Alle Artikel von Martin Cyris

Redaktion vom Reisemagazin breitengrad53.deMartin Cyris ist gelernter Feuilletonredakteur und sattelte aus Leidenschaft und Neugier für Menschen, Musik und fremden Kulturen zum Reisejournalisten um. Er fühlt sich überall zuhause, aber am liebsten schreibt er über Deutschland, Europa, Lateinamerika und die Karibik. Kein Wunder, denn er ist Salsa und Soca verfallen.

Aschenputtel in Thailands Osten

Chanthaburi wird auf der Durchreise zu Ferieninseln wie Koh Chang oft links liegen gelassen. Zu Unrecht, die Stadt ist ein kleines Juwel. Sogar sprichwörtlich: Chanthaburi ist Hochburg für den Edelsteinhandel. Und abends funkeln die Lichter im Ausgehviertel am Flussufer.

Chanthaburi wird auf der Durchreise zu Ferieninseln wie Koh Chang oft links liegen gelassen. Zu Unrecht, die Stadt ist ein kleines Juwel. Sogar sprichwörtlich: Chanthaburi ist Hochburg für den Edelsteinhandel. Und abends funkeln die Lichter im Ausgehviertel am Flussufer.

Eigentlich waren wir an diesem Sonntagmorgen mit Warawan verabredet. Es ist 10 Uhr und der Alte Markt in Chanthaburi in der Nähe des Flusses ist bereits in vollem Gange. Doch Warawan lässt uns warten.

Gemütlicher Straßenmarkt am Wochenende

Jeden Samstag und Sonntag findet im alten Teil der 50000-Einwohner-Provinzhauptstadt im Osten Thailands ein gemütlicher Straßenmarkt statt. Genauer gesagt auf der Sukhapiban Road, auch: Chanthaboon Waterfront. Sie verläuft parallel zum Chanthaburi River. Es gibt Obst und Gemüse, allerlei Süßigkeiten, Eisshakes und traditionelle Gerichte. Aus großen Pötten dampfen Currys, Reis- oder Nudeleintöpfe.

Außerdem gibt es viele Motive für Fotografen. Freundliche Gesichter, interessante Charakterköpfe, die meistens gerne für ein Porträt posieren. Am Vortag war mir Warawan wegen ihres Antlitzes aufgefallen. Ein Gesicht wie gemalt und von würdevollem Ausdruck. Wir verabredeten uns für den darauffolgenden Morgen. Denn sie wollte sich für die Fotos etwas herausputzen.

2.000 Euro bei der Lotterie gewonnen

Während wir auf Warawan warten, unterhalten wir uns mit Pook, ihrer Freundin und Standnachbarin. Sie verrät uns den Grund des Zuspätkommens: Am Vorabend habe Warawan den Hauptgewinn in einer Lotterie gewonnen. 70.000 Baht, etwas weniger als 2.000 Euro. „Sie steht heute bestimmt später auf“, sagt Pook, die an ihrem kleinen Straßenstand Mangos verkauft. Um uns die Wartezeit zu versüßen, schält sie eine Mango und füttert uns ganz mütterlich mit den süßen Schnitzen. Sie will dafür kein Geld entgegennehmen, der Besuch von europäischen Touristen sei ihr eine Ehre. Touristisch gesehen ist Chanthaburi ein Mauerblümchen, zumindest wenn es um westliche Besucher geht.

Nach einer Weile kommt Warawan, die Markt-Schönheit. Die inoffizielle Miss Sukhapiban Road. Beschwerlich entsteigt sie einem Fahrzeug. Mühsam hievt sie die Töpfe von der Ladefläche. Miss Sukhapiban Road ist immerhin schon 75. Gestenreich erzählt sie von ihrer Kindheit, wie sie mit sieben Jahren die Schule verlassen musste, um auf Märkten zu verkaufen. Sie erzählt von ihrem unredlichen Ehemann, der sie betrog und beklaute, und wie sie als Grazie in den sechziger Jahren eine Nebenrolle in einer Liebesschnulze bekam. „Ich hätte viel mehr aus meinem Leben machen können, wenn ich die Chancen bekommen hätte“, seufzt sie. Es blieb ein Dasein als Aschenputtel, mittlerweile in die Jahre gekommen und doch noch immer mit einer anziehenden Aura.

Chanthaburi ist ein unentdecktes Juwel

Mit dieser Geschichte steht Warawan stellvertretend für die ganze Stadt: Chanthaburi ist ein unentdecktes Juwel, das Aschenputtel in Thailands Osten. Eine sehr alte Stadt mit bewegter Geschichte, im 9. Jahrhundert von den Khmer gegründet. Es gibt chinesische, kambodschanische und vietnamesische Einflüsse. Der augenfälligste ist die Kathedrale, die auf katholische Flüchtlinge aus dem Vietnam zurückgeht. Das gotische Gotteshaus wirkt fast unwirklich in einem Land, das nicht zuletzt wegen seiner buddhistischen Tempel bekannt ist.

Urlaub in Thailand - Katholische Kirche Chanthaburi, Foto Martin Cyris

Die Kathedrale steht am südlichen Ufer des Chanthaburi River. Doch das Leben spielt sich vor allem gegenüber ab, auf der Sukhapiban Road. Eine kleine, quirlige Meile, eigentlich wie geschaffen für Städte- und Rucksacktouristen. Mit modernen Boutiquehotels, sehenswerten Museen, romantischen Restaurants mit lauschigen Candle-Light-Tischen am Flussufer, Bierkneipen mit Live-Musik und Kaffeehäusern, wie sie auch in Berlin oder London stehen könnten. Vieles davon in restaurierten Altbauten untergebracht.

Über allem wacht König Bhumibol

Im C.A.P. („Coffee and People“) wird thailändisches Gebäck und europäischer Kaffee serviert. Eine kichernde Schar chinesischer Touristinnen kann sich nicht entscheiden: Cappuccino oder doch lieber Latte Macchiato mit Vanilleflavour? Über allem wacht König Bhumibol, in Form einer neongelben Pop-Art-Fotografie. Ein ungewöhnlicher Anblick im traditionsbewussten Thailand.

Ungewöhnlich auch, womit die Kaffeebohnen von Hand gemahlen werden: Mit einer echten KYM-Kaffeemühle aus deutscher Nachkriegsproduktion. Kaum ein Haushalt in Wirtschaftswunderdeutschland, in dem diese würfelförmigen Mühlen fehlten. Der Besitzer im C.A.P. ist überaus stolz auf sie und lächelt damit in die Kamera.

Nebenan verkaufen zwei Schwestern, Lek und Meaow, selbstgemachten Kuchen. Das Stück für rund 50 Cent. Die Geschäfte laufen prächtig. Kein Wunder, die kunterbunten Farben scheinen die Kundschaft anzulocken wie die Fliegen. Und natürlich der süße Zuckerguss.

Chanthaburi liebt es zuckrig

Ohnehin lieben es die Bewohner von Chanthaburi außerordentlich zuckrig. Zucker landet fast überall, ob in thailändischem Curry oder in Spaghetti Carbonara. Etwa im Restaurant Yindee, das mit seinen ausladenden Bäumen und der funkelnden Beleuchtung eine ideale Adresse für ein entspanntes Dinner ist.

Am Nebentisch verstummen die Gespräche. Getuschel. Eine Gruppe junger Männer beäugt uns, als hätten sie Außerirdische erblickt. Westliche Touristen sind wie erwähnt eine Minderheit. Plötzlich steht einer auf, fasst seinen ganzen Mut zusammen und stellt sich vor. Er sei Seemann auf Landgang und würde mit seinen Freunden, bei denen gerade Ebbe im Geldbeutel sei, einen Teil seinen Lohns verzechen. Als Zeichen der Gastfreundschaft reicht er eine Tüte Popcorn herüber. Selbstverständlich nicht gesalzen, sondern gezuckert.

Eine weitaus größere Rolle als Zuckerkristalle spielen in Chanthaburi allerdings ganz andere Körner: nämlich Edelsteine. Es gibt unzählige kleine Edelsteinschleifereien, unweit der Sukhapiban Road findet täglich eine Edelsteinauktion statt. Angeblich kommen 70 bis 80 Prozent aller Saphire und Rubine aus Chanthaburi. Die Ressourcen sind zwar weitgehend erschöpft, doch die Steine werden hauptsächlich aus Afrika gekauft und in der Stadt weiterverarbeitet. Laien sollten allerdings Vorsicht walten lassen. Man berichtet, dass unkundigen Käufern auf der Straßenauktion gelegentlich Fälschungen untergejubelt werden.

Region lebt vom Verkauf von Edelsteinen

Wer auf Nummer Sicher gehen will, begibt sich lieber ins Chanthaburi Gem and Jewelry Center. Neben einem opulenten Verkaufsraum für allerlei Klunker und Hochkaräter gibt es dort auch ein Info-Center. „50000 Arbeiter in der Provinz Chanthaburi leben von der Edelsteinindustrie“, erzählt Prakob Boonchuaysream, Vize-Präsident der im Jewelry-Center ansässigen Edelsteinhandelsorganisation. Die Region lebe zu einem großen Teil vom Verkauf der Edelsteine. Dieser Wirtschaftszweig belege allerdings nur noch Platz zwei im Ranking. Hinter der Agrarindustrie. Die überaus grüne Provinz gilt als Obst- und Gemüsegarten Thailands.

Zwei Tatsachen, die wohl nur wenigen Thailand-Urlaubern bekannt sein dürften. Chanthaburi ist in der Regel höchstens Zwischenstation auf dem Weg nach Trat. Von dort geht es für viele Touristen entweder weiter über die Grenze nach Kambodscha oder per Fähre auf die nahen Urlaubsinseln: Koh Chang und Koh Kood mit ihren paradiesischen Stränden.

„Wir hoffen, dass die Regierung den Flughafen ausbauen lässt“, sagt Prakob Boonchuaysream. Um es für Touristen einfacher zu machen, in die östliche Region zu gelangen. Außerdem sei ein Hochgeschwindigkeitszug von Bangkok nach Chanthaburi in Planung, der die Strecke in rund einer Stunde schaffen würde. Eine Busfahrt von der Hauptstadt in den Osten dauert derzeit etwa vier Stunden. „Chanthaburi wird dennoch ein ruhiges Plätzchen bleiben“, ist sich Prakob sicher, „wir wollen kein zweites Pattaya werden.“ Die Kommune habe vorgesorgt: Bauwerke über sieben Stockwerke werden nicht genehmigt. Und 70 Prozent der gesamten Provinz müssen per Gesetz unverbaut bleiben. Damit die Provinz grün und die Natur erhalten bleibt. Zu bestaunen etwa im nahegelegenen Nationalpark Nam Tok Phlio.

Und damit Chanthaburi seinen Status als Geheimtipp und verstecktes Juwel behält. Nicht unbedingt das schlechteste Argument für authentische Urlaubserlebnisse.

Weitere Infos für den Urlaub in Thailand

Anreise:

Per Direktflug nach Pattaya. Oder ab Bangkok mit Thai Airways oder Bangkok Airways zum Flughafen von Trat. Von beiden Flughäfen gibt es Transferbusse nach Chanthaburi.

Übernachten:

Das künstlerisch gestaltete Tamajun Hotel direkt auf der Sukhapiban Road beschreibt sein Intérieur treffend als „hip and tropical Thai style“, www.tamajunhotel.com

Ein traditionelles, geschichtsträchtiges Haus, ebenfalls an der Waterfront, ist das holzvertäfelte Baan Luang, mit einer noblen, eleganten Atmosphäre, www.baanluangrajamaltri.com

Etwa zehn Gehminuten von der Altstadt steht das Chanthaburi Center Hotel mit modernen und klimatisierten Zimmern, die zudem viel Platz bieten, denn das Hotel diente früher als Krankenhaus, www.chanthaburicenter.com

Essen und Trinken:

Traditionelle Gerichte aus der Region Chanthaburi und Eastern Thai Food werden im Chanthorn Phochana aufgetischt, etwa Soft Shell Crabs oder ein spezielles Curry mit unreifen Durian-Früchten. Nahe der Altstadt gibt es zudem viele Stände mit dem obligatorischen Street Food.

Für einen Kaffee empfiehlt sich das C.A.P. auf der Sukhapiban Road oder das auf der Maharaj Road gelegene Latte Coffee House mit kolonialem Ambiente und entspannenden Rattan-Möbeln.

Edelsteine:

Das Chanthaburi Gem and Jewelry Center befindet sich im neuen Teil Chanthaburis, auf der Maharaj Road, www.cga.or.th

Ausflüge:

Tagestrips, etwa in den Nationalpark Nam Tok Phlio bieten lokale Agenturen an. Die Landschaft rund um Chanthaburi ist sehr sehenswert und naturbelassen, es werden zudem lokale Märkte angesteuert sowie das Chanthaburi Fisherman Village, wo es fangfrischen Fisch und Meeresfrüchte gibt.

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

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Fahrt ins Blaue

Sein blaues Wunder kann man im Norden von Sardinien erleben: der La-Maddalena-Archipel gilt als die Inselgruppe mit dem klarsten Wasser in Europa. Das Meer schimmert in allen Blautönen. Und eine Strandbar lockt nicht nur zur blauen Stunde.

Sein blaues Wunder kann man im Norden von Sardinien erleben: der La-Maddalena-Archipel gilt als die Inselgruppe mit dem klarsten Wasser in Europa. Das Meer schimmert in allen Blautönen. Und eine Strandbar lockt nicht nur zur blauen Stunde.

Es ist ein warmer Spätsommernachmitttag in Sardinien, der Strand wartet. Erwartungsvoll stapft ein Pärchen durch den Sand, die Vorfreude auf eine nasse Erfrischung ist von ihren Augen abzulesen. Die werden fast tellergroß größer, als sie das kühle Nass erblicken. Besser gesagt, dessen Farben: gelblich, bräunlich, rötlich wabert es. Jedenfalls alles anderes als türkisblau. Chemieunfall? Abwasserskandal? Nein, was da so farbenfroh im Glas schimmert, heißt Cocktail Sardo und gehört zu einem Strandbesuch im Norden Sardiniens wie Badehose und Bikini. Wenn Paolo in der Bar Li Caracòli den Drink mixt, kann das kristallklare Wasser im Hintergrund erstmal warten.

Urlaub auf Sardinien - Martin Cyris - Aussichtspunkt im Norden, Foto Martin Cyris

Aussichtspunkt im Norden. (Foto: Martin Cyris)

Urlaub auf Sardinien fast wie in der Karibik

Paolo Sardo ist Barkeeper und steht schon so lange hinter der Theke des Caracòli wie es die Bar gibt. Also seit über 30 Jahren. Vor ein paar Jahren hat er seinen Cocktail kreiert, bestehend aus sardischem Bier (namens Ichnusa), Limonensaft und Myrtenlikör. Der mirto rosso ist eine äußerst aromatische und sehr typische Spirituose Sardiniens. Sie verleiht dem Cocktail Sardo seine rötliche Farbe. „Das Rot steht für das Herz Sardiniens“, erklärt Paolo. Das hoffentlich nicht in die Hose rutscht – entsprechend dem Myrtenlikör, der sich unten im Glas absetzt und für das Farbenspiel sorgt.

Besuchern dürfte aber eher das Herz aufgehen. Denn das Li Caracòli liegt an einem der schönsten Strände von Sardinien. Puderweicher, heller Sand, türkisblaues Wasser – fast wie in der Karibik. Die von Wind und Wasser geformten Felsen wiederum erinnern an die Seychellen. Fehlen nur noch die Palmen. Stattdessen sorgen landestypische Pinien und Kiefern für etwas Schatten. Ein mediterraner Duft von Rosmarin und Lorbeer liegt in der Luft.

Inselwelt mit dem klarsten Wasser in Europa

Und dazu dieses Meeresblau. In allen erdenklichen Blautönen leuchtet das Wasser. Dank des kongenialen Zusammenspiels des Sonnenlichts mit den wechselnden Meerestiefen an der Nordküste Sardiniens. Im La-Maddalena-Archipel hat der blaue Planet seinen Namen jedenfalls mehr als verdient. Selbstredend, dass hier die blaue Flagge weht, das Zeichen für gute Wasserqualität zum Baden. Damit das so bleibt, wurde der Archipel mit seinen rund 60 Inseln und Inselchen zum Nationalpark erklärt. Es gilt als die Inselwelt mit dem klarsten Wasser in Europa.

Den Tourismus an diesem Idyll von Strand haben ausgerechnet deutsche Studenten aus Frankfurt entfacht. In den sechziger Jahren war das. Einen Sommer lang blieben sie, auf Vermittlung der Studentenvertretung. Die landestypische Kultur sollten sie kennenlernen. Man erzählt sich, dass sie vor allem der Weinkultur Sardiniens näher kamen.

Spiaggia dei Tedeschi – Strand der Deutschen

Von der spartanischen Genügsamkeit dieser Ära – die Aussteiger auf Zeit wohnten in provisorischen Bauwagen – ist freilich nicht mehr viel übrig. Entlang der Küste haben sich Luxushotels- und Resorts ausgebreitet, etwa die Fünf-Sterne-Resorts Valle dell’Erica oder Capo d’Orso. Die beide aber immerhin konsequent sardische Architektur aufgreifen, lokale Traditionen pflegen und den Touristen nahe bringen und sich, so gut es eben geht, harmonisch ins Gelände fügen. Und dennoch hat sich der Geist jener Tage in der beschaulichen Gegend verewigt. Denn unter den Einheimischen wird der Abschnitt zwischen Santa Teresa und Palau auch heute noch nach den ersten offiziellen Touristen benannt: Spiaggia dei Tedeschi – Strand der Deutschen.

In den sechziger Jahren war Paolo Sardo noch ein junger Knabe. Doch der Kontakt mit diesen müßgiggängerischen Studenten scheint einen positiven Eindruck hinterlassen zu haben. „Ich liebe die Deutschen, sie sind in meinem Herzen“, beteuert er ruhig. Ohne Hände und ohne Füße und ohne Pathos in der Stimme, entgegen der üblichen italienischen Gepflogenheiten. „Wir Sarden sind ein sehr spezielles Volk“, sagt Paolo. Bodenständiger, ungekünstelter, pragmatischer, vielleicht auch ehrlicher. Den Korsen wird eine ähnliche Mentalität nachgesagt. Korsika liegt in Sichtweite und den Sarden mehr als das italienische Festland. „Mit den Korsen verbindet uns vieles, vielleicht auch die Heimatliebe“, sagt Paolo.

Paradies für Schnorchler und Taucher

Ehrlich ist auf jeden Fall das Urlaubserlebnis – dank des geschützten Archipels, das sich vor den Urlaubern ausbreitet. Vorbei die Zeiten, als Millionärs- und Diplomatensprösslinge von der berühmten Costa Smeralda herüberkamen und mit ihren Motorbooten und Jetskis die empfindliche Meeresfauna und -flora aufschreckten – und mit ihnen Ruhe suchende Urlauber. Gegner der Naturschutzmaßnahmen fürchteten einen Einbruch der Übernachtungszahlen. Doch die düsteren Szenarien blieben aus, der Tourismus auf konstantem Niveau. Dafür erholten sich die Bestände der Meeresbewohner, etwa Delfine und Meeresschildkröten, Seesterne, Korallen und Seeanemonen. Ein Paradies für Schnorchler und Taucher.

An der Nordküste ist es ruhig und überschaubar geblieben, wie eh und je. Auch dank der gestrengen Wasserwacht, die den Maddalena-Archipel im Auge behält und die strengen Umweltauflagen für Schiffe und Boote. Damit das Wasser nicht irgendwann die Farbe von Paolos Cocktail annimmt. Es gibt strikte Nutzungs- und Zonenpläne. Bei Zuwiderhandlungen drohen harte Strafen. Das Ankern vor einigen kleineren Inseln ist verboten, um die wertvollen Seegrasbestände zu schützen. Und auch der Zutritt zum eigenartigsten Strand des Archipels ist tabu: der Spiaggia Rosa ist einzig und allein der Tierwelt vorbehalten. Seine rosa Farbe erhält er durch abgestorbene Kleinlebewesen. Kein Problem, es gibt unzählige andere Buchten und Strände, an den das Baden im kristallklaren Wasser erlaubt ist. Und auf einem sind wir sogar, zumindest dem Namen nach, ganz unter uns: auf dem Spiaggia dei Tedeschi.
www.delphinahotels.de

Informationen zum Urlaub auf Sardinien

Anreise

Nach Cagliari z. B. mit Eurowings, Easy Jet oder Lufthansa von verschiedenen deutschen Städten.

Essen & Trinken

Das Ristorante Li Ciusoni oberhalb des Spiaggia dei Tedeschi hat sich nach einer typischen sardischen Pasta benannt. Die Ciusoni werden von Signora Chicca – der Schwägerin des Besitzers – einzeln und per Hand in einem alten Brotkorb geformt, den sie von ihrer Großmutter geerbt hat. Nur noch wenige beherrschen das Handwerk der Herstellung. Außerdem gibt es viele weitere traditionelle Gerichte, gegrillt wird nach Art der Vorfahren, über offenem Feuer.

Wem der Sinn nach einer Pizza steht, geht in Santa Teresa am besten in die Pizzeria Azzurra, die sich mitten in der beschaulichen Kleinstadt mit ihrer grandiosen Lage befindet.

Übernachten

Das Fünf-Sterne-Resort Valle dell’Erica bietet auch erschwingliche HP-Pakete, vor allem in der Nebensaison. Weitläufige, gediegene Anlage ohne Schickeria-Schnickschnack dafür mit viel sardischem Charme und herzlichen Mitarbeitern, www.delphinahotels.de

Baden

Natürlich am Strand der Deutschen, dem Spiaggia dei Tedeschi.

Allgemeine Informationen

www.sardegnaturismo.it

Hinweis: Die Reise wurde unterstützt von Delphina Hotels & Resorts

 

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Man isst scharf auf Barbados

Sonne, Strand, Palmen, türkisblaues Meer und Rum – auf die üblichen High Five der Karibik setzt Barbados noch Appetitliches für Gaumen und Augen drauf: eine exzellente Küche und sehenswerte Gärten.

Sonne, Strand, Palmen, türkisblaues Meer und Rum – auf die üblichen High Five der Karibik setzt Barbados noch Appetitliches für Gaumen und Augen drauf: eine exzellente Küche und sehenswerte Gärten. „Wahoo!“ Hurrageschrei auf der Billfisher III, einer hochseetüchtigen Charteryacht. In den tiefen Gewässern vor der Küste von Barbados hat Ricardo einen dicken Fisch an der Angel, einen Wahoo. Seine torpedoförmige Gestalt erinnert an einen Barrakuda. Die Zähne des Wahoo sind kaum weniger scharf.

„Vorsicht!“ ruft Ricardo deshalb, als er den Wahoo mit einem Haken an Bord hievt und in eine Box bugsiert. Im Todeskampf können die Tiere um sich schnappen und mit ihren Beißerchen blutende Schnittwunden verursachen.

Urlaub auf Barbados - Martin Cyris

Wieder an Land freuen sich dann unsere Beißerchen: Den fangfrischen Wahoo können wir direkt im Hafen von Bridgetown verspeisen. Frischer geht’s nicht. Die Köchin im Waterfront Café hat den Fisch auf fünf verschiedene Arten zubereitet. Eine delikater als die andere. Die Küche des Café-Restaurants direkt an der Anlegestelle der Hauptstadt Bridgetown tischt lokale Gerichte auf. Das Geheimnis sind spezielle exotische Würzmischungen. Von mild bis extrascharf. Die scharfen Mixturen und Saucen sind eine Spezialität auf ganz Barbados. Vor allem die Hot Pepper Sauce, die ihrem Namen alle Ehre macht.

Auch in Oistins liebt man es scharf und fischig

Auch in Oistins, einem Fischerdorf im Süden der Karibikinsel, liebt man es scharf und fischig. Pflicht für Fischfans ist dort der Fish Fry, ein riesiges Strand- und Straßen-Barbecue. Zwar meinen Einheimische, dass die Veranstaltung mittlerweile zu kommerzialisiert sei. Nicht zuletzt weil die Preise zuletzt in die Höhe schossen. Doch für Barbados-Newbies ist der Fish Fry noch immer die beste Gelegenheit, das Land, seine Kultur, die lokalen Rhythmen und die kulinarischen Genüsse von Barbados in einer Art Crashkurs kennenzulernen. Bier und Rum fließen in Strömen und an allen Ecken wummert, dampft und raucht es.


 

An einem der Grills – einem halbierten Blechfass – steht Richard, Schweißperlen auf der Stirn. Beim Grillen lässt er nichts anbrennen, indem er den Fisch, Wahoo oder Dorade, für ein paar Augenblicke regelrecht anbrennen lässt und einer meterhohen Stichflamme aussetzt. Das Ergebnis: ein rußgeschwärzter, äußerst rezenter Überzug auf dem Fisch, so genannter blackened fish. Eine kreolische Spezialität. „Wenn dein Gaumen richtig Zunder will, dann muss auch der Fisch richtig Zunder bekommen“, sagt Richard und lässt schon wieder etwas Öl über die Glut träufeln. Im Nu schießen die Flammen in die Höhe.

Schlemmen kommt einem nationalen Hobby gleich

Afrikanische, europäische, indische und asiatische Einflüsse haben in der Küche von Barbados einen unverwechselbaren Stilmix hinterlassen. Auf den die Bajans, so nennen sich die Bewohner, mächtig stolz sind. Auf ihre Küche lassen sie nichts kommen. Schlemmen kommt einem nationalen Hobby gleich. Sei es bei einem Wochenendpicknick mit der Familie an einem der vielen Traumstrände, einem romantischen Dinner for Two in einem der vielen ambitionierten Restaurants oder einem ausgiebigen Brunch mit Freunden – die Bajans finden immer einen Anlass die zahlreichen Köstlichkeiten der karibischen Küche zu genießen.

Vor allem Fisch gibt es in allen Varianten. Fliegenfisch wird frittiert oder im Sandwich schon zum Frühstück gegessen. Eine Delikatesse von nationalem Ausmaß und sogar auf der Währung verewigt. Dank der exponierten Lage der Insel weit draußen im Atlantik mangelt es nicht an Nachschub.

Wann immer ein Gastgeber ein paar lokale Spezialitäten ankündigt sollte man viel Zeit mitbringen. Üppige Büfetts kommen Statussymbolen gleich. Natürlich alles frisch und hausgemacht. Fast Food ist weitgehend verpönt. Die Insulaner erzählen gerne jene Anekdote wie die weltweit bekannteste Burgerkette vor einigen Jahren eine Filiale auf Barbados eröffnete aber schnell wieder schließen musste – mangels Nachfrage.

Stars der Kochszene kochen auf Food, Wine & Rum Festival

Die besten Brutzler der internationalen Kochszene geben sich alljährlich im November auf Barbados ein Stelldichein: beim Food, Wine & Rum Festival kochen die Stars der Kochszene vor den Augen der Besucher und verraten Kniffs und Tricks.

Gutes Essen auf Barbados wäre freilich nichts ohne einen guten Drink – natürlich mit Rum aus Barbados. Der hat dort eine lange Tradition: Mount Gay Rum wird seit 1703 produziert und gilt als älteste Rummarke der Welt. Insider behaupten, dass es auf Barbados so viele Rumkioske gibt wie Kirchen auf der Insel: nämlich über 1000. Die Rumkioske, eine Art Tante-Emma-Laden, sind außerdem eine gute Gelegenheit, sich unter die Einheimischen zu mischen.

Wer etwas auf sich hält, lässt in einer der namhaften Destillerien seinen eigenen Rum abfüllen. Etwa Anthony Hunte, ein pensionierter Landschaftsgärtner. Auf der Terrasse seines großen, weltvergessenen Anwesens kredenzt er seinen Gästen ein Gläschen. Oder mehr, je nach Sympathie. Über Besuch muss sich der etwas schrullige aber liebenswerte ältere Herr mit Vorliebe für geschmeidigen, leicht frechen englischen Humor nicht beklagen.

Vor zwölf Jahren hat der 74-Jährige den Hunte’s Garden geschaffen. Mit fünf Gärtnern errichtete er ein überaus sehenswertes, mehrere Hektar großes Blütenparadies mit hunderten verschiedenen tropischen Pflanzenarten und zigtausenden Pflanzen. Täglich in den frühen Morgenstunden, bevor die Sonne zu heiß wird, begibt er sich mit Helfern in sein Reich und pflanzt und zupft und jätet. Wer die Stufen in das Pflanzenreich hinabsteigt, merkt sofort, dass da jemand einen besonders grünen Daumen hat.

Nicht der einzige professionell angelegte Garten auf Barbados. Doch der charaktervollste. Ein Meisterwerk der Gärtnerkunst. Diese abertausenden Blüten. Dieses Grün. Diese müßiggängerische, mystische Stimmung. Diese gekonnte Mischung aus Wildwuchs und Detailverliebtheit. Dieses meditative Potpourri aus tropischem Piepmatzgezwitscher und karibischem Rauschen, erzeugt von Wind und Wellen.

Lebenstraum mit Hunte’s Garden erfüllt

Nicht zuletzt, weil Anthony Hunte selbst für Ruhestörer in dieser Idylle ein Rezept parat hat. Er stelle sich in eine Ecke und setze ein Stoßgebet gen Himmel ab: „Herr, mach, dass diese Nervensäge demnächst die Klappe hält oder ich bringe sie um.“ Das helfe immer, wie Anthony Hunte milde lächelnd versichert.


 

Mit Hunte’s Garden erfüllte er sich der alleinstehende, pensionierte Landschaftsgärtner einen Lebenstraum. Diese Sehenswürdigkeit setzt sich wohlwollend vom etwas stereotyp gewordenen, internationalen Touristeneinerlei an der Küste ab. Die Starbuckisierung gewinnt leider auch auf Barbados immer mehr die Oberhand, vor allem auf den Filetstücken an der Küste, und drängt mit Billigung der Regierung die traditionelle lokale Kultur an den Rand.

Die Natur helfe ihm, in Frieden mit sich selbst älter zu werden. Und hie und da hilft auch ein Gläschen karibischen Rums, den er mit Vorliebe mit seinen Gästen teilt. Veredelt mit feinen Häppchen aus der scharfen Bajan-Küche.

Weitere Informationen zum Urlaub auf Barbados

Anreise : Mit Condor ab Frankfurt oder München.

Essen & Trinken : Das Waterfront Café liegt direkt im Yachthafen von Bridgetown, geöffnet täglich von 8 bis 22 Uhr, tolle Fischgerichte und leckere Rum-Cocktails.

Der Fish Fry in Oistins kann täglich besucht werden, ab späten Nachmittag bis weit nach Mitternacht wird gefuttert und getanzt. An den Wochenenden scheint dort die halbe Insel versammelt zu sein.

Baden: Der Westen der Insel ist geradezu gepflastert mit karibischen Traumstränden. Im Osten der Insel geht es ruhiger dafür authentischer zu. Zu empfehlen dort ist etwa Foul Bay, wo man fast nur mit Einheimischen planscht.

Fischen: Ob Angeln oder Hochseefischen, Kapitän Bill und seine Crew von Billfisher sorgen dafür, dass immer was an Land gezogen wird, www.greatadventuresbarbados.com

Allgemeine Informationen erteilt die Barbados Tourism Authority, www.visitbarbados.org

Hinweis: Die Reise fand auf Einladung statt.

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Auf Antigua gibt’s den schönsten Sonnenuntergang

Am 20. März beginnt der Frühling, die Sonne wird wieder stärker. Der vielleicht schönste Sonnenuntergang der Karibik wird jeden Sonntag auf Antigua zelebriert. Mit einem süßen Geheimnis und – bei…

Am 20. März beginnt der Frühling, die Sonne wird wieder stärker. Der vielleicht schönste Sonnenuntergang der Karibik wird jeden Sonntag auf Antigua zelebriert. Mit einem süßen Geheimnis und – bei schlechtem Wetter – mit flüssigem Sonnenschein.

Eine raue nordenglische Kulisse wie im Roman „Sturmhöhe“ von Emily Brontë: Knorrige Büsche auf hellen Felsen. Gräser, die vom strammen Wind auf den Boden gedrückt werden und wie ein grüner Teppich umherwogen. Im Hintergrund thront auf einem Hügel ein alleinstehendes, klobiges Steinhaus. Die Nachmittagssonne und schneeweiße, vorbei fliegende Wolken am tiefblauen Himmel erzeugen ein Spiel aus Licht und Schatten. Eigentlich wie in Nordengland. Eigentlich. Wäre da nicht dieses wohlige, karibische Gefühl auf der Haut. Erzeugt von einer warmen Brise. Aus der Ferne erklingt liebliche Steel-Pan-Musik: „Oh Island in the sun“. Man fühlt sich wie die Traumschiffbesatzung auf Landgang.

Urlaub auf Antigua - Martin Cyris-1

Sonnenklar: Der Blick von Shirley Heights auf das Buchtenlabyrinth im Süden von Antigua gehört mit zum schönsten, was die Karibik zu bieten hat. (Fotos: Martin Cyris)

Oh Island in the sun eine Insel in der Sonne ist Antigua ohne Frage. Eine relativ kleine zwar, aber die Sonne hat auf Antigua einen großen Auftritt: Genauer auf Shirley Heights, einer Anhöhe im Süden der Insel. Dort wird jeden Sonntag der vielleicht schönste Sonnenuntergang der Karibik gefeiert. Weil der Panoramablick auf die verwinkelten Buchten darunter zum Niederknieen schön ist.

Glauben zumindest die Insulaner – und jeden Sonntag viele Besucher. Und sie haben allen Grund dazu. Denn der Blick auf die umliegenden Buchten zählt mit Sicherheit zu den – man entschuldige die abgegriffene Wortwahl – malerischsten Postkartenansichten der Kleinen Antillen. Der Blick schweift auf die geschützte Bucht von English Harbour, wo zahlreiche Segelboote und Yachten ankern, und weiter auf die sanften Hügel rund um Falmouth Harbour. Im Hintergrund schimmert der weiße Traumstrand der endlosen Rendezvous Bay.

Sonnenfeier auf Shirley Height ist ein Pflichttermin

Apropos Rendezvous: Nicht zuletzt für frisch und ewig Verliebte, für Gesellige und Romantiker ist die Sonnenfeier auf Shirley Heights ein Pflichttermin. Denn romantischer geht’s kaum, wenn sich am Horizont die grelle Sonne allmählich in einen glutroten Feuerball verwandelt und majestätisch im Meer versinkt. Dann verstummt für einen Augenblick sogar das Partygelächter von der vielbevölkerten Rumbar im klobigen Steinhaus aus Kolonialzeiten und die Steel-Pan-Band schlägt leise Töne an: „Sun ist shining“, der berühmte Bob-Marley-Klassiker wird nur hauchzart angestimmt. Sogar die Hähnchenschenkel und Frikadellen auf den Barbecuegrills scheinen für einen Moment leiser zu brutzeln. Die Ehrfurcht vor dem Naturereignis ist allgegenwärtig. Auch das Thekenpersonal schaltet allzu gerne einen Gang herunter. „Komm später wieder“, sagt Grillmeister Shawn ungerührt.

Sobald die Sonne abgetaucht ist und der Sternenhimmel die Show übernommen hat, ist die Party natürlich längst nicht vorüber. Es wird munter weitergefeiert und -geflirtet. Unter den vielen Besuchern auch zahlreiche Segelcrews. Denn die Reviere rund um Antigua zählen unter Wassersportlern zu den besten der Welt. Viele Boote werfen den Anker in English Harbour ausschließlich, um dem Sonnenspektakel beizuwohnen. An der Bar ist dann fast kein Durchkommen mehr. Rumcocktails und Früchtepunsch versüßen den Augenblick.

Kein Punsch ohne Ananas aus Antigua

Im Punsch darf eines ganz bestimmt nicht fehlen: Ananas aus Antigua. Genauer gesagt: die black pineapple – die schwarze Ananas. Sie gibt es nur auf Antigua. Und gilt unter Experten als die süßeste Ananas der Welt. Zumindest ist es das süßeste Geheimnis, so unbekannt ist die Frucht. Die in der Tat weitaus süßer und aromatischer ist als jene Ananas, die in hiesigen Supermärkten angeboten werden. Da helfen auch verkaufsfördernde Bezeichnungen wie „extra sweet“ oder „von Natur aus süß“ nicht über die bittersüße Tatsache hinweg, dass im Vergleich zum Aroma der schwarzen Antigua-Ananas andere Sorten fast wie saure Gurken daherkommen. Und das, obwohl sie kaum größer als eine Grapefruit ist.

Die Karibikinsel selbst ist auch kein Riese. – mit 280 Quadratkilometern passt sie fast in Frankfurt am Main. Zusammen mit dem noch kleineren Eiland Barbuda bildet sie den Karibikstaat Antigua und Barbuda. Die Hauptanziehungspunkte sind schnell aufgezählt: Palmen, Strände, Sonne. Davon gibt es jeweils allerdings reichlich. 365 Strände soll es auf Antigua eben. Einer für jeden Tag. Das klingt zwar verdächtig nach einem PR-Gag, aber es gibt in der Tat unzählige Strände. Einige darunter verdienen das Prädikat „absoluter Traumstrand“. Weil sie einsam und verborgen in paradiesischen Buchten liegen, der blendend weiße Sand umspült von türkisblauem Wasser. Kein Wunder, dass auf der Insel viele Prominente ihr Feriendomizil haben. Etwa Robert de Niro oder Giorgio Armani. Eric Clapton erholte sich nach einem Drogenentzug und baute sich gleich eine ganze Villa hin.

Süchtig macht auf Antigua vor allem die Sonne. Prima Klima für die schwarze Ananas, die es feucht-heiß mag. Im grünen Landesinneren, wo regelmäßig kurze aber heftige Schauer niedergehen, gedeiht das süße Früchtchen auf Plantagen. Regen wird dort im Volksmund liquid sunshine genannt, flüssiger Sonnenschein. Unwissende könnten die niederen, unspektakulären Pflanzen leicht für unnützes Gestrüpp halten.

Kaum vorstellbar, dass die relativ schmalen Blätter eine vergleichsweise plumpe Frucht tragen. „Die Ananas braucht 18 Monate bis sie reif ist“, sagt John, ein Farmarbeiter auf einer Plantage in Earlings. Der richtige Zeitpunkt für die Ernte sei es, wenn der Strunkansatz dunkel schimmere. Daher rührt auch die Bezeichnung schwarze Ananas. „Wenn sie komplett schwarz ist, ist sie eher verdorben“, lacht John.

Im reifen Zustand ist sie der ganze Stolz der Insulaner. Ein besonders schönes Exemplar thront übrigens auf dem Landeswappen der Insel. Man stelle sich zum Vergleich vor, wie eine Kartoffel oder ein Krautkopf den deutschen Adler schmückt.

Bäckerei mit Ofen aus Deutschland

Apropos deutsch: Joseph Bailey ist ganz stolz auf seine kleinen Helfer made in Germany. In seiner Bäckerei, der Dockyard Bakery in English Harbour, knetet und bäckt er nämlich mit deutscher Effizienz. Sprich mit einer Knetmaschine und einem Ofen aus Deutschland. Aus diesem fischt Bailey frische Baguettes, Zimtbrötchen, aber auch Ananastaschen. Gefüllt mit unwiderstehlich süßen Stückchen der schwarzen Ananas.

Die Dockyard Bakery ist noch aus einem anderen Grund einen Besuch wert: sie stammt aus dem Jahre 1772 und hat der Überlieferung nach schon Admiral Nelson und seine Schiffscrews, die in English Harbour ankerten, mit frischen Backwaren versorgen. Vielleicht auch mit Ananastaschen. Aber mit Sicherheit konnte Admiral Nelson auf Antigua reichlich Sonne tanken.


Allgemeine Informationen zu Antigua

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[tabs-content-group id=”one” active=”yes”]Zum Beispiel mit Condor (www.condor.com) ab Frankfurt.[/tabs-content-group]
[tabs-content-group id=”two”]Einmal umfallen und man ist im Wasser: Das South Point Hotel in Falmouth Harbour liegt unmittelbar am Strand. Es bietet geräumige Zimmer im Cottage-Stil, DZ für 2 Personen inklusive Frühstück ab 120 US-Dollar, www.southpointfalmouth.com

Bei Seglern beliebt ist das Antigua Yacht Club Marina Resort mit schönem tropischen Garten und mediterranem Innenhof, Restaurants und lebhafte Bars in Reichweite, während der Antigua-Sailingweek im April ist der Yacht Club wichtige Location für Veranstaltungen, DZ für 2 Personen ohne Frühstück ab 149 US-Dollar, www.aycmarina.com

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[tabs-content-group id=”three”]Die schwarze Ananas kann man frisch geschnitten täglich auf dem Bauernmarkt mitten in St. John’s genießen. Die Verkäufer schnitzen mit Macheten mundgerechte Kunstwerke zurecht. Auf dem Markt werden außerdem Fisch und Gemüse feilgeboten.

Das sonntägliche Barbecue auf Shirley Heights ist ein Muss. Gegrilltes Hühnchen & Co. sind für die gebotene Qualität zwar nicht ganz billig, aber hier bezahlt man den Ausblick mit: auf die grandiose Buchtenlandschaft von English Harbour. Und für die Musik: Ab späten Nachmittag spielt ein Steel Orchestra und die halbe Insel tanzt zu den beschwingten Rhythmen der karibischen Steel Drums, natürlich mit einem Rum-Cocktail in der Hand.

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[tabs-content-group id=”four”]Es ist ein Ding der Unmöglichkeit den schönsten Strand von Antigua zu küren. Zwei, die von Einheimischen aber immer wieder empfohlen werden sind Dickenson Bay und Half Moon Bay. Beide verfügen über feinsten, weißen Sand und Wasser in allen Blautönen. Ersterer eignet sich auch für Familien mit Kindern, das Wasser ist meist ruhig. Die Half Moon Bay im Osten zieht viele Surfer und Schnorchler an.[/tabs-content-group]

[tabs-content-group id=”five”]Kite- und Windsurfen lernen mit Berliner Schnauze: Chris Schmidt betreibt in der Nonsuch Bay eine Wassersportschule. Wind und gute Laune garantiert, www.40knots.net[/tabs-content-group]

[tabs-content-group id=”six”]erteilt die Antigua and Barbuda Tourism Authority, 45 Crawford Place, 2nd Floor, London, W1H 4LP, England, Tel: +44 (0)20 36 68 38 00, Mail: [email protected], www.visitantiguabarbuda.com[/tabs-content-group]
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Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung!

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Schwer am Feiern: Ein „Dorf“ als heimliche Partyhochburg von Kuba

Es ist schwülheiß. Der Deckenventilator wälzt die verbrauchte Luft um. Zigarettenrauch vernebelt die Blicke in der schwach beleuchteten Bar. Das „El Cambio“ ist der Insider- und Intellektuellentreff von Camagüey. Vor…

Es ist schwülheiß. Der Deckenventilator wälzt die verbrauchte Luft um. Zigarettenrauch vernebelt die Blicke in der schwach beleuchteten Bar. Das „El Cambio“ ist der Insider- und Intellektuellentreff von Camagüey. Vor allem am Wochenende schaut Jung und Alt herein, um zu debattieren und den neuesten Tratsch auszutauschen.

In dem angeregten Stimmengewirr versteht man fast sein eigenes Wort nicht. Geschweige denn das des Nebenmanns. Der schwergewichtige Typ mit dem weißen Bart am Tresen, dessen voluminöser Bauch an die runden Tonkrüge (tinajones) erinnert, die überall in Camagüey herumstehen und Wahrzeichen der Stadt sind, versucht es trotzdem: „Woher kommst du?“ „Deutschland.“ „Wie geht’s?“ „Gut.“ „Zahlst du mir ein Bier?“

Drei Fragen wie aus dem Effeff. Von der ersten bis zur letzten hat es keine fünf Sekunden gedauert. Die Reihenfolge ist ein Evergreen auf Kuba. Schnorren eine Art Volkssport. Weil nämlich auch Kubaner allzu menschliche Züge zeigen – und vor allem das begehren, was sie kaum oder nur schwer kriegen können. Zum Beispiel süffiges, kubanisches Bier statt billigeren Rum. Gegen harte Pesos, versteht sich. Aber den CUC (peso convertible), die Zweitwährung, hat nicht jeder im Portemonnaie. Je nach Laune zahlt man als Tourist ein Bier und hat dann – eventuell – seine Ruhe. Oder nicht. Weil es dann erst richtig losgeht. Nämlich kopfüber ins Nachtleben. Wie mit Pepe, dem schwergewichtigen Bärtigen vom Tresen.

Pepe ist ein lebendiges Nightlife-Inventar von Camagüey

Pepe ist eine Nachteule. Ein lebendes Nightlife-Inventar von Camagüey. Er weiß, wo was los ist. Und das ist in der drittgrößten Stadt Kubas nicht gerade wenig.

Mit der Bierdose in der Hand stapft Pepe über die Independencia. „Komm’ mit“, winkt er. Die Straße und der angrenzende Parque Agramonte sind voller Menschen. In der Mitte hat einer einen CD-Player platziert. Es läuft Salsa, ein paar Paare tanzen. Die Nacht ist schwarz, die Straßenbeleuchtung schummrig. Im gegenüberliegenden „Disko Café“ ist es kaum heller. Aber schön kühl. Wer es sich leisten kann zahlt ein paar CUC Eintritt. Drinnen läuft ein internationaler Mix aus House und Reggaeton. Ein paar wenige Touristen verlieren sich in dem Tanzschuppen. Der große Rest besteht aus Einheimischen.

Camagüey steht in erster Linie bei kulturinteressierten Kubabesuchern auf der Agenda. Kein Wunder, das Zentrum von Camagüey ist eines von vier Altstadtzentren auf der Karibikinsel, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Camagüey sticht vor allem wegen der vielen Kirchen aus Kolonialzeit heraus.

Dabei ist die Ausgehkultur auch nicht zu verachten. Sie steht unter jungen Kubanern hoch im Kurs. Wie bei Angel, der im Disko Café herumsteht. Er sei eigentlich aus Havanna, doch ihn ziehe es immer wieder nach Camagüey. „Hier macht es Spaß auszugehen, die Leute sind nicht so versnobt wie in Havanna“, sagt der 33-Jährige, der sich mit seinem martialischem T-Shirt und seinen langen Haaren eher als Hard-Rock- denn als Disko-Fan outet. „Klar“, sagt er, aber die Rockszene auf Kuba sei eher überschaubar, deshalb tanze er auch zu anderen Rhythmen. Sein größter Wunsch: einmal das Wacken-Festival live in Deutschland erleben.

Die Einwohner von Camagüey gelten als Feierbiester

Doch vorher wird in Camagüey gefeiert. Die Einwohner gelten als Feierbiester. „Vergiss Havanna!“, befiehlt Pepe. Und das obwohl die populäre noche camagüeyana, die in jedem Reiseführer angepriesen wird, vor einiger Zeit abgeschafft wurde. Samstags bevölkerten die Massen die Innenstadt. Doch wegen Lärm- und Geruchsbelästigung der Anwohner wurde die Stadtparty gestrichen – ganz bürokratisch. „Eine Schande“, sagt Pepe.

Doch das hält die Einwohner von Camagüey nicht vom Feiern ab. Schließlich gibt es noch genügend Plätze, Bars und Cafés. Vor allem entlang und etwas abseits der Republica, einer hübsch restaurierten Fußgängerzone mitten im historischen Stadtzentrum. Und vor allem spätabends. Dann sind die Temperaturen erträglich. Im Landesinneren von Kuba staut sich des Öfteren die Hitze, es fehlt die Meeresbrise. Ausladende Sonnenschirme gehören tagsüber wie die vielen Kirchtürme untrennbar zum Stadtbild. Und natürlich die Tonkrüge, die tinajones. Sie dienten einst als Regenauffangbehälter in der trockenen Region.

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Camagüey ist Hochschulstadt, die Bevölkerung ist jung und …

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… gibt sich hip und modern. (Artikelfotos: Martin Cyris)

Heutzutage geht es in Camagüey zumeist feuchtfröhlich zu. Und Pepe geht voran, mit einer weiteren gesponserten Bierdose in der Hand. Am Plaza de la Soledad kommt eine Gruppe von rund 30 Menschen jeden Alters entgegen, im Gänsemarsch. Der erste trägt das Party-Equipment vor sich her: einen Kassettenrekorder, Baujahr 1985, und eine Flasche Rum. Die anderen folgen. Tanzend, singend und wippend. Zwei Mittdreißiger, sie und er, scheren aus und reiben im Takt der Musik ihre Unterkörper aneinander. Polonaise camagüenese.

Feierwütig – diesen Ruf beansprucht irgendwie ganz Kuba. Doch Camagüey ist anders. Weil die drittgrößte Stadt des Landes die Infrastruktur einer Großstadt bietet, aber einen dörflichen Charakter bewahrt hat – und dadurch recht unkompliziert daherkommt.

Aus dem Café „Dolce Vita“ dringt Sixties-Musik. Beatles & Co. sind auf Kuba erstaunlich präsent. In größeren Städten gibt es Beatles-Bars. Seit ein paar Monaten steht auch eine in Camagüey namens „Yesterday“. „Das ist was für Ältere“, sagt Pepe verächtlich, der altersmäßig eigentlich selbst zur Oldies-Zielgruppe zählt, „komm’ weiter!“ Für ihn zählt nicht das Gestern, sondern das Hier und Jetzt.

Mojito und Bier fließen in Strömen

Und das tobt an diesem Abend auch in der Open-Air-Bar El Bambú auf der Republica. Eine Reggaeton-Band heizt live ein, Mojito und Bier fließen in Strömen. Da muss Pepe nicht zwei Mal bitten. Touristen sind kaum zu sehen, die kulturbeflissenen Camagüey-Besucher haben sich längst in die Altstadthotels zurückgezogen.

Ein Teil der Menge gibt sich ausgelassen und tanzt verschwitzt in den Morgen hinein. Der andere macht einen auf extravagantes Clubbing und chillt im Lounge-Bereich – Küsschen links, Küsschen rechts.

Die besten Küsschen gibt’s allerdings nicht im El Bambú sondern bei Josef. Nämlich Kokosbusserl, eine Nascherei aus Kokosflocken und viel Zucker. Der Österreicher betreibt in der Altstadt von Camagüey ein Restaurant mit Konditorei und Zimmervermietung. Es gibt Wiener Schnitzel, Sisi-Devotionalien und ein großes Wandgemälde vom Geburtshaus Mozarts, davor liegt ein kugelrunder tinajón. Die „Casa Austria“ ist eine echte Rarität, da es für Ausländer auf Kuba noch immer schwer ist ein eigenes Geschäft zu betreiben.

Doch Josef Haderer hat’s geschafft. Weil er mit einer Kubanerin verheiratet war und weil er sich in die lokale Szene „eingearbeitet“ hat, wie er sagt. Im überschaubaren Camagüey sicherlich kein Nachteil. „Hier kennt fast jeder jeden“, sagt Haderer, „Camagüey ist wie ein großes Dorf.“ Aber ein feierwütiges.

 

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Hinweis: Die Reise erfolgte mit Unterstützung von Condor.

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