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Autor: Florian Kinast

„Zwischen Himmel und Heu“

Am Abend, wenn das Tal unten schon im Schatten liegt, die Sonne noch ihre letzten Strahlen hierher schickt auf die kleine Terrasse des Bauernhofs, wenn oberhalb der sonst so harsche…

Am Abend, wenn das Tal unten schon im Schatten liegt, die Sonne noch ihre letzten Strahlen hierher schickt auf die kleine Terrasse des Bauernhofs, wenn oberhalb der sonst so harsche Felsgipfel des Großen Ifingers in mildem Dämmerungslicht ganz lieblich anmutet, dann ist es endlich Zeit für eine Riesenportion Kaiserschmarrn.

Haben sich die Kinder auch wahrlich verdient, nach all der Arbeit, die sie hier geleistet haben. Eier im Stall einsammeln, Hühner füttern, die Schafe unten auf der steilen Weide durchzählen, ob sie auch noch alle da sind, dann die Salatblätter im plätschernden Brunnen waschen und zum Schluss noch einen Blick in den Schweinestall werfen, einen zugegeben kurzen Blick, des Geruchs wegen. Es ist schon ein recht intensives Hineinschnuppern in die Welt der Berge und ihrer Bauern, das die Kinder hier heroben erleben dürfen, bevor sie nach dem Abendessen matt, satt und zufrieden im Stadl nebenan in ihr Nachtlager plumpsen. In ihr Bett im Heu.

So ist das, in den Sommermonaten auf dem Berggasthof Gsteier, wo die kleinen Gäste vom Hotel „Hohenwart“ unten im Ort ihr Hotelbett für eine Nacht im Stroh tauschen können, ein besonderes Angebot für junge Abenteurer – und wo es keine Smartphones, Fernseher und sonstige weltfremde Digitalbespaßung zur Beglückung der Kinder braucht, sondern viel besser noch, gute Luft, frisches Essen und ein paar Haustiere zum Streicheln und Spielen wie die sieben Katzen und natürlich die Heidi, die gute Seele vom Gsteier, ein sechsjährliger Mischling aus einem Berner Sennenhund und noch einigen anderen Rassen.

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Gut möglich auch, dass man hier außerdem noch dem alten Mair Franz über den Weg läuft, der Mair Franz ist immer noch gut beieinander mit seinen 86 Jahren und schaut hier oft nach dem Rechten in seinem kleinen Bauernmuseum, das er hier eingerichtet hat mit alten Utensilien wie Krautstampfern und Traubenpressen, Butterkübeln und Dreschflegeln, Werkzeuge, die man früher eben so benutzt hat. Es ist genau jener Franz Mair, der nicht nur das Hotel unten im Dorf aufgebaut hat, sondern dem es als Tourismus-Pionier zu verdanken ist, dass Schenna in den vergangenen sechs Jahrzehnten aus einem unbeachteten kleinen Nest zu einem der beliebtesten Tourismusorte in Südtirol aufstieg. Und so ist die Historie des Orts und des Hotels auch ein kleines Stück Südtiroler Zeitgeschichte.

“Schenna geht’s hier kaum noch”

Schenna, ein wenig oberhalb von Meran gelegen, der Name kommt wohl vom lateinischen „scenae“, was passt, wegen der imposanten Landschaftsszenerie hier. Die Einheimischen selbst sagen gerne auch „Schönna“, trifft es auch ganz gut, denn man hört ihn hier oft, den Spruch: „Schenna geht’s hier kaum noch.“ Über viele Jahrhunderte jedenfalls war hier herzlich wenig geboten, immerhin kam im 19. Jahrhundert mal der österreichische Erzherzog Johann vorbei und ließ für sich und seine Familie hier als letzte Ruhestätte ein Mausoleum bauen. Schenna, ein Ort der Grabesruhe.

In den 1950er Jahren zog es dann die ersten Urlauber Richtung Italien, und auch wenn viele der deutschen Wirtschaftswundertouristen Südtirol eher als Transitstrecke Richtung Adria und Mittelmeer nutzten und nur für einen Tankstopp und den ersten Espresso kurz anhielten, entwickelte sich der Landstrich zwischen Brenner und dem Trentino immer mehr zu einer begehrten Urlaubergegend. Das erkannte auch der junge Franz Mair aus Schenna, der in seinem Militärdienst als Fahrer viel herumkam, bei Nato-Manövern chauffierte er amerikanische Soldaten durchs Land und sah, wie viele Orte touristisch aufrüsteten – und wie sein Heimatort immer noch ein verschlafenes Bauerndorf war.

Wer soll da schon zum Übernachten kommen?

Das wollte Mair ändern, er wusste ja eh nicht, was er sonst mit seinem Leben anfangen wollte. Den großen Hof der Eltern bekam der ältere Bruder als Erstgeborener, also baute er auf den 800 Quadratmetern Grund, die ihm als Erbteil geblieben waren, nach dem ersten Spatenstich vor genau 60 Jahren, im Juni 1956, eine kleine Frühstückspension. Im Ort machten sich viele lustig über ihn, eine Pension, was wolle er nur damit, hier in Schenna, wer soll da schon zum Übernachten kommen. Dass am Ende Franz Mair lachen würde, ahnten sie da noch nicht.

Am 20. August 1957 kamen dann die ersten Gäste in die Pension „Hohenwart“ mit seinen 18 Betten, Etagendusche und WC, mit Küche und Speisesaal, die Zimmer mit fließendem Wasser: Es war das Ehepaar Richard und Annemarie Walter aus der Nähe von Aachen, sie zahlten pro Bett inklusive Frühstück 800 Lire. Umgerechnet 40 Cent.

Im Haus selbst war der Junggeselle Franz das Mädchen für alles, er machte die Betten, das Frühstück, einen halbwegs ordentlichen Filterkaffee, und lernte, die Schmutzwäsche in großen Kupferkesseln in einer Aschenlauge auszukochen. Im Lauf der Jahre entspannte sich die Lage für den Franz, das lag zum einen an einer neuen Waschmaschine, Typ Constructa, und zum anderen natürlich an seiner Frau namens Anna: Anna Hölzl, die Gastwirtstochter vom Michelewirt, die in Meran einen Kochkurs besucht hatte und im fernen München im Café Schmid Konditorin lernte.

Einen kleinen Rückschlag erlebte der Tourismus Anfang der Sechziger Jahre. Südtiroler Separatisten, unter ihnen auch der Einheimische Sepp Innerhofer aus Schenna, verübten Anschläge und legten Bomben, sie forderten damit die komplette Unabhängigkeit Südtirols von Italien. Es war ein kurzer Spuk, und als er in den Siebziger Jahren vorüber war, kehrten auch die Urlauber wieder zurück. Bis heute ist der Boom ungebrochen.

Von Frühstücksherberge zum 4-Sterne-Hotel

Längst hat sich das „Hohenwart“ von der kleinen Frühstücksherberge zu einem Vier-Sterne-Superior-Haus entwickelt, zu einem der führenden Hotels des Dorfs und der gesamten Gegend, mit einer wunderbar pittoresken Terrasse samt Bilderbuchblick und einer kulinarisch bezaubernden Küche.

Zwar haben Franz Mair und seine Anna das Haus schon vor vielen Jahren an ihre Kinder übergeben, an die Christine und den Sepp, und sich selbst in einem Austragshäusl neben dem Hotel niedergelassen, man sieht die beiden alten Eheleute aber noch sehr oft. Die Anna etwa am Nachmittag am Kaffee-Büffet, wenn sie die Kuchengabeln nachfüllt und schaut, dass die Käseschnitten und der Apfelstrudel auch schön appetitlich hergerichtet sind, und den Franz eben gerne oben am Bauernhof neben seinem Museum.

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Aber nicht nur allein wegen der beiden ist hier in Schenna noch alles viel uriger und urtümlicher als in anderen Urlaubsorten in den Bergen. Ohne Bausünden, ohne Betonburgen, ohne kommerzielle Großinvestoren, die mit architektonischer Lieblosigkeit monströse Scheußlichkeiten in die Höhe ziehen. Nur ganz behutsam und unaufdringlich hat man hier aufgerüstet, mit dem schönen Spielplatz etwa an der Bergstation vom Taser oder der rasanten Sommerrodelbahn am Piffinger Köpfl, im Winter das Skigebiet Meran 2000. Investitionen, um das Gebiet auch für Familien mit Kindern attraktiver zu machen, um wegzukommen von der Meraner Gegend als reinem Rentnerparadies, dem Florida von Südtirol.

Kurz vor der Abfahrt sagte der Mair Sepp am letzten Abend beim Essen noch, wer einmal hier gewesen sei, der wolle immer wieder zurückkehren, der komme einfach nicht los von hier. Man spürte das auch bei der Heimfahrt, als man bei Bozen auf die Brenner-Autobahn nach Norden bog und einen letzten Blick in die Ebene Richtung Meran warf, selbst die Kinder sprachen schon davon, bald wieder dahin zu wollen. Auf den Spielplatz, auf die Rodelbahn, zum Minigolfen. Vor allem aber für eine Nacht ins Heu.

Hinweis: Die Reise fand auf Einladung statt

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Halldór Laxness: Ein Mann wie Island

Und dann das Fernglas, natürlich ist es da, wo es immer war, auf dem Fenstersims. Für Halldór Laxness war das Fernglas immer ganz wichtig. Jeden Tag, wenn er zuhause war,…

Und dann das Fernglas, natürlich ist es da, wo es immer war, auf dem Fenstersims. Für Halldór Laxness war das Fernglas immer ganz wichtig. Jeden Tag, wenn er zuhause war, stand er hier in seinem Wohnzimmer im ersten Stock und schaute hindurch und hinaus. Richtung Westen, über den Garten mit dem kleinen Pool und dem Pferdedenkmal hinaus in die große Weite des Mosfellstals, das bei guter Sicht weit hinten, nur ganz knapp vor dem Horizont, noch auf den Nordatlantik trifft.

Sicher, die Gegend zwischen den Bergen links und rechts sah jeden Tag gleich aus, karg, einsam, schroff, und doch entdeckte Halldór Laxness immer wieder eine neue Kleinigkeit, die ihn zum Nachdenken brachte. Einen Busch, einen Baum, einen Stein. Das reichte oft schon, als Inspiration für eine neue Erzählung, eine kleine Geschichte oder einen großen Roman.

Genau 60 Jahre sind vergangen, seit er 1955 den Literaturnobelpreis erhielt, als einziger Isländer bislang. Halldór Laxness, den sie in seiner Heimat heute noch als wichtigsten Autoren des Landes verehren – ein Mensch, der selbst aber mit all seinen Wendungen und Wandlungen doch so widersprüchlich war. Ein Mann, dessen Leben man sich hier nähern kann, im Laxness-Museum Gljúfrasteinn, seinem alten Wohnhaus im Südwesten Islands. An einem einsamen Ort, wo man sich am Ende der Welt fühlt. Und manchmal noch ein wenig dahinter.

Wie innig sich die Isländer ihren Schriftstellern verschrieben haben, das sieht man alleine bei einem Bummel durch Reykjavik, das 2011 von der Unesco als erst fünfte Stadt weltweit offiziell zur Literaturstadt ernannt wurde. Die Läden, in denen sich die meisten Einheimischen tummeln, das sind die Buchhandlungen in der Austurstræti und der Skólavörðustígur, den beiden Einkaufsstraßen der Hauptstadt, mit ihren Lesecafés und Schmökerecken. Freie Plätze an einem Samstagnachmittag, ein Glücksfall.

Halldór Laxness Gljúfrasteinn

Der Ort, in dem der einzige Literaturnobelpreisträger Islands gewohnt hat: Gljúfrasteinn.

Island, also nicht nur das Land der Trolle und der Vulkane, der Gletscher und Geysire. Sondern eben auch das Land des Halldór Laxness und vieler anderer Dichter, deren Geschichte keiner besser kennt als Arthúr Björgvin Bollason. Bollason ist 64, viele Jahre lebte er in Freiburg, Frankfurt, München, er arbeitete als Lehrer, Journalist und Deutschland-Korrespondent für das isländische Fernsehen und schrieb selbst viele Bücher. Eines davon handelt von einer Reise durch seine Heimat, auf den Spuren von Autoren und Literaten. Der Isländer sei ein Menschenschlag, der gerne Geschichten hört, aber auch gerne erzählt, sagt Bollason einmal während der gemeinsamen Fahrt zum Laxness-Haus durch den Süden Islands, wo es vorbei geht an dampfenden Quellen, hell erleuchteten Gewächshäusern und dem tosenden Gulfoss, dem bekanntesten Wasserfall des Landes.

Und wie ein Wasserfall redet auch Bollason, ein Schwall an Wortkaskaden.

Anekdoten, Episoden, Schmonzetten. Von einem halb erblindeten Scharfrichter berichtet er, der sich im 17. Jahrhundert bei der Hinrichtung eines Delinquenten so stümperhaft anstellte, dass er bis zur erfolgreich vollzogenen Enthauptung 36 Schläge brauchte und die Isländer schon damals ihrem Ruf als weltgrößte Dilettanten gerecht worden seien. So wie nun vor knapp sieben Jahren bei der katastrophalen Finanzkrise 2008.

Ob die Henker oder Banker, alles Versager.

Oder von dem ganz eigenen Humor seiner Landsleute, den auch Ronald Reagan nicht verstand, 1986. Reagan traf sich hier damals mit Michael Gorbatschow, der Gipfel von Reykjavik gilt heute als der entscheidende Wendepunkt im Kalten Krieg. Unter Begleitung von Staatspräsidentin Vigdís Finnbogadóttir unternahmen beide in einer freien Stunde einen Ausflug zum Thingvellir, dem Nationalpark mit der großen Grabenbruchzone zwischen amerikanischer und eurasischer Kontinentalplatte, als die Erste Frau Islands im Scherz zu Reagan sagte: „Jedes Jahr schieben sich die Platten mehr auseinander. Irgendwann müssen sich die Isländer entscheiden, ob sie zu Moskau oder Washington gehören wollen.“ Abends, viele Stunden später beim Staatsbankett, habe Reagan dann beunruhigt bei Finnbogadóttir nachgefragt: „Und wann, denken Sie, wird die Entscheidung fallen?“

Halldór Laxness hatte sich schon früh entschieden. Sein Haus Gljúfrasteinn, eine halbe Auto-Stunde vom Thingvellir entfernt, liegt im Westen auf der amerikanischen Seite. Und doch wandte er sich Moskau zu.

Halldór Laxness, geboren 1902, gestorben 1998, ein Leben im 20. Jahrhundert. in jungen Jahren reiste er viel durch Europa, in einem Kloster in Luxemburg konvertierte er zum Katholizismus. Dann, in den Dreißiger Jahren ging er nach Hollywood, in der naiven Überzeugung, seinen Roman „Salka Valka“ zu verfilmen, doch das Projekt scheiterte, was wollte Hollywood schon mit einem Isländer. Amerika enttäuschte ihn, mehr noch erschütterte ihn aber der Gegensatz zwischen Reich und Arm. Laxness wurde zum SozialistenLaxness wurde zum Sozialisten, bereiste die Sowjetunion, und als er sich 1945 zurück in seiner Heimat wieder in Gljúfrasteinn niederließ, wetterte er in seinem Roman „Atomstation“ mit Vehemenz gegen die Pläne der US-Amerikaner, die auf dem gerade von Dänemark unabhängig gewordenen Island für 99 Jahre einen Militärstützpunkt errichten wollten.

1955 dann der Literaturnobelpreis, in einer Zeit, in der sich seine Bücher schon wieder weniger als sozialistische Pamphlete lasen, sondern mehr als eine detaillierte und bildhafte Beschreibung der isländischen Gesellschaft. Es ging nicht mehr um das weltpolitische Universum, sondern um den heimischen Mikrokosmos, und doch blieb er immer auf der Seite der Schwachen, als ein literarischer Kämpfer für die Gerechtigkeit.

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Ein Pool, der nie kalt wird. Dank der heißen Quellen ist auch der Pool am Haus von Halldor Laxness immer warm. (Fotos: Florian Kinast)

Immer öfters weilte Laxness mit den Jahren zuhause, spazierte alleine oder mit seiner Frau Audur Sveinsdóttir auf Wanderwegen durch die verlassene Landschaft des Mosfellstals, die Gegend seiner Kindheit, oder viele Kilometer entlang des Kaldakvísl, einem kleinen Gebirgsbach, der direkt am Haus vorbei plätschert. Immer mit einem Zettel in der Hand und einem Bleistift. Inspirationen sind unberechenbar, sie können jeden Moment vorbeikommen, da ist es gut, etwas zum Schreiben dabei zu haben. Als Halldór Laxness mit 96 Jahren starb, hinterließ er das Haus, in dem er ein halbes Jahrhundert lebte, wirkte und durchs Fernglas schaute.

Was blieb, war ein beeindruckendes Museum, am Rande zwischen Thingvellir nach Reykjavik. Mit Erinnerungsstücken wie der imposanten Standuhr in der Eingangshalle, über die Laxness einmal schrieb, die Sekunden würden hier nicht wie hektisch emsig herumkrabbelnde Käfer vergehen sondern in aller Gemächlichkeit wie Kühe, die nur so schnell gehen würden wie sie müssten. Mit dem großen Flügel, auf dem er regelmäßig spielte, auf dem es heute noch jeden Sonntag Klavier-Konzerte gibt. Mit dem winzigen und witzigen Globus inmitten der prall gefüllten Buchregale, auf dem Island als riesige Insel allein von einem winzigen Blau umgeben auf einem kleinen Weltmeer schwimmt. Und mit dem schmucken Jaguar vor der Tür, dem weißen Luxus-Auto Modell „Mark 2“ mit dem 3,4-Liter-Motor, den die Museumsbetreiber im Winter dann immer in der Garage parken.

Der alte Sozialist mit dem Luxusauto also

Als man mit Arthúr Bollason auf der Schnellstraße 36 durchs Mosfellstal nach Reykjavik zurückfährt, bleibt von Halldór Laxness das Bild eines Mannes voller Gegensätze. Irgendwie schien er doch wohl sehr zerrissen. Zerklüftet wie seine Heimat. Oft gärend wie der Boden, brodelnd wie die Vulkane. So wechselhaft wie das Wetter hier.

Ein Mann wie Island.

[toggle title=”Laxness Museum“]Gljúfrasteinn, Laxness Museum, 270 Mosfellsbaer, Island.
Telefon +354 5868066.
www.gljufrasteinn.is/de[/toggle] [toggle title=”Öffnungszeiten“]Sommer (1. Juni bis 31. August)
Täglich von 9.00 – 17.00 Uhr.
Winter (1. September bis 31. Mai)
An allen Wochentagen außer Montags von 10-17 Uhr.[/toggle] [toggle title=”Eintrittspreis“]Eintrittspreis: 800 Kronen (ca. fünf Euro)
Kinder unter 18 Jahre: Eintritt frei[/toggle] [toggle title=”Anreise“]Nach Island kommen Sie unter anderem mit Icelandair, täglich ab Frankfurt, mehrmals wöchentlich Direktflüge ab Hamburg, München. Aktuelle Angebote: Vier Tage Kurzurlaub inklusive Flug und Hotel mit Frühstück ab 349 Euro. Weitere Infos unter www.icelandair.de[/toggle] Das [mappress mapid=”33″]

Hinweis: Der Autor wurde von Icelandair auf diese Reise eingeladen

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Höchste Eisenbahn für den Hogwarts – Express

Auf Bahnsteig Neundreiviertel herrscht dicke Luft. Dicke Rauchschwaden ziehen durch die riesige Bahnhofshalle, die Lokomotive lässt mächtig Dampf ab. Das scharlachrote Ungetüm, es zischt und pfeift und keucht, als wollte…

Auf Bahnsteig Neundreiviertel herrscht dicke Luft. Dicke Rauchschwaden ziehen durch die riesige Bahnhofshalle, die Lokomotive lässt mächtig Dampf ab. Das scharlachrote Ungetüm, es zischt und pfeift und keucht, als wollte es sich anstrengen, jeden Moment seine 75 Tonnen und die drei Waggons dahinter in Bewegung zu setzen. Die große schwere Bahnhofsuhr an der Mauer steht ja auch schon auf elf Uhr, laut Fahrplan Zeit zur Abfahrt.

Eigentlich höchste Eisenbahn für den Hogwarts-Express. Allein die Passagiere fehlen noch. Harry, Hermine, Ron. Und all die anderen mitreisenden Zauberschüler, die mit diesem Zug vom Londoner Bahnhof King’s Cross zu Schuljahresbeginn immer nach Hogwarts fahren, in ihr Internat in den schottischen Highlands. Aber die jungen Potters, Grangers und Weasleys, sie werden natürlich nie mehr hierher kommen. Dafür täglich tausende Besucher der Harry-Potter-Studiotour in Leavesden im Nordwesten Londons – dort, wo der original Hogwarts-Express nun ab 19. März als allerneueste Attraktion lockt, auf Plattform 9 ¾.

Zug nach Hogwarts startet auf Gleis 9 ¾

Es trifft sich ganz gut, dass die Macher der Filmstudios der Potter-Fangemeinde nun die alte schwere Dampflok mit ihren drei Waggons präsentieren, denn in einem Zug geschah schließlich auch der Urknall dieses Zauber-Universums, vor genau einem Vierteljahrhundert: Im Sommer 1990, als die damals 25-jährige Joanne K. Rowling mitten während einer Bahnfahrt von Manchester nach London die Figur des Harry Potter erfand, und beschloss, über die Abenteuer des jungen Magiers mit seinen Freunden und seinen Feinden genau sieben Buchbände zu schreiben.

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Bereit zur Abfahrt: der Hogwarts-Express mit den voll beladenen Gepäckwagen der Zauberschüler auf Bahnsteig 9 3/4. Fotos: Florian Kinast

Dass sie damit die Welt verzaubern und Literatur-Geschichte schreiben würde, das ahnte sie nicht. Ihre Bücher veröffentlichte Rowling zwischen 1997 und 2007, bis heute verkauften sie sich rund 500 Millionen Mal. Die Filme, die weltweit rund 7,7 Milliarden Dollar einspielten sollten, entstanden dann ab dem Jahr 2000 hier in Leavesden, in den riesigen Hangars eines ausrangierten Flugzeugwerks, das 1994 zu einem Filmstudio umfunktioniert worden war, und das auch heute noch für Film- und TV-Produktionen genutzt wird, seit der Eröffnung der Studio-Tour 2012 aber vor allem ein Mekka für alle Fans ist, ein magisches Mausoleum. Wallfahrtsort, Kultstätte, das Stonehenge der Jünger Potters.

Mehr als eine Millionen Menschen kamen bisher nach Hogwarts

Mehr als eine Million Menschen schoben sich bislang durch die Große Halle, den Speise- und Festsaal von Hogwarts mit den unheimlichen steinernen Fabelwesen links und rechts an den Wänden, schlenderten vorbei am Arbeitszimmer von Albus Dumbledore, dem Oberoberweisen unter all den oberweisen Magiern, warfen einen Blick in die Hütte des Halbriesen Hagrid, dem etwas schlichten, aber gutmütigen Hausmeister von Hogwarts, klopften an der Tür am Privet Drive 4, wo Harry unter den Schikanen von Onkel Vernon, Tante Petunia und ihrem missratenen Sohn Dudley immer die Sommerferien verbringen musste, bummelten durch die Winkelgasse, vorbei an der Gringotts Bank und dem Ollivander, dem Fachgeschäft für Zauberstäbe schlechthin – oder ließen Erinnerungsfotos von sich schießen, auf einem Zauberbesen über der Themse oder im hellblauen Ford Anglia, mit dem Harry und Ron in Band Zwei über halb Britannien schwebten.

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Neue Attraktion der Filmtour: Ab 19. März ist Harry Potters Zug in den Warner Bros. Studios in Leavesden zu sehen.

 

Und nun, nun also dürfen die Besucher endlich auch auf Bahnsteig 9 ¾. Zum Hogwarts-Express, über den Mark Williams sagt: „An impressive beast. Like a red dragon.“ Ein beeindruckendes Ungeheuer. Wie ein roter Drache.

Mark Williams ist ein bekannter englischer Schauspieler, derzeit spielt er gerade im Fernsehen Father Brown, den Priester und Hobby-Kriminaler. In den Potter-Filmen aber schlüpfte Williams in die Rolle des Arthur Weasley, dem Vater von Harrys besten Kumpel Ron und dessen sechs Geschwister Bill, Charlie, Percy, Fred, George und Ginny.

Williams wirkt ein wenig wehmütig, bei der Rückkehr in die Filmstudios von Leavesden, zur Vorstellung des Hogwarts-Zugs. Dass er diese neun Jahre am Set um nichts in der Welt missen möchte, sagt er, und wie sie, die Schauspieler der Weasley-Family, seit Jahren planen, sich an Weihnachten einmal zu einer großen Wiedersehens-Party zu treffen, aber sie es bis heute noch nicht auf die Reihe brachten. Vor allem aber erzählt Mark Williams von der langen Historie dieser so imposanten Maschine neben ihm, auf Gleis Nine and Three-Quarters.

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Bitte Platz zu nehmen: Im Eiltempo rauschen auf einer Leinwand die grünen Wiesen und Hügel Englands hinter den Fenstern der Eisenbahnabteile vorbei.

 

Der Express ins Zauberinternat ist nämlich in der Tat ein Zug der guten alten Schule. Die Dampflok mit dem Namen „Olton Hall“, eine eiserne Legende auf Schienen, erbaut im Frühjahr 1937 in den Eisenbahnwerken von Swindon, Grafschaft Wiltshire, für die „Great Western Railway“. Eine bewegte Zeit in Britannien, König Edward VIII. dankt gerade der Liebe zu einer geschiedenen Amerikanerin wegen ab, sein Nachfolger wird George VI., der Vater der heutigen Queen Elizabeth, und Neville Chamberlain zieht als neuer Premierminister in die Downing Street ein.

Zweieinhalb Jahrzehnte lang rattert die „Olton Hall“ mit der Seriennummer 5972 durchs Land, durch die Wirren des Kriegs und die schwere Zeit danach, aber als sich England gerade auf die Swinging Sixties einstimmt, wird sie ausrangiert, nach ihrer letzten offiziellen Dienstfahrt im Jahre 1963 hat es sich ausgedampft.

Bei einigen Nostalgiefahrten heizt man ihr noch manchmal ein, ansonsten steht sie im nationalen Eisenbahn Museum in York herum – bis die Produzenten der Potter-Filme im Jahr 2000 auf der Suche nach einem geeigneten Zug für den Hogwarts-Express auf die gute alte „Olton Hall“ stoßen. Und so erlebt das alte Eisen ein unverhofftes Comeback, wird sie für die sieben Filme neu lackiert und frisch herausgeputzt.

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Das Zugschild in der nachgebauten Mauer des Bahnhofs King’s Cross: Auch in die Filmstudios nach Leavesden kommt man am besten mit dem Zug.

 

Dazu gibt es ab 2004 private Fan-Fahrten im Hogwarts Express, manchmal sieht man den Zug zu besonderen Veranstaltungen wie eigens ausgerufenen Zauberwochenenden. Dann, 2014, macht die „Olton Hall“ ihre letzte eigene Reise, von Manchester nach York. Nach Leavesden fährt sie nicht mehr selbst, diese Strapaze wird ihr erspart. Dorthin wird sie gebracht, bequem auf einem Tieflader.

Insgesamt auf rund 1,6 Millionen Schienen-Kilometer kommt sie in ihren 78 Jahren, 40 Mal also fährt sie um die Welt. Und sieben Mal nach Hogwarts. Der rote Drache hat seinen Ruhestand nun verdient, auch wenn es sicher überhaupt nicht ruhig sein wird, nach der Eröffnung am 19. März wird hier viel Bahnhof sein. Aber zumindest fahren muss sie nicht mehr, ein bisschen pfeifen und zischen, so tun als ob, das reicht schon. Die „Olton Hall“ hat’s geschafft aufs finale Abstellgleis.

Leavesden ist für den Hogwarts-Express jetzt Endstation.

[toggle title=”Weitere Informationen”]Auf den Spuren von Harry Potter: Die Warner Bros. Studio Tour in Leavesden liegt 32 Kilometer nordwestlich vom Zentrum Londons. Anreise am besten mit dem Zug von London Euston bis Watford Junction, von dort verkehren Shuttle-Busse. Eintrittspreise: Erwachsene 33 Pfund (rund 45 Euro), Kinder 25,50 Pfund (35 Euro). Gruppenticket: Zwei Erwachsene und zwei Kinder 101 Pfund (139 Euro). Tickets müssen zuvor online reserviert werden. Bestellungen und weitere Infos unter www.wbstudiotour.co.uk/de/[/toggle]

Hinweis: Der Autor wurde von Uschi Liebl PR zu dieser Reise eingeladen. In diesem Zusammenhang wird auf die Leitlinie der journalistischen Unabhängigkeit bei BREITENGRAD53 hingewiesen.

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