Autor: Gastautoren

Mit dem Kajak durch Dalsland in Schweden

Wasser spritzt über die Spitze meines Kajaks. Die morgendliche Sonne spiegelt sich auf der Wasseroberfläche des Lelång-Sees und leichter Ost-Wind streichelt meine Haut. Das soll Schweden sein? Das Schweden, das ich aus den Geschichten von Pippi Langstrumpf kenne? Um genau das herauszufinden durchquere ich in den nächsten acht Tagen die Seen des Dalslandes mit dem Kajak.

Wasser spritzt über die Spitze meines Kajaks. Die morgendliche Sonne spiegelt sich auf der Wasseroberfläche des Lelång-Sees und leichter Ost-Wind streichelt meine Haut. Das soll Schweden sein? Das Schweden, das ich aus den Geschichten von Pippi Langstrumpf kenne? Um genau das herauszufinden durchquere ich in den nächsten acht Tagen die Seen des Dalslandes mit dem Kajak.

Von Finn Ehrig

Noch schnell den letzten Gurt an Auto und Anhänger festzurren und dann geht es auch schon los. Mit der Fähre geht’s von Puttgarden nach Rödby und dann weiter von Helsingör nach Helsingborg. Wir betreten das schwedische Festland nach einigen Stunden und erblicken die ersten kleinen, schwedenroten Häuschen zwischen den Feldern. Nachdem wir Göteborg hinter uns gelassen haben, folgen wir den Straßen der malerischen Landschaft von Schweden. Es geht durch Wälder und an unzähligen Seen vorbei.
 Nach neun Stunden Fahrzeit erreichen wir endlich Bengtsfors, ein verschlafenes Dorf mit 800 Einwohnern, mitten im beliebten Dalslandes. Umgeben von den Seen Lelång und Bengtsbrohöljen bildet dieses Dorf einen Teil des Dalsland-Kanals.
 Und auch das Wetter spielt mit: 26 Grad, Sonnenschein und leichter Windhauch.

150 Kilometer liegen mit dem Kajak vor uns

Unsere Reiseroute beginnt in Bengtsfors und soll in Ed enden. Rund 150km Wasserstrecke liegt vor uns. Sofort nach der Ankunft befreien wir die Boote vom Trailer und fangen an, unser Gepäck in den Kajaks zu verstauen. 
Wie sollen die Menge an Nahrung und sonstigen Utensilien, die man für die nächsten Tage braucht, bloß in so ein kleines Boot passen? 
Mit ausgefeilten Packtechniken werden die Kajaks beladen; reichen die Stauluken nicht aus, wird der Rest auf das Deck geschnallt. Kentern ist ja nicht vorgesehen.

Um die letzten Sonnenstrahlen des Tages einzufangen, entschließen wir uns, noch am Ankunftstag die Reise zu beginnen.
 Mit einem leisen Knirschen über Felssteine manövrieren wir die Boote ins Wasser und nach wenigen hundert Metern liegt die Zivilisation schon hinter uns. 
Da uns die Anreise noch in den Knochen steckt, beschließen wir bereits nach wenigen Kilometern, den Tag ausklingen zu lassen. Wir finden einen geeigneten Übernachtungsplatz und schlagen schnell im Sonnenuntergang unsere Zelte auf. Einige von uns sammeln ein wenig Treibholz für ein gemütliches Lagerfeuer am Ufer des Sees.

Das Rauschen der Wellen ist unser Wecker

Das Rauschen der Wellen in der Bucht soll nun Wecker für die kommenden Tage sein. 
Am nächsten Morgen höre ich die ersten Reißverschlüsse der anderen Zelte. Nach und nach treffen wir uns am Wasser, um auf einem Felsen am Wasser zu frühstücken. Einfach traumhaft!

In Schweden hat man das Recht, überall zu wandern, Rad zu fahren, zu reiten oder zu zelten. Somit liegt es in unserem Ermessen, einen geeigneten Platz am Waldesrand anzufahren, um die Nacht dort zu verbringen. Wer es doch etwas Zivilisierter wünscht, kann die eingezeichneten Campgrounds anfahren, in denen sich oft eine Sturmhütte zum Übernachten, eine Feuerstelle oder ein Plumpsklo befinden.

Je mehr Strecke wir mit den Kajaks zurücklegen, umso deutlicher ist meine Erkentniss: eine Insel ist schöner als die andere. Es fällt uns fast schwer, unser Zelt nicht gleich wieder herauszuholen und den erst besten Platz anzufahren.
 Während des gesamten Urlaubes suchen wir vergeblich nach Wolken am Himmel.
 Die Kilometerzahl, die wir mit dem Boot am Tag zurück legen, halten wir bewusst etwas geringer. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, einen Pausentag einzulegen, wenn uns ein Ort überaus gut gefällt.

Mit dem Kajak durch Schweden - Finn Ehrig - Reiseblog-1514

Nichts als unberührte Natur um uns herum

Tatsächlich finden wir am vierten Tag eine kleine Insel im Windschatten des norwegischen Festlandes – es ist der wohl schönste Ort auf dieser einmaligen Reise.
 Nichts als unberührte Natur um uns herum. Eine fast schon unheimliche Stille prägt die Nächte: Die Hängematten werden gespannt, das Feuer knistert. Leise hört man die Trangia-Kocher lodern, in denen wir täglich unsere kleinen Leckereien zubereiten. 
Ab und an nimmt man ein Platschen wahr, wenn jemand ins Wasser springt. 
Es dauert nicht lange, bis alle ihren ganz besonderen Ort auf der Insel gefunden haben.

Die Stimmung ist einzigartig entspannt. Jeder verbringt seine Zeit, wie es ihm am Sinnvollsten erscheint. Eine Woche ohne Internet, Handy, Hektik, Verpflichtungen und Lärm. Alle sind für sich alleine, aber doch sind wir als Gruppe unterwegs. Hier entflieht jeder auf seine ganz eigene Art dem Alltag. Ein einmaliges Privileg, die Abende gemeinsam am Feuer im Sonnenuntergang des Dalslandes ausklingen zu lassen.

Ein Hauch von Vergangenheit – vollkommen ohne Strom

Wir starten morgens meistens früh, weil wir die Zeit auf dem Wasser genießen wollen. Das macht es einfacher, einen guten Zeltplatz zu finden. Bis auf ander Kanuten, die wie wir auf der Suche nach dem perfekten Schlafplatz sind, begegnen wir in dieser Woche nahezu keinen weiteren Menschen. Ein Hauch von Vergangenheit – vollkommen ohne Strom, fließend Wasser oder sanitären Anlagen. Wir waschen uns See oder im Fluß, das Wasser zum Kochen tanken wir mit einem Kanister aus der Mitte des Sees. Wehmütig geht es für uns nach acht Tagen unvergesslicher Zeit zurück nach Deutschland.

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Spanisch in Spanien lernen

Sprachen öffnen Türen zu neuen Kulturen und internationalen Freundschaften. Wenn du – wie wir – ein großer Fan der spanischen Kultur bist, ist der einzige Weg komplett in diese faszinierende…

Sprachen öffnen Türen zu neuen Kulturen und internationalen Freundschaften. Wenn du – wie wir – ein großer Fan der spanischen Kultur bist, ist der einzige Weg komplett in diese faszinierende Kultur einzutauchen, um die Sprache zu erlernen.

Von Bastian Behrmann

Es scheint so, dass spanisch als Fremdsprache immer beliebter wird. Am besten funktioniert das Spanisch lernen, wenn man es direkt mit Einheimischen praktiziert. Mit der neuen Sprach-Austauschplattform Abroadwith ist das Finden eines lokalen Gastgebers einfacher denn je zuvor.

Die neue einfache Möglichkeit, direkt interessante lokale Menschen zu finden und sie zu kontaktieren, hat es vielen Sprachschülern ermöglicht, eine tolle kulturelle Erfahrung zu erleben. Ob es aber nun wirklich nur am Abbau von Barrieren und an immer beliebter werdenden Musik, Literatur und Tanzkultur liegt, oder dass man sich mit fast 400 Millionen Muttersprachlern verständigen kann, ist natürlich schwer zu beantworten.

Hier also die fünf beliebtesten Städte der Abroadwith Sprachstudenten in Spanien, um die Sprache zu erlernen und in die Kultur einzutauchen:

Alicante

Alicante und seine benachbarte Küste Costa Blanca, bieten einige der buntesten und charmantesten Strände entlang der spanischen Ostküste. 300 Tage Sonne im Jahr laden dazu ein, die atemberaubenden Landschaften zu erkunden. Ob es nun die Küste ist oder die Gebirgskette Sierra de Aitana – es ist eine ideale Landschaft für Fahrradfahrer und Wanderer.

Alicantes Innenstadt bietet überraschend viel Kultur mit vielen Möglichkeiten, um die spanische Sprache zu lernen. Das Gute ist, dass der regionale Akzent – besonders für Anfänger – einfach zu verstehen ist. Auch die Mietpreise für Zimmer sind in der Stadt noch relativ erschwinglich.

Neben der Party-und Musikszene bietet die Gegend eine große Anzahl von Events. Alcoy ist zum Beispiel der beste Platz, um sich “Das Fest der Mauren und Christen” anzusehen. Denia kann mit Fallas aufwarten, bei dem sie große Pappmachéfiguren verbrennen. Benidorm setzt sich mit Top-Musikfestivals und Karneval in Szene und Jalon erwacht mit der jährlichen Weinernte zum Leben.

Granada

Granada ist die Hauptstadt der Provinz Granada in Andalusien. Die Stadt ist geprägt von seinem Studentenleben. Die Universität mit den jungen Menschen ist deutlich spürbar in der Stadt. Die Kombination aus spanischer, maurischer und europäischer Kultur und die noch erschwinglichen Preise locken Studenten aus der ganzen Welt in die Stadt. Der urbane, granadische Akzent in den Großstädten ist der klarste Akzent Andalusiens, aber der ländliche Akzent in der Provinz ist für den Nicht-Muttersprachler schwer zu verstehen.

Mit über 2.000 Erasmus Studenten jedes Jahr ist Granada eine Topadressen für Studenten in Europa. Die Stadt bietet viele Aktivitäten. Die höchste Gebirgskette Spaniens, das Sierra Nevada Skigebiet, und die Küste sind nur dreißig Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Die wundeschönen Strände in Costa Tropical sind schnell zu erreichen. Aufgrund des milden Klimas während des ganzen Jahres wachsen sogar Zuckerrohr und Mangos in dieser Region.

Valencia

Die drittgrößte Stadt in Spanien ist Valencia. Die Stadt steht oft im Schatten der “großen Schwestern” Madrid und Barcelona, braucht sich aber nicht zu verstecken.  In Valencia ist das Leben viel entspannter.

Valencia ist nicht nur von einigen – scheinbar unberührten Stränden eingerahmt. Auch die Architektur, mit seinen altmodischen und doch weltlichen Gebäuden, ist ein Grund, um hier herzukommen. Valencia’s Akzent ist klar und einfach zu verstehen. Kulturell ist die Stadt bekannt für ein schillerndes Nachtleben der lebhaften LGBTI Gemeinschaft, den zahlreichen Museen, wundervollen Landschaften und Wanderwegen, sowie auch für seine deliziösen Paella und Orchate.

Die beste Zeit für einen Besuch ist während des weltberühmten Festivals “Fallas”, wenn wunderschöne Pappmachèfiguren gebaut werden, die in der Nacht von St. Joseph Mitte März wieder in Brand gesteckt werden.

Barcelona

Barcelona, die Hauptstadt Kataloniens, ist eines der beliebtesten Reiseziele für Sprachstudenten, um Spanisch zu lernen. Die Region Katalonien hat zwei Amtssprachen: Spanisch und Katalanisch. In Ämtern und Schulen wird überwiegend Katalanisch gesprochen. Auch viele Vorlesungen an der Universität in Barcelona werden auf Katalanisch abgehalten. Trotz der politischen Eigenständigkeit Kataloniens, sprechen viele Katalanen auch Spanisch. In Barcelona ist es also kein Problem, sich auf spanisch zu verständigen.

Besonders erwähnenswert ist die malerische Architektur. Der Architekt Gaudí hat – wie kein anderer – das Stadtbild geprägt. Viele seiner architektonischen Meisterwerke sind heute Wahrzeichen der Stadt – allen voran natürlich die Sagrada Familia. Aber auch die kulinarische Szene, die ausgedehnten Strände – allen voran der Stadtstrand Barceloneta und die katalanische Kultur machen die Stadt so besonders.

Die Altstadt “Ciutat Vella“ und das gotische Viertel sind nur einige der historischen Viertel in Barcelona. Für die, die der Hektik der Großstadt entfliehen möchten, hat Barcelonas Umgebung viel zu bieten. Im Norden, bei den Collserola Bergen, befindet sich ein perfekter Platz für eine Wanderung am Wochenende. Für die, die gerne ein ganzes Wochenende außerhalb der Stadt verbringen möchten, sind die Pyrenäen, Cadaqués oder Girona mit zweieinhalb Stunden Fahrt von der Innenstadt, zu empfehlen.

Da Barcelona ein sehr beliebtes Ziel für “Spanischlerner” ist, gibt es dort Hunderte von Sprachprogrammen, die alle individuellen Wünsche erfüllen. Barcelonas Akzent ist klar und einfach zu verstehen, gebraucht aber auch einige katalanische Ausdrücke und Redewendungen.

Madrid

Madrid, Spaniens Hauptstadt, hat zweifellos das größte Kultur- und Sprachangebot aller spanischen Städte. Die zentrale Lage macht Madrid zu einem guten Ausgangsort für Reisen in die anderen Regionen Spaniens. Madrid ist bekannt für gutes Essen, Museen, kulturelle Aktivitäten und ein ereignisreiches Nachtleben.

Madrids Akzent ist klar und einfach zu verstehen und wird deshalb als das Standard Spanisch angesehen. Also der perfekte Ort für Sprachreisen auf Anfängerniveau. Auch weil die Stadt anderen Kulturen gegenüber sehr aufgeschlossen ist.

Madrid ist eine freundliche und bequeme Stadt. Ein Aspekt von Madrids eigener Kultur ist das Leben in den Stadtteilen. Für die, die sich in einer Großstadt ein bisschen überfordert fühlen, erscheint Madrid viel kleiner, wenn man sich in der eigenen Nachbarschaft bewegt. Es gibt eine freundliche, familiäre Gesinnung in den meist traditionell geprägten Stadtvierteln. Viele Verkäufer merken sich schon nach ein paar Einkäufen die Namen ihrer Kunden und sprechen sie direkt an.

Mit Chueca beherbergt Madrid außerdem die größte LGBTI Gemeinschaft in Europa. Bis in die 1990er Jahre war Chueca ein gefährliches Viertel mit Drogenkriminalität und Prostitution. Das hat sich geändert, seit Schwule und Lesben sich des Viertels angenommen, Wohnungen gekauft und Geschäfte eröffnet haben.

Nördlich von Madrid können Sprachstudenten per Bus in nur 30 Minuten die wunderschöne Sierra de Guadarrama  erreichen. Toledo und Segovia sind auch tolle Gebiete für einen Wochenendausflug.

Der Erfahrungsbericht beruht auf dem Abroadwith Report 2016 in dem wir unsere Sprachstudenten zu ihrem Aufenthalt befragt haben und außerdem wissen wollten, was ihnen besonders gefallen hat und was sie im Besonderen einem Freund empfehlen würden.

Hinweis: Kooperationsartikel

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Kitesurfen lernen in Ägypten

Andere haben das doch auch hinbekommen! Wenn die das können, dann kann ich das verdammt noch mal auch. Aber im Moment geht gar nichts. Ich sitze auf dem Sand in…

Andere haben das doch auch hinbekommen! Wenn die das können, dann kann ich das verdammt noch mal auch. Aber im Moment geht gar nichts. Ich sitze auf dem Sand in knietiefem Meerwasser, irgendwo zwischen Strand und Riff in der Nähe von Hurghada im Roten Meer und soll mich von einem Lenkdrachen jetzt aus dem Wasser ziehen lassen. Kiten hatte ich mir leichter vorgestellt. Wie bin ich überhaupt auf diese Schnapsidee gekommen?

Von Harald Zeiss

Ich lasse mein Leben noch mal vor meinem inneren Auge Revue passieren, aber an den bierseeligen Abend irgendwann letzten September kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Egal, jetzt bin ich hier zusammen mit meinem besten Freund, habe ein Brett unter den Füßen und einen Kiteschirm am Himmel und soll jetzt meine ersten Meter auf dem bisschen Wasser möglichst würdevoll zurücklegen. Wie gesagt: andere haben das doch auch geschafft!

Kiteschulen gibt es wie Sand am Meer

Mein Lehrer heißt Momo. In Wirklichkeit Mohamed, aber alle sagen Momo. Klingt wohl mehr nach Sonne, Sand und Spaß. Das verbinden hier alle mit Kiten und wenn man den Könnern zusieht, wie sie mit dem Drachen nicht nur über das Meer fliegen, sondern auch durch die Luft, dann scheint der Trendsport genau den richtigen Nerv unserer aktionverwöhnten Gesellschaft getroffen zu haben. Aber vor dem Flug kommt der Fall, und von denen wird ein Anfänger eine Menge hinlegen müssen. Die gute Nachricht immerhin ist, dass man dabei nur ins Wasser fällt und außer einer ordentlichen Meerwassernasenspülung nicht wirklich viel zu befürchten hat. Wer sich darauf einlässt, kann nach gut acht bis zwölf Stunden seine ersten Meter auf dem Wasser schaffen und hier lest ihr, wie das geht.

Kiten in Aegypten - Harald Zeiss - Reiseblog Breitengrad53-1

Ideal für Anfänger ist das Kitegebiet in der Nähe der Touristenretortenstadt El Guna. (Fotos: Harald Zeiss)

Erst überlegen, dann buchen

Der Anfang ist einfach: Flug nach Hurghada buchen, Hotel auswählen und die Vorfreude genießen. Ideal für Anfänger ist das Kitegebiet in der Nähe der Touristenretortenstadt El Guna. Die Auswahl an Hotels ist groß und der sagenhafte Kitestrand mit einem Tuktuk-Taxi in 15 Minuten zu erreichen. Es gibt jedoch vorher ein paar Dinge zu beachten. Zum einen die Windverhältnisse, die über das Jahr hin mehr oder weniger konstant sind. Das hat direkte Auswirkungen auf den Lernfortschritt. Denn ohne Wind fliegt kein Drache und ohne Drachenfliegen lernt man auch kein Kiten. Wer also unbedingt bis zum Rückflug alles gelernt haben will, muss in der windreichen Zeit von Juni bis September kommen. Zum anderen sollte man sich die Temperaturen von Luft und Meer vorher genau ansehen. Frostbeulen werden die Monate von November bis April meiden, wenn es Nachts und manchmal auch tagsüber empfindlich kalt werden kann. Von den Temperaturen des Roten Meers mal ganz zu schweigen. Immerhin gibt es für alle Anfänger passende Neoprenanzüge, selbstverständlich den Drachen, den Gurt und ein extra großes Bord, auf dem es leichter ist, die Balance zu halten.

Just one more thing!

Für knapp 300 Euro habe ich acht Stunden Anfängerkurs in einer Kiteschule mit Momo gebucht. BASIC 1. Klingt nach wenig Erfolgserlebnis für eine Menge Geld. Das Geld sollte man im Moment am besten bar mitbringen, denn das ägyptische Pfund befindet sich auf Berg- und Talfahrt. Da sinkt die Akzeptanz für Kreditkarten und für die lokale Währung sowieso. Momo ist nicht irgendwer, sondern vor einigen Jahren ägyptischer Kite-Meister gewesen. Das sagt er uns aber erst ganz zum Schluss, vermutlich, um uns nicht vor Ehrfurcht kiteuntauglich zu machen. Die erste Stunde ist verhältnismäßig harmlos, mit Materialkunde, Sicherheitschecks und ein paar wichtigen Dingen zur physikalischen Besonderheit des Zusammenspiels von Wind und Drachen. Zum Glück sind die Kitedrachen in den letzten Jahren deutlich leichter zu manövrieren geworden und damit auch wesentlich sicherer für Anfänger wie mich. Wenn sozusagen alle Stricke reißen, gibt es eine Sicherheitsschließe, die den Kiter vom Drachen trennt und Letzteren flugunfähig machen. Ein gutes Gefühl, wenn man an dem Ding hängt wie ein Rodeoreiter auf einem wilden Stier.

Aller Anfang ist schwer

Diesen Stier muss ich jetzt entfesseln. Solange der Drache direkt über mir am Himmel steht, fliegt er ohne große Mühe und vor allem ohne starken Zug am Seil, das an meinem Bauchgurt befestigt ist. Alles ganz easy. “Diesen Stier muss ich jetzt entfesseln”Sobald ich aber an den Schnüren rechts oder links mittels einer Querstange ziehe, bewegt er sich entsprechend. Und damit in den Wind. Und zieht. An mir. Und wenn ich nicht aufpasse, schleift er mich auch gleich noch ein paar Meter würdelos über das Meer, solange, bis der Drache ins Wasser fällt. Dann muss ich zum 100. Mal aufstehen, den Drachen wieder zurück in den Zenith „auf 12 Uhr“ bringen und rückwärts gehen, zurück dorthin, von wo ich weggerissen wurde. Das ist dann der so genannte Walk of Shame, den Anfänger absolvieren, bis sie es kapiert haben.

Jetzt stellen wir uns mal ganz dumm

Die besondere Herausforderung beim Kiten liegt in der Komplexität der Bewegungsabläufe, die im Zusammenspiel mit Balance und möglichst stabilem Wind zum Fahrvergnügen führen sollen. Aber beim Kiten sind alle Meister erst mal vom Himmel gefallen und diese Frustrationstoleranz muss jeder Anfänger mitbringen. Momo gibt sich jede erdenkliche Mühe, mich zu instruieren und vor allem zu motivieren. Push, pull, left, right, gently, more power und vieles mehr höre ich in diesen Tagen immer wieder. Wer will, kann das auch auf Deutsch haben. Kitelehrer sind hier keine Mangelware und Sprachtalente scheinen sie alle zu sein. Irgendwann am Nachmittag geht dann aber nichts mehr in den Kopf und die Arme sind gefühlt auch immer länger geworden. Und zum Glück herrscht am nächsten Tag Windstille. Die kann ich wirklich gut gebrauchen!

Kiten in Aegypten - Harald Zeiss - Reiseblog Breitengrad53-5

Zweiter Teil von BASIC 1

Am Tag darauf ist genügend Wind und ich bin wieder im Wasser. Nicht nur der Wind, auch Ebbe und Flut bestimmen den Lernrhythmus. Wenn der Meeresspiegel zu niedrig ist, wird es für die Anfänger zu gefährlich. Ebbe ist um 14 Uhr. Daher müssen wir die verbleibende Zeit noch vor dem Nachmittag nutzen. Während wir beim letzten Mal gemeinsam an einem Kite geübt haben, bekommt heute jeder seinen eigenen Drachen, abgestimmt auf Körpergewicht und Windgeschwindigkeit. Nicht nur meine Unbeholfenheit und ein inzwischen latenter Muskelkater machen mir zu schaffen, sondern auch die unerwarteten Böen, die mal mehr, mal weniger am Kite ziehen, und mir die Kontrolle erschweren. Noch mehr Wasserschlucken und noch mehr Walk of Shame. Aber irgendwas in mir fühlt sich so an, als würde es besser werden. Meint auch Momo, aber ich glaube, der wird für seine gute Laune bezahlt.

Ohne Fleiß, kein Preis

Auf einmal klappt’s! Ich fahre! Ich weiß nicht, ob es die unendlichen Wiederholungen, der Frust, Momos Entschlossenheit oder einfach nur Glück war, dass ich am Ende des zweiten Tages tatsächlich kite. Wenn man 100 Meter Fahrt auf dem Bord also solches bezeichnen kann. Andere haben es geschafft, und ich jetzt endlich auch. Das Glücksgefühl ist sofort da, der Kick, der Spaß, die Gewissheit, dass ich es doch noch geschafft habe. Und diesen Moment muss man sich unbedingt merken. Denn nach ein paar Dutzend Metern holt mich ein Windstoß wieder vom Bord, zurück in die nasse Realität. Ich liege im knietiefen Meer, der Drache auch, aber ich weiß, dass ich das es kann. Ein Anfang ist geschafft. Jetzt heißt es nur noch dranbleiben und üben, üben, üben.

Insider-Tipps für Ägypten

Reiseinformationen vom Auswärtigen Amt

Aufgrund der politischen Lage ist es sinnvoll, sich vor der Reise auf der Seite des Auswärtigen Amtes über die aktuelle Lage zu informieren.


Hotelempfehlung

Es gibt zahlreiche hochwertige und preiswerte Hotels in Ägypten. 96% empfehlen bei Holidaycheck das Hotel “LABRANDA Club Paradisio El Gouna”


Reiseführer & Weiterführende Informationen

Eine Auswahl an Reiseführern für Ägypten finden Sie hier.


Geld im Urlaub

Die Währung in Ägypten ist das Ägyptische Pfund. Die meisten Geschäfte akzeptieren Kreditkarten als Zahlunsgmittel. ES-Karten kann man an den Geldautomaten benutzen. Wer die Abhebegebühren umgehen möchte, für den lohnt sich die Anschaffung einer kostenlosen Kreditkarte. Mehr Tipps zur Zahlung im Urlaub gibt es auf unserer Service-Seite: Geld im Urlaub.

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Über die Ostsee ins Land der Saunafetischisten

An Deck der Finnstar: „Sie gehen ständig in die Sauna, haben Millionen Handys und kämpfen mit Milliarden Mücken“ schreibt Autor Wolfram Eilenberger in seinem Bestseller „Finnen von Sinnen“. Ich muss…

An Deck der Finnstar: „Sie gehen ständig in die Sauna, haben Millionen Handys und kämpfen mit Milliarden Mücken“ schreibt Autor Wolfram Eilenberger in seinem Bestseller „Finnen von Sinnen“. Ich muss schmunzeln, als ich das Buch auf dem blankgeputzten blauen Boden der Fähre „Finnstar” entdecke.

Von Susan Bäthge

Zum Lesen soll genügend Zeit sein in den folgenden 28 Stunden – auf dem Weg von Travemünde nach Helsinki. Meine erste lange Schiffsfahrt. Mulmiges Gefühl im Bauch? Ganz und gar nicht – bis es desnachts etwas wackelt, als wir endlich ablegen. Es ist 3.30 Uhr – Leinen los für unsere Reise über die Ostsee. Was auf der Hinfahrt kaum zu spüren war, wurde auf unserem Rückweg umso heftiger. „Bei rauer Wetterlage schlagen die Wellen zehn bis elf Meter hoch“, erzählt der Kapitän Jussi Auer. Davon bleiben wir glücklicherweise verschont.

Wunschlos glücklich an Bord der Finnstar

Es ist Mitternacht: Check-in auf Deck 7. Es geht schnell und unkompliziert, nur wenige Minuten später beziehen wir unsere Kabinen ein Deck höher. Hier bleibt kein Wunsch offen: Einladend das bequeme Doppelbett, der Schrank bietet selbst für Gepäck süchtige Frauen genügend Platz, vom Sofa kann man deutsches Fernsehen schauen und aus der Dusche im eigenen Bad sprudelt heißes Wasser. Eine nächtliche Bahnfahrt im VIP-Abteil der Deutschen Bahn von Berlin nach München war deutlich ungemütlicher.

Zurück zum Schiff. Um Mitternacht werden wir mit einem Snack überrascht, garniert mit der wunderbaren Nachricht, am kommenden Morgen ausschlafen zu dürfen. Von der Ostsee getragen, sanft ins Land der Träume geglitten, Wiedersehen mit der Gruppe gegen zehn Uhr früh. Gemeinsamer Brunch! Was immer das Herz begehrt – es ist da! Deftig oder süß, Frühstück oder Mittagessen, warm oder kalt. Unfassbar, dass nur drei Personen in der Küche für unser aller Wohl sorgen und die Speisen bis 13 Uhr auf das Buffet zaubern. Immerhin finden 550 Passagiere Platz an Bord. 38 Crewmitglieder horchen auf Captain Jussi, der uns Zutritt zu seinem Allerheiligsten gewährt – der Kapitänsbrücke. „Das Zusammenspiel von Wind, Geschwindigkeit und Wellen ist von hoher Bedeutung“ verrät der gebürtige Finne. Volle Kraft voraus mit 23 Knoten – 46 Stundenkilometer.

Einfach nur sein – auf dem Weg nach Helsinki

Ein ganzer Tag an Bord: Die Sonne scheint, der Wind weht frisch, aber eingepackt in dicke Daune ist die Überfahrt nach Helsinki ein wahrgewordener Traum. Einfach mal nur sein. Die Gedanken im Rhythmus der Wellen dahinfließen lassen, den Stress auf weite Reise schicken, die Leichtigkeit des süßen Nichtstuns genießen. Und da Saunieren zum Kulturgut der Finnen zählt, warten schon an Bord zwei Saunen und Whirlpools – kostenfrei wie der Fitnessraum mit Laufband und Rudermaschinen.
Ich laufe lieber an Deck dem Wind entgegen, lasse mich von kräftigen Böen durchpusten und genieße das gesellige Treiben mit meinen reiselustigen Kollegen. Die Bar Navigare lockt besonders trinkfeste Skandinavier und übrige trockene Kehlen den ganzen Tag mit handfesten Drinks unter Deck, wo sogar W-LAN süchtige Onlinejunkies voll auf ihre Kosten kommen.

Bis zum Superior Dinner ist ein kleines Nickerchen fällig – so ein Seetag macht nicht nur hungrig, sondern auch mächtig müde. Das süße Nichtstun eben.
Nach einer weiteren Nacht legen wir morgens um neun am Vuosaari-Hafen nahe Helsinki an. „Der Weg ist das Ziel“ sagt man – wir freuen uns aber auch auf relaxte Tage im großen Land für Individualisten. Mit festem Boden unter den Füßen.

201612 Finnland Finnstar Finnlines breitengrad53 Reiseblog (26 von 48)

Land in Sicht – Finnland voraus

5 Millionen Finnen – 3 Millionen Saunen

„Tervetuloa!“ begrüßt uns Kiti Häkkinen, unsere Reiseleiterin für die kommenden Tage. Ein offenherziges „Willkommen“. Ein schräges Völkchen mit einem sehr speziellen Humor. Liebenswert. Kein Wunder, dass Samu Haber seit der TV-Show „The Voice of Germany“ von einer so großen Fanschar umgeben ist. Die Finnen nehmen sich selbst nicht so ernst und eines wissen sie besonders gut zu praktizieren: Ent-schleu-ni-gung! Ich freue mich auf die endlose Natur, tiefblaue Seen und Entspannung in der Sauna. 3,1 Millionen Saunen für 5 Millionen Finnen – wow!

Saunieren ist Lifestyle in Finnland. Babys sind bei ihrer Saunataufe erst wenige Monate alt und bleiben später ihr ganzes Leben lang dabei. „Ein Ort der körperlichen und seelischen Reinigung – im wahrsten Sinne des Wortes entblößen wir uns und dringen vor ins Innerste des Menschseins“, verrät Kiti kichernd. „Sauna“ ist übrigens das einzige finnische Wort, das von anderen Sprachen übernommen wurde – und ist gleichzeitig ein Synonym für die Menschen, das Land, die Kultur Finnlands. Ob ein zehnminütiger Sauna-Blitzbesuch oder ein ganzer Tag inklusive Grillen, Schwimmen und Feiern – die Finnen lieben ihre Tradition und jede noch so kleine Wohnung ist mit einer Sauna ausgestattet. Das Parlament in Helsinki natürlich auch. „Wenn dich ein Finne in die Sauna einlädt, kannst du dir seiner Sympathie gewiss sein“. Der Sprung in den eiskalten See – und das splitterfasernackt – gehört dazu wie das obligatorische Bier. Na dann „Kippis“ (Prost)!

Heli-Landeplatz für den Scheich am Päijänne-See

Am traumhaft gelegenen Päijänne-See, rund zweieinhalb Stunden nördlich von Helsinki, kommen wir in den Genuss dieser körperlichen und seelischen Glückseligkeit. Herr über 20 Seevillen des Traumresorts „Lehmonkärki“ ist Ari Yrjölä, der – in 16. Generation – getreu dem Motto „Nichts ist unmöglich“ sogar einen Heli-Landeplatz bauen ließ. Der Scheich von Oman hatte sich schließlich die exklusive Designvilla Vellamo für einen Businesstrip inklusive Entschleunigung in hochmoderner Saunaoase ausgesucht. „Viele Gäste wünschen es sehr luxuriös – je außergewöhnlicher desto besser.“

Balsam für die Seele im Mökki

Ich liebe es einfach. Je einfacher desto besser kann ich entspannen, loslassen, zur Ruhe kommen. Eine Holzhütte am Hang. Den Blick durch dichtbewachsene Wälder direkt auf den tiefblauen See schweifen lassen, die „sauberste Luft der Welt“ atmen, inmitten dieses magischen Fleckchens Erde. Jeder Finne hat mindestens ein Mökki (=Holzhaus) irgendwo in der Wildnis. Mein Mökki steht am Päijänne-See. Ich genieße die Stille, die Weite, pure Natur. Der Wald hat etwas Magisches, hier fühlt sich nicht nur der Finne wohl.

Superfood in Reinform

Die ganze Welt philosophiert über Entschleunigung, Superfood, veganes Essen. Hier erleben wir all das in Reinform. Ohne Handyempfang endlich mal die Seele baumeln lassen. Der Sprung in den eisigkalten Natursee. Im Dickicht der Wälder meditieren. Den Beerenliebhabern und Waldgourmets auf der Spur, saftige Himbeeren, Preisel- und Erdbeeren sammeln und direkt in den Mund stecken. Das erinnert an Kindheit, lässt mein Herz melancholisch werden und höher schlagen. Wer braucht da Goji-Beeren?

Bären wurden hier auch schon gesichtet, rund 500 große Braune wohnen in den riesigen Waldgebieten Finnlands. Hier wird es einem leicht gemacht, runter zu kommen. „Horcht genau hin, seid achtsam“, flüstert unsere Meditationslehrerin, um unsere Sinne zu schärfen. Wir versinken im weichen Moosboden, lauschen dem Rauschen der Bäume und dem Zwitschern der Vögel. Wohltuend ist die Tradition des „Auspeitschens“ mit Birken- oder Lindenzweigen. Maaria hat den lockeren Schwung mit den selbstgebastelten Zweigen raus – sie will den Gästen helfen, zwischen den Saunagängen Blockaden zu lösen. Es ist ihr gelungen.

Paddeln im Kajak oder Kanu, allein oder mit Sportsfreunden – ein Hochgenuss in den schier endlosen Weiten der Seen, das Dahingleiten gleicht purer Tiefenentspannung. Sportsfrau Kirsi begleitet uns, leitet uns, schwelgt in ihrer geliebten heimatlichen Umgebung. Viel zu kurz, der Vormittag am See. Aber eine perfekte Auszeit, um die Hektik des Großstadttrubels hinter sich zu lassen und abzuschalten, Raum zum Atmen Zeit zum Träumen zu nehmen.

Zeit zum Träumen – am finnischen Meerbusen

Zurück an der Küste, etwa 50 Kilometer östlich von Helsinki, am Finnischen Meerbusen, verzaubert uns das malerische Städtchen Porvoo. Hohe Hacken sollte man auf den kopfsteingepflasterten Gassen besser nicht tragen. Wie eine Spielzeugstadt wirken die pastellfarbenen Holzhäuser aus dem 17. Jahrhundert und die zuckersüße Kirche, in der Rennfahrer Mika Häkkinen geheiratet hat, was einen regelrechten Hype ausgelöst hat.

Feinschmeckerparadies Porvoo

Porvoo steht auch für kulinarische Hochgenüsse. Das Restaurant „Zum Beispiel“ führt der Chemnitzer Georg Simojoki, seit mehr als 20 Jahren nennt er Finnland sein Zuhause. Den eigenwilligen Humor der Finnen hat er längst übernommen: Ein Gericht heißt „Tote Oma“, Blutwurst mit Graupen. Bioqualität ist Ehrensache. Das beste Lunch wird im Hotel Onni serviert, hier fühlt man sich Jahrhunderte zurück versetzt, nur das Essen entspricht dem Geschmack und dem Zeitgeist Reiseliebender.

Unabhängig, eigenwillig, individuell

Später lernen wir die eigenwillige und sehr erfolgreiche Künstlerin Riitta Nelimarkka-Seeck kennen. Die Roothaarige mit der tiefen Stimme knüpft in liebevoller Handarbeit knallig bunte Webteppiche. Und wie viele ihrer Landsleute geht sie gern auf die Jagd, das beweist ein ausgestopfter Elch an der Wand – nicht jedermanns Sache. In Finnland aber große Tradition.

2017 feiern die Finnen den 100. Geburtstag ihrer Unabhängigkeit und für mich steht fest: Dieses Land hoch oben im Norden möchte ich noch viel mehr entdecken und bin dann auch gerne gemeinsam mit den Finnen ganz von Sinnen …!

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Weitere Informationen

  • FINNLAND Infos: www.visitfinland.de
  • ANREISE auf dem Schiff: www.finnlines.de, Mit der „Finnstar“ 28 Stunden von Travemünde nach Helsinki. Abfahrt der Finnlines-Fähren am Skandinavienkai in Travemünde, 30 Minuten Fahrt vom Hauptbahnhof in Lübeck mit dem Bus Nr. 30. Die Preise für die Überfahrt von Travemünde nach Helsinki variieren je nach Saison, Personenanzahl, PKW-Länge, Kabinenwahl. Wer Hin- und Rückfahrt gleichzeitig bucht, bekommt 20% Rabatt auf die Rückreise. Ein Preiskalkulator auf der Website errechnet den genauen Preis.
  • WOHNEN
    • Päijänne-See: www.lehmonkarki.fi
      Das Resort „Lehmonkärki am südlichen Ende der finnischen Seenplatte, in der Nähe von Lahti. 20 Villen, 145 Schlafzimmer. Idealer Ort für Outdoor-Aktivitäten: Paddeln, Schwimmen, Eistauchen, Schneeschuhwandern, Curling, Angeln, Langlauf, Husky-Schlittenfahrten. Die einfachsten Villen (mehrere Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer, Sauna und Außen-Jacuzzi) kann man ab 700 EUR pro Woche bzw. 220 EUR am Wochenende mieten. Die exklusive Designvilla Vellamo ( die einzige mit Präsidentenstatus in ganz Finnland) für max. 14 Personen kostet 3.500 Euro/Tag. In der Saunawelt warten die 100-jährige Rauchsauna, Glaspanoramasauna, eine Iglu-Sauna sowie ein großer Whirlpool unter freiem Himmel.
    • Porvoo: www.haikko.fi
      Hochherrschaftlich wohnen im 50 Jahre alten Herrenhaus für 400 Gäste. Inmitten eines schön gestalteten Gutsparks am Meer. Exquisite Küche in edlem Ambiente, riesiges Spa mit Anti-Age Behandlungen, Zahnaufhellungen, Fettvereisungen. Kleiner Swimmingpool, wenige Saunen. 30 Minuten Autofahrt von Helsinki und 10 Minuten bis zur idyllischen Altstadt Porvoo. Ab 130 Euro im DZ.
  • Essen und Trinken Porvoo: Deutsch-Finnisches im Deli & Catering „Zum Beispiel“ www.zum.fi
    Bestes Lunch im Boutique Hotel „Onni“ www.hotelonni.fi
  • Finnland aktiv: www.fenixohjelmapalvelut.fi
    Kirsi Reinikka leitet das Outdoor-Unternehmen „Fenix“.erkunden. Kanufahrten, Schneeschuhwandern, Meditation uvm.
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Heiße Wüste und kühler Ozean

Australien hat mehr zu bieten als Backpacking und Sydney: Der australische Westen wird oft unterschätzt, fasst aber die ganze Bandbreite des Kontinents zusammen: Von der Wüste bis in den Ozean…

Australien hat mehr zu bieten als Backpacking und Sydney: Der australische Westen wird oft unterschätzt, fasst aber die ganze Bandbreite des Kontinents zusammen: Von der Wüste bis in den Ozean sind es nur wenige Schritte. Und wer sich traut und etwas Glück hat, trifft im Meer auf den größten Fisch der Welt: den Walhai.

Australien_Katja Wille--Sunset Shark bay

Sonnenuntergang an der Shark Bay an Australiens Westküste.

Von Katja Wille

Eins, zwei, drei – weiter zählen die Aborigines, wie die australischen Ureinwohner genannt werden, nicht. Für weitere Zahlen haben sie schlichtweg keine Wörter; alles, was über drei hinausgeht, ist einfach „viele“. Was man sich als pünktlicher, durchorganisierter Deutscher (und damit meine ich nicht mich) kaum vorstellen kann, scheint im heißen australischen Busch gut zu funktionieren. So erklärt es mir zumindest Darren Capewell (45), Capes genannt, ein echter Aborigine, der in seiner Heimat Shark Bay (eine Meeresbucht 826 Kilometer von Perth entfernt und Teil des UNESCO-Welterbes) an der westaustralischen Küste Touren durch den Busch anbietet.

Capes Zuhause zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass es der einzige Ort Australiens ist, in dem die Wüste direkt ins Meer übergeht. Ihm ist seine Heimat und der Umgang mit der Natur sehr wichtig – das merkt man an seinen leidenschaftlichen Erzählungen, denen ich stundenlang lauschen könnte. Selten habe ich jemanden erlebt, der so lebendig von seiner Kultur erzählt. Aber bei Capes geht es nicht nur ums Zuhören: Ob Camping, Kayak fahren im Indischen Ozean, fischen nach alter Tradition oder das Spielen des Didgeridoos – Capes Touren sind sowohl für Kinder als auch auf Senioren zugeschnitten. „Ich biete diese Touren nicht an, um damit reich zu werden“, sagt Capes. „Ich möchte den Leuten die Natur näher bringen und sie auf eine Reise mitnehmen, die auch meine Vorfahren gemacht haben.“

Das Eden-Projekt schützt die einheimische Tierwelt

Wir streifen mit Capes durch den Francois-Peron Nationalpark (rund 525 Quadratkilometer groß) in Shark Bay. Um hier voranzukommen, braucht man ein Fahrzeug mit All-Rad-Antrieb – die Straßen sind nicht geteert. Unterwegs steigen wir öfters aus, deuten Spuren im Sand (meistens Kängurus oder Emus), probieren essbare Pflanzen (die „native flax“ etwa schmeckt leicht nussig) und wir lernen einiges über die Natur Westaustraliens. Ich wurde stutzig, dass uns so viele „Achtung, Gift“-Schilder begegneten – Capes hatte die Erklärung für uns. Ausgelegte Giftköder sollen den Bestand der eingeschleppten Arten, vorallem wilde Katzen und Füchse, verringern. Diese fressen zum Beispiel die kleinen Bilbies (Kaninchennasenbeutler), von denen es in Australien kaum noch welche gibt. Das ausgelegte Gift wird aus einheimischen Pflanzen gewonnen, das bedeutet, australische Tiere können es fressen, merken aber nichts davon. Gleichzeitig werden bedrohte Arten, wie Bilbies, nachgezüchtet und ausgesetzt.

Capes Prinzip für den Umgang mit der Natur ist einfach (trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich es mir öfter ins Gedächtnis rufen muss): „Wir nehmen uns, was wir brauchen – nicht, was wir wollen.“ Der Erhalt der natürlichen Flora und Fauna seiner Heimat ist ihm wichtig, er engagiert er sich ebenfalls für das Projekt Eden und möchte mit seiner Tour besonders zwei Dinge lehren – „Respekt für Natur, Respekt für Kultur.“

Auge in Auge mit einem Riesen in Australien

Nur wenige Schritte trennen die Wüste von Shark Bay vom Indischen Ozean. Dort setzt sich die Artenvielfalt Australiens fort: 28 verschiedene Haiarten sind in der Bucht heimisch, außerdem kann man mit etwas Glück die selten gewordenen Dugongs (auch: Gabelschwanzseekuh) beobachten. Der Bestand vor Australien ist der größte dieser scheuen Tiere. Weniger scheu sind die Delfine: In Monkey Mia, dem Zentrum des Delfintourimus in Shark Bay, kommen jeden Morgen einige Delfine an den Strand, um sich von Rangern der Naturschutzbehörde füttern zu lassen. Ein tolles Schauspiel, bei dem man den niedlichen Tieren besonders nahe kommt. Die Gewässer vor der westaustralischen Küste, insbesondere das 250 Kilometer lange Ningaloo Reef, sind aber auch – zumindest zeitweise – die Heimat des größten Fischs der Welt. Von April bis Ende Juli ist der Walhai hier unterwegs und man kann das friedliche Tier ganz aus der Nähe beobachten und sogar neben ihm schwimmen.

Ganz im Ernst: Australien beheimatet viele tolle, aber auch viele giftige Tiere. Spinnen oder Schlangen an Land, Quallen, Seeschlangen oder Steinfische im Meer. Etwas mulmig war mir schon, durch den Busch zu streifen oder im Ozean zu baden. Aber egal ob ich mit Capes oder der erfahrenen Crew vom Exmouth Diving Center unterwegs war, wenn man sich an die Anleitung dieser Experten hält, kann nichts passieren. Und hätte ich mich nicht ins Wasser getraut, hätte ich den schönsten Moment meines Lebens verpasst.

“Schließlich tauchen wilde Tiere nicht sofort dort auf, wo man sie haben möchte”Um einem Walhai zu begegnen, fahren wir nach Exmouth (684 Kilometer von Shark Bay entfernt) wo man den größten Fisch auch Ende Juli noch beobachten kann. So richtig glauben konnte es keiner von uns: schließlich tauchen wilde Tiere nicht sofort dort auf, wo man sie haben möchte. Doch kaum waren wir auf dem Boot, der „Mahi Mahi“ vom Exmouth Diving Center, kommt auch schon die Durchsage, dass die „Spotter“ in den Flugzeugen, die für uns auf der Suche nach Walhaien sind, auch schon welche gesichtet haben. Schnell rein in den Neoprenanzug, Taucherbrille, Schnorchel und Flossen parat und das Adrenalin rauscht durch den Körper. Da sind wir nun, mitten im Ozean, und sollen gleich ins Wasser, um mit einem Walhai zu schwimmen – Wahnsinn. Nico, unser Guide, gibt das Startsignal und wir springen mit ihm ins Wasser, das mit 22 Grad schon recht kühl ist – das merke ich aber erst später. Ich schwimme so schnell ich kann Nico hinterher, halte immer Ausschau in die Ferne – wo ist er denn nun, dieser Fisch? Bis ich einen Blick nach rechts riskiere und dort ist er – auf Armlänge, direkt neben mir und unter der Wasseroberfläche, gleitet er majestätisch dahin. Ich bin sprachlos (aber unter Wasser merkt das sowieso niemand). Etwas erschrocken schwimme ich ein Stück zurück, aber der Walhai lässt sich gar nicht von mir stören. Mit offenem Mund gleitet er dahin, filtert Plankton aus dem Wasser und scheint mich gar nicht wahrzunehmen. Gut 7 Meter ist er lang, ein beeindruckendes Tier, das Maul so breit wie die abgeflachte Schnauze. Das Adrenalin ist weg und zurück bleibt nur das pure Glücksgefühl, diesem Tier so nah zu sein.

Nachdem ich in Westaustralien an Land und auf dem Wasser so viele Abenteuer erlebt habe, bin ich mir sicher, dass ich wiederkomme. Als hätten die Aborigines es geahnt, dass man sich von ihrem Land nicht trennen kann: in ihrer Sprache gibt es kein Wort für „Lebewohl“. Zur Verabschiedung heißt es immer: „Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Mal.“

Das

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Hinweis: Die Autorin wurde von Tourism Western Australia zu dieser Reise eingeladen.

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Iren ist menschlich oder die Suche nach dem Spirit of Belfast

Wie Sie die nordirische Metropole in nur drei Tagen kennenlernen? Sie könnten zum Beispiel das pompöse Rathaus, die City Hall, und auch das als „Must-See“ hoch gelobte Titanic-Museum ansteuern. Müssen…

Wie Sie die nordirische Metropole in nur drei Tagen kennenlernen? Sie könnten zum Beispiel das pompöse Rathaus, die City Hall, und auch das als „Must-See“ hoch gelobte Titanic-Museum ansteuern. Müssen Sie aber nicht. Streunen Sie lieber durch die Straßen und die Pubs von Belfast, denn hier warten die wirklich spannenden Geschichten.

Von Angela Koch

Porridge mit Whiskey – schon zum Frühstück. So wird es hier im „Europa Hotel“ serviert. Natürlich habe ich eine Vorstellung von den Iren, sorry, den Nordiren, doch dass sie schon Whiskey zum Frühstück zu sich nehmen, hätte ich trotz meiner Klischeebilder im Kopf nicht gedacht! Das muss ich natürlich sofort probieren: Überraschend würzig schmeckt die ungewöhnliche Mischung und ist ein perfekter, vermutlich typisch nordirischer Auftakt in den Tag. Und das bei bestem Sommerwetter.

Direkt gegenüber meiner 4-Sterne-Herberge, liegt der Crown Liquor Saloon“. Eine bunte Mischung junger und alter Menschen stehen in der Trinkhalle, sitzen an der Bar oder in kleinen Separées. Die Kneipe ist voll – und das schon zur Mittagszeit. Bunte Glasfenster und kunstvolle Fliesenmosaike auf dem Boden geben diesem Raum einen fast schon kathedralen Charakter. Hier soll auch schon der große deutsche Schriftsteller Heinrich Böll tief ins Whiskey-Glas geschaut haben. Er war angetan von den kleinen Nischen überall in der Kneipe, die er als „Einzelsäuferkojen“ titulierte und in seinen „Irischen Tagebüchern“ verewigte. An der Bar komme ich mit Petra in Gespräch. Seit 20 Jahren lebt die Ex-Stuttgarterin bereits in Belfast. Des Landes, der Leute und der Liebe wegen. Sie erzählt mir vom Spirit of Belfast. Während sie erzählt, malt sie mit ihrem Zeigefinger kleine Kreise in die Luft. Jeder Belfaster mache das so, sagt sie, wenn es um den sogenannten Spirit – den Geist der Stadt und der Menschen geht. Ein Whiskey und zwei Soda später will Petra es mir zeigen: „The Thing“, „Das Ding“, wie sie es nennt.

Das Sahnestückchen von Belfast

Ganz Belfast scheint draußen zu sein, um ein freies Fleckchen Grün zu ergattern. Schon bei 25 Grad wird es den Menschen in Belfast zu warm und Schüler bekommen hitzefrei. Ein paar Straßen weiter steht es: Das Ding! Auf dem Boden befestigte Stahlringe, die unmerklich miteinander verbunden sind und in der Luft zu schweben scheinen, so, wie Petra es mit ihrem Finger in die Luft gemalt hat. Mitten in der turbulenten Einkaufszone am Arthur Square dominiert die rund drei Meter hohe Skulptur den Platz. Drumherum sitzen die Menschen aus aller Welt und schlecken ihr Eis. Einige Betrachter sehen darin nur ein Denkmal. Doch für die meisten Belfaster steckt viel mehr darin. Langsam kann ich mir vorstellen, dass sich die Nordiren so sehen wie die Skulptur: Bodenständig und gleichzeitig verknüpft mit der schwebenden Leichtigkeit.

Ich bummele alleine weiter und lasse mich einfach durch die „Entries“ treiben, enge Gassen, die an großen Plätzen und vielen urigen Pubs sowie schicken Restaurants vorbei führen, und die an jeder Ecke für eine Überraschung sorgen. Die Stadt, die nur etwas größer ist als Gelsenkirchen, lässt sich prima zu Fuß erkunden. Über die Oxford Street führt mich der Weg zum Custom House Square. Auf dem großzügigen Platz stehen mindestens tausend Menschen, klein und groß, alle bunt durcheinander gewürfelt. Über ihrer Kleidung tragen alle ein durchsichtiges Plastikcape und in jeder Hand einen Plastikteller, auf dem Sahne aufgetürmt ist. Hier findet gleich der „weltweit größte Vanillepuddingkampf“, der „World’s largest Custard Pie Fight“, statt. Dass der Vanillepudding allerdings durch Sprühsahne ersetzt wird, spielt keine Rolle. Der Startschuss fällt: Die Sahne landet bei den Teilnehmern direkt, platsch, im Gesicht. Und nicht nur da: Innerhalb kürzester Zeit ist hier alles weiß und rutschig. Einen Platz im Guiness-Buch der Rekorde haben sich die verrückten Belfaster mit dieser Sahneschlacht auf jeden Fall verdient. Und einen kleinen in meinem Herzen dazu.

The Bell of Belfast

Mitten auf der High-Street steht die Albert Clock, „The Bell“, die große Turmuhr. Bereits vor langer Zeit muss der Untergrund ziemlich nachgegeben haben, so dass das  Bauwerk Schlagseite bekam. Die Belfaster lieben die Legende, die Turmuhr habe sich schamvoll zur Seite geneigt, weil damals so viele Prostituierte, vorbei an der Albert Clock, in die Hafenkneipen gingen. Noch heute machen sich junge Mädchen einen Spaß daraus und hüpfen vor der Turmuhr in die Höhe – sozusagen als Erinnerung an die sogenannten „leichten Mädchen“ – aber der Turm zeigt sich seit Jahrzehnten ungerührt und nimmt den Spaß mit seiner Schrägheit hin. Ich kehre in das “Muriels” ein, einer Institution unter den Hafenlokalen. Dieser Pub ist eher Wohnzimmer denn Kneipe, eher Bühne denn Restaurant. Die bunten Büstenhalter, die von der niedrigen Decke hängen, erinnern an die Zeiten, als die meisten Gäste wegen des horizontalen Gewerbes hierher kamen. In diesem gemütlichen Pub könnte man auch einen Agatha-Christie-Remake drehen. Ich zwänge mich durch das volle Lokal bis zur Bar. Die Belfaster gelten als redselig und sehr großzügig, wovon mich Malcom auch gleich an Ort und Stelle überzeugen kann. Der ehemalige Werftangestellte lächelt mich an und lädt mich zum Bier ein. Mit „Slainte“, was „Slaughntcher“ ausgesprochen wird, prostet er mir auf gut Gälisch zu. Es meint „auf dein Wohl“. Das nehme ich persönlich, genieße das süffige Bier und ziehe weiter. So langsam bekomme ich eine Ahnung, was es mit dem Spirit of Belfast so auf sich hat.

Nur zwei Straßenecken weiter liegt das Cathedral Quarter, das ehemalige Armenviertel der Stadt, das sich durch billige Mieten und zugezogene Kreative zum In-Viertel mit vielen Szene-Lokalen gemausert hat. So wie das „Made in Belfast“, dass gerade neu eröffnet hat. Ein lässig eingerichtetes Restaurant mit graffitiähnlichen Fliesenmalereien an den Wänden, die von hiesigen, jungen Künstlern stammen. Der 28-Jährige Restaurantmanager Chris setzt auf saisonale und regionale Produkte. Unerwartetes zu bieten, heißt sein Programm. Ein Konzept, das gut ankommt, vor allem bei jungen Leuten. Und Belfast ist eine junge Stadt, denn die unter 30-Jährigen machen mittlerweile gut die Hälfte der Bevölkerung aus.

Ich gewinne den Eindruck, dass viele junge Belfaster mit der jüngeren Geschichte, dem Bürgerkrieg, so gar nichts mehr zu tun haben wollen. Chris spricht von dem „Move“, der „Bewegung“, die von den „Troubles“, dem „Nordirlandkonflikt“, wegführt. Er wolle mit allen Menschen in seinem Viertel zusammen wohnen, und da spiele es keine Rolle, was man ist: Katholik oder Protestant. Arm oder reich. Oder in welcher Straße man wohnt.

Die namenlosen Straßen von Belfast  

Das sieht man in den traditionellen Arbeitervierteln im Westen von Belfast sicherlich anders. Hier existieren sie noch, die Mauern auf den Straßen und in den Köpfen. Die steinernen Grenzlinien mit ihren bunten, propagandistischen Malereien, „Murals“ genannt, trennen seit fast einem halben Jahrhundert die ehemals verfeindeten protestantischen und katholischen Wohngebiete. Und das nach rund 20 Jahren, nachdem die Waffen niedergelegt und der Friedensvertrag unterzeichnet wurde.

Mir fällt dazu das Lied „Where the streets have no name“ von U2 ein. Darin beklagt der aus Irland stammende Leadsänger Bono die Ungerechtigkeit, dass man in Belfast die Religionszugehörigkeit und Einkommensgruppe von Menschen allein an den Straßen, in denen sie wohnen, ablesen kann. Dabei haben alle Iren und Nordiren eine Gemeinsamkeit – sie haben alle den besonderen Spirit in sich. Damit irrte auch der Ire nicht: Der Song über das Belfast der namenlosen Straßen ging in den 80-er Jahren als Friedens-Botschaft um die Welt. Sicher wird diese spannende Stadt noch Zeit brauchen, um zusammen zu wachsen. Doch der positive Geist der Stadt, der „Spirit of Belfast“ ist überall zu spüren. Und ab jetzt ist er auch immer bei mir.

[mappress mapid=”44″] Hinweis: Wir danken der KLM und Tourism Ireland für die freundliche Unterstützung der Reise. 

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