Reisen & Kreuzfahrten

Autor: Jutta Lemcke

Rom ganz ohne Petersdom und Trevibrunnen

 

Rom ist bekanntlich eine der grandiosesten Städte, die man als kultur- und lifestyleverliebter Mensch besuchen kann. Doch die Stadt auf sieben Hügeln birgt auch einige Touristenfallen. Hier kommen die Dos and Don’ts für individuelle Rom-Entdecker.

 

Rom ist bekanntlich eine der grandiosesten Städte, die man als kultur- und lifestyleverliebter Mensch besuchen kann. Doch die Stadt auf sieben Hügeln birgt auch einige Touristenfallen. Hier kommen die Dos and Don’ts für individuelle Rom-Entdecker.

„Unsere Straßen sind schon sehr, sehr alt“

„Unsere Straßen sind schon sehr, sehr alt“, entschuldigt sich Fabrizio, der mit seinem grau melierten Lockenkopf und dem klassischen Profil wie die lebendige Version einer antiken Statue daherkommt. Mit schnellen Handbewegungen und charmantem Grinsen rückt er den kleinen Bistrotisch zurecht, der auf dem römischen Holpersteinpflaster beständig hin- und herklappert und den Café in den dickwandigen Tassen wie auf hoher See zum Schwappen bringt.

 

Ja, Roms Straßen mit den blank polierten Sanpietrini-Steinen sind tatsächlich alt – vieles in der ewigen Stadt ist alt, sehr alt sogar. Einiges ist deshalb von unschätzbarem Wert.  Anderes zeigt diese unverwechselbare charmante Patina, die diese Stadt so liebenswert macht und die Scharen von Touristen anzieht, die all die ikonischen Hinterlassenschaften der Antike, Renaissance und des Barocks bewundern wollen und es gleichzeitig genießen, sich beschwingt wie die Römer durch die Tage treiben zu lassen.

 

Die gute Nachricht: Es ist kinderleicht, den Touristenströmen zu entgehen, denn Rom bietet eine derartige Fülle an weltweit gefeierten Attraktionen, dass viele grandiose Sehenswürdigkeiten in die zweite Reihe rücken und schon fast ein Nischendasein führen. Ein paar Gassen jenseits der ganz großen Touristenshow, im Stadtviertel nebenan oder am Abend, wenn die Reisegruppen abgezogen sind, zeigt die Stadt wie eh und je ihren Zauber.

Ein Leben reicht wohl nicht aus, um all die geheimen Ecken, versteckten Plätze, Cafés und Restaurants zu entdecken, die Rom zu bieten hat. Doch ein paar Ratschläge kann man schon beherzigen, wenn man Rom jenseits der touristischen Schwergewichte erleben möchte. Wo sollte man wohnen, wo den Café oder die Pasta einnehmen, welche Stadtteile besuchen und von welchem Hügel den Sonnenuntergang bewundern? Prego! Hier geht’s zu den Tipps für entdeckungsfreudige Individualisten.  

Trastevere – Genießer wohnen „jenseits des Tiber“

Ganz klar: Am besten wohnt man in Rom in Trastevere, diesem fast dörflichen, mittelalterlich-malerischen Viertel mit den kleinen Gassen, unzähligen Restaurants, coolen Bars und kleinen Shops. Vom Mini-Antiquariat bis zur hippen Boutique. 

 

Von Großstadt-Hektik keine Spur. Wer hier lebt, ist Genießer. Morgens schlappen die Römer zum Brötchen holen, mittags genehmigen sie sich ihre Pasta samt kühlem Weißwein in einem Straßenbistro und abends warten sie geduldig vor den angesagten Restaurants, bis irgendwo ein Minitischchen frei wird. Wer Rom wie die Einheimischen erleben möchte, ist hier goldrichtig. Nur die großen Plätze wie den Piazza Santa Maria sollte man meiden, wenn man nicht in einem überteuerten Touristenladen landen möchte. Besser man schaut nach einer versteckten Gasse. Dort sind die Atmosphäre perfekt, die Antipasti, Filetti und Spaghetti hervorragend und die Preise moderat.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, geht schon tagsüber vorbei und reserviert einen Tisch. Für die Übernachtung kann man sich eine Airbnb-Unterkunft suchen, dann ist man mittendrin. Auch logistisch liegt Trastevere, was übrigens „jenseits des Tiber“ bedeutet, ideal. Das historische Zentrum ist zu Fuß gut erreichbar. Oder man fährt für kleines Geld mit der Straßenbahn der Linie 8 zum Piazza Venezia beziehungsweise nimmt ein Taxi, was ebenfalls preislich akzeptabel ist. Aber Achtung: Nur mit eingeschaltetem Taxameter fahren oder den Preis vorher ausmachen. Wie in vielen Metropolen sind auch in Rom Halsabschneider unterwegs.

Sonnenuntergang – am schönsten vom Hügel

In Rom scheint es mehr Verliebte zu geben als anderswo auf der Welt. Überall schlendern Pärchen eng umschlungen durch die Gassen und sitzen Händchen haltend auf Brückengeländern oder Brunnenmauern. Noch größer wird die Verliebtenquote in den romantischen Abendstunden, die man am besten auf einem Hügel verbringt.

 

Den schönsten Sonnenuntergang erlebt man auf dem Monte Pincio, den man von der Piazza del Popolo über einen imposanten Treppenaufgang erklimmen kann. Der Blick auf den Platz mit dem Obelisken, auf den Tiber und den Petersdom ist grandios. Von dort kann man auf einem Höhenweg zur Villa Medici schlendern und erreicht wenig später die Kirche Trinità die Monti oberhalb der Spanischen Treppe. Der bevorzugte Sonnenuntergangshügel der Einheimischen ist der Aventin. 

 

Hier wandelt man durch einen Orangengarten, lauscht Jazzmusikern und schaut gebannt auf die Stadt, die sich langsam golden färbt. Wer in Trastevere wohnt, hat es nicht weit zum Gianicolo, der ebenfalls einen atemberaubenden Blick auf Rom bietet. Wer die Treppen auf den Hügel geschafft hat, wird nicht nur mit einer fantastischen Kulisse belohnt, sondern fühlt sich beim Anblick des mächtigen Brunnens geradewegs in den Sorrentino-Film „La Grand Bellezza“ hineinversetzt, dessen Eröffnungsszene hier gedreht wurde. Wenn in den Wintermonaten die Sonne früher untergeht, kann man auch zur Terrazza Caffarelli auf dem Kapitol pilgern. Das Café auf der Dachterrasse steht auch Gästen offen, die nicht Museumsbesucher sind, und bietet das volle Panorama auf die Ewige Stadt. Aber Achtung: Das Café schließt um 19 Uhr.

Testaccio – Foodtour im „Normalo“-Viertel

Das Stadtviertel Trastevere trotzt den Touristen und hat sich seinen Charme bewahrt. Wer es allerdings noch authentischer möchte, sollte einen Ausflug ins benachbarte Testaccio unternehmen. Nur wenige Touristen verirren sich in das ruhige und unaufgeregte ehemalige Arbeiterviertel, das mittlerweile gerne von Künstlern, Filmleuten und Designern als Wohn- und Arbeitsstätte gewählt wird.



Vor allem ist das Stadtviertel interessant für das, was man heute allgemein als „Foodtour“ bezeichnet. Einige spezialisierte Anbieter bieten solche kulinarische Spaziergänge an, doch lassen sie sich auch wunderbar auf eigene Faust unternehmen. Starten sollte man unbedingt in der Pasticceria Barberini an der Via Marmorata. 

 

Livrierte Kellner wuseln hinter dem Tresen in dem winzigen Café, häufen Minitörtchen auf die Teller und lassen wie am Fließband Espresso aus der Maschine strömen. Die Überraschung ist die Kundschaft: Hier finden sich die Normalos des Viertels ein – vom Familienvater mit Kleinkind auf dem Arm über Freundinnen, die sich zu einem Schwätzchen treffen, bis zu Jugendlichen, die sich ebenfalls gerne eines der köstlichen Küchlein genehmigen. 

 

Gleich neben dem Barberini wartet ein weiterer Gourmettipp: das Volpetti, ein Feinkostladen, der über und über mit Köstlichkeiten gefüllt ist. Um die Ecke ist die Taverna Volpetti, in der dicke Schinken unter der Decke hängen und deren Wände mit Weinregalen dekoriert sind. Hier lässt sich – zu sehr moderaten Preisen – vom Feinsten schlemmen und genießen.

Als Geheimtipp in Testaccio wird, ganz zu Recht, Trapizzino gehandelt. Genau genommen handelt es sich um ein Take-away, aber einen der besonderen Art. Raffiniert gewürzte Füllungen aus Fleisch, Gemüse und Sauce werden in knusprigen Brotecken serviert. Wer möchte, erhält einen Ständer für die Spezialsandwiches und kann diesen ins Lokal nebenan mitnehmen.

 

Für den Nachtisch kann man dann noch zum Angel’s House auf ein Eis gehen. Mango, Apfel, Feige? Dort gibt’s alles, lecker dekoriert und freundlich serviert. Hier noch ein Kunsttipp für Testaccio: Einen ungewöhnlichen Blick auf antike Kunst bietet das Centrale Montemartini an der Via Ostiense. 400 römische Statuen werden im ehemaligen Elektrizitätswerk ausgestellt und können inmitten von Dampfturbinen aus ganz ungewöhnlicher Perspektive betrachtet werden.

Kunst mal anders – berühmte Gemälde an versteckten Orten

Selbst Kunstbanausen reizt es zuweilen, einmal eines der ganz großen Werke zu bestaunen, ein Gemälde von Michelangelo etwa oder eines von Botticelli oder Raffael. Klar kann man versuchen, ein Zeitfenster in der Sixtinischen Kapelle zu ergattern und sich umdrängt von Menschen dem Kunstgenuss hingeben. Doch in Rom geht das auch viel einfacher und ganz stressfrei.

 

Ein wunderbarer Tipp ist ein Besuch der Villa Farnesina in der Via della Lungara in Trastevere. Ein reicher toskanischer Bankier ließ sie bauen und mit kostbaren Wandgemälden bestücken. Nur wenige Besucher wandeln durch die Hallen, so dass man die Gemälde von Raffael und seinen Mitstreiter ganz für sich hat. Einer der ganz großen Malernamen ist auch Caravaggio, ein von Legenden umrankter Künstler des Frühbarocks.

 

Drei mächtige Gemälde des Italieners sind in einer Kapelle der Kirche San Luigi dei Francesi nahe des Piazza Navona zu sehen. Allerdings sollte man 1-Euro-Stücke bereithalten, denn nur gegen Geld wird die Kapelle beleuchtet. Wer ungestört von Menschenmassen eines der zarten harmonischen Gemälde von Raffael studieren möchte, kann das in der Kirche Santa Maria della Pace machen. Im Kreuzgang nebenan lädt übrigens ein verstecktes Café zu einer kunstsinnigen Pause ein.

Überlebenstipps – so geht es ohne Stress durch Rom

Städtereisen sind anstrengend, vor allem wenn sie in große Metropolen mit hohem Sightseeing-Faktor wie Rom führen. Um die Tage in Rom entspannt zu genießen, sollte man einige Tipps beachten.

Schuhwerk: Bequeme Schuhe sind beim Sightseeing sowieso Pflicht. Doch in Rom sollte man auf Stöckelschuhe auch dann verzichten, wenn die Wege kurz sind. Viele Straßen sind mit Kopfsteinpflaster bestückt, so dass hohe Hacken das Gehen quasi unmöglich machen. Auch die ansonsten schick gestylten Römerinnen setzen auf flache Schuhe.

Koffer: Leichtes Gepäck ist immer ein guter Tipp auf Reisen. Doch auch dieser Grundsatz sollte für Rom besonders beachtet werden. Viele Orte und Häuser sind nicht mit dem Fahrzeug erreichbar, weil die Zufahrten gesperrt sind oder Treppen überwunden werden müssen. Schwere Koffer sind in diesen Fällen überaus lästig. Auch Rollkoffer helfen nur bedingt, da das Kopfsteinpflaster das Ziehen erheblich erschwert.

Wasser: Teures Flaschenwasser muss man in Rom nicht kaufen. Überall finden sich Brunnen, die sogenannten „Nasoni“, aus denen es fleißig sprudelt. Die Gratis-App „I Nasoni di Roma“ fürs iPhone zeigt alle Standorte. In etlichen Waschräumen wird der Wasserhahn übrigens mit einem Fußhebel in Gang gesetzt. Also erst einmal nach unten schauen, wenn sich kein geeigneter Knopf findet. 

Nepp: Die überwiegende Zahl der Restaurants in Rom ist kulinarisch auf der Höhe, hat einen netten Service und ist nicht zu teuer. Trotzdem sollte man auf die Speisekarte schauen, bevor man sich setzt. Vor allem an touristisch belebten Plätzen gibt es schwarze Schafe, die die üblichen Preise gut und gerne verdoppeln, ohne Qualität zu bieten. Gleiches gilt für Taxifahrer. Es empfiehlt sich, nur mit Taxameter zu fahren, vor allem wenn man Distanzen und Preise nicht kennt. Fahrkarten für Busse und Straßenbahnen gibt es übrigens am Kiosk. Aber Achtung: Am Sonntag sind diese in der Regel geschlossen.

Hinweis: Werbung, da Orts- & Markennennung. Die Reise erfolgte auf Einladung

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Drei Wünsche auf der Seufzerbrücke

 

Ich hole tief Luft und laufe los. Ich will die Brücke schaffen, darf zwischendurch keinen Atem holen. Denn nur dann gehen meine Wünsche in Erfüllung, so sagt die Legende. Vor allem Verliebte laufen über die Seufzerbrücke in Barranco, dem quirligen Künstlerviertel in Perus Hauptstadt Lima. Sie hoffen, dass ihre Zuneigung erhört wird. Meine Wünsche sind schlichter, aber nicht weniger dringend. Nach zwei Wochen Peru möchte ich vor allem eins – wiederkommen.

 

Ich hole tief Luft und laufe los. Ich will die Brücke schaffen, darf zwischendurch keinen Atem holen. Denn nur dann gehen meine Wünsche in Erfüllung, so sagt die Legende. Vor allem Verliebte laufen über die Seufzerbrücke in Barranco, dem quirligen Künstlerviertel in Perus Hauptstadt Lima. Sie hoffen, dass ihre Zuneigung erhört wird. Meine Wünsche sind schlichter, aber nicht weniger dringend. Nach zwei Wochen Peru möchte ich vor allem eins – wiederkommen.

Ich möchte noch einmal durch den Regenwald streifen, im Amazonas Piranhas angeln, mich durch Limas Restaurants schlemmen und in die Anden fahren. Möchte dort die klare Luft atmen, die Bäche sprudeln hören und noch einmal den atemberaubenden Blick auf die magisch schöne Inka-Stadt Machu Picchu genießen, die wie ein Märchenschloss inmitten einer üppig grünen Bergwelt liegt.

Wunsch Nummer eins: Immer wieder Machu Picchu

 

Unser Guide Alfonso gibt sich reichlich Mühe. Er hat sich wie ein Astronaut eingemummt, um sich gegen die heftige Sonneneinstrahlung  zu schützen und spannt zusätzlich einen Schirm auf. Wir laufen durch Machu Picchu. Nach Fluganreise in die Andenstadt Cusco, Bustour durch das heilige Tal der Inkas, Bahnfahrt nach Aguas Calientes und Busfahrt über schwindelerregende Serpentinen sind wir endlich am Ziel unserer Wünsche angekommen: in der sagenumwobenen Inkastadt Machu Picchu, die versteckt in der Anden-Bergwelt auf knapp 2.400 Metern Höhe liegt und erst 1911 für die westliche Welt entdeckt wurde.

Alfonso ist ein wandelndes Geschichtslexikon, könnte Stunden über diese Stätte erzählen. Doch Besucher, die das erste Mal nach Machu Picchu kommen, möchten nur eins: schauen, staunen und fotografieren. Alfonso hat ein Einsehen. Milde lächelnd führt er uns zu den schönsten Plätzen und wartet geduldig, bis das Kameraklicken verstummt ist. Er weiß genau, wo das Licht fürs Foto am besten steht und greift auf Wunsch auch gern zum Apparat, um seine Gäste zur Erinnerung mit Andenkulisse aufs Bild zu bannen.

Vom Regenwald des Amazonas bis zum Andenhochland mit der sagenumwobenen Inkastadt  Machu Picchu – Peru ist eine Schatzkiste für Abenteuerlustige

Wir haben Glück. Manchmal hüllt sich Machu Picchu geheimnisvoll in Nebel, doch heute hängt kein Wölkchen am Himmel. Von den Terrassenfeldern bietet sich ein glasklarer Blick auf das Bergplateau mit der alten Inkastadt. Umrahmt ist die geheimnisvolle Stätte von den mächtigen Bergen der Anden, die wie Soldaten Wache halten und in der Ferne im Dunst schimmern. Dort streifen auch heute noch Brillenbären, Pumas und Zwerghirsche durch die Nebelwälder, in denen Orchideen blühen und Farne wuchern.

Machu Picchu - Rundreise Peru - Jutta Lemcke (11 von 14)

Fotos: Jutta Lemcke

Drei Stunden geht es auf und ab, Hunderte von Fotos sind auf die Festplatten gebannt. Erschöpft und glücklich finden sich alle Besucher am Ende ihrer Rundtour an der Ausgangsstation ein. Machu Picchu ist ein Besuchermagnet, der jeden Tag eine Vielzahl von Menschen anlockt. Die gute Nachricht: Dieser wunderbare Ort wirkt trotzdem nicht überlaufen und hat nichts von seiner magisch schönen Ausstrahlung verloren.

Ich bin auf der Mitte der Brücke in Limas Künstlerviertel Barranco angekommen – noch reicht meine Luft für weitere Herzenswünsche. Machu Picchu möchte ich wiedersehen, doch auch nach Lima soll mich der Weg noch einmal führen. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, das steht fest. Zehn Millionen Peruaner wohnen in der Hauptstadt, rund ein Drittel der Landesbevölkerung. Lima ist ein Moloch mit 43 Distrikten, reichen und armen Vierteln, mit dichtem Verkehr und vielen nebelverhangenen Tagen. Der Nebel, das muss man sagen, ist ein Segen – denn in Lima regnet es nie. Lebensader ist der Rio Rimac, der pures Gletscherwasser in die Stadt spült, die 1535 vom spanischen Eroberer Francisco Pizarro in der Wüste gegründet wurde. Doch wer sich ins Innere Limas aufmacht, entdeckt ein pulsierendes und sehr emotionales Herz.

 

Wir streifen an einem Sonntag durch die Altstadt, die als eine der schönsten Südamerikas gilt und zum UNESCO-Weltkulturerbe der Menschheit zählt. Über den zentralen Plaza Mayor mit den schmucken Kolonialgebäuden schlendern Sonntagsausflügler. Kirchgänger streben zur Iglesia San Francisco mit ihrer prächtigen Barockfassade. Dort herrscht tumultartiges Treiben. Orgelmusik und Chorgesänge dringen durch das Hauptportal nach draußen. Wenig später quellen die Gläubigen heraus – ein  Prozessionszug mit grellbunt kostümierten und maskierten Menschen, die sich auf dem Vorplatz zu schrammeliger Blasmusik in wilden Tänzen drehen. Weihrauch wabert durch die Luft und Feuerwerkskörper knallen wie am Fließband.

Weihrauch wabert durch die Luft und Feuerwerkskörper knallen wie am Fließband

Wir vergessen die geplanten Museumsbesuche und verharren als Zaungäste, um diese turbulente Sonntagshow zu bestaunen. Doch einen Programmpunkt lassen wir uns nicht entgehen: die Katakomben unter dem Kloster Convento de San Francisco. Fotografieren und Filmen sind verboten, doch manch ein Wärter drückt ein Auge zu. Die Luft riecht modrig und die Schritte hallen überlaut durch die verwinkelten, düsteren Gänge. 70.000 Menschen sind hier begraben, ein unterirdischer Friedhof, der mit seinen Knochenbergen und fein säuberlich im Kreis angeordneten Schädeln für Gänsehaut sorgt.

Das Video “Kulinarik in Lima”

Doch oberirdisch ist Lima dem Leben voll zugewandt. Offensichtlicher Beleg ist die Spitzenstellung in Dingen Kulinark, derer sich die peruanische Hauptstadt erfreut. Fisch aus dem Amazonas, Algen aus dem Meer, schwarze Kartoffeln aus den Anden: Kaum eine Zutat wird ausgelassen, wenn Perus Chefköche die Löffel schwingen. Die einheimische Kochkultur zeigt Einflüsse aus Spanien, Afrika, China und Japan. Lima wird heute als kulinarischer Schmelztiegel kreativer Küche gefeiert. Die Chefs der Spitzenlokale genießen Kult-Status.  Wer die „Cocina Novoandiana“, die „Neue Andenküche“, kosten möchte, kann zum Beispiel ins „Central“ gehen, das immer wieder als bestes Restaurant des Kontinents gefeiert wird. In den angesagten Stadtvierteln Miraflores, Barranco oder San Isidro schießen Kulinariktempel wie Pilze aus dem Boden.

Wir möchten jedoch nicht nur schlemmen, sondern mit eignen Augen sehen, wie die Köstlichkeiten fabriziert werden. Wir schauen Mabel Aliaga über die Schulter, die im Restaurant „La Pergola“ im Schweizer Privatclub „Club Suizo“ peruanische Köstlichkeiten auf den Tisch bringt und ihre Fertigkeiten beim Showkochen öffentlich macht – bei Bedarf sogar auf Deutsch. Natürlich gibt es Ceviche, rohen Fisch in Unmengen Limettensaft mariniert, und den Rindfleisch-Klassiker Lomo Saltado, gefolgt von einem schaumbedeckten Pisco Sour. Nach Lima, das ist klar, muss man schon wegen der köstlichen Küche noch einmal zurückkehren.

Noch immer schreite ich über die Seufzerbrücke in Barranco – meine Luft wird knapp, doch einen Wunsch kann ich noch loswerden. Die Entscheidung ist einfach. Ich will noch einmal an den Amazonas. In die Dschungelmetropole Iquitos fliegen und mit einem tuckernden Boot auf dem milchkaffeebraunen Strom dahingleiten. Ich will Kaimane im Schilf aufscheuchen, Piranhas angeln, mich vor Taranteln gruseln und rosa Delfine durch Wasser gleiten sehen.

Gebrochene Knochen behandelt die Schamanin mit Anakonda-Fett

Und ich möchte noch einmal zur Schamanin Carola gehen. Schon vom Boot aus hörten wir ihren melodischen Singsang. Acht Jahre lang dauerte ihre Ausbildung zur Heilerin. Heute versorgt sie neun Dörfer am Amazonas – Geld nimmt sie nicht. Gebrochene Knochen behandelt sie mit Anakonda-Fett, gegen Haarausfall setzt sie Patchuli-Wurzeln ein und bei Depressionen hilft Ayahuasca, ein Elixier aus Lianen und Kaffeestrauchblättern. Zweimal in der Woche nippt sie selber an dem halluzinogenen Sud, der mittlerweile auch westliche Besucher an den Amazonas zieht. Menschen mit Suchtkrankheiten oder psychischen Problemen, denen die moderne Medizin nicht helfen konnte, erhoffen sich von dem uralten Heilmittel Linderung. Der Amazonas-Regenwald mit all seinen Baumgiganten, Orchideengärten, Riesenfarnen und leuchtenden Bromelien gilt als größte Apotheke der Welt.

Das Video zur Safari auf dem Amazonas

Mit unserem Guide Juan dringen wir in diese geheimnisvolle, immergrüne Welt ein. Ausgerüstet mit Gummistiefeln stapfen wir über den schlammigen Lehmboden. Lianen hängen wir Schlangen an den Riesenbäumen, Tukane krächzen in der Ferne und eine Horde von Seidenkopfäffchen turnt in einer mächtigen Zeder, deren Wurzeln mannshoch aus dem Boden ragen. Unten herrscht ewige Dämmerung. Nur wer den Kopf in den Nacken legt, kann hoch oben einige Fetzen blauen Himmel zwischen den Baumkronen ausmachen. Dort oben schwirren Kolibris durch die Luft und nippen vom Wasser, das sich in den Kelchen der Bromelien sammelt. Auf mittlerer Höhe gedeihen Orchideen und zeigen die ganze Vielfalt ihrer zarten Blüten in bizarren Formen und allen erdenklichen Farben.

Uns Menschen unten auf dem Erdboden bleiben die Frösche, Taranteln und Anakondas. Juan ist ein Kind des Regenwaldes und hat sie in Windeseile alle entdeckt. Er gibt sich jedoch wenig beeindruckt und setzt die Tarantel mit bloßen Händen auf ein Palmenblatt, damit alle ihre Fotos machen können. Auch die 2-Meter-Anakonda, die wir bald darauf in einem Bachbett erspähen, ist für Juan kein Aufreger.  „Anakondas und Kaimane halten wir hier als Haustiere“, erklärt er lässig.

Richtig Angst hätten die Amazonas-Bewohner allerdings vor den Delfinen, genau genommen vor den rosa Delfinen. Wir sind inzwischen wieder am Ufer angelangt und Juan weist auf das spiegelglatte Wasser einer Lagune, die dunkel im Schatten hoher Bäume schimmert. Plötzlich heben sich zwei pinkfarbene Rücken aus dem Wasser, wenig später steckt ein Delfin seine rosa Schnauze aus den Wellen. Rosa Delfine, so erzählt Juan, würden die jungen Mädchen aus den Dörfern entführen und sie in ihren Schlössern auf dem Grund des Amazonas gefangen halten. Unser Weltbild gerät ins Wanken: Anakondas sind niedliche Haustiere und pinkfarbene Flipper der gefürchtete Feind? Der Dschungel, so erkennen wir, schreibt seine eigenen Gesetze.

Weitere Informationen zur Reise nach Peru

Peru-Rundreise

Buchung am besten beim Spezialisten, zum Beispiel PERU HCT Viajes, der in Deutschland über Reallatino Tours (www.reallatino-tours.com) angefragt werden kann.

Flusskreuzfahrten Amazonas

Jungle Experiences hat drei Schiffe auf dem Amazonas im Programm: Zafiro (Schwerpunkt Luxus), La Perla (Schwerpunkt Expedition) und Amatista (Schwerpunkt Tradition) www.junglexperiences.com

Hotelempfehlungen

Lima: Hotel Westin Convention Center Lima. Stilvolles Stadthotel mit sehr komfortabler Ausstattung. www.westinlima.com

Cusco: Hotel Libertador Palacio del Inca Cuzco – The Luxury Collection Cuzco. Wunderbare Unterkunft mit historischem Flair im Herzen von Cusco. www.libertador.com.pe/hotel/palacio-del-inka/

Cusco: Hotel Costa del Sol Ramada Cusco. Hübsches Hotel mit netter Atmosphäre und perfekter Lage. www.costadelsolperu.com/cusco/

Heiliges Tal der Inka: Aranwa  Sacred Valley- Hotel & Wellness. Noble und sehr stilvolle Hotelanlage mit historischen Gebäuden. www.aranwahotels.com/hotel-valle-sagrado/

Double Tree by Hilton Hotel, sehr komfortables Stadthotel im Herzen der Dschungelmetropole. http://www.hiltonhotels.de/doubletree-by-hilton/

Show-Cooking in Lima: La Maga Catering- servicio culinario. www.lamagacatering.com

Rezept Pisco Sour

Zutaten: 90 ml Pisco, 30 ml Limettensaft, 30ml Zuckersirup, halbes Eiweiß, 3 Tropfen Amargo Chuncho Bitters, Eiswürfel. Zubereitung: Limetten auspressen. Pisco, Limettensaft, Zuckersirup, Eiweiß und eine Handvoll Eiswürfel in einem Cocktailshaker mindestens 30 Sekunden kräftig schütteln. Nach dem Einschenken ein paar Spritzer Bitters auf den Eischaum geben. (von Mabel Aliaga, Chefköchin im La Pergola im Club Suizo in Miraflores/Lima)

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung!

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Glitzerwelt Katar: Ideal für den Stopover

 

„Unsere Türme sind die schönsten am Arabischen Golf“, erklärt Tourguide Saif selbstbewusst und weist auf die schimmernde Skyline jenseits der Bucht von Doha. Da blinkert der Tornado-Tower wie mit einem Netz blauer Lichter überzogen. Daneben glänzt golden der Burj Qatar, der wegen seiner Form hinter vorgehaltener Hand „Kondom-Tower“ genannt wird.

 

„Unsere Türme sind die schönsten am Arabischen Golf“, erklärt Tourguide Saif selbstbewusst und weist auf die schimmernde Skyline jenseits der Bucht von Doha. Da blinkert der Tornado-Tower wie mit einem Netz blauer Lichter überzogen. Daneben glänzt golden der Burj Qatar, der wegen seiner Form hinter vorgehaltener Hand „Kondom-Tower“ genannt wird.

Doch nicht die Türme allein machen Katar zu einem lohnenswerten Kurztrip-Ziel. Das Emirat am Golf zeigt eine außergewöhnliche Kunstszene, lädt zum Paddeln in den Mangrovenwäldern und bietet den stimmungsvollsten Souk der Region. Ob für ein paar Stunden, einen Tag oder einen Wochenendtrip: Das Emirat mit den reichen Erdöl- und Erdgasvorkommen lockt mit Highlights und Geheimtipps.

Skyline an der West Bay

Ein Maler hätte die Skyline von Doha nicht besser in Szene setzen können. Wer sich mit der hölzernen Dhau über die Bucht von Doha nähert, genießt den besten Blick auf diese perfekte Komposition aus glitzernden Türmen. Sofort ins Auge fällt der Burj Qatar – mit 242 Metern nicht der höchste, aber der eindrucksvollste Wolkenkratzer. Die Außenhaut zeigt ein filigranes Muster und leuchtet in der Dunkelheit golden.  Nur der Beiname des Bauwerk von Jean Nouvel ist den Katari ein wenig peinlich: Kondom-Tower. Etwas außerhalb lockt „The Torch“, der Fackel-Turm. Das mit 300 Metern höchste Gebäude in Katar wurde als Wahrzeichen des Asian Games von 2006 gebaut und beherbergt heute ein 5-Sterne-Hotel und das Restaurant „Three Sixty“, ein Drehrestaurant, das einen einzigartigen Blick über Doha bietet.

Souk im alten Stil

Souks gibt es im arabischen Raum überall, doch nur wenige geben sich so stilvoll wie der Souq Waqif in der Altstadt von Doha. Schon seit Jahrhunderten feilschten Händler an dieser Stelle um Gold, Kamele und Gewürze. Der heutige Souk zeigt traditionelle Lehmhäuser und ist doch neu. Er wurde nach einem Großbrand 2003 wieder aufgebaut. Neben dem Gold-Souk und dem Falken-Souk finden sich viele kleine Shops für traditionelle Stoffe, gehämmerte Lampen, Parfüm und das beliebte „Oud“, ein Duftöl aus dem Harz des Adlerholzbaums. Zentraler Treffpunkt des Souks ist die alte Polizeistation, in der die Ordnungshüter auch heute noch Uniformen aus den 1940er-Jahren tragen. Besondere Tipps: das persische Restaurant Kebab Al Tayeb und das Asheerej, ein traditionelles Lokal mit arabischer Küche.

Museum mit Gesichtsschleier

Ein architektonischer Geniestreich ist das „MIA – Museum of Islamic Art“. Das sandfarbene Gebäude des Starchitekten I.M. Pei erinnert an eine arabisch gekleidete Frau mit Gesichtsschleier. Die eigentliche Schönheit des Bauwerks zeigt sich im Inneren. Eine weitläufige, spiralförmige Treppe führt bis unters Dach und erlaubt Blicke ins lichtdurchflutete Atrium. Wer dort im Café sitzt, genießt eine wunderbare Aussicht auf die Wolkenkratzer-Skyline Dohas. Die Ausstellung lässt Kunstfreunde frohlocken, denn das MIA zeigt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen islamischer Kunst. Keramiken, Textilien, Waffen und Dokumente werden in großzügig gestalteten und raffiniert ausgeleuchteten Ausstellungsräumen wie kostbare Schätze präsentiert. Nicht verpassen: den tollen Blick auf Doha von der Außenterrasse des MIA.

Stopover in Katar - Jutta Lemcke (11 von 18)

Paddeltrip durch die Mangroven

Wer dem städtischen Leben Katars entfliehen möchte, kann bei einem Paddeltrip der Natur ganz nahe kommen. Ausgerüstet mit Schwimmwesten geht es in stabilen Kajaks erst über die türkisschimmernde Lagune und dann in die Mangrovenwälder von Al Thakira nördlich der Stadt Al Khor. Die üppig grüne Vegetation bietet dem Auge einen erholsamen Gegensatz zu der faszinierenden, aber kargen Wüstenlandschaft des Emirats. Die knorrigen Mangroven, deren Holz seit jeher als Deckenbalken in den Lehmhäusern genutzt wird, bieten Flamingos, Reihern und einer Vielzahl kleiner, laut zwitschernder Vögel einen Lebensraum. Paddelkenntnisse sind übrigens nicht nötig: Die Lagune ist flach wie eine Badewanne, so dass Aussteigen während der Fahrt durchaus erlaubt ist.

Tradition trifft Technik

Die verschachtelten Lehmgebäude der Msheireb-Museen laden in vergangene Zeiten ein – und bieten dennoch den Luxus modernster Technik. Die Klimaanlage summt leise, es stehen eisgekühlte Getränke bereit und die Beamer projizieren 3-D-Animationen auf die Leinwände. Verschleierte Frauen huschen als Schattenrisse über die Wände und Gipsfiguren zeigen die Mühsal früherer Arbeiter. Vier historische Gebäude werden genutzt, um Erbe und Kultur Katars zu präsentieren. Besonders spannend ist das Company House, das die Entwicklung des Emirats vom Wüstenland zum superreichen Ölstaat anschaulich dokumentiert. Verantwortlich für den Museen-Komplex ist übrigens eine Frau: Her Highness Sheikha Moza Bint Nasser, Mutter des derzeitigen Emirs von Katar und für ihren großen Einfluss auf Politik und Wirtschaft des Landes bekannt.

Pool für Pferde

Wer denkt, die Katari fahren entweder Ferrari oder reiten auf Kamelen, liegt falsch. Im Emirat am Golf spielen Pferde eine bedeutende Rolle. Den edlen Vierbeiner hat das Land eine luxuriöse Heimstatt gebaut: das Al Shaqab. Das Gestüt beherbergt rund 1000 Araberpferde – gut 100 gehören dem Emir persönlich. In Al Shaqab wird gezüchtet, medizinisch versorgt und für Pferderennen trainiert. Bei allem genießen die teuren Tiere 5-Sterne-Luxus. Gipfel des Komforts: ein Schwimmbad für die vierbeinigen Araber.

Weitere Informationen

Anreise: Qatar Airways bietet Flüge nach Doha und ist die richtige Wahl für einen Stopover in Katar (www.qatarairways.com).

Unterkunft: Eine stilvolle Unterkunft bieten die Souq Waqif Boutique Hotels. Die neun Häuser sind zum Teil in alten Souk-Gebäuden untergebracht. Sie bieten Luxus und traditionelles Ambiente mitten im Souk (www.swbh.com). Wer an der West Bay und damit direkt im Wolkenkratzer-Viertel wohnen möchte, kann das Intercontinental Doha – The City wählen. Intercontinental bietet auch, wie viele der anderen Hotelketten, ein Strandhotel mit großem Pool (www.intercontinental.com).

Vor Ort: Ein engagiertes Unternehmen für Aktivitäten vor Ort ist Middle East Adventures (E-Mail: [email protected])

Auskünfte: Ausführliche Informationen zu Geschichte, Sehenswürdigkeiten und aktuellen kulturellen Events finden sich auf der offiziellen Website von Qatar Tourism (www.qatar-tourism.com).

Hinweis: Die Reise fand auf Einladung statt.

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Kapstadt: Eine Liebe fürs Leben

 

Verwöhnt von der Sonne, umarmt von zwei Meeren: Kapstadt wird nicht von ungefähr immer wieder zum attraktivsten Ende der Welt gekürt. Mit Superlativen sollte man vorsichtig sein – doch „Mothercity“ ist schon von Natur aus mit verschwenderischer Schönheit ausgestattet. Dazu wirbt Kapstadt mit einer kunterbunten Kulturszene und lockt mit sprühender Lebenslust.

 

Verwöhnt von der Sonne, umarmt von zwei Meeren: Kapstadt wird nicht von ungefähr immer wieder zum attraktivsten Ende der Welt gekürt. Mit Superlativen sollte man vorsichtig sein – doch „Mothercity“ ist schon von Natur aus mit verschwenderischer Schönheit ausgestattet. Dazu wirbt Kapstadt mit einer kunterbunten Kulturszene und lockt mit sprühender Lebenslust.

Traumhafte Buchten, klarer Himmel, blühende Gärten und die idyllischen Winelands direkt vor der Haustür: Das alleine würde reichen, um sich in diese Stadt zu verlieben. Doch zusätzlich, wie ein  dickes Sahnehäubchen obendrauf, stemmt sich auch noch der Tafelberg rund 1000 Meter in die Höhe und thront wie ein Fanal über der 3-Millionen-Metropole. Dieser steinerne Koloss am Ende des Kontinents zeigt jeden Tag ein neues Gesicht – mal wolkenverhangen und düster, dann im Abendlicht schimmernd wie eine Fata Morgana, dann wieder strahlend und klar. Dann scheint er zu locken, kommt hoch und schaut euch die Stadt zu meinen Füßen an. Wer nur kurz in Kapstadt ist, sollte den Berg immer im Auge behalten. Sobald der Wind das „Tischtuch“ weggefegt hat und sich der launische Koloss wolkenlos zeigt, heißt es: Ab in die Seilbahn und hoch. Der Ausblick ist grandios. Wie auf einem Wimmelbild schmiegt sich das Häusermeer rund um den Tafelberg und den kleineren Lion’s Head. Das Stadion zur Fußballweltmeisterschaft 2010, die dem Land einen ordentlichen Entwicklungsschub verpasst hat, ist als kleines Rund in der Tiefe auszumachen.

In der Ferne schimmert Robben Island

In der Ferne schimmert Robben Island, die Gefangeneninsel, auf der Freiheitskämpfer und Nationalheld Nelson Mandela 18 Jahre inhaftiert war. Gut erkennbar ist auch die Victoria & Alfred Waterfront mit den edlen Hotels, schicken Malls und trendigen Restaurants. Nicht weit entfernt blinkert es in allen Regenbogenfarben: Hier liegt das Bo-Kaap-Viertel mit den farbenfrohen Häusern und verwinkelten Gassen, in dem die muslimische Gemeinde ihr Zuhause hat. Eingerahmt ist diese Szene von kleinen Buchten, die sich an der Küste aneinanderreihen und den glitzernden Wellen des Atlantischen Ozeans, der am Horizont mit dem strahlend blauen Himmel verschmilzt. Wer oben auf dem Tafelberg steht, kommt schnell zu dem Schluss, dass es eine Lebensaufgabe ist, diese Stadt vollständig auszukosten. Wer kürzer bleibt, muss sich der Qual der Wahl stellen.

Kunst, Kitsch und Kulinarik

Die Victoria & Alfred Waterfront ist schon seit Jahren eine der Hauptattraktionen für Touristen. Das elegant aufgemöbelte ehemalige Werftgelände mit vielen historischen Gebäuden beherbergt heute edle Hotels, moderne Shopping-Malls und rund 50 Restaurants und Bars. Dazu gibt es Kinos, Kunstmärkte und das Two Oceans Aquarium. Neues Highlight ist seit September 2017 das Zeitz MOCAA Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst. Ein nicht mehr genutztes Getreide-Silo wurde entkernt und um einen Glasaufbau erweitert. Darin untergebracht ist die Kunstsammlung von Ex-PUMA-Chef Jochen Zeitz, der auch Mitnamensgeber des neuen Kulturtempels ist. Unbedingt ansehen – vor allem die Architektur ist spektakulär! In den oberen Etagen ist das Silo Hotel untergebracht, das eine tolle Rooftop-Bar bietet.

Bo-Kaap-Viertel: Kunterbunte Idylle

Das Bo-Kaap-Viertel ist eine idyllische Oase downtown Kapstadt. Hier wohnt in kunterbunten Häuschen die muslimische Gemeinde der Stadt. Es sind die Nachfahren der im 17. und 18. Jahrhundert aus Südostasien ans Kap verschleppten Sklaven. Das malerische Bo-Kaap mit den verwinkelten Gassen und farbenfrohen Häuserzeilen ist beliebtes Postkartenmotiv und gilt als Must-see für Touristen. Tipp: Einige der geführten Touren bieten den Besuch bei einer einheimischen  Familie an, die zu diesem Anlass kapmalaiische Leckereien auftischt. Wem die indisch inspirierten Köstlichkeiten schmecken, kann auch einen Kochkurs buchen.

Hier trifft sich die Szene: Long Street, Woodstock, Observatory

Wer das junge Herz Kapstadt schlagen hören möchte, schlendert am besten die Long Street entlang, bewundert die viktorianischen Häuser, stöbert in Trödel- und Antiquitätengeschäften und genießt seinen Espresso in einem stylischen Café. Eine kleine, aber spannende Szene hat sich auch an der oberen Bree Street angesiedelt. Die alternative Gemeinde trifft man allerdings vor allem in den Stadtvierteln Woodstock und Observatory. Galerien, Bio-Shops, Street-Art und Backpacker-Hostels bestimmen hier das Bild.

Historischer Rundgang: Weg in die Freiheit

Wer das heutige Südafrika verstehen möchte, muss in die Vergangenheit blicken. An kaum einem Ort geht das besser als in Kapstadt. Ein historischer Rundgang zeigt das kulturelle und historische Herz der Metropole. Die Geschichte der Stadt begann im Company’s Garden. Hier baute im 17. Jahrhundert die The Dutch East India Company Obst und Gemüse an, um die Schiffe auf ihrem Weg nach Asien mit dringend benötigter Frischware zu versorgen. Bei der Tour durch Kapstadts Zentrum trifft man auf all die großen Namen der Geschichte wie Jan Smuts, Cecil John Rhodes und natürlich Nelson Mandela. Alle haben sie ihre Spuren in Kapstadt hinterlassen. Im Abstand von nicht einmal hundert Metern hatten drei Friedensnobelpreisträger ihre Wirkungsstätte: Frederik de Klerk und Mandela im Parlamentsgebäude und Erzbischof Desmond Tutu in der St. George’s Anglican Cathedral gleich nebenan.

Camps Bay: Leben am Meer

Seapoint, Fresnaye, Bantry Bay und schließlich Camps Bay – wie an einer Perlenkette aufgezogen reihen sich die beliebten Stadtviertel mit Meerblick  an der Atlantikküste entlang. Vor allem in der Vorzeigebucht Camps Bay, das auch mit dem Hop-on-Hop-off-Bus erreichbar ist, treffen sich die Betuchten und Schönen und lassen mit Blick aufs Meer den Tag vorbeiziehen. Wer in Kapstadt den Easy-way of-life genießen möchte, ist hier richtig. Den schöneren Blick auf die Stadt und den Tafelberg hat man allerdings von Norden aus, etwa vom Milnerton Beach, von Big Bay oder Bloubergstrand.

Kirstenbosch: Grüne Oase

Kapstadt bietet Attraktionen für alle Wünsche: Neben Meer, Bergen, Kultur und Lifestyle kommen auch Natur- und Gartenfans nicht zu kurz. Hauptanziehungspunkt ist der Kirstenbosch National Botanical Garden – eine vor mehr als einhundert Jahren angelegte Parkanlage mit einheimischen Gewächsen  wie Heidekräutern, Palmfarnen und Sukkulenten. Eine wunderbare Idylle, die vor allem am Wochenende von Captonians mit riesigen Picknickkörben aufgesucht wird. Tipp: Im Sommer hier unbedingt die Freiluftkonzerte besuchen!

Spektakulär: Zum Kap der Guten Hoffnung

Wer Kapstadt besucht, wird sich eine Fahrt zum Kap der Guten Hoffnung nicht entgehen lassen. Auf dem Chapman’s Peak Drive, einer spektakulären Küstenstraße, geht es gen Süden. Links erhebt sich das Tafelbergmassiv, rechts glitzert der Ozean in der Tiefe. Das Ziel dieses Ausflugs ist Cap Point, ein 250 Meter hohes Kliff, das auf der Spitze einen Leuchtturm trägt. Das half den früheren Seefahrer allerdings nicht immer: Vor dem Kliff liegen zahlreiche Schiffswracks auf Grund. Auf dem Rückweg geht es meist zum Boulders Beach bei Simonstown mit einer großen Population possierlicher Afrikanischer Pinguine.

Bilderbuchidylle: Auf in die Winelands

Vor den Toren Kapstadt warten die viel gepriesenen Winelands. Im Dreieck der Weinorte Stellenbosch, Paarl und Franschhoek wachsen die edlen Trauben. Rund 300 Weingüter sind hier ansässig und laden in historischem Ambiente zu Weinverkostungen, kulinarischen Events und Übernachtungen ein. Viele der Weingüter blicken auf eine lange Vergangenheit zurück und schmücken sich mit perfekt restaurierten Herrenhäusern im kapholländischen Stil. Die kürzeste Weinroute ist übrigens nur 30 Autominuten von Kapstadts Zentrum entfernt. Am Südhang des Tafelbergs findet sich das historische Gut Groot Constantia mit einem pittoresken Herrenhaus, in dem ein Museum untergebracht ist.

Weitere Informationen

Hinweis: Derzeit herrscht in Kapstadt Wasserknappheit. Die Bevölkerung ist angehalten, nicht mehr als 50 Liter am Tag zu verbrauchen. Mit Beginn der Regenzeit im Mai könnte sich die Lage entspannen, falls genug Niederschläge niedergehen. Wer eine Reise plant, sollte sich über die aktuelle Lage informieren.

Empfehlenswerte Unterkünfte: Das Sea Five ist ein sympathisches Boutiquehotel mit schönem Blick in Camps Bay (www.seafive.co.za). Restaurants und die Strandpromenade sind zu Fuß erreichbar. Für betuchte Gäste bietet sich die Zehn-Zimmer-Villa Ellerman House in Bantry Bay an. Hier findet sich auch die größte Privatsammlung südafrikanischer Kunst (www.ellerman.co.za). Das Belmond Mount Nelson strahlt historisches Ambiente aus und bietet den stilvollsten High-Tea am Kap (www.belmond.com).

Empfehlenswerte Weingüter: Boschendal mit großem Park und Museum (www.boschendal.com); Holden Manz, ein kleines, feines Weingut mit herzlichem Service (www.holdenmanz.com); Babylonstoren, eine idyllische Anlage mit großem Bauerngarten (www.babylonstoren.com)

Weitere Tipps:

Führung durchs Bo-Kaap mit Toufiek Mustapha: Yusuf Tours, www.yusuftours.com, [email protected], [email protected],  +27 73 8999 381

Auskünfte: Deutschsprachige Informationen zum Reiseland Südafrika sind erhältlich unter www.dein-suedafrika.de oder der kostenfreien Service-Nummer 0800/1189118.

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Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

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Art-déco-Mekka Miami: Feel the Sunshine

 

Wer in Miami Beach durch die Straßen schlendert, fühlt sich wie einer der obercoolen Rauschgiftfahndern Sonny Crocket und Ricardo Tubbs. In der Kultserie Miami Vice rasten die beiden Glamour-Boys mit ihren Luxusschlitten durch die Straßen Miamis oder preschten mit schnellen Jachten durch die Biscayne Bay – im Hintergrund immer die bonbonbunte Art-déco-Kulisse von Miami Beach. Die beiden smarten Jungs in ihren pastellfarbenen Sakkos und Lederslippern jagen zwar schon lange keine knallharten Gangster mehr, doch der lässig-coole Lebensstil à la Miami Vice ist immer noch präsent.

 

Wer in Miami Beach durch die Straßen schlendert, fühlt sich wie einer der obercoolen Rauschgiftfahndern Sonny Crocket und Ricardo Tubbs. In der Kultserie Miami Vice rasten die beiden Glamour-Boys mit ihren Luxusschlitten durch die Straßen Miamis oder preschten mit schnellen Jachten durch die Biscayne Bay – im Hintergrund immer die bonbonbunte Art-déco-Kulisse von Miami Beach. Die beiden smarten Jungs in ihren pastellfarbenen Sakkos und Lederslippern jagen zwar schon lange keine knallharten Gangster mehr, doch der lässig-coole Lebensstil à la Miami Vice ist immer noch präsent.

Vor allem ist Miami Beach in den USA nach wie vor das Mekka für Art-déco-Fans, die aus aller Welt kommen, um einmal im Leben den berühmten Ocean Drive mit seinen reliefverzierten Häusern in Erdbeerrot, Mintgrün und Sonnengelb entlangzubummeln.

Miami Beach ist Mekka für Art-déco-Fans

Wer dieses Baudesign der 1930er-Jahre liebt, sollte es sich nicht nehmen lassen, in einem stilechten Haus zu nächtigen. Ein Schmuckstück ist das Como Metropolitan Miami Beach Hotel in einem Gebäude von Albert Anis, der als einer der führenden Art-déco-Architekten Miamis gilt. Mit tropischen Farben und fröhlicher Ornamentik verlieh er dem ursprünglich aus Frankreich stammenden Art-déco eine exotische Note. Im Como-Hotel an der Collins Avenue, das 2014 komplett renoviert wurde, sind viele liebenswerte Details aus den 1930er-Jahren wie der Terrazzo-Boden und die mit Glaskugeln verzierten Galeriegeländer erhalten geblieben. Aufgefrischt wurde das immerhin schon fast 100 Jahre alte Art-déco-Design durch moderne Stilelemente, ausgefeilte Technik und charmante Details – eine reizvolle Mischung für einen stilvollen Aufenthalt.

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Alle Fotos by Jutta Lemcke

Wer sich in das lässige, unprätentiöse Beachlife-Design des Como-Hotels verliebt hat, wird auch gerne an den Ocean Drive fahren, um diese Vorzeigestraße des Art-déco zu erkunden. Hier reiht sich ein bonbonbuntes Haus an das nächste, es locken Hotels, angesagte Restaurants und stylische Bars. Oldtimer cruisen mit offenem Verdeck durch die Gassen und selbstverliebte Schönheiten zeigen ihre modellierten Bodys in schrillen Outfits. Mit einem Cocktail in der Hand genießen die Müßiggänger die Sonne und lassen den Tag an sich vorbeiziehen. Entlang der Strandpromenade finden sich eingezäunte Plätze mit Reckstangen und allerlei anderem Gerät – nicht etwa für Kinder zum Spielen, sondern für Bodybuilder, die dort versuchen, ihre sowieso ideal geformten Körper noch weiter zu perfektionieren.

Hier werden Muskeln trainiert, von denen der Normalsterbliche noch nicht einmal weiß, dass sie existieren. Zuschauer sind übrigens durchaus willkommen, schließlich geht es in Miami Beach vor allem ums eins: Sehen und Gesehen werden. Doch keine Bange, selbst wer selber lange kein Fitnessstudio mehr von innen gesehen hat, wird wie selbstverständlich in diese lässige Gemeinde aufgenommen und kann am Strand oder am Ocean Drive den easy way of life genießen.

Sahnestücke des Art-déco zwischen 5th und 14th Street

Die Sahnestücke des Art-déco finden sich zwischen 5th und 14th Street. Wie wäre es also mit einem Eistee vor dem Colony Hotel oder einem Snack im News Café, das als Stammkneipe der Berühmtheiten gilt und deshalb regelmäßig von Touristen auf Promisuche aufgesucht wird? Kubanisches Flair bieten das Larios on the Beach oder das Mango’s Tropical Café. Der Vorteil: Alles liegt dicht beisammen, so dass beim Bummeln jede Menge Zeit bleibt, um eine Pause einzulegen und dem Treiben zuzuschauen. Wer genug hat, schlendert hinüber zum Lummus Park oder gleich an den Strand mit den originellen quietschbunten Life-Guard-Hütten und lässt sich das herrlich warme Golfstromwasser um die Füße plätschern. Ein toller Tipp für alle Fußmüden: Miami Beach lässt sich wunderbar mit dem Fahrrad erkunden. Überall finden sich City-Bike-Stationen, an denen per Kreditkarte Zweiräder ausgeliehen werden können. Die Rückgabe ist ganz unkompliziert an irgendeiner anderen Station ganz nach Lust und Laune möglich – das garantiert volle Flexibilität und ermöglicht eine sehr entspannte Art, auf Entdeckungstour zu gehen. Wer architektonisch tiefer eintauchen und mehr über die Art-déco-Fassaden erfahren möchte, kann eine der 90-minütigen Führungen buchen, die vom Art Deco District Welcome Center organisiert werden. Oder er leiht sich dort einen Audioguide und macht sich auf eigene Faust auf einen Streifzug zu den circa 800 Art-déco-Gebäuden in South Beach.

Vergnügungssüchtige aus Miami stürzen sich ins Nachtleben

Am Abend wandelt sich das Bild in South Beach. Dann kommen Vergnügungssüchtige über die Bucht aus Downtown Miami und stürzen sich ins Nachtleben, das hier bunt, schrill und auch ein wenig snobby ist. Viele starten mit einem Cocktail auf einer Rooftop-Bar in die Nacht. Eine der beliebtesten ist die C-Level Rooftop-Bar direkt am Ocean Drive auf dem Dach des Hotels The Clevelander. Ebenfalls eine Top-Adresse ist The 1 Rooftop in der 18. Etage des 1 Hotel. Hier warten ein Wahnsinnsblick, leckere Cocktails und einer der schönsten Pools in Miami. Als Dresscode für die Rooftop-Bars gilt übrigens „Miami-chic“ – das bedeutet, dass man mit lässig-schicker Kleidung goldrichtig liegt – easy way of living also auch in puncto Styling.

Weitere Informationen zur Reise nach Miami Beach

Übernachten: Como Metropolitan Miami Beach, 2445 Collins Ave, Miami Beach, Florida. Stilvolles Art-déco-Haus mit 74 Zimmern, direkt am Strand und zentral zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gelegen.

Art déco: Erste Anlaufstelle ist das Art Deco Welcome Center direkt am Ocean Drive, 1001 Ocean Drive, Miami Beach, Florida

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

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