Alle Artikel von Jürgen Hoffmann

Redaktion Reisemagazin breitengrad53.deJürgen P. Hoffmann arbeitet als freier Wirtschafts- und Reisejournalist in Hamburg. Der Diplom-Volkswirt ist für Tages- und Wochenpublikationen wie Die Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung, Wirtschaftswoche u.a. tätig. Die Themenschwerpunkte des „Redaktionsbüro Hoffmann“ (www.redhoffmann.de“) sind Finanzen, Karriere, Immobilien, Energie, Mittelstand und Reise. Zu den Büchern, die Jürgen P. Hoffmann veröffentlicht hat, gehören „Öl – vom ersten bis zum letzten Tropfen“ und „Die großen Wirtschafsdenker“. Als Co-Autor war er beteiligt an „Wie Sie Menschen überzeugen: Kommunikation für Führungskräfte“ und „Die Person hinter dem Produkt“.

Tel Aviv übt eine ungeheure Strahlkraft aus

“Wir sind immer in Angst, dass morgen der nächste Krieg beginnt. Deshalb leben wir im Hier und Jetzt, genießen jeden Tag, als sei es der letzte in Frieden.” Der Taxi-Fahrer, der uns vom Flughafen Ben Gurion zu unserem Hotel fährt, ist 55, 58, vielleicht 60 Jahre alt. Ähnlich fatalistisch hören sich viele Israelis an, mit denen wir in den zehn Tagen Anfang Mai sprechen.

Wir sind immer in Angst, dass morgen der nächste Krieg beginnt. Deshalb leben wir im Hier und Jetzt, genießen jeden Tag, als sei es der letzte in Frieden.” Der Taxi-Fahrer, der uns vom Flughafen Ben Gurion zu unserem Hotel fährt, ist 55, 58, vielleicht 60 Jahre alt. Ähnlich fatalistisch hören sich viele Israelis an, mit denen wir in den zehn Tagen Anfang Mai sprechen.

Viele von ihnen, ältere und junge, insbesondere jüdischen Glaubens empfinden ihr Leben im Heiligen Land, das seit 70 Jahren von Unruhen und Bedrohungen, Raketen und Panzern geprägt ist, als Geschenk. Touristen werden mit Freundlichkeit, Interesse und Stolz empfangen. Selbst in diesen Tagen, an denen im Westjordanland wie im Gazastreifen gekämpft und getötet wird, ist Israel eine Reise wert.

Die Ausgangssituation war die wohl schwierigste in der Geschichte eines Staates überhaupt: Am Nachmittag des 14. Mai 1948 ruft der Politiker Ben Gurion im Stadtmuseum von Tel Aviv den Staat Israel aus, nur ein paar Stunden später wird das Land von Ägypten, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien angegriffen.

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Der Umbau der Strandpromenade in Tel Aviv verschlingt mehr als 150 Millionen Schekel. (Fotos im Text: Jürgen Hoffmann | Titelbild (c) Fotolia – Stanislav Samoylik #164495244)

Israel hat keine natürlichen Ressourcen

Israel befindet sich direkt nach seiner „Geburt“ im Krieg. Das Land, das keine natürlichen Ressourcen besitzt, weder Erdöl noch Erdgas, Eisen, Gold, Kohle, Holz oder Wasser, muss seine finanziellen Mittel statt in den Aufbau seiner Wirtschaft und des Fremdenverkehrs in seine Verteidigung stecken. Erst nach und nach entwickelt sich der Tourismus, dann aber mit großem Erfolg.

Vor allem die junge, erst 1909 gegründete kosmopolitische Metropole Tel Aviv, auf Hebräisch “Hügel des Frühlings”, ist heute eine Touristen-Hochburg. Der Rothschild-Boulevard ist eine repräsentative Prachtmeile, die Sheinkin Street die interessanteste Adresse für Mode, Schmuck und Lederwaren und die Promenade am kilometerlangen Pulversand-Strand, die seit zwei Jahren aufwendig umgebaut wird, der Laufsteg der hippen, jungen Bewohner der Stadt, von denen gefühlt jeder zweite mit einem E-Bike unterwegs ist. Die Gastronomie- und Club-Szene ist bunt und laut. Juden, Araber und Palästinenser leben in der Metropole meist friedlich und fröhlich zusammen. Aber: Tel Aviv ist nicht Israel, sondern ein Land für sich. Hier herrscht Lebenslust, unpolitischer Hedonismus. Die Bewohner gehen eher an den Strand als in die Synagoge.



Tel Aviv ist attraktiv wie New York oder London

Kamen vor zehn Jahren noch sechs von zehn Touristen mit organisierten Gruppenreisen nach Tel Aviv, sind es heute nur noch 15 oder 20 Prozent. Für Individualreisende ist die Stadt am Mittelmeer so attraktiv wie New York oder London. Es gibt sehr gute Hotels – teuer! – und unzählige private Airbnb-Apartments, trendige Bars und Cafés an jeder Ecke. Ein Muss ist ein Besuch der Altstadt. In Old-Jaffa stand die Wiege Tel Avivs. Von hier zogen vor 110 Jahren die ersten Einwohner in die vor den Mauern der Siedlung liegenden Dünen.

Ein Bummel über den berühmten Flohmarkt, durch die Galerien und Boutiquen in Old-Jaffa macht Spaß und inspiriert. Und in einem Restaurant wie dem „The Old Man & The Sea“ im Hafen zu speisen kommt einer Orgie für den Gaumen gleich. 15 bis 20 kleine Schüsseln mit Hummus und Falafel, Medjool-Datteln und Schakschuka, ein Gericht aus Eiern mit frischen Tomaten und Gewürzen, werden schon vor der Bestellung des Gastes auf den Tisch gestellt. Dann erst fragt der Kellner, ob man dazu Fisch oder Fleisch essen möchte. Es sind die frischen Zutaten und die Art der Zubereitung, die Israels Küche und die der ganzen Region einzigartig machen.

Die nettesten Leute lernen wir im “Weißen Viertel” kennen

Die nettesten Leute lernen wir im „Port Sa´id“ in der Har Sinai Street 5 im „Weißen Viertel“ Tel Avivs kennen. Das Restaurant landet bei Befragungen regelmäßig unter den fünf oder zehn besten Esslokalen der Stadt. In diesem Quartier stehen rund 4.000 Häuser, die vorwiegend in den 1930er Jahren im Internationalen Stil (viele Bauhaus-Elemente) errichtet worden sind. Ein Großteil der Architekten waren deutschstämmige Juden, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Deutschland Richtung Israel verließen. Die Bezeichnung „Weißes Viertel“ rührt aus den weiß getünchten Fassaden, die sich deutlich von den vorhandenen Baustilen der damaligen Zeit unterschieden. 2003 wurde der Stadtteil zum Unesco-Welterbe ernannt.

Während unserer Reise blieb es ruhig in Tel Aviv

Während unserer Reise blieb es ruhig in Tel Aviv. Von den aktuellen Unruhen, ausgelöst durch die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, die viele Araber als Provokation empfinden, und den 70. Jahrestag des „Nakba“ – der 15. Mai 1948 gilt als Beginn der Flucht und Vertreibung von rund 700.000 arabischen Palästinensern aus dem früheren britischen Mandatsgebiet – war in der Metropole am Meer nichts zu spüren. Doch das leichte, schöne Leben hier kann sich schnell verändern. 2014 flogen Raketen aus dem Gazastreifen auf die Stadt. Wenn Alarm ertönt, bleiben den Menschen, Bewohnern wie Touristen, 60 Sekunden, um sich in Sicherheit zu bringen. Im Sommer 2016 erschossen zwei Palästinenser im Viertel Sarona vier Israelis.



Die Menschen in Tel Aviv feiern das Leben

Fazit: Tel Aviv übt eine ungeheure Strahlkraft aus. Die Menschen – wie unser Taxi-Fahrer- feiern das Leben, obwohl sie das Chaos umgibt. Acht oder zehn Tage auf dem „Hügel des Frühlings“ wirken inspirierend und entspannend. Um sich ein Bild vom gesamten Land machen zu können, muss man aber mindestens auch die Altstadt von Jerusalem und die Hafenstadt Haifa besuchen, auf den Tafelberg von Masada klettern, auf dem sich die Festung von König befindet, und sich einmal im Toten Meer (Salzgehalt: bis zu 33 Prozent. Mittelmeer: 3,8 Prozent) treiben lassen. Mindestens.

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Digitale Briefkästen für Vielreisende

Wer viel reist, kennt das Problem: Der Post-Berg wächst. Nicht nur der aus Briefen, die auf herkömmliche Weise von der Gelben Post gebracht werden, sondern auch der der elektronischen Briefe. Viele der rund sechs Millionen Deutschen, die privat oder geschäftlich viel auf Reisen sind, lassen sich ihre Post aufwendig nachschicken – und verpassen dennoch wichtige Termine.

Wer viel reist, kennt das Problem: Der Post-Berg wächst. Nicht nur der aus Briefen, die auf herkömmliche Weise von der Gelben Post gebracht werden, sondern auch der der elektronischen Briefe. Viele der rund sechs Millionen Deutschen, die privat oder geschäftlich viel auf Reisen sind, lassen sich ihre Post aufwendig nachschicken – und verpassen dennoch wichtige Termine. Kein Wunder, dass der Markt der Dienstleister wächst, die helfen wollen, die Post-Berge abzubauen.

Sie heißen Caya oder Condecco, Digitalkasten, Dropscan, Movinga, myDropmail oder SubmitBox – fast zwei Dutzend Anbieter tummeln sich auf dem Markt der Digitalisierung von Briefpost. Die meisten ähneln sich in ihrer Arbeitsweise: Sie werden vom Reisenden beauftragt und informieren die Deutsche Post per Nachsendeauftrag, dass ihre Briefe für die zwei, vier oder sechs Monate der Abwesenheit beim Dienstleister abgegeben werden. Der scannt die Schriftstücke und sendet sie dem Kunden innerhalb weniger Stunden als pdf-Datei via E-Mail-Account oder App zu.

Der Vorteil: Der Reisende muss nicht ständig jemanden bitten, den Briefkasten regelmäßig zu leeren und wichtige Korrespondenz zu öffnen oder nachzusenden, damit man keine Fristen versäumt. Stattdessen kann er von unterwegs aus über sein Smartphone selbst reagieren, wenn er es für notwendig hält – vom Strand auf Mallorca, von der Lodge in Südafrika oder vom Hafen in Piräus aus.

Die Postscan-Services erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Selbst die Deutsche Post fährt mit auf dem Zug. Ihre digitale Ergänzung zum Briefkasten an der Haustür heißt E-Postscan und kostet 24,99 Euro pro Monat. Alle Originale werden verwahrt und nach der Rückkehr von der Reise auf die analoge Weise ausgeliefert. Zum Vergleich: Die im vergangenen Jahr gegründete Firma Digitalkasten erhebt von Privatpersonen eine monatliche Gebühr von 20 Euro. Darin enthalten ist zwar die unbegrenzte Digitalisierung der Post, wer die Originale aber länger als 30 Tage im Safe archivieren möchte, muss 50 Cent pro Brief und Monat extra berappen. Will der Kunde die Originale haben, zahlt er für jede bis zu 15 Dokumente umfassende Sammelsendung 2,50 Euro plus Versandkosten.

Das Kölner Startup Evy Solutions geht mit seiner App Companion einen Schritt weiter als andere Anbieter: Neben der täglichen Post, die spätestens 24 Stunden nach Eingang aufbereitet in der App zur Verfügung steht, fließen auch E-Mails inklusive PDF-Anhängen in den mobilen Assistenten ein. Damit kann die gesamte Post – unabhängig von der Quelle – zentral verwaltet werden. Evy nutzt dafür eine im eigenen Haus entwickelte künstliche Intelligenz. Sie wertet die Inhalte sämtlicher Dokumente aus, verschlagwortet sie und gibt dem Nutzer Handlungsempfehlungen.

Wichtige Termine und Fristen werden erkannt und in den persönlichen Kalender übernommen. Benachrichtigungen (per Push-Funktion oder SMS) halten über wichtige Ereignisse und Vorgänge auf dem Laufenden. Michael Vogel, einer der beiden Firmengründer, ist auf diese Idee gekommen, als er als selbständiger Unternehmensberater es leid war, bei Zwischenstopps im Büro Berg an Briefpost durchzugehen, „um festzustellen, dass die Hälfte Werbung war und ich wichtige Termine verpasst hatte“. Vogel betont, dass durch das Scannen allein der Dokumentenberg lediglich digitalisiert wird, „Nutzer aber weiterhin jedes Dokument öffnen, auf Relevanz prüfen und bearbeiten muss“. Der

Software-Experte Arian Storch entwickelte die neue App für Android Geräte und Apples iOS. Wichtig: Die digitalisierten Dokumente werden mit modernen Verschlüsselungstechniken verarbeitet. Gespeichert werden sie direkt in der App und stehen damit – anders als bei den reinen Scan-Diensten – auch ohne Internet zur Verfügung. Die Preise beginnen bei zehn Euro im Monat. Für monatlich 20 Euro gibt es eine Flatrate für die gesamte Briefpost. Demnächst soll es auch eine Bezahlfunktion geben. Dann kann der Reisende Rechnungen direkt via App bezahlen – und anschließend an seinen Steuerberater weiterleiten.

 

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Souks, Tee und Sonne

Abflug: Hamburg 9.45 Uhr, 3 Grad, grau und Regen, Ankunft: Marrakesch 15.30 Uhr 18 Grad, hell und Sonne. Manchmal ist es so einfach, den Winter-Blues hinter sich zu lassen. Mit dem Flieger vom Airport Helmut Schmidt in Fuhlsbüttel über Zürich in die marokkanische Königsstadt – das ist im Dezember, Januar oder Februar eine sehr gute Option, um ein paar Tage Urlaub für die Augen und die Seele zu machen.

Abflug: Hamburg 9.45 Uhr, 3 Grad, grau und Regen, Ankunft: Marrakesch 15.30 Uhr 18 Grad, hell und Sonne. Manchmal ist es so einfach, den Winter-Blues hinter sich zu lassen. Mit dem Flieger vom Airport Helmut Schmidt in Fuhlsbüttel über Zürich in die marokkanische Königsstadt – das ist im Dezember, Januar oder Februar eine sehr gute Option, um ein paar Tage Urlaub für die Augen und die Seele zu machen.

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Sie sind laut, bunt und würzig – die Märkte in der Medina. (Fotos: Jürgen Hoffmann)

Aufzeichnungen nach einer Reise nach Marrakesch hat 1954 schon Elias Canetti gemacht. „Die Stimmen von Marrakesch“ hat er seinen Bericht genannt – er hat mich während meiner fünf Tage in der Stadt begleitet. Wie Canetti bin ich morgens, mittags und abends durch die arabischen und jüdischen Viertel der Medina gestreift, habe Händler und Gaukler auf den Märkten beobachtet, orientalische Gewürze gerochen, feine Tücher betastet und das bis an die Schmerzgrenze laute Stimmengewirr und Moped-Geknatter in den engen Gassen ertragen. Und ich bin – anders als mein Schriftstellerkollege vor sechs Jahrzehnten – auf die ruhige Dachterrassen schicker Cafés und Restaurants gestiegen, Oasen über dem lauten Trubel des  quirligen Durcheinanders unten, und in herrliche Gartenanlagen mit Pools eleganter Hotels geflüchtet.

Marrakesch ist Orient pur

Der Reihe nach: Marrakesch ist Orient pur. Wer die ganz besondere Atmosphäre dieser Stadt aufsaugen will, muss zu Fuß los. Er sollte sich durch die Medina, die Altstadt, die seit 1985 zum Weltkulturerbe der Unesco gehört und von einer 20 Kilometer langen Mauer umschlossen ist, treiben lassen – und am besten sich verlaufen. In den verwunschenen Winkeln des Labyrinths aus kleinen Gassen nämlich liegt der Zauber des Ortes. Hier, wo es weder Straßenschilder noch Hausnummern gibt, werden Leder-Schuhe, -Taschen und -Gürtel wie vor 100 Jahren hergestellt, buntgefärbte Stoffe an Schilfstangen zum Trocknen aufgehängt, Teppiche inmitten eines lauten Durcheinanders versteigert und in den Gassen der Eisenschmieden – wegen des rhythmischen Lärms kaum zu verfehlen – Schlösser und Lampen produziert. Vom Weg abkommen, gehört für mich zu den schönsten Erlebnissen in Marrakesch.

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Datteln, Feigen und unzählige Gewürze auf den Souks sind eine Ferienreise für Augen und Gaumen

Ohne Führer Souks von Marrakesch erkunden

Angst? Die muss man hier nicht haben – wenn man nicht gerade mit seiner 3.000-Euro-Gucci-Tasche oder seiner 5.000-Euro-Rolex-Uhr herumwedelt. Die Souks von Marrakesch lassen sich auf eigene Faust auch ohne Führer gefahrlos erkunden. Wenn man von einem Einheimischen angesprochen wird, will er meistens nur helfen – ohne dass er dafür ein Bakschisch erwartet. Ausnahmen bestätigen die Regel. Einmal hielt ein junger Mann nachdem er uns zum Palais Bahia geführt hatte die Hand auf. Mit 20 Dirham, umgerechnet etwa 1,80 Euro, waren ihm aber nicht genug, frech forderte er mehr. Wir gaben ihm schließlich 40 Dirham.

Viel Aufregendes in Marrakesch verbirgt sich hinter hohen Mauern. Paradiesische Innenhöfe, farbenprächtige Gärten, sprudelnde Rosenbecken sind der Gegenpol zur Reizüberflutung auf den Straßen. Eines der schönsten Beispiele ist der „Jardin Majorelle“ in der Neustadt Guèlize, den der französische Designer Yves Saint Lauren vor 40 Jahren kaufte und restaurierte. Er inspirierte ihn, war sein Rückzugsort, wurde nach seinem Tod seine letzte Ruhestätte. Tausende Besucher bewundern hier Jahr für Jahr rund 300 verschiedene Pflanzenarten aus allen fünf Kontinenten. Im Garten-Cafe Bousafsaf lässt sich wunderbar verweilen – gerade in den Monaten Oktober bis April, wenn es tagsüber obwohl die Sonne acht Stunden scheint nur zwischen 18 und 27 Grad C warm ist (Juli/August 36 bis 40 Grad C). Tipp: Wer nicht eine oder zwei Stunden in der Warteschlange stehen möchte, sollte früh morgens kommen, der Garten wird um 8 Uhr geöffnet.

Zäune – Tradition in Marokko

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Hinter hohen Mauern verstecken sich herrliche Gärten und Pools

Eingemauert und eingezäunt sind auch die meisten Nobel-Hotels der Stadt. Das hat weniger etwas mit der Sicherheit zu tun, sondern ist vielmehr Tradition in Marokko. Die Herrschenden und Wohlhabenden haben sich seit jeher zurückgezogen, wohnten auch vor 100 Jahren schon außerhalb der Medina. Heute reihen sich etwa in Guèlize prächtige Luxushotels, stylische Riads und Clubs aneinander. Legendär ist das “La Mamounia” direkt an der Mauer der Medina. In dieser altehrwürdigen 5-Sterne Prachtherberge auf einem ehemaligen königlichen Anwesen aus dem 12. Jahrhundert residierten schon Churchill, Mick Jagger und viele andere Prominente. Die Pool-Landschaft und der Garten sind ein Traum, das Mittags-und Abend-Buffet auch. Das hat seinen Preis: Die Übernachtungspreise beginnen bei etwa 400 Euro. Noch teurer ist das “Royal Mansour” nur ein paar Schritte weiter. Eigentümer: der marokkanische König. Hier residieren Gäste nicht in Doppelzimmern oder Suiten, sondern in prächtigen Riads. Die mehrstöckigen Häuser mit den offenen Innenhöfen haben einen eigenen Pool auf dem Dach. Wer nicht ganz so tief in die Tasche greifen, aber trotzdem luxuriös wohnen und speisen möchte, sollte das „Four Seasons Resort“ gegenüber den Menara-Gärten ins Auge fassen. Das im orientalischen Stil gebaute Hotel (Übernachtungspreise: ab 300 Euro) ist eingebettet in einen 16 Hektar großen Garten. Wenn man nach Sonnenuntergang durch die beleuchteten Arkaden, Innenhöfe mit Brunnen flaniert, unter Olivenbäumen oder Palmen oder am 35 Meter langen Swimmingpool sitzt, erinnert man sich an die morgenländischen Erzählungen „Tausendundeine Nacht“. Elias Canetti war hier nicht – bedauerlich für ihn.

urlaub in marokko

Abends wird im Garten des „Four Seasons Resort“ in Marrakesch der Traum vom 1001 Nacht (fast) wahr. (Foto: Four Seasons)

Letzter Tipp: Whisky Marocain

Letzter Tipp: Marrakesch ist eine faszinierende Stadt mit viele aufregenden Facetten. Den besten Eindruck bekommt man von ihr, wenn man sich in einem Café auf dem Place des Epices oder dem Place des Ferblantiers einen Tee bestellt und das Treiben genießt. Der süße Tee wird von den Marokkanern Whisky Marocain“ genannt, denn er hat die gleiche Farbe, wird in Massen konsumiert, und wer diesen Namen nennt, erntet freundliche Lacher.

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Elf Tage on the Road

Die Idee war im Winter geboren worden: Wollen wir im nächsten Sommer nicht mal eine Woche oder zwei mit einem Caravan von Frankfurt am Main aus Richtung Südeuropa fahren? Was der Vater, 61 Jahre alt, da seinem Sohn, 19 Jahre jung, vorschlug war eine Idee, die dieser seit Jahren mit sich herumgetragen hatte. Unabhängig von Hotels, kein ständiges Ein- und Auspacken von Koffern, frei fast wie ein Vogel durch mehrere Regionen zu reisen, bleiben, wo es einem gefällt, und weiterfahren, wenn einen der Hafer sticht. Der Sohn schlägt ein. Es geht los. Der Urlaub mit dem Wohnmobil startet am 21. August.

Die Idee war im Winter geboren worden: Wollen wir im nächsten Sommer nicht mal eine Woche oder zwei mit einem Caravan von Frankfurt am Main aus Richtung Südeuropa fahren? Was der Vater, 61 Jahre alt, da seinem Sohn, 19 Jahre jung, vorschlug war eine Idee, die dieser seit Jahren mit sich herumgetragen hatte. Unabhängig von Hotels, kein ständiges Ein- und Auspacken von Koffern, frei fast wie ein Vogel durch mehrere Regionen zu reisen, bleiben, wo es einem gefällt, und weiterfahren, wenn einen der Hafer sticht. Der Sohn schlägt ein. Es geht los. Der Urlaub mit dem Wohnmobil startet am 21. August.

Bei McRent in Friedberg, etwa 35 Kilometer nördlich von Frankfurt, empfängt man uns freundlich. Wir stehen vor einem „Dethleffs T 6611“, Comfort Standard. Sieht toll aus. Dass Vater und Sohn Caravaning-Anfänger sind, merkt der Assistent der Vermietungsfirma sofort. Wir stellen Fragen, bei denen er innerlich mit den Augen rollt. Er nimmt sich Zeit für uns, erklärt geduldig alle wichtigen Details, etwa wie Heizung und Warmwasserversorgung funktionieren, wie wir die TV-Empfangsschüssel auf dem Dach ausrichten und unsere mitgebrachten Fahrräder in der „Mini-Garage“ im hinteren Teil des Wohnmobils während der Fahrt befestigen müssen. Etwa eineinhalb Stunden dauert die Einführung. Dann rollen wir vom Platz. Vorsichtig. So ein sieben Meter langer 3,49-Tonner will mit Fingerspitzengefühl bewegt werden. Das geht selbst beim ersten Mal besser als gedacht. Allerdings müssen wir nach knapp zehn Kilometer schon wieder umkehren: Das GPS funktioniert nicht. Das hätten wir besser bei der Übergabe testen sollen. Zurück in Friedberg braucht der McRent-Mitarbeiter nur ein paar Minuten. „Nun läufst“, sagt er und wünscht uns einen schönen Urlaub.

Urlaub mit dem Wohnmobil - Jürgen Hoffmann (1 von 1)

Der Vitra-Campus in Weil am Rhein An dem seit 1981 entstandenen Ensemble von Bauten haben die Architekten Frank Gehry, Zaha Hadid, Tadao Ando, Àlvaro Siza und Herzog & de Meuron mitgewirkt. Der Vitra Campus ist sowohl authentischer Produktionsort als auch Experimentierfeld für Architektur und Design. Er lädt Besucher aus aller Welt zum Verweilen ein.

Auf den ersten 100 Kilometern wurden wir dreimal angehupt

Wir fahren Richtung Baden-Württemberg. Als wir auf den ersten 100 Kilometern Autobahn dreimal angehupt werden, merke ich, dass ich kontinuierlich auf der zweiten oder dritten Spur fahre – mit 130 km/h. Upps. Das ist die Macht der Gewohnheit eines Sportwagenfahrers. In den kommenden Tagen wird mir das immer wieder passieren. Ärgerlich – vor allem für die anderen Straßenverkehrsteilnehmer. Entschuldigung.

Am ersten Abend unserer Tour kurz vor 21 Uhr finden wir am Ortsrand von Wollbach-Egerten im Landkreis Lörrach den Wohnmobilstellplatz Kreiterhof Weinschenke. Er liegt an einem Bauernhof und bietet auf Schotteruntergrund Platz für drei Wohnmobile. Eines hat sich schon hierher verirrt. Der Platz ist weder beleuchtet noch bewacht. Den sollte man aus allen Stellplatz-Verzeichnissen streichen. Wir sind froh, als wir am nächsten Morgen diesen Ort wieder verlassen. An unserem ersten Caravaning-Tag haben wir zwei Dinge gelernt: Nicht auf der Autobahn links fahren und nicht zu spät abends anreisen! Sowohl Stellplätze als auch Campingplätze lassen sich oft nur schwer finden, wenn es dunkel ist.

In Basel wird ausprobiert und provoziert

Am 22. August haben wir eine Verabredung auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein. Hier hat der Schweizer Möbelhersteller ein einzigartiges Ensemble zeitgenössischer Architektur errichtet. Die Bauten so renommierter Architekten wie Frank Gehry, Tadao Ando und Zaha Hadid haben das Produktionsgelände zu einem Magneten für Design– und Architekturliebhaber gemacht. Im Vitra Design Museum bewundern wir rund 400 Objekte des modernen Möbeldesigns von 1800 bis heute. Und wir verfolgen – mit einem Latte Macchiato in der Hand – die handwerkliche Vollendung unseres Eames Lounge Chair, den wir vier Wochen vorher bestellt hatten. Bei seiner „Geburt“ dabei gewesen zu sein, macht ihn für uns zu einem ganz besonderen Stuhl. Mit dem Fahrrad überqueren wir die deutsch-schweizer-Grenze und rollen am Rhein entlang nach Basel. Hier stehen kleine Holzbuden, an denen man zu saftigen Preisen Bier (6 Franken) oder Flammkuchen (22 Franken) bekommt. Basel hat eine tolle Altstadt, viele Museen, vor allem das Rathaus muss man anschauen und natürlich das Münster. Die Atmosphäre ist relaxed. Es gibt unzählige Cafés, einige versprühen ein Flair zwischen Bohemian Lifestyle und Pariser Bistroatmosphäre. Und Basel ist alternativ. Es wird ausprobiert und provoziert. Das liegt auch daran, dass Basel fast ein Synonym für Kunst ist. Dazu tragen die weltbekannte „Art Basel“ und die drei grossen Museen bei: die Fondation Beyeler, das Museum Tinguely und das Kunstmuseum Basel.

Urlaub mit dem Wohnmobil - Jürgen Hoffmann (7 von 7)

Richtig Spaß macht eine Caravan-Tour, wenn man sein Fahrrad dabei hat. Auf diese Weise lassen sich auch Städte wie Mailand oder Verona erobern ohne dass einem die Füße qualmen.

Ob Basel schöner ist als Bern? Oder umgekehrt? Auf jeden Fall ist der Campingplatz „Eichholz“ an der Aare die Nummer Eins. Er hat von Mitte April bis Ende September geöffnet. Zu zweit mit Reisemobil inklusive Kurtaxe zahlen wir 35 Franken für eine Nacht. Schon die Toplage direkt am Fluss in Bern macht Eichholz aber auch zu einem einmaligen Ort. Kaum aus dem Caravan oder Zelt raus, gelangt man in wenigen Schritten an den Strand. Zudem ist der Platz sauber und verfügt über einen herrlichen Biergarten. Im Sommer ist Eichholz ein beliebtes Ziel auch von einheimischen Sonnenhungrigen und ein viel genutzter Einstiegsort für einen Aareschwumm zurück in die Stadt Bern. Was das ist? Ein Volkssport. Und ein Erlebnis! Sich in das kalte, tiefblaue und saubere Flusswasser der Aare zu stürzen, die von den Alpen den Weg nach Bern findet – ganz Mutige springen von einer der Brücken – und sich Richtung Stadt treiben zu lassen, gehört zu den unvergesslichen Highlights jedes Aufenthalts in Bern. Spaß macht uns auch, vom Campingplatz aus Richtung Innenstadt zu radeln, uns mit der Cable Car hoch in die schöne Altstadt hieven zu lassen und am späten Nachmittag wieder herunter zu rollen. Lässig. Aber Vorsicht: Die Schweizer gelten gemeinhin als langsam, sind aber rasante Radfahrer. Zweimal komme ich gerade noch „mit meinem Leben davon“, als mich Einheimische fast über den Haufen fahren.

Die Schweiz ist wunderschön, aber extrem teuer

Unsere Lehren des zweiten und dritten Tages: Die Schweiz ist wunderschön, aber extrem teuer. Basel und Bern sind zwei Städte, in denen man – selbst als gebürtiger Hamburger – gerne leben möchte. Und Städte, in deren City man mit einem langen Caravan nicht fahren sollte. Viel besser: Wohnmobil vor der Stadt stehen lassen und mit Fahrrad losradeln!

Urlaub mit dem Wohnmobil - Jürgen Hoffmann (5 von 7)

Locarno liegt am Nordufer des Lago Maggiore und am Ostrand des Maggia-Deltas.

Aus den ersten Erfahrungen gelernt, fahren wir am vierten Tag frühzeitig Richtung Lago Maggiore. Am Nachmittag sind wir auf dem Campingplatz „Miralago“ am Nordufer des herrlichen Sees. Die Preise pro Caravan-Platz, Person und Nacht liegen zwischen 26 („A Tutti-Frutti“) und 55 Franken („E Dolce Vita“). Wir schließen unseren Caravan an den Stromkasten an, holen unsere Räder raus und fahren gemütlich sieben Kilometer am See entlang nach Locarno, dem nach Lugano zweitgrößtem Ort im Schweizer Kanton Tessin. Locarno hat durchschnittlich 2.300 Sonnenstunden im Jahr und ist die wärmste Stadt der Schweiz. Hier gedeihen Palmen und Zitronenbäume und verleihen der Stadt ihren besonderen Charme. Jedes Jahr im Sommer findet in Locarno ein Filmfestival statt.

Mode hat Mailand weltberühmt gemacht. Auch der Dom der Stadt, die Scala und die 1867 eröffnete Viktor-Emanuel-Galerie ziehen Jahr für Jahr Millionen Touristen an. Fahrradfahren macht in Mailand wenig Spaß und ist gefährlich. Der Straßenverkehr ist hektisch und in vielen der hübschen Gassen liegen als Pflaster noch die etwa 90 bis 1,20 Zentimeter langen Steinplatten aus längst vergangenen Jahrhunderten. Auf dem Weg mit dem Wohnmobil Richtung Osten, Richtung Gardasee und Verona, tun wir „Caravaning-Ersttäter“ endlich etwas gegen das ständige Geklapper des Geschirrs in unserer Küche: Wir legen Haushaltspapier und Handtücher zwischen die Teller und Tassen aus Porzellan, tauschen die metallenen Messer und Gabeln in der Schublade gegen Plastik-Besteck aus. Die Lehre aus den letzten Tagen: Während einer Fahrt mit einem Wohnmobil muss alles, aber wirklich alles sorgfältig verstaut werden – und zwar so, dass nichts umfallen, nichts klappern oder von irgendwo herabstürzen kann.

Sonntagmorgen geht es nach Verona

Auf dem Weg in die Provinzhauptstadt an der Etsch rufen wir beim einzigen Campingplatz an, der relativ nahe dem Zentrum ist. Camping Castel San Pietro ist voll. Das hätten wir uns eigentlich denken können, denn heute Abend wird in der Arena de Verona zum letzten Mal in diesem Jahr „Aida“ gegeben. Wir finden einen Stellplatz, der für etwa 30 Fahrzeuge gedacht ist. Der liegt zentral, ist sauber und seine Bäume links und rechts bieten etwas Schatten. Das ist bei 36 Grad Celsius hilfreich. Auf unserer Fahrradtour durch die engen Altstadtgassen kommen wir zur Antica Botega del Vino in der Seitenstraße Vicolo Scudo di Francia 3. Hierher komme ich seit vier Jahrzehnten. Ich liebe dieses kleine, von außen unscheinbare, innen sensationelle Lokal mit seinem gewachsenen Ambiente. Hier muss man rein, am besten zwei Stunden vor Opernbeginn. Wir trinken ein Glas Wein, genießen kleine Häppchen und lauschen – Jimi Hendrix. Es ist unfassbar: In diesem pittoresken Schmuckkästen mit Wänden voller Weinflaschen und lateinischen Sprüchen an der Holzdecke – „Il vino è ispiratore del genio e dell’arte“ („Wein ist die Inspiration von Genie und Kunst”) – läuft eine CD mit „All along the Watchtower“ des 1970 gestorbenen E-Gitarren-Genies. Und dieselben Musikliebhaber, die gleich Verdis „Aida“ genießen wollen, lächeln angesichts dieses „Vorspiels“ in sich hinein. Großartig.

Die Arena und die „Aida“-Inszenierung unter freiem Himmel begeistern auch einen 19-Jährigen. Es ist zwar nicht seine Musik – eher ist es die von Hendrix – aber die gewaltigen Chöre in Verbindung mit zig-tausendfachem Kerzenlicht sorgen für Gänsehaut. Dabei vergisst man die extrem hohen Preise für die Tickets. Es gibt sieben Kategorien: Die wahren Opern-Fans sitzen natürlich direkt vor der Bühne im Innenraum („Poltronissime Gold“ und „Poltronissime“) und zahlen dafür ab 150 Euro aufwärts. Die günstigsten Plätze sind die auf den Steinstufen. Dort bringt man sich am besten ein Kissen mit. Eine Kleiderordnung gibt es für die Arena nicht (mehr).

Urlaub mit dem Wohnmobil - Jürgen Hoffmann (6 von 7)

Die Porta Verona, der wichtigste Zugang in die pentagonale Festungsstadt Peschiera del Garda

Mit dem Fahrrad durch Verona

Wir radeln nach der Vorstellung noch einmal durch die wunderschön illuminierte Altstadt, trinken auf dem Marktplatz noch einen Gin Tonic und fallen um 2.30 Uhr nachts müde in unsere zwei Wohnmobil-Betten. Der nächste Morgen beginnt mit zwei unangenehmen Überraschungen: Unsere Wasserpumpe ist defekt. Weder aus dem Hahn im Badezimmer noch aus dem in der Küche kommt ein Tropfen. Und auch die Toilettenspülung geht nicht. Und dann haben auch noch nachts Kriminelle versucht, in ein Wohnmobil, das neben uns steht, einzubrechen. Ohne Erfolg. Doch das Schloss ist beschädigt. Bei uns sitzt der Schreck tief. An eine solche Gefahr hatten wir noch gar nicht gedacht. Unsere Nachbarn, offenbar Caravan-Profis, geben sich dagegen gelassen. Solche Versuche gebe es immer mal wieder – aber nur, wenn die Besitzer nicht im Fahrzeug sind. Na, dann…

Um die Wasserpumpe reparieren lassen zu können, sollen wir, so rät uns bei unserem Anruf in Friedberg eine Mitarbeiterin der Verleihfirma, zur nächstgelegenen Lizenz-Werkstatt fahren. Die ist 82 Kilometer entfernt. Zu uns kommen würde ein Service-Techniker nicht. Wir machen uns auf den Weg, doch die Werkstatt hat geschlossen. Siesta. Was tun? Wir beschließen, auf einen Campingplatz an den Gardasee zu fahren, auf dem wir duschen, uns die Zähne putzen und die Toilette benutzen können. „Campeggio Gasparina“ heißt der Platz am Südostufer des Sees zwischen Bardolino und Pelschiera del Garda. Er verfügt über einen großen Pool und einer Bar direkt am See. Wir leeren unsere Caravan-Toilette, nehmen frisches Wasser auf – auch in der Hoffnung, die Pumpe könnte wieder anspringen. Tut sie nicht. Ansonsten sind wir mit dem Mietfahrzeug sehr zufrieden. Es fährt sich gut, Geräte und Instrumente funktionieren einwandfrei, wenn wir die Markise ausfahren und unsere Campingstühle und den Tisch vor den Wagen stellen, fühlen wir uns fast wie Zuhause. Die Betten sind in Ordnung, der Fernseher läuft, wenn wir nicht gerade unter einem Baum parken – was man auf Campingplätzen fast immer macht. Apropos: Die Plätze, die wir kennenlernen, sind Abbilder des Europäischen Parlaments: Die Kfz-Kennzeichen belegen, dass Caravaning grenzüberschreitend boomt. Neben Fahrzeugen aus Deutschland und den Niederlanden stehen britische, belgische, polnische und kroatische Camper.

Am neunten Tag unserer Reise checken wir in Gasparina aus. 67 Euro für zwei Nächte sind okay. Als ich frage, bis zu welcher Uhrzeit wir den Platz verlassen haben müssen, sagt mir der freundliche Betreiber, das sei egal, man sei momentan ja nicht ausgebucht. Cool. Langsam gondeln wir mit unserem Dethleffs die Ostseite des Gardasees hoch Richtung Norden, halten, schauen, genießen die Weite des Sees, die gegenüberliegenden Berge und bewundern die Windsurfer, die in Riva del Garda zu hunderten auf dem Wasser sind.

Der Urlaub mit dem Wohnmobil geht zu Ende

Nach einem Tag und einer Nacht im Camping-Park Steiner bei Bozen treibt es uns zurück nach Deutschland. Heidelberg ist unsere letzte Station. Der Campingplatz Heidelberg-Neckartal sieht im Vergleich zu den Schweizer Plätzen eher alternativ aus, die sanitären Anlagen sind veraltet, aber sauber. Zwei Vorteile hat er: Wir stehen mit unserem Fahrzeug direkt am Neckar, ein herrlicher Ausblick. Und direkt vor dem Platz gibt es eine Bushaltestelle, von der aus die Linie 35 Richtung Altstadt fährt. Wir steigen an der Alten Brücke aus. Von hieraus lässt sich Heidelberg am besten zu Fuß erobern. Das Faszinierende an der ehemaligen kurpfälzischen Residenzstadt und heutigen Studentenmetropole: In den Kleidern einer alten, einst sicherlich eleganten Dame kommt ein junges, attraktives und ungemein lebendiges Mädchen daher. Die Diskrepanz ist Heidelbergs Trumpf. Wir bummeln durch die malerischen Gassen. Rund 900 Objekte in der Altstadt sind denkmalgeschützt, 437 stammen aus dem 18. Jahrhundert, 22 Objekte sogar aus dem 17. Jahrhundert. Was in der “Stadt der Romantik” auffällt ist – die Kneipendichte. Wir gehen ihr auf den Grund. In der Unteren Straße stürzen wir ab, in der holzgetäfelten Kultkneipe „Destille“ und gegenüber in der Spelunke „Betreutes Trinken“, dessen Wirt Michael Markert trotz Einser-Jura-Examen sein Glück hinterm Tresen gefunden hat.

Nach dieser letzten Nacht in unserem geliehenen Caravan, der uns – bis auf seine Wasserpumpe – elf Tage lang treue Dienste geleistet hat, fahren wir zurück an den Main.

Fazit: Unsere erste Tour mit einem Wohnmobil durch mehrere Länder und über diverse Campingplätze wird nicht die letzte sein. Vor allem die Kombination mit Fahrrädern hat sich als ideal herausgestellt. Längere Strecken fahren und schlafen im Caravan, Städte wie Bern, Locarno oder Verona mit dem Fahrrad erkunden – eine ideale Art zu reisen.

Hinweis: Die Reise fand auf Einladung statt.

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Deutschlands nördlichste – und kälteste – Literaturtage

Wissen Sie, was die Sylter ihren Gästen sagen, wenn die über Sturm auf der Insel klagen?“ Professor Dr. Rainer Moritz schaut in die Runde der etwa 130 Zuhörer, die ins…

Wissen Sie, was die Sylter ihren Gästen sagen, wenn die über Sturm auf der Insel klagen?“ Professor Dr. Rainer Moritz schaut in die Runde der etwa 130 Zuhörer, die ins Hotel Rungholt in Kampen mit der Erwartung gekommen sind, einen ganz besonderen Abend zu erleben. Sie werden drei Stunden später nicht enttäuscht sein. Der Literaturwissenschaftler lässt eine kleine Pause. Dann gibt er selbst die Antwort: „Sturm ist erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben.“

Ein Grund nach Sylt zu kommen – Literatur in Kampen

Rolf E. Brönnimann, Hoteldirektor des Hotels Budersand in Hörnum, hatte 2014 eine Idee: Mit einem langen Literaturwochenende bekommen wir auch im wetter-unfreundlichen November viele Betten belegt. Der gebürtige Schweizer besprach sich mit den Chefs anderer Sylter Privathotels, die in die gleiche Richtung dachten. So starteten das Landaus Stricker, das Rungholt auf dem Roten Kliff von Kampen, das Fährhaus Sylt in Munkmarsch, der Benen-Diken-Hof in Keitum und das Budersand die ersten drei Sylter Literaturtage. Mit Erfolg. 2015 wiederholten die fünf Hoteliers ihre drei tollen Tage im Herbst, in diesem Jahr wurden daraus fünf. 1.127 Tickets wurden für die Sylter Literaturtage verkauft, elf Autoren lasen Geschichten und Gedichte, darunter der Österreicher André Heller und ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, „Tatort“-Kommissar Miroslav Nemec, die Hamburger Journalistin Ildikó von Kürthy und das Schriftsteller-Paar Astrid Ule und Eric Hansen. Als Moderatoren fungierten Elke Heidenreich und Prof. Dr. Rainer Moritz. Der Ehren-Professor des Hamburger Literaturhauses war es auch, der vor der Begrüßung von Miroslav Nemec seinen Gästen die „Sturm-Frage“ stellte. Mal trafen sich Autoren und Zuhörer morgens um 11 Uhr bei Kaffee und Orangensaft, mal um 18 Uhr bei Wein und einem 3-Gänge-Menü. Alle Veranstaltungen waren bis auf wenige Plätze ausgebucht. Der Schreib-Workshop, zum dem Doris Dörrie am Samstagnachmittag zwischen 13.30 und 16.30 im Budersand bei Kaffee und Gebäck einlud, hätte statt 35 Teilnehmer auch 100 haben können. Die aber hätten das Format gesprengt.

Kreative Events sind in den Wintermonaten gefragt

Damit ihre Betten auch zwischen November und März nicht leer bleiben, lassen sich nicht nur Sylter Hoteliers etwas einfallen. Auch in anderen Badeorten an der Nordsee wie der Ostsee wird mit Kulturellem geworben. Theater-, Film – und Kabarett-Wochenenden locken hier, Töpfer- und Malkurse dort. Es gibt „Rügener Romantiktage“, „Reitwochen für Anfänger in Nordvorpommern“ und „Winterzauber im Grand Hotel Heiligendamm“, man kann – warm angezogen – mit einem Kutterfischer auf Dorsch-Angeltour gehen oder Natur pur erleben an der Müritz. Viele Hotels an den Küsten bieten günstiger als im Sommer Golf- und Wander-Arrangements. Selbst die Tiere verdingen sich als Werber für die Herbergen der Menschen: So sammeln sich beispielsweise im Herbst in Bodden- und Ostseenähe viele Kraniche für Ihren Flug ins Winterquartier. Des beeindruckenden Schauspiel wegen, wenn die Vögel herumhüpfen, balzen und laute Rufe ausstoßen, kommen Jahr für Jahr tausende in die Region.

Natürlich dreht sich in den kalten Monaten besonders viel um Wellness. Jedes Spa an Nord- und Ostsee wird heiß beworben. In eine Welt der Ruhe und Entspannung einzutauchen, getrennt von Meer, Dünen oder Strand nur durch eine Glasscheibe, lässt Körper und Geist davonsegeln. Auf Sylt bekannt ist das Spa.budersand. Massagen, Körper- und Kosmetikbehandlungen gelten als das Nonplusultra. Mehrfach haben Tester es mit Auszeichnungen gewürdigt – zuletzt der Relax Guide 2017 mit 17 Punkten und drei Lilien unter die besten 20 Wellness Hotels in Deutschland gehoben.

Entspannte Autoren treffen auf interessierte Zuhörer

Die Bücher-Fans kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – die Autoren „fast umsonst“, so Christian Matthiesen, der zuständig fürs Marketing der Privathotels Sylt ist. Außer einer kleinen Aufwandsentschädigung bekämen die Literaten für ihren Auftritt lediglich ein, zwei Tage in einem der herrlichen Hotels geschenkt. Wer die Künstler auf Sylt in diesem Jahr erlebt hat, glaubt das gerne. Keiner wirkte gezwungen oder gestresst, alle Autoren waren entspannt, fröhlich, ja sogar ausgelassen. Ihnen haben die Tage auf der Nordseeinsel Spaß gemacht, den Zuhörern sowieso.

„Geschichten und Gedichte erzählen von der Welt, in der wir leben“, versuchte Elke Heidenreich bei den Sylter Literaturtagen den Bogen über Autoren und Texte zu spannen. „Sie kennen unsere heimlichsten Gedanken, Gefühle und Erfahrungen und zeigen uns: wir sind alle einzigartig, aber wir sind nicht allein. Wir sind aufgehoben in den Erzählungen der Schriftsteller seit tausenden von Jahren – nichts und niemand ist vergessen, und ob es Familiengeschichten, politische Biographien, kleine Alltagsbeobachtungen oder Thriller sind – wir kommen darin vor, denn wir Menschen ähneln uns in unsern Ängsten, Lieben, Hoffnungen und Enttäuschungen.“ Rolf E. Brönnimann sprach von einem „Band der Texte“, das die Literaturtage im grauen Herbst so schön und tröstlich macht: „Dieses Band weht von den Autoren auf der Bühne zu den Gästen vor ihnen.“

Fazit: Die Sylter Literaturtage funktionieren im November auch deswegen, weil es in diesen Tagen draußen so wenig anheimelnd ist, wenn der Regen an den Reetdächern der Sylter Häuser herunterläuft, das Meer vor den Stränden so grau wie sonst nie ist und der Sturm dafür sorgt, dass die Schafe keine Locken mehr haben …

Hotels

Unterkünfte an der Nordsee

Bezahlen auf Sylt

Einige Geschäfte auf Sylt akzeptieren EC- und Kreditkarten. Wer die Abhebegebühren umgehen möchte, für den lohnt sich die Anschaffung einer kostenlosen Kreditkarte. Mehr Tipps zur Zahlung im Urlaub gibt es auf unserer Service-Seite: Geld im Urlaub.

 

 

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Kykladen-Hüpfen mit den „Siedlern von Catan“

Griechenland ist ein reiches Land. Reich an gastfreundlichen Menschen, an pittoresken Dörfern, herrlichen Stränden und kristallenem Meerwasser, an Kirchen, Tempeln, Statuen und Amphitheatern. Und an Inseln. Griechenland verfügt laut Wikipedia…

Griechenland ist ein reiches Land. Reich an gastfreundlichen Menschen, an pittoresken Dörfern, herrlichen Stränden und kristallenem Meerwasser, an Kirchen, Tempeln, Statuen und Amphitheatern. Und an Inseln. Griechenland verfügt laut Wikipedia über 3.054 Inseln, von denen 87 bewohnt sind. Europarekord. Auf neun davon sind wir gehüpft – als „Siedler“.

Die “Perlen von Hellas”

Jeder, der einmal die „Perlen von Hellas“ besucht hat, per Fähre, Segel- oder Motorboot, hat seine Lieblingsinsel. Wir auch. Dazu am Ende mehr. Wir – drei Männer aus Deutschland zwischen 45 und 60 Jahren – haben die „MS Galileo“, einen 48 Meter langen Dreimast-Motorsegler als schwimmende Pension gewählt, um acht Tage durchs Ägäische Meer zu schippern. Immer dabei haben wir die Insel „Catan“. Sie ist Teil des berühmten Brettspiels „Die Siedler von Catan“, bei dem die Spieler eine Insel aus wertvollen Rohstoffen erobern, Straßen anlegen und neue Siedlungen bauen müssen, aus denen schließlich Städte werden. Der Clou des Spiels ist der Tauschhandel. Von manchen Rohstoffen besitzt man reichlich, andere sind knapp. Erz gegen Wolle, Ziegel gegen Holz – getauscht wird nach den aktuellen Bauvorhaben. Wir wollen auf jeder Kykladen-Insel,die wir betreten, mindestens eine Partie zu spielen. Und an Bord der Galileo natürlich. Und vor der Abreise im Hafen von Athen. Und nach der Rückkehr natürlich. Wir schaffen es: 17 Mal bauen wir Catan auf, 17 Mal sagt einer von uns scheinbar staunend „Gib Dir mal diese Insel!“ Und 17 Mal muss (darf) der Sieger der Partie vor den Augen der Mitspieler ins Meer springen. Nicht einfach so. Nein. Mit einer Arschbombe.

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1. Der 7-Tage-Törn der „Galieo“ von und nach Piräus führt zu neun Schönheiten des Ägäischen Meeres: Poros, Poliegos, Folegandros, Santorin, Paros, Delos, Mykonos, Syros und Kythnos.

Vorschrift: Safety Drill

Empfangen werden wir auf der Galileo – wie von nun an jeden Tag bei der Rückkehr von einem Ausflug – mit einem kühlen Drink. Die Lounge auf dem Hauptdeck mit großen Fenstern ist in warmen Farben stilvoll eingerichtet, viel Holz, Messing und Teppiche. Auch die Kabinen auf dem Ober- und Unterdeck – sämtlich Außenkabinen – strahlen geschmackvolle Gemütlichkeit aus. Hier werden wir uns eine Woche wohlfühlen. Beeindruckend ist das große Sonnendeck mit Liegestühlen unter den Segeln. Vor dem Ablegen unseres Motorseglers werden wir in Sicherheitsfragen instruiert. Safety Drill. Vorschrift.

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1. Zwischen den Insel-Stopps ist Zeit zum Relaxen auf dem herrlichen Sonnendeck der „Galileo“

Das sauberste Wasser des Mittelmeeres

Was uns von der ersten Minute an Bord klar wird: Dieser Törn ist nichts für sehr junge Leute: Alles wirkt gediegen, ja, luxuriös, aber eben gedacht für Passagiere jenseits der 45. Die Ansprache, Einrichtung, die Musik, das Essen. Und tatsächlich dürfte das Durchschnittsalter unserer 31-köpfigen Gruppe, die sich mehrheitlich aus Briten, Amerikanern und Australiern zusammensetzt, bei weit über 50 liegen. Der Älteste, Peter aus London, ist 84 – und einer der interessantesten Mitreisenden. Er hat in der Normandie gegen die Deutschen gekämpft. Da war er 14. Irgendwann während der Reise nimmt Peter uns Drei beiseite und sagt: „Ich bin beeindruckt von Euch. Was Ihr Deutschen seit einigen Jahren macht, ist großartig.“ Was Peter meint: die Rolle Deutschlands bei der Rettung Griechenlands und der Rettung unzähliger geflüchteter und in Europa gestrandeter Menschen.

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1. Paros (165 km² groß) liegt westlich von Naxos und ist eine der grünsten Inseln der Kykladen. In der Altstadt von Parikia, der Hafenstadt des Eilandes, befindet sich die berühmte Marktstraße mit unzähligen kleinen Läden, von der viele stille Gässchen abgehen, die zum Verlaufen einladen.

Am ersten Abend erreichen wir Poros.Die Insel, nur 31 nautische Meilen von Piräus entfernt direkt vor den Peloponnes, ist grün und ideal für einen abendlichen Bummel entlang der Hafenbars und Cafés, deren Tische und Stühle vor der Tür zum Bleiben einladen. Ein schöner erster Eindruck von den Kykladen.

Über Nacht fährt unser Motorsegler nach Poliegos. Hier gehen wir in einer bezaubernden Bucht vor Anker. Badestopp. Direkt von der Galieo springen wir ins Meer. Das Wasser ist Anfang Juni noch kühl, aber herrlich klar. Das Meer in der Ägäis gilt als das eines der saubersten des gesamten Mittelmeers. Es folgt Folegandros. Wir finden gleich im Hafen ein für die Kykladen typisches Restaurant: Weiß getünchte Wände, blaue Fensterläden, Holztische mit weißen Tischdecken und eine Küche, in der wir persönlich die Fische aussuchen, die wir 15 Minuten später lecker zubereitet auf den Tellern vor uns liegen haben. Nach dem Essen bauen wir unsere eigene Insel auf: Catan. Das erste Spiel auf einer Kykladen-Insel. Ein zweites folgt, auch Wein und Ouzo. Natürlich.

Lieber Paros oder Syros als Santorin oder Mykonos

Nächster Stop ist Santorin. Die berühmte Vulkaninsel ist schon im Juni überlaufen. Zu viele Touristen, zu viele Busse, zu viele Nepp-Verkäufer, zu hohe Preise. Wir flüchten nach einem kurzen Ausflug mit dem Sea-Taxi nach Olia in ein Lokal am schwarzen Sandstrand von Kamari, das von einem freundlichen Griechen geführt wird, der in Düsseldorf Deutsch gelernt hat. Überhaupt: Die Griechen sind unglaublich herzlich, offen und zuvorkommend. Große Gastfreundschaft. Ein Beispiel: Als wir in ein Café gehen, um die Besitzerin zu bitten, uns ein Taxi zu bestellen, lädt sie uns nicht nur zu einem Orangensaft ein, sondern führt auch noch mehrere Telefonate, um uns einen Beach-Club nennen zu können, in dem wir essen und siedlern können. Die Griechen machen – jedenfalls in der Tourismus-Wirtschaft – nicht viel verkehrt. Im Gegenteil.

Paros ist der nächste Anlaufpunkt. Die Inselhauptstadt Parikia hat mich schon vor 25 Jahren bei meinem ersten Besuch fasziniert – und heute noch immer. Die kleinen Gässchen und Läden sind einfach zauberhaft, in den Cafés umschmeichelt leise Musik die Hörmuscheln – im Frühsommer 2016 erlebt hier Barry White seine Renaissance – und die Wirte geben sich trotz der 7.000-jährigen Geschichte des Eilands noch Mühe, jedem hereinkommenden das Gefühl zu vermitteln, er sei der allerwichtigste Gast. Paros ist grün und bunt, Bougainville-Sträucher liefern lila, rosa und rote Farbkleckse. Und Paros hat tolle Strände, zum Beispiel den Golden Beach im Süd-Osten. Es ist d e r Surfer-Strand schlechthin wegen der idealen Winde, die durch die Schneise zwischen Paros und Naxos kommen.

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1. Die fünf Insel-Rohstoffe der „Siedler von Catan“ waren an allen Stränden, in allen Restaurants und auf dem Schiff immer dabei – der Ouzo auch. (Fotos: Jürgen Hoffmann)

Für die meisten Reisenden in unserer Gruppe war am Ende der Tour Paros die schönste der Kykladen-Inseln. Nach einem Ausflug zu den Ausgrabungen von Delos – auf der Insel leben weniger als zwei Dutzend Menschen, Archäologen und Sicherheitskräfte – legen wir in Mykonos an. Eine Party-Hochburg. Wir allerdings beschränken uns auf einen Nachmittag an einem Strand, eine Fischplatte und eine Partie Siedler von Catan. Weil ich einen Wein zu viel trinke, verliere ich das Spiel durch einen dummen Fehler kurz vor Schluss: Ich glaube, die längste Handelsstraße zu haben, übersehe aber, dass sie eine Lücke aufweist. Eine bittere Niederlage. Die versuche ich zu vergessen, indem ich heute Nacht an Deck schlafe. Der herrliche Sternenhimmel ist die wunderbarste Decke. Die wärmt aber leider nicht. So flüchte ich gegen 2 Uhr nachts fröstelnd unter Deck – und Daunendecke.

„Gib Dir mal die Inseln der Kykladen!“

Für mich liegt mindestens gleichauf Syros:Schon der erste Eindruck, der des kleinen Hafens Ermopouli (Titelfoto), ist umwerfend. Pittoreske Hotels, kleine Restaurants und Bars, viele mit so coolem Interior ausgestattet, dass sich die Designer Ibizas und Madrids hier Anregungen holen könnten, das Apollon-Theater und der Local market mit Gemüse, Oliven, Getreide und Wein der Insel, der Augen und Nase sinnliche Vergnügen bereitet. Syros ist mit 84 Quadratkilometer eine der kleinsten Inseln der Kykladen, aber einer ihrer größten Juwelen.

Nach einem letzten Badestopp vor Kythnos fahren wir vorbei an Kap Sounion mit dem berühmten Poseidon-Tempel, der hoch über uns auf dem Felsen thront, und erreichen am späten Nachmittag wieder Marina Zea im Hafen von Piräus. Eine letzte Nacht an Bord, dann suchen wir uns gegen Mittag eine Hafen-Kneipe, um unsere 17. und letzte Partie auf dieser Reise zu spielen. Gib Dir mal diese Insel – und die der Kykladen!

Weitere Reiseinformationen für die Kykladen

Bezahlen in Griechenland

Griechenland gehört zur Euro-Zone, daher kann mit Euro bezahlt werden. In den meisten Restaurants und Geschäften werden die gängigen Kreditkarten akzeptiert. Benötigen Sie eine Kreditkarte, mit der Sie auch auf Mauritius kostenlos Geld beziehen können, finden Sie auf unserer Seite Geld im Urlaub eine Übersicht über kostenlose Kreditkarten.


Reiseführer für Kykladen

Es gibt zahlreiche Reiseführer über Binz. Eine Auswahl an Reiseführern für die Kykladen finden Sie hier.

Hinweis: Ttelbild (c) Fotolia.de/sea and sun

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Flugverspätung: So gibt’s Geld zurück!

Welcher Viel-Reisende kennt das nicht? Der Flug ist verspätet, gestrichen oder überbucht. Ärgerlich! Was viele Reisende nicht wissen: Die EU hat für solche Fälle ein kleines Trostpflaster entwickelt: die Europäische…

Welcher Viel-Reisende kennt das nicht? Der Flug ist verspätet, gestrichen oder überbucht. Ärgerlich! Was viele Reisende nicht wissen: Die EU hat für solche Fälle ein kleines Trostpflaster entwickelt: die Europäische Verordnung über Fluggastrechte. Diese ist seit 2004 in Kraft. Sie sieht Entschädigungen von bis zu 600 Euro pro Person und Flug vor.

Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland mehr als 10.000 verspätete oder annullierte Flüge. Die betroffenen Passagiere könnten eine Entschädigung fordern. Doch tatsächlich macht das nur jeder zehnte Reisende. So bleiben jährlich hunderte Millionen Euro in den Büchern der Fluggesellschaften, die eigentlich ihren Kunden zustehen. Dabei sind in der EU-Verordnung alle Fragen geregelt. Die Entschädigungssummen beispielsweise sind gestaffelt: Bei Kurzstrecken bis 1.500 Kilometer stehen den Passagier 250 Euro zu, bei Mittelstrecken (1.501 – 3.500 Kilometer) 400 Euro, bei Langstrecken über 3.500 Kilometer gibt es bei einer Verspätung zwischen drei und vier Stunden 300 Euro, bei vier Stunden und mehr 600 Euro. Nicht zahlen müssen die Gesellschaften nur dann, wenn “außergewöhnliche Umstände” vorliegen, die nicht von ihnen beeinflusst werden können. Dazu zählen etwa Streik, Terror und besonders schlechtes Wetter.

Nicht alle Fluggasthelfer-Portale glänzen

In Berlin wurde vor Jahren eine Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) eingerichtet. Sie soll sich um Streitfälle kümmern. 2015 wurde 10.446 mal „außergerichtlich eine Streitbeilegung erzielt“, so Geschäftsführer Heinz Klewe. Den Schlichter anrufen (www.soep-online.de) kann ein Reisender allerdings erst, wenn er sich vorher an die jeweilige Airline gewandt und ihr die Möglichkeit einer „Nachbesserung“ gegeben hat. Musterschreiben findet man im Internet. Der auf Fluggastrechte spezialisierte Hamburger Anwalt Moritz Diekmann hat auf seiner Website einen Mahnschreiben-Generator eingerichtet, über den Passagiere kostenlos in Eigenregie einen Brief mit ihren Ansprüchen erstellen können. Die Crux: Obwohl die Rechtslage klar ist, bremsen und blockieren viele Airlines. Briefe und Mails von Passagieren werden nicht beantwortet, ein „medizinischer Notfall“ als Begründung für eine Unregelmäßigkeit vorgeschoben.

Deutlich einfacher erscheint da der Weg über so genannte Fluggasthelfer. Diese Dienstleister nehmen dem Passagier, der sich nicht selbst mit der Airline herumschlagen will, die unangenehme Arbeit ab. Mittlerweile existieren mehr als ein Dutzend Fluggasthelfer-Portale. Doch nicht alles ist Gold, was da angeboten wird. Leistungen und Kosten der Dienstleister sind sehr unterschiedlich. Vergleichen lohnt sich. Das hat sich auch das unabhängige Online-Verbrauchermagazin „Finanztip“ gedacht und fünfzehn Anbieter unter die Lupe genommen.

Das Vorgehen aller untersuchten Portale ist ähnlich: Der Passagier gibt zunächst auf der Website die Flugdaten an, übergibt die Flugunterlagen und stellt dem Dienstleister eine Vollmacht aus. Der kann damit in seinem Namen tätig werden. Anhand von bisheriger Rechtsprechung, Wetterdaten und Informationen der Flughäfen prüft der Portal-Betreiber die Ansprüche. Besteht Aussicht auf Erfolg, bietet er an, die Forderung durchzusetzen. Das allerdings kann dauern – nicht selten fünf oder sechs Monate. Wenn der Fall vor Gericht geht, können sogar eineinhalb oder zwei Jahre verstreichen, bis es zu einer Entscheidung kommt. Im Erfolgsfall behalten die Portale, die ähnlich wie ein Inkasso-Unternehmen arbeiten, 25 bis 30 Prozent der Entschädigung plus Mehrwertsteuer ein. Bei 400 Euro für einen verspäteten Flug gehen also zwischen knapp 120 Euro und über 140 Euro an den Helfer, den Rest erhält der Passagier. Anbieter dieser Dienstleistung sind etwa die Niederländische euclaim.de, die Nürnberger Flugrecht.de und die Wiesbadener Fairplane.de

EUflight.de wird empfohlen

Fluggäste, die nicht warten können oder wollen, sollten Dienstleister nutzen, die sofort Geld überweisen. Diese arbeiten wie Factoring-Unternehmen. Sie kaufen dem Fluggast seine Ansprüche ab und übernehmen Kosten und Prozessrisiken zu 100%. Diese Anbieter, zu denen beispielsweise EUflight.de, Flightcash.de und Wirkaufendeinenflug.de gehören, überweisen dem Passagier innerhalb von 24 bis 48 Stunden die Summe, die nach Abzug ihres Honorars übrigbleibt. Dafür, dass der Dienstleister in Vorleistung geht, behält er meist einen größeren Anteil der Entschädigung ein – bis zu 50 Prozent. „Finanztip“ hat fünf Sofortentschädiger getestet und empfiehlt als einzigen Anbieter EUflight.de. Das Unternehmen ist bereits seit Juli 2015 am Markt und nimmt eine Service-Gebühr von lediglich 35 Prozent plus Mehrwertsteuer. Laut Geschäftsführer Lars Watermann hat EUflight.de bisher über 960.000 Euro an rund 4.000 Fluggäste ausgezahlt: „Besonders häufig haben Türkei- oder Karibik-Flüge Verspätungen.“ Relativ pünktlich sind die Airlines KLM, Lufthansa und Germania, weniger gut sind Air Berlin, Condor, Eurowings und einige der süd-ost-asiatischen Airlines. Unrühmlicher Spitzenreiter war kürzlich ein Thailand-Flug der Eurowings mit über 30 Stunden Verspätung.

EUflight.de bietet seine Dienste auch Betrieben an, deren Mitarbeiter viel fliegen. „Wie Privatleute können auch Unternehmen aus den zurückliegenden drei Jahren Dienstreisen von Mitarbeitern geltend machen“, erläutert Watermann. Da der Entschädigungsanspruch gegen die Airline dem Gesetz nach beim Fluggast liegt, also dem Mitarbeiter, sollte die Abtretung der Ansprüche über interne Reiserichtlinien oder Klauseln in den Arbeitsverträgen geregelt sein.

Fazit: Wer auf eine etwas höhere Entschädigung spekuliert, aber monatelange Wartezeiten und das Risiko in Kauf nehmen möchte, möglicherweise ganz leer auszugehen, weil der Anspruch letztlich nicht durchzusetzen ist, wendet sich an eine Inkasso-Firmen. Wer Rechtssicherheit und Bargeld innerhalb von 24 Stunden will, sollte die Sofortentschädigung des von „Finanztip“ empfohlenen Anbieters wählen.

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Sylt – Immer gegen den Wind

Pedelecs und E-Bikes müssen auf Sylt erfunden worden sein. Wer schon einmal auf einem Drahtesel ohne Motorunterstützung von Westerland nach Hörnum im Süden geradelt ist, zum Lister Hafen am anderen…

Pedelecs und E-Bikes müssen auf Sylt erfunden worden sein. Wer schon einmal auf einem Drahtesel ohne Motorunterstützung von Westerland nach Hörnum im Süden geradelt ist, zum Lister Hafen am anderen Ende der Insel oder den Ellenbogen hinauf, dem nördlichsten Zipfel Deutschlands, kennt das Problem: Immer scheint der nordseestarke Wind von vorne zu kommen. Da ist es praktisch, ein paar umweltfreundliche PS zusätzlich zu den Beinen zu haben. Das hat mittlerweile selbst der letzte Fortschritt-skeptische Insulaner gelernt: Fast jeder Fahrradverleih auf der größten nordfriesischen Insel bietet mittlerweile auch Drahtesel mit Motor an.

Wir kommen mit dem Zug über den Hindenburgdamm nach Sylt. 1927, nach vier Jahren Bauzeit, wurde der Damm eröffnet. Diese Anreise ist noch immer die beliebteste Art auf die „Insel der Schönen und Reichen“ zu kommen. Für den Autoreisezug sind bei der Verladung in Niebüll rund 90 Euro zu berappen (Hin- und Rückfahrt). Von hier sind es dann nur noch 39 Schienen-Kilometer bis nach Westerland. Okay, einige Sylt-Gäste kommen auch mit der Fähre von Dänemark nach List oder mit dem Flugzeug auf die Insel, aber keine Anreise ist so schön, wie über den schmalen Damm, vorbei an Wiesen, Windrädern und Schafen.

Solarladesäulen für E-Bikes

Obwohl Sylt keine nennenswerten Steigungen aufweist – abgesehen vielleicht von der Straße vom alten Munckmarscher Hafen hoch zum Golfplatz von Kampen – gilt es, sich immer und überall gegen die Kraft des Windes zu stemmen. So kann selbst sportlichen Naturen bei Touren über Sylt schon mal die Puste ausgehen. Wir wollen das vermeiden. Deswegen wählen wir die konditions- und umweltfreundliche Alternativen Pedelec. Diese Fahrräder geben mit ihren CO2-neutralen Elektromotoren auch bei stürmischen Witterungsbedingungen mit bis zu 25 km/h Schwung. Das Pedelec ist ein Fahrzeug, das die Tretbewegungen des Fahrers mit einem eingebauten Elektromotor unterstützt. Hört der Fahrer auf zu treten, stoppt auch der Motor. Anders beim E-Bike. Das fährt auch dann, wenn der Fahrer nicht in die Pedale tritt. Sein Elektromotor lässt sich über einen Griff bedienen, über den der Fahrer auch das Tempo regulieren kann. Nach zehn Minuten und dem ersten Kilometer kein Problem mehr. Wir gewöhnen uns schnell an die neue Art, Fahrrad zu fahren. Rechtlich gelten Pedelecs als Fahrräder, wenn sie höchstens 250 Watt Leistung bringen. E-Bikes dagegen sind laut Juristen keine Fahrräder, sondern Leichtmofas.

Da ein Pedelec bis auf den Elektroantrieb einem ganz normalen Fahrrad entspricht, ist das Radeln auch ohne Motor jederzeit und auf allen Fahrradwegen der Insel möglich – sieben Gänge bieten hohen Fahrkomfort und mit teflonbeschichteten Reifen ist es so gut wie unplattbar. Wer es besonders komfortabel liebt, wählt ein Pedelec mit Bordcomputer, der über aktuelle Geschwindigkeit, gefahrene Strecke und Akku-Leistung informiert. Und die ist beachtlich: Mit einer Reichweite von rund 80 Kilometern rückt jedes Inselziel in nächste Nähe – absolut klimafreundlich und völlig führerscheinfrei. Neben Privatverleihern hat auch die Sylter Verkehrs-Gesellschaft (SVG) die Zeichen der Zeit erkannt und bietet das “Sylt-E-Bike” an. Zu erkennen ist es am roten Signet der Sylt Marketing Gesellschaft (SMG) als Kontrast zur weißen Lackierung der Räder. Leihen kann man diese sowohl am Pavillion der SVG auf dem Westerländer Bahnhofsvorplatz als auch am Erlebniszentrum Naturgewalten in List. Die Gebühr beträgt etwa 20 Euro pro Tag. Initiator Ingo Börner will ein engmaschiges Netz mit Solar-Ladesäulen aufbauen: „So können die Ausflügler zum Beispiel bei gastronomischen Partner-Betrieben während der Kaffeepause ganz bequem Strom nachladen.”

Auf der Sandbank ist kein Platz mehr für Insulaner

Nutzen werden diesen Service wohl fast nur Feriengäste. Warum? Weil es auf Sylt immer weniger Einheimische gibt. Gerade noch 20.000 Sylter haben ihren Erstwohnsitz auf dem Eiland. Laut einer Prognose des Bauamts der Gemeinde Sylt könnte diese Zahl in den kommenden 20 bis 30 Jahren sogar auf unter 12.000 sinken. Viele Einheimische können sich eine Wohnung auf Sylt, wo eine 20-Quadratmeter-Behausung schon mal 700 Euro Miete kosten kann, schlicht nicht mehr leisten. Jeden Morgen pendeln deshalb rund 6.500 Beschäftigte vom Festland auf die Insel – und abends zurück. Die Folgen der Vertreibung der Insulaner aus ihrem Paradies: Die Infrastruktur der Insel leidet, Kindergärten und Grundschulen schließen, es gibt keine Hebamme mehr auf Sylt und der Feuerwehr gehen die Feuerwehrmänner aus. Thomas Nissen, dem ein Lebensmittelgeschäft in Rantum gehört, öffnet nur noch drei Stunden am Tag – „für die Grundversorgung der Nachbarn“. Viele junge Leute ziehen weg. Die sozialen Kontakte in den kleiner werdenden Gemeinden leiden. Ein Taxi-Fahrer klagt: „Wir vereinsamen langsam.“

Daran ändern auch die Tropfen auf dem heißen Stein nichts, die Lokalpolitiker alle Jahre wieder herausquetschen: So wurde unlängst zwar beschlossen, mit öffentlichen Geldern 59 bezahlbare Wohnungen für Landesbeschäftigte zu bauen, die auf Sylt arbeiten. Und für weitere Neubauten für Normalverdiener gibt es 30 Millionen Euro zinsgünstige Darlehen. Aber kaum Jemand zwischen List und Hörnum glaubt ernsthaft, dass solche Maßnahmen den Mangel an bezahlbarem Wohnraum lindern werden. Angebot und Nachfrage auf dem Sylter Immobilienmarkt lassen sich nicht mehr ins Gleichgewicht bringen. Dafür gibt es zu wenig Land auf der beliebten Sandbank in der Nordsee und zu viele wohlhabende Hamburger, Düsseldorfer und Züricher, die bereit sind, fast jeden Preis für Ferieneigentum auf Sylt zu zahlen.

Das führt zu skurrilen Situationen wie in Rantum, wo gerade das Haupthaus des Hotels „Watthof“ abgerissen wurde, weil hier neue, teure Eigentumswohnungen entstehen sollen. Von dem beliebten, traditionsreichen Hotel bleibt nur noch ein Nebengebäude mit zehn Zimmern. In Kampen, dem berühmten Filetstück der Insel, herrscht Preis-Wahnsinn: Frei stehende Einfamilienhäuser in Wattlage kosten hier zwischen vier und 20 Millionen Euro. Die Straße Hobookenweg gilt als teuerste Deutschlands. In Kampen wird laut Tom Kirst von der Maklerfirma Dahler & Company um unbebaute Grundstücke „gepokert“. Für einen Quadratmeter Bauland müssen zwischen 3.500 und 4.000 Euro auf den Tisch gelegt werden. Bauträger spekulieren auf weiter steigende Preise und zahlen Summen, so Kirst, „die sich nur rechnen, wenn die Entwicklung der vergangenen Jahre auch künftig so weiter geht“.

Es bleibt bei der Abreise in Westerland das Gefühl, dass auch die Politiker der Insel im Kampf gegen Spekulanten und Reiche immer nur gegen den Wind strampeln – ohne Pedelec oder E-Bike. Ein hoffnungsloses Unterfangen.

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Dubrovnik, die „Perle der Adria“

Es ist die drittgrößte Handelsflotte des Mittelmeeres: 5.000 Matrosen befahren auf 160 Schiffen die Meere. Der Schiffbau hat die Republik, die von rund 70 Konsulaten in aller Welt vertreten wird,…

Es ist die drittgrößte Handelsflotte des Mittelmeeres: 5.000 Matrosen befahren auf 160 Schiffen die Meere. Der Schiffbau hat die Republik, die von rund 70 Konsulaten in aller Welt vertreten wird, reich gemacht. Die Kaufleute verkaufen Salz und exportieren Silber aus Bosnien und Serbien. Aus Angst vor räuberischen Venezianern und Türken mauern sich die Einwohner in ihrem Hafen ein. Die steinerne Burg der Festung Sveti Ivan gibt ihnen Sicherheit.

Ein halbes Jahrtausend ist es her, dass Dubrovnik die „Perle der Adria“ war. Zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert erlebte die Metropole, damals als Republik Ragusa bekannt, ihre erste Blütezeit. Sie war eine der wichtigsten Handelszentren in der Region. Diese Hochzeit endete 1667 nach einem verheerenden Erdbeben, das die Wirtschaft des „stolzen Schönen“ am südlichen Ende Kroatiens nachhaltig schädigte. Mit der Aufnahme der Altstadt Dubrovniks in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes 1979 rückte sie erstmals wieder in den Fokus der breiten Öffentlichkeit, durch ihre Belagerung und Bombardierung durch die Jugoslawische Volksarmee während des Kroatienkrieges Anfang der 90er Jahre ein zweites Mal. Die Wiederentdeckung der Stadt durch die Tourismusindustrie in den Jahren danach und schließlich der Beitritt Kroatiens zur EU 2013 haben der dalmatische Metropole am Wasser mehr Leben zurückgegeben, als diese an schönen Sommertagen vertragen kann.

„Dubrovnik wird von Feriengästen regelrecht besetzt”„Dubrovnik wird von Feriengästen regelrecht besetzt”, klagt Djuro Capor, der sich in einer Bürgerinitiative gegen die tägliche Urlauber-Invasion engagiert. Hunderte Busse umkreisen zwischen Juni und September Tag für Tag die autofreie Altstadt, zwischen 25.000 und 30.000 Touristen drängen sich vom frühen Morgen bis Mitternacht durch deren Gassen. So mancher Fremder zahlt extra dafür, dass er auf den 1.940 Meter langen und bis zu sechs Meter breiten Stadtmauern von Dubrovnik spazieren gehen darf. Die größten Wellen an Feriengästen ergießen sich aus den Kreuzfahrtschiffen, die Dubrovnik in immer kürzeren Intervallen anlaufen.

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Die kroatische Adriaküste zählt zu den saubersten Gewässern im gesamten Mittelmeerraum.

Wir sind im Mai hierhergekommen. Und wir erleben eine zauberhafte Reise in die Vergangenheit – nicht nur in der Altstadt Dubrovniks, sondern entlang der gesamten Küste Richtung Süden bis zur Grenze zu Montenegro. Diese Region wird auf einer Breite von etwa drei Kilometern durch die zu Bosnien und Herzegowina gehörende Gemeinde Neum vom übrigen Kroatien getrennt. Elf Kilometer südlich von Dubrovnik liegt Mlini – ein glänzender Edelstein im schmalen kroatischen Gürtel entlang des Meeres. Uns fällt zuerst die üppige mediterrane Vegetation auf. Mlini hat flache Stein- und Steinstrände, Blumengärten und Promenaden, Hotels, Villen und Ferienhäuser. Der Name Mlini kommt von den Mühlen, die in der Vergangenheit benutzt wurden um das Wasser aus dem Fluß Zavrelje zu heben. Wir springen ins Meer. Es ist jetzt noch kühl, vielleicht 19, 20 Grad, aber klar und herrlich erfrischend. Die kroatische Adriaküste zählt zu den saubersten Gewässern im gesamten Mittelmeerraum.

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An den Stränden von Dubrovnik.

Hier ist es sauber – im Wasser und an Land

Wir fahren weiter nach Cavtat – eine Landzunge, auf der man sich wie in Italien fühlt, am Gardasee, in Salo, oder an der italienischen Adria, in Rimini. Aber hier ist es sauberer als dort – im Wasser und an Land. Keine leere Tüte oder Dose, kein Papier, keine Zigarettenkippe liegt auf der wunderschönen Promenade entlang des kleinen Hafens. „Fast so sauber wie in der Schweiz“, sagt ein Münchener Urlauber lächelnd zu seinem Begleiter. Liebevoll angelegte Blumenbeete, weiße Decken auf den Tischen der Terrassen der Restaurants vor historischen Häusern, die sorgfältig und mit „feinem Pinsel“ restauriert wurden, machen die 2.000-Einwohner-Verwaltungssitz der Kommune Konavle zu einem zauberhaften Ferienort. Auch in vielen anderen Dörfern an den meist steinigen Buchten entlang der Küste und auf den nur wenige hundert Meter vorgelagerten Inseln spürt man, dass die Kroaten sich um Feriengäste bemühen, kein Wunder, trägt der Tourismus doch weit mehr als die Hälfte zum Bruttoinlandsprodukt des Staates bei. Abseits der beliebten Pfade jedoch stößt man auch in Dalmatien auf Bauruinen, noch nicht ganz abgerissene oder noch nicht ganz fertiggestellte Gebäude, auf Müllhalden und löchrige Straßen.

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Vom Boot aus ins Wasser springen, tauchen, schnorcheln – Urlaub pur an den Stränden vor Dubrovnik. (Fotos: Jürgen Hoffmann)

Einen Tag reservieren wir für einen Ausflug in die Inselwelt vor Dubrovnik. Wir fahren mit einem Fischerboot zur Insel Kolocep – im traumhaft schönen Hafen Donje Celo muss man eine Pause machen – und weiter zum Eiland Lopud, das eine der schönsten Badestrände Kroatiens besitzt, vor dem im Sommer jeden Tag bis zu 100 Yachten, Ausflugsdampfer und kleine Speedboote Anker werfen. Vom Boot aus ins Wasser springen, tauchen, schnorcheln – Urlaub pur. In den blauen Himmel schauen, Freiheit fühlen. Am Abend dann eine gemischte Fischplatte am Strand „Copacabana“ auf der Halbinsel Lapad. Nicht puderfeiner Sand wie in Brasilien empfängt uns hier, sondern ein Kiesstrand mit betonierter Liegefläche. Als Entschädigung nehmen wir die schöne Aussicht auf die Inseln Daksa und Elafiten auf einer Seite und auf die halbhängende Brücke, die einzigartig in der Welt ist, auf der anderen Seite.

Dass in dieser Region vor kaum 25 Jahren Krieg herrschte, Bomben flogen und Häuser brannten – kaum vorstellbar. Heute wird im malerischen Dubrovnik nur noch zum Spaß und vor allem zum Geldverdienen gekämpft: Wenn das Filmteam des US-Fernsehsenders HBO eine neue Folge der Serie „Game of Thrones“ dreht, weht auf der historischen Stadtmauer die Flagge des Hauses Baratheon, werden im ehemaligen Kloster auf der Insel Lokrum neue Ränke geschmiedet und lernt im Botanischen Garten des Dorfes Trsteno der “Königsmörder” Jaime Lannister sein Schwert mit der linken Hand zu führen. Dann erleben die Einwohner von Dubrovnik wieder einmal eine Zeitreise ins Mittelalter.

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(Titelfoto: aarstudio / fotolia.de)

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Malediven – Umweltschutz zum Erhalt der Korallenriffe

Makko Ibrahim Waheed geht es besser. Der Patient trägt zwar noch einen Verband, nimmt aber schon wieder feste Nahrung zu sich. Kleine Fischstückchen. Der grau gefiederte Tölpel ist vor fünf…

Makko Ibrahim Waheed geht es besser. Der Patient trägt zwar noch einen Verband, nimmt aber schon wieder feste Nahrung zu sich. Kleine Fischstückchen. Der grau gefiederte Tölpel ist vor fünf Tagen auf der Malediven-Insel Baros gestrandet. Im wahrsten Sinne des Wortes. Verena Wiesbauer, Meeresbiologin auf dem 300 x 350 Meter kleinem  Eiland im Nord-Malé-Atoll, hat den am Flügel verletzten Seevogel am Strand gefunden und verarztet. Seither wird er vom Marina-Team des Fünf-Sterne Luxus-Resorts gepflegt und gefüttert. Makko Ibrahim Waheed – die Mitarbeiter des Resorts haben ihm diesen Namen gegeben – ist nicht der einzige tierische Patient auf Baros: Auch ein Fischreiher mit nur einem Fuß befindet sich in der Krankenstation des Tauchcenters.

Aus dem Flugzeug sehen die Inseln aus wie Perlen.Die beiden Verletzten sind wahrlich im Paradies gestrandet: Baros gehört zu den schönsten der insgesamt 1.196 Inseln, die auf 26 Atollen mit Korallenriffen verteilt sind und zur islamischen Republik Malediven gehören. Etwa 220 von ihnen sind von Einheimischen bewohnt, 108 als Resorts für den Tourismus ausgewiesen. Aus dem Flugzeug sehen diese Kleinode im Indischen Ozean aus wie Perlen, ausgestreut auf einem türkis-blauen Teppich.

30 Bungalows auf Stelzen erwarten uns

Wir landen morgens um 7 Uhr auf dem Malé International Airport. Ein Motorboot bringt uns in 25 Minuten auf die kleine Ferieninsel. 1996 wurden die ersten 16 Bungalows auf Stelzen in die Lagune gebaut, 2005 wurde ihre Zahl auf 30 erhöht, 15 davon mit eigenem Pool. Hinzu kommen 45 luxuriöse Villen auf der Insel, alle am Strand. Auf höchstens 150 Gäste kommen 300 Resort-Mitarbeiter. Seit 2014 lockt ein 85 Quadratmeter großer Infinity-Süßwasserpool auf dem Deck des Lime-Restaurants. So beeindruckend er auch ist – die schönsten Plätze der Malediven liegen unter Wasser. Um sie zu entdecken, tauchen wir ab – mit Flossen, Brille und Schnorchel ein, zwei Meter tief. Was wir sehen sind Korallen und Schwämme, Rochen, Drücker-, Pipe- und Doktorfische im grünen Wasser der Lagune, Haie, Tintenfische und Muränen im tiefblauen Meer davor. 13 Wasserschildkröten leben rund um die Insel, jede fotografiert, vermessen und namentlich – von „Goofy“ bis „Sandy“ – registriert. Als Resort-Manager Shuhan seinen 30. Geburtstag feierte, durfte er einer der sanftmütigen Reptilien einen Namen geben. Der Formel I-Fan taufte sie „Schumi“.

Unterwasser Malediven

Die herrlich, bunte Unterwasserwelt ist die Hauptattraktion der Malediven.

Nicht alles ist ungefährlich: In den Gewässern vor den Inseln lebt beispielsweise die berüchtigte Kegelschnecke „Conus geographus, auch „Zigaretten-Schnecke“ genannt, nicht, weil nach einem Stich von ihr die Haut brennen würde, sondern weil sie so giftig ist, dass einem gestochenen Menschen angeblich nur noch eine Zigarettenlänge Zeit zum Leben bleibt. Tatsächlich sind es etwa fünf Stunden, die einem noch bleiben. Na, denn …. Wir fotografieren die etwa 10 Zentimeter lange, sandfarbende Schnecke während einer Nacht-Schnorchel-Exkursion aus sicherer Entfernung.

1,2 Millionen Urlauber besuchen die Malediven pro Jahr

Rund 1,2 Millionen Urlauber besuchten im vergangenen Jahr die Malediven. Fast alle Gäste kamen der faszinierenden Unterwasserwelt wegen. Sie ist die Existenzgrundlage des 340.000-Einwohner-Volkes. Shuhan: „Der Tourismus ist mit Abstand der größte Wirtschaftszweig der Malediven. Er trägt rund 30 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt, erbringt mehr als 60 Prozent der Deviseneinnahmen, 90 Prozent der Steuer- und Zolleinnahmen.“ Die Regierenden sind sich dessen bewusst, haben Umweltschutz und Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen geschrieben. 2009 gingen dreizehn Kabinettsmitglieder in Taucheranzügen und mit wasserfesten Stiften ausgestattet vor der Insel Girifushi 30 Minuten unter Wasser, um Publicity-trächtig eine Resolution zu unterschrieben, in der sie die internationale Staatengemeinschaft auffordern, den CO2-Ausstoß baldmöglichst zu verringern.

Malediven Urlaub

Auf dem „Piano-Deck“ können Gäste mitten im Atoll ein Frühstück zu zweit machen.

Weniger spektakulär, dafür aber konkreter ist die Arbeit, die Umweltschützer auf vielen der maledivischen Inseln verrichten. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf den Korallenriffen, die zu den artenreichsten, aber auch empfindlichsten Ökosystemen der Erde gehören. In den gleichmäßig warmen (27 bis 31 Grad), klaren und lichtdurchfluteten Gewässern der Tropen produzieren die winzigen Organismen Unmengen von Kalk. Bis Ende der 1990er Jahre hat dieses System auch ohne menschliche Hilfe funktioniert. Dann erhöhte sich die Wassertemperatur in den Malediven durch die warme Meeresströmung El Niño auf mehr als 33 Grad. Erst bleichten die Korallen aus, danach verhungerten viele, zerbrachen und wurden an Land gespült. 80 bis 90 Prozent aller Bänke wurden damals geschädigt. 2010 kam es erneut zu einer, glücklicherweise aber nur kurzen Erwärmung des Wassers. Die meisten Korallen überlebten.

Korallen Malediven

Abgebrochene, aber noch lebende Korallen werden auf ein Eisengestellt gebunden und wieder ins Meer gesetzt. Die Korallen erholen sich, wachsen an und vermehren sich.

Die Umweltschützer, vornehmlich Biologen, zeigen den Touristen bei Schnorchel- und Tauchgängen gesunde und geschädigte Korallenbänke und ermuntern sie, abgebrochene Korallen neu anzupflanzen. Wir machen das auch. Verena Wiesbauer schleppt ein kleines Eisengerüst an den Strand. Mit einem Kabelbinder zurren wir Teile von Acropora hyacinthus, Pocillopora und verwandten Korallenarten fest an die Konstruktion, die wie eine Mini-Pyramide aussieht. „Ganz stramm“, rät Verena, „sonst verletzen sich die Korallen durch den Wasserdruck und können nicht am Gerüst anwachsen”. Wir entwickeln bei der Arbeit tatsächlich ein Bewusstsein für die Gefährdung der fragilen Unterwasserwelt. Gegen eine Spende können Baros-Urlauber eine Patenschaft für transplantierte Korallen übernehmen. Auch auf anderen Inseln und Atollen der Malediven gibt es solche Engagements – auf Kuda Huraa, Haa Alifu und Vihamanafushi beispielsweise.

Nicht nur unter Wasser, auch auf den Inseln wird viel für den Umweltschutz getan, zum Beispiel energiesparende Systeme für Hotel-Wäschereien oder Abwasseraufbereitungsanlagen installiert. Verena: „In einigen anderen Urlaubsregionen wird so etwas nur fürs Marketing gemacht, wir auf den Malediven tun es, um unsere direkte Umwelt zu erhalten.“

Zum Sonnenuntergang verlassen wir mit einem Fischerboot unser Atoll. Jetzt ist die beste Zeit, um mit einer Handangel einen Seebarsch und einen Barrakuda aus dem Wasser zu ziehen. Eine Stunde später liegen die zwei Fische, vom Resort-Chefkoch nach creolischer Art zubereitet vor uns auf den Tellern. Nie haben wir besser gegessen … .

[toggle title=”An- und Abreise”]Von Deutschland aus fliegen mehr als ein Dutzend Gesellschaften nach Malé, darunter Singapore Airlines, Etihad Airways und Quatar Airways und Emirates – alle mit einen Zwischenstopp. Wer clever bucht, kann auf diese Weise – beispielsweise mit Emirates – Dubai einen Kurzbesuch abstatten. So haben wir es gemacht. Zurück sind wir mit Condor direkt nach Frankfurt geflogen. Das rate ich niemanden! Der Service auf den Condor-Maschinen ist schlecht, das Essen miserabel. So ein Menü wäre selbst einer Billigflug-Gesellschaft unwürdig. Auch in den Online-Foren wimmelt es von verheerender Kritik an der Ferienfluggesellschaf auf der Route Deutschland-Malediven. Fazit: Urlaub auf den Malediven – immer wieder, mit Condor – nie wieder![/toggle]

Das …

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