei ???“. Schließlich soll ja keiner der Leser, vornehmliche Zielgruppe Kinder und Jugendliche zwischen 8-14 Jahren , vor Aufregung umfallen. Sie sollen mitraten, mitfiebern und mitzittern mit ihren drei Helden, Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, besser bekannt als „Die drei ???“.

Die jugendlichen Detektive, die mit ihrer Cleverness so manchem Bösewicht auf die Schliche gekommen sind, ermitteln unter der illustren Schirmherrschaft von Sir Alfred Hitchcock bereits seit 50 Jahren! 175 Bücher wurden bis dato veröffentlicht, seit 1964 mehr als 16,5 Millionen Bände und 44 Millionen Hörspiele verkauft. Die aktuelle Live-Tour „Phonobia – Sinfonie der Angst“ mit den drei Hörspielsprechern, füllt in ganz Deutschland Stadien und  „Anhänger der erfolgreichsten deutschen Jugendkrimireihe finden sich weltweit. Die Romane wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Jetzt stehe ich in dem gigantischen Lift im „Lindner Hotel & Residence Main Plaza“ in Frankfurt, sozusagen in  „Mainhattan“ am, laut Buch, „Los Angeles River“, dem Main, gelegen und erfahre von der verantwortlichen Front-Office-Managerin Monique Räker, dass der Aufzug tatsächlich, genau wie im vorliegenden Roman des schwäbischen Autors Christoph Dittert, von der Konzeption her zum Abtransport von Leichen gedacht war.  Der Turm war nämlich ursprünglich als luxuriöser Altersruhesitz geplant, bevor er zu einem luxuriösen 4-Sterne Hotel umfunktioniert wurde. „Mrs. Riker“, wie die 34-jährige im Krimi heißt, spielt im aktuellen Mitmach-Fall der „Die drei ???“ , als mysteriöse Auftraggeberin nicht nur eine entscheidende Rolle im vorliegenden Roman, sondern ist auch die Ideengeberin für das „Hotel der Diebe“, dem aktuellen „Dein Fall“-Buch, der Sonderreihe des Kosmos-Verlages, bei dem die Leser selbst als Detektive fungieren und mit ermitteln.

Ursprünglich war der Autor mit seiner Familie als Hotelgast im „Lindner Hotel & Residences Main Plaza“ eingecheckt. Einen Roman hatte er so gar nicht im Sinn, obwohl das Haus als Schauplatz für eine spannende Handlung prädestiniert ist.  Das imposante, turmähnliche Rotklinker-Gebäude im Stile des New York der Dreißiger-Jahre, mit goldenen Zinnen und einem atemberaubenden Blick über den Main und die bekannte Frankfurter Skyline, liegt im Nobel-Viertel Sachsenhausen- mittendrin und trotzdem ruhig. Von keinem anderen Platz der Stadt genießt der Gast einen solche Rundumaussicht auf die Main-Metropole. Die Stadt liegt dem Hotelgast zu Füßen. Eine sehr inspirierende Atmosphäre und nahezu perfekt, um neue, kreative Romanideen zu entwickeln. Warum nicht mal „Die drei ???“- Detektive  in einem Hotel recherchieren lassen? Im Buch wird die komplette Handlung nach Los Angeles verlegt, denn dort ist das Headquarter der Drei ansässig. Aus dem realen „Lindner Hotel & Residence Main Plaza“ wird kurzerhand, durch Umwandlung der Buchstaben, das Hotel „Derlin“. Ansonsten braucht nicht viel verwandelt zu werden, denn das Haus bietet genügend Ecken, Winkel und Verstecke, wie z.B. der Kühlraum in der Tiefgarage, um die aufregende Suche nach dem Serien-Dieb nie langweilig werden zu lassen.
Linder Hotel Frankfurt

Idee für drei ??? kam durch Blogeintrag

Der langjährigen Hotel-Mitarbeiterin Monique Räker kam die Idee, zum „Hotel der Diebe“ ganz spontan, nachdem sie den schwärmerischen Blogeintrag des Autors über „ihr“ Hotel gelesen hatte . Als sie dann Christoph Dittert den Vorschlag machte, die nächste Romanhandlung ins „Lindner“ zu verlegen, war der zunächst zwar etwas irritiert, konnte sich dann aber schnell dafür begeistern.

Jetzt erfährt der jugendliche Leser allerhand über das Leben im fiktiven „Derlin Hotel“ und darf auch hinter die Kulissen des 118-Zimmer- und Suiten zählenden Privathotels schauen. Autor Christoph Dittert war begeistert, für die Recherche nach Schauplätzen der Handlung in die geheimsten Ecken des Hotels blicken zu dürfen. Auf der Suche nach dem geheimnisvollen Dieb, der im Hotel sein Unwesen treibt, schickt er seine drei ermittelnden Helden nun in jeden Schlupfwinkel und verändert die Spielorte der Handlung ständig.  Plätze, die im Buch „Hotel der Diebe“ vorkommen sind u.a. der Kühlraum, die Tiefgarage, der unterirdische Gang zum SPA, die Showküche und eine Boardingwohnung in der 17. Etage.

Die Roman-Schauplätze können jetzt übrigens auch seit einiger Zeit die regulären Gäste des Lindner-Hotels kennen lernen, die das spezielle „ Ein Fall für die drei ???“ – Package gebucht haben. Die exklusive Hausführung führt sie an Stätten, die dem regulären Hotelgast verborgen bleiben und gewährt somit einen spannenden Einblick „behind the scenes“.

Zum Package gehören zudem der Roman „Hotel der Diebe“, 2 Übernachtungen/ Frühstück  im DZ der Businessclass, die Benutzung des Wellnessbereiches, ein Welcomedrink und ein speziell konzipiertes „Die drei ???“ Dreigangmenü im hauseigenen Californian Restaurant „New Brick“. Küchenchef Alfons Lorenz Brosius, serviert Gerichte wie „Willy de Ochs“ (Ribeyesteak mit Gemüse) oder die „verdeckte Ermittlung“ (Fisch und Salat im Pfannkuchenmantel). Das Pauschal-Arrangement ist für 439 Euro/ 2 Personen und 299 Euro für ein Einzelzimmer, zu buchen. Frankfurt mal ganz anders… mit Gänsehaut-Feeling!

Hinweis: Die Reise erfolgte mit freundlicher Unterstützung des „Lindner Hotel & Residences Main Plaza

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Pippi goes Design – Eine sommerliche Entdeckungsreise durch Småland

Es riecht nach Pilzen, feuchtem Moos, frischen Beeren und Nadelwald. Märchenwelt! Und irgendwie kommt mir das hier alles sehr vertraut vor. Die Geschichten von Astrid Lindgren scheinen plötzlich real und…

Es riecht nach Pilzen, feuchtem Moos, frischen Beeren und Nadelwald. Märchenwelt! Und irgendwie kommt mir das hier alles sehr vertraut vor. Die Geschichten von Astrid Lindgren scheinen plötzlich real und das Lebensgefühl, was ihre Bücher widerspiegeln, mit nicht Ende wollenden,  hellen Sommernächten voller Unbeschwertheit und Freiheit, ist überall spürbar.

Entschleunigung im Pippi-Land

Durch die Region Småland zu reisen, bedeutet für mich Reisen im klassischen Sinne. Entschleunigung. Ich reduziere das Tempo automatisch, weil ich nichts verpassen will und mich nicht satt sehen kann, an dieser Bilderbuch-Idylle. Ich halte immer wieder an, weil ich von der Szenerie die sich mir bietet, fast benommen bin. Gefühlt jeden zweiten Kilometer, passiere ich einen See. Kein Wunder, denn hier im tiefsten Südschweden, gibt es über 5000 davon. Glasklar und eingebettet in pure Natur. Diese Weite, flaches Land, mit überbordender Natur, fast surreal, wie auf einem Gemälde. Das Licht, die Farben, im ständigen Wechsel zwischen Blau und Grün, dazwischen üppige Sonnenblumenfelder, greller Klatschmohn und als Akzente die kleinen knallroten Holzhäuser, die „Stugas“. Typisch skandinavische Sommerhäuser, klassisch, mit weißen Fensterläden und Fahnenmast vor der Tür. An manchen Tagen fahre ich endlos lange mit meinem Auto, ohne einem Menschen zu begegnen. Und wenn ich dann doch einen treffe, etwa in einem Cafe am Straßenrand, das mich schon von weitem mit dem Duft frisch gebackener Waffeln lockt, dann sind die Einheimischen so Tiefen entspannt und fröhlich, dass ich mich unweigerlich frage, ob in dieser reinen, unverbrauchten Luft pure Endorphine mit enthalten sind. Vielleicht sind diese auch im Essen zu finden? Bio ist hier an der Tagesordnung, fast alles, was in den Restaurants und Gasthöfen auf den Teller kommt, stammt aus lokalem Anbau. Kulinarisch hat das Land übrigens weitaus mehr zu bieten, als die bekannten „Köttbullar“ oder Lachs in allen Varianten. Die jungen Köche sind ausgesprochen experimentierfreudig und „Organic Food“ steht (fast) überall auf der Speisekarte.

Zuckerstangen aus Schweden

Die Qual der Wahl: Rund 100 Sorten “Polkagrisar” werden hergestellt.

Zeitmaschine

Schweden, bietet viel Platz zum Sein und  Småland, das „kleine Land“, entspricht jedem skandinavischen Klischee. Die einsame Wildnis teilt sich der Besucher mit ein paar imposanten Elchen, die vornehmlich in der Dämmerung als natürliche Roadblocks fungieren – und beschauliche Orte, wie Gränna, die Hauptstadt der Zuckerbäcker, deren sündig-leckere „Polkagriskokeri“ (Zuckerstangen) weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind- oder Mariannenlund, Heimat von Astrid Lindgrens kindlichen Protagonisten Michel aus Lönneberga, verströmen ein herrlich nostalgisches Flair. Sie wirken, als wären sie liebevoll dekorierte Filmsets, sind aber real. Ähnlich, sieht es auch in der kleinen Stadt Eksjö aus, deren bunte, windschiefe Holzhäuschen zum Teil noch aus dem 16. Jahrhundert stammen. Während ich über die engen, Kopfsteingepflasterten Gassen laufe, fühle ich mich, als wäre ich in eine Zeitmaschine geraten. Dazu passen auch die prächtigen Herrenhäuser, „Herregård“ , auf riesigen, Parkähnlichen Anwesen, die am Wegesrand versteckt hinter prächtigen Hecken liegen und heutzutage oftmals  zu charmanten „Bed & Breakfasts“ (besonders schön: www.grimsnas.se) umfunktioniert wurden und im weißen, skandinavischen Stil, mit viel Holz und Glas eingerichtet sind. Mehr Schweden geht dann auch beim Träumen nicht.

Mehr Schweden geht nicht: Jönköping am Vättern-See

Place to be: Die Uferpromenade in Jönköping am Vättern-See

Phantasie und Realität „in the mix“

“Alle großen Dinge”, sagte die bekannte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren einmal, “passieren zuerst in der Phantasie eines Menschen”. Und jetzt bin ich mittendrin, in der Welt meiner Kindheitsträume. So habe ich mir Bullerbü immer vorgestellt… oder auch Lönneberga… Ortsschilder verweisen auf die Plätze, die mir vom Namen her schon Jahrzehnte so vertraut sind. Es würde mich nicht überraschen, wenn Pippi Langstrumpf, mit ihren lustig wippenden, roten Zöpfen gleich um die Ecke biegen würde- oder Ronja Räubertochter. Starke Frauenpersönlichkeiten, die Vorreiter waren für den Feminismus und die auch heute noch Groß und Klein faszinieren. Unabhängig, freigeistig, unkonventionell, etwas verrückt… eigentlich eine gute Mischung, um durchs Leben zu kommen.

Es passiert mir dann auch tatsächlich, dass ich fast über die leibhaftige Pippi stolpere. Als Teil einer Gesamtinszenierung. Mit dem Freizeitpark „Astrid Lindgrens Welt“, haben drei Familien des Städtchens Vimmerby schon 1981 der berühmtesten Tochter ihres Städtchens ein lebendiges Denkmal gesetzt. Im größten Freizeitpark Schwedens taucht man live in die Geschichten von Astrid Lindgren ein.  Behutsam und so gar nicht amerikanisiert, sind die Kulissen ihrer Romane in ein riesiges Naturareal integriert  Ich laufe durch die „Krachmacherstrasse“, besuche die Räuber auf der „Mattisburg“ und mache einen Abstecher nach Bullerbü. Achtzig junge Schauspieler inszenieren täglich aufs Neue die Geschichten von Karlsson vom Dach, Pippi Langstrumpf und all den anderen Kinderhelden. Die Bühne ist da, wo sie sich gerade befinden, egal ob auf dem Piratenschiff, vor der Villa Kunterbunt oder einfach mitten im Gelände.  Nach ein paar Stunden verlasse ich ganz beseelt das Märchendorf und fahre auf der Rückfahrt noch im „Barnfilmbyn“ vorbei. Hier in der Umgebung, wurden die meisten der Astrid Lindgren Filme gedreht und in den Ausstellungsräumen des Kinderfilm-Zentrums tauche ich, anhand vieler Requisiten und alter Fotos, in die Entstehung der Filme ein.

Auf ins Glasreich…

Um noch mal mit den Worten der Grand-Dame der skandinavischen Literaturszene zu sprechen: „Ich wohne in dem schönsten Land der Welt … Hier gibt es alles, vom Lichten und Lächelnden bis zum Dunklen und Ernsten, oft auf die bezauberndste Weise gemischt”. Wie Recht sie hat, denke ich, während ich mich von Vimmerby aus in Richtung „Glasriket“ dem Glasreich, der Region, in der schon seit Jahrhunderten Glasbläser außergewöhnliches Design entwerfen, aufmache. Vorbei an tiefen Wäldern, unberührter Wildnis und durch Dörfer, die aussehen, als wären sie die Vorlagen für Puppenstuben, fahre ich nach Kosta. Gelassen zieht i die Landschaft an mir vorbei. Keine Hektik, nur Ruhe und Einsamkeit.

Glasblaeserei in Smaland

Weltberühmt: Glasbläserei in Smaland. (Foto: Tina Stafrén/imagebank.sweden.se)

Im Landesinneren wirkt das Land unendlich weit. Knapp 720.000 Einwohner teilen sich eine Fläche von rund 29.400 Quadratkilometern. Sie sind nicht nur naturverbunden, sondern haben von Kindheit an ein starkes Bewusstsein für Naturschutz. Schweden vergessen nicht, dass sie der Natur ihren Wohlstand verdanken. Wasserkraft aus den reißenden Flüssen des Nordens, Holz und Bodenschätze wie Silber, Eisenerz und Kupfer haben das Land einst reich gemacht. Davon profitieren sie heute noch. Das „Glasreich“ mit seiner unnachahmlichen Designkunst und den vielen Glashütten und Studios,  wurde Gerüchteweise schon häufig als untergegangen eingestuft. Zu Unrecht, denn in den letzten Jahren sind viele der Hütten, wie Boda Glasbruk oder Orrefors, reanimiert worden. Die Region ist lebendiger, denn je.  Wer sich etwas ganz Besonderes gönnen will, bucht sich im „Kosta Boda Art Hotel“ ein. Bei einem Tauchgang im Indoor-Pool des künstlerisch ambitionierten Design-Hotels lässt sich unter Wasser eine wechselnde Kunstausstellung mit verschiedensten Exponaten der benachbarten Kosta Boda-Glashütte entdecken. Wer nicht ins SPA möchte, bestellt sich einen Drink in der „Glass Bar“ der extravaganten Bleibe. Sie ist komplett in blaues Glas gefasst und Gäste werden Teil des Gesamtkunstwerkes.  Auch auf den Zimmern findet sich ungewöhnliche Glaskunst. Diese kann bei Gefallen auch gleich im Hotel-Shop erstanden werden. Weil hier noch diverse andere Glasmanufakturen ihre Outletstores haben, ist der kleine Ort Kosta das Eldorado für Designfans schlechthin. Mir gefällt ganz besonders das schlichte Design von „Orrefors“, für das auch Modezar Karl Lagerfeld eine exklusive Trinkglas-Edition kreiert hat. In Kosta wurde auch die erste Glashütte Smålands eröffnet. Das war bereits 1742!

Rote Häuserzeile in Eksjö in Schweden

Filmkulisse: Das Städtchen Eksjö mit seinen Holzhäusern.

Eksjoe bei Nacht

Eksjö bei Nacht. (Foto: Göran Assner/imagebank.sweden.se)

next generation…

Heute ist es eine ganz neue Generation, die sich um den Erhalt des alten Handwerks kümmert. Eine davon ist die heute 39-jährige Geschäftsführerin der „Glass Factory“ in Emmaboda, Maia Heuer. Seit sie drei Jahre alt ist, ist sie von Glas fasziniert. Ihr Onkel gilt als einer der größten Glassammler der Welt und so entdeckte sie früh ihre Liebe zum Kristall. Die gebürtige Lübeckerin machte ihr Hobby zum Beruf und landete in Schweden.  Suchte Sponsoren und hauchte der brach liegenden „Glass Factory“ neues Leben ein. Heute ist der Ort ein lebendiges Museum, mit ständig wechselnden, internationalen Ausstellungen, Live-Ateliers und eine Begegnungsstätte internationaler Glaskünstler in einem. Es werden Workshops zu verschiedensten Themen abgehalten und natürlich kann man den Glasbläsern bei der Arbeit zuschauen. Rund um Emmaboda lohnt es sich, den kleinen Hinweisschildern am Straßenrand zu folgen, die zu weiteren Werkstätten führen. Besonders idyllisch liegt „Transjö hytta“.

Chillig: Feierabend auf schwedische Art (Jönköping)

Chillig: Feierabend auf schwedische Art (Jönköping)

Außergewöhnliche Exponate schwedischer Glaskunst sind in ganz Småland zu finden. Beeindruckend ist der Glasaltar der Domkirche des quirligen Studentenstädchens Växjö. In mehrjähriger Arbeit hat der „grand old man“ der schwedischen Designszene, der Glaskünstler Bertil Vallien, den 5 Meter hohen und 4 Meter breiten Glasaltar zusammen mit der Glashütte in Åfors geschaffen. Pures Glas, in dem sich das Licht durch Millionen kleinster Kristalle bricht. Växjö ist jedoch nicht nur zentraler Mittelpunkt des „Glasriket“ und die „grünste Stadt Europas“ sondern auch ein Sehnsuchtsort für Genussmenschen wie mich. Schönster Platz zum sein: Das erste Gastro und Designhotel Schwedens, das „PM & Vänner“, mit verglastem Pool auf der chilligen Dachterrasse, Loft ähnlichen Zimmern und kulinarischen Hochgenüssen, im gleichnamigen Restaurant. Es wurde erst kürzlich zu einem der neun besten Restaurants Schwedens gewählt und der Mittagstisch ist mit ca. 12 Euro für das Hauptgericht nahezu entwaffnend günstig. Womit es an dieser Stelle gilt, ein Vorurteil auszuräumen: Die Preise für Gastronomie und Übernachtungen sind keinesfalls überteuert, sondern den hiesigen Preisen sehr ähnlich, so ist ein Urlaub in Skandinavien mittlerweile, Euro sei Dank, erschwinglich.

Die Kalorien vom Lunch trainiere ich mir gleich auf einer Radtour um den vom schattigen Grün umgebenen Växjö-See ab. Er liegt mitten in der Stadt und nach einer für Schweden typischen Kaffeepause, der für Schweden unumgänglichen „Fika“, mache ich einen Abstecher in den „Linné-Garten“ am Ufer. Ein Ort, der mit seinem fast Zen-artigen Charakter herrlich entspannend ist. Eine Oase, in der sich Studenten zum lernen zurück ziehen, Liebespaare auf den Bänken knutschen und Ruhe suchende Menschen wie ich einfach nur verweilen, gebannt von der Schönheit der Blüten und Pflanzen, die mich umgeben. Bereits im 18. Jahrhundert beschäftigte sich Namensgeber Carl von Linné mit der Katalogisierung von Pflanzen und Tieren und wurde damit international berühmt.  Viele Gärten und Parks in der Region sind „Mr. Flower Power“, wie er liebevoll im Volksmund genannt wird, gewidmet. Universitäten wurden nach ihm benannt und jede Stadt, die in Schweden was auf sich hält, hat sicher einen „Linnégatan“.

Naschkatzen-Hochburg: Die Bonbonstadt Gränna.

Naschkatzen-Hochburg: Die Bonbonstadt Gränna.

Möbel für alle

Am nächsten Tag stolpere ich, auf den Spuren eines weiteren großen Visionärs aus dem kleinen Småland, schon wieder über ihn. Im Kulturreservat „Linnés Rashuit“, dem ehemaligen Bauernhof des Botanikers und Biologen, halte ich zum vegetarischen Lunchbüffet und sitze unter schattigen Obstbäumen im Garten. Um mich herum nichts als Blütenmeer und jungfräuliche Wiesen und Felder. Nicht von dieser Welt, erscheint mir dieser Platz, so schön und friedlich ist es hier. Inspirierend. Diese unverbrauchte Szenerie  scheint auf jeden Fall den Geist zu beflügeln und Impulse für kreative Denkansätze  zu geben.  Unweit dieser Traumkulisse entstand auch die Idee für ein Familien-Möbelunternehmen, das heute Weltruf genießt: IKEA! Ingvar Kamprad, der Gründer, wollte chices Möbeldesign erschwinglich machen. Seine Vision lautete „Einen besseren Alltag für viele Menschen machen“. Seinen ersten Shop startete er bereits 1958 im heimischen Almhuit. Dort steht heute das IKEA-Hotel und das Museum, was mit der Ausstellung „IKEA im Laufe der Zeit“ einen amüsanten Einblick in die Geschichte des Erfolgskonzeptes und die Wohnwelten der vergangenen Jahrzehnte seit Gründung gibt. Verblüffend, wie viele IKEA-Klassiker auch heute noch aktuell sind. Wohl jeder hat ein kleines Stück Schweden zuhause – natürlich. Viele haben sicher auch a „touch of Småland“ im Garten. Nach der vielschichtig aufgestellten Fabrik „Husquarna“, die von Rasenmäher, über Motorräder bis hin zu Kettensägen das ganze Sortiment von Motorgeräten abdeckt, wurde sogar eine ganze Stadt benannt. Huskvarna liegt nur 15 km von Jönköping entfernt. Hier verbringe ich meinen letzten Tag am Vättern-See, bevor es per Charterflug direkt nach Hamburg zurück geht. Aller Stress ist von mir gewichen, der Alltag ganz weit weg. Danke Pippi, relaxter war ich nach einer Woche Urlaub noch nie. Einfach Märchenhaft!

Die Reise erfolgte auf Einladung von Smålands Turism und Destination Småland.

Titelfoto: Tina Stafrén/imagebank.sweden.se

4 Kommentare zu Pippi goes Design – Eine sommerliche Entdeckungsreise durch Småland

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