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Autor: Andrea Tapper

Wilde Küste Mosambik – Geheimtipp für Afrika-Kenner

Sonnenstrahlen brechen durch die Krone des Wasserbeeren-Baums. Perlhühner flitzen über Pisten, die hier aus Sand und nicht aus roter Erde bestehen, wie sonst in Afrika. Einzigartig ist die Kombination von Safari und Strand im Süden Mosambiks. Das 678 Quadratkilometer große Meeresreservat von Ponta do Ouro und das tausend Quadratkilometer große Maputo Special Reserve Naturschutzgebiet bilden eine Einheit. Kaum haben wir das Jurassic-Park-ähnliche Eingangstor des Reservats passiert, sehen wir am Piti See Flusspferde gähnen und Störche mit gelben Schnäbeln über grüne Grasinselchen staksen.

Sonnenstrahlen brechen durch die Krone des Wasserbeeren-Baums. Perlhühner flitzen über Pisten, die hier aus Sand und nicht aus roter Erde bestehen, wie sonst in Afrika. Einzigartig ist die Kombination von Safari und Strand im Süden Mosambiks. Das 678 Quadratkilometer große Meeresreservat von Ponta do Ouro und das tausend Quadratkilometer große Maputo Special Reserve Naturschutzgebiet bilden eine Einheit. Kaum haben wir das Jurassic-Park-ähnliche Eingangstor des Reservats passiert, sehen wir am Piti See Flusspferde gähnen und Störche mit gelben Schnäbeln über grüne Grasinselchen staksen.

Safari und Strand auf Tuchfühlung

 

Beim Safari-Picknick erzählt unser Guide Lorenzo Paco von einem Hippo, das sich verirrte zwischen Park und Strand, nicht mehr zurückfand und im Salzwasser verendete. „Wir fanden seinen toten Körper beim Tauchen“, erinnert sich der 39-Jährige. Ein trauriger Unfall. Dabei will das Maputo Reservat gerade ein Zufluchtsort für wilde Tiere sein, darunter 500 wieder angesiedelte Elefanten und über 400 Schmetterlingsarten; Rhinos und Buffalos sollen folgen. Ein Brutkasten der Natur in einer Region, wo Impalas und Gnus viele Bürgerkriegsjahre hindurch eher im Kochtopf landeten. Wohl kaum irgendwo auf der Welt liegen Beach und Busch so dicht beieinander wie im Süden Mosambiks. Alles wirkt noch ursprünglich, die wilden Strände sind menschenleer.

Unter den Top 10 Afrikas: White Pearl Luxusresort am Ponta Mamoli Strand

 

Eben noch sah das Meer aus wie auf Sylt in der Nebensaison. Starke Brandung, ein einsamer Strand, von hohen Dünen umsäumt. Ich schaue von meiner privaten Holzterrasse auf die schäumenden Wellen. Tropischer Busch umgibt meinen Strandbungalow, der wie ein Baumhaus auf Stelzen über der Dünenlandschaft steht: Die Stelzen und hölzernen Gangways sind mir sehr recht; wer weiß, was hier so alles in dem Dickicht kreucht und fleucht? Mosambik ist nichts für Angsthasen. Aber auf der Suche nach dem perfekten Strand kommt meine Neuentdeckung dem Traum ziemlich nahe. Experten haben den Ponta Mamoli Strand südlich von Mosambiks Hauptstadt Maputo kürzlich unter die Top-10-Strände Afrikas gewählt.

Ein erstes Luxus-Hotelresort, das „White Pearl“ mit 21 Beachhäusern im lässigen Ibiza-Stil, thront über dem Meer. Originell und stylish die Einrichtung: ein Ohrensessel auf Sand statt „Weinkeller“, ganz in Weiß gehalten mein Luxusbungalow. Ich liege in der Wanne und schaue direkt aufs Meer, mein Morgenbad nehme ich in meinem eigenen kleinen Pool auf der Terrasse. Das Hotel gehört einem Geschäftsmann aus Mosambik, einem Pionier, der sein von einem langen Bürgerkrieg geschütteltes Land nach vorn bringen will. Bei ihm können Urlauber auf gemütlichen „Boudersperden“ – südafrikanisch für Farmpferde – am Strand ausreiten, im afrikanischen Winter von Juli bis November Buckelwale vorbei ziehen sehen und unser Guide Lorenz, den wir schon von den Hippos kennen, veranstaltet „artgerechtes Schwimmen mit Delfinen“.

Ozean-Aktivistin: „Drei Stunden täglich im Meer“

 

Ich treffe Tessa Hempson, den neuen Superstar der Meere. Die attraktive 38-jährige Meeresbiologin und Ozean-Aktivistin aus Südafrika füllt Kinosäle für 1200 Menschen wie jüngst im Hamburger Cinemaxx am Dammtor, wenn sie im Rahmen der „Ocean Film Tour 2018“ gegen Plastikmüll und für intakte Korallenriffe eintritt. Hempson’s Arbeitsplatz liegt vor Mosambik und Tansania in den – in allen psychodelischen Farben – leuchtenden Mutterriffen. Sie erklärt mir zum Auftakt, was ein Mutterriff überhaupt ist: „Bei ihrer spektakulären Korallenblüte entlassen die Mitterriffe Samen ins Meer, der wiederum winzige Meereslebewesen und damit die großen Riffhaie, Dugongs, Buckelwale und Grüne Meeresschildkröten anlockt.“ Die Korallen-Mikroteilchen, den die Tiere ausscheiden, wird als Sand angespült. Mutterriffe sind also der Nährboden für ein intaktes Meer.

Angst macht der Südafrikanerin jedoch, was andere als wirtschaftliche Chance für das arme Mosambik sehen: riesige Offshore-Erdgas- und Ölfunde sowie eine geplante Gaspipeline im Ozean. „Eine große Gefahr für die zerbrechliche Flora im Indischen Ozean“, warnt die Meeresbiologin. Da hilft nur persönlicher Einsatz: Drei Stunden täglich ist Tessa im Meer und kontrolliert die Riffe, danach sammeln wir zusammen mit Cordelia Masher, Direktorin des White Pearl Resorts, beim Strandspaziergang Müll ein und sind schockiert: Sogar am einsamen Ponta Mamoli Strand wird bereits Plastik angeschwemmt! Dass sich in Afrika gerade die Luxushotellerie wie White Pearl und die Safari-Kette andBeyond zunehmend für den Umweltschutz einsetzt, ist kein Zufall. Anspruchsvolle Klientel legt auf Naturschutz großen Wert, zerstört die Umgebung aber auch weniger als Massentourismus, Für Expertin Tessa Hempson ein gutes Zeichen: „Die Natur braucht eine starke Lobby.“

Swinger Club unter Wasser

 

Endlich: Heute wollen wir Delfine beobachten. Lorenzo Paco und seine Helfer lassen das Gummiboot zu Wasser, ein sieben Meter langer Brummer, mit Haltegurten. „Stemmt die Füße gegen den Boden und halten euch gut an der Kordel fest“, mahnt der 39-jährige Tauchlehrer uns sechs Urlauber, als sich das Boot über die Wellenkämme schiebt. Dahinter plötzlich Ruhe. Wärme. Der Wind lässt nach. Sylt ist weit weg. Vor Mosambiks Küste wartet eins der ältesten Korallenriffe der Welt auf Schnorchler und Taucher. Und eine tierische Überraschung.

Vieles wird, zu Recht, gegen menschliche Interaktionen mit Delfinen vorgebracht: Doch vor Mosambik sitzen die Tierschützer selbst mit im Boot: “Nie den Delfin berühren. Die Bakterien der Hände hinterlassen lebenslange Spuren“, warnt Lorenzo Paco und stellt klare Verhaltensregeln auf: „Ihr schwimmt nicht auf die Delfine zu, sondern wartet allenfalls, ob sie es selbst tun.“

Und ob sie es tun! Wir sind kaum ins Wasser geglitten, wenige hundert Meter vom Strand entfernt, wo gigantische Korallenriffe durch Schnorchelbrillen sichtbar werden, da nähert sich, tanzend und spielend, ein ganzes Knäuel hellgrau glänzender Körper. Menschengröße haben sie etwa, zeigen die bekannten, langen Plattnasen und entblößen ihre Zahnreihen. Und noch mehr sieht der Taucher, traut erst seinen Augen kaum: Sind da Delfin-Männchen und Weibchen etwa in Paarungsstimmung? Der Fünfer-Club schmust und tummelt sich , zum Knoten verwoben, ständig die Positionen wechselnd. Plötzlich schießt einer der Anführer auf die Menschentaucher zu, die halb ängstlich, halb diskret, flink rückwärts paddelnd das Weite suchen. „Es waren fünf Große Tümmler“, sagt Paco lachend, als wir im Boot die Tauchmasken abstreifen. „Vier Männchen und ein Weibchen. Delfine sind neben Menschen und Schweinen die einzigen Lebewesen, die aus reinem Spaß und nicht der Fortpflanzung wegen Sex haben.“ Fotos hat keiner gemacht; unsere Handys waren bei dem wilden Ritt wasserfest verstaut…

Der Süden Mosambiks: Surfer-Paradies im Nirgendwo

 

Mosambik grenzt an Südafrika. Eine abenteuerliche Tagesreise mit Fähre und Allrad-Jeep war der Trip in den Süden bisher, bald soll er in neunzig Minuten zu schaffen sein – 110 Kilometer Küstenstraße von der Hauptstadt Maputo bis an die Grenze zu Südafrika. Überall herrscht Aufbruchsstimmung, Cowboy-Flair im Süden Afrikas. Wochenendhäuser, Kneipen und Bed & Breakfast’s sprießen rechts und links der neuen Trasse. Keineswegs nur Luxus-Hotels, sondern im Gegenteil eher Budget-Pensionen. Dazwischen verfallen von den ehemaligen portugiesischen Kolonialherren verlassene Bungalows: Die Kolonialzeit ist hier noch keine 50 Jahre vorbei.

Der Surfertreff Ponta do Ouro ist ein ausgeflipptes Grenzstädtchen auf Mosambiker Seite. Der allseits beliebte Drink „R & R“, Rum mit Raspberry, fließt an Strandkiosken mit Namen wie „The Drunken Clam“ schon vormittags. Afrikanische Krämerläden, Surfstationen. Jungkoch Roelof Bekker aus Südafrika bruzzelt Krabbencurrys für umgerechnet sechs Euro im „Sapphire Sands“-Strandlokal. Er ist sich sicher: „Die neue Straße wird für eine riesige touristische Entwicklung sorgen.“ Pattaya, Jamaica, Bali: ich kann mich kaum entscheiden, an was mich der lebhafte Hippie-Surfer-Ort erinnert. Von allem was hat dieser viel von Südafrikanern frequentierte Geheimtipp, und mittendrin eine zuckersüße portugiesische Bäckerei.

Mosambik: weißer Fleck auf der Urlaubslandkarte…

 

Mosambik: Die relative Unberührtheit des Landes an der Südostküste Afrikas, das eine bittere Bürgerkriegsgeschichte hinter sich hat, macht es zu einem Geheimtipp selbst für Afrika-Kenner. 2800 Kilometer wilde, aber im Gegensatz zu Südafrika ganzjährig warme Küste, Koralleninseln, grenzüberschreitende Safariparks und portugiesisches Kolonialerbe in der Hauptstadt – das bietet der afrikanische Staat, der 500 Jahre zu Portugal gehörte, bevor er als letzte Nation des schwarzen Kontinents 1975 nach der „Nelkenrevolution“ in Portugal seine Unabhängigkeit erlangte.

Dass jetzt auch der bislang unberührte Süden Mosambiks kurz vor der Erschließung steht – bisher ein weißer Fleck auf der Urlaubslandkarte – hängt mit einer Mega-Brücke zusammen: 725 Millionen Dollar hat die Catembe Brücke gekostet, die größte Hängebrücke Afrikas. Mit roten Stahlhängern ähnlich der Golden Gate Brücke von San Francisco, finanziert und erstellt von China, soll sie nach vierjähriger Bauzeit noch in diesem Jahr eröffnet werden. Bei ihrem Afrika-Rundreise sah sich jüngst auch Kanzlerin Merkel die Brücke an. Ich darf sogar im Hubschrauber darüber fliegen – mit Blick auf die Bauarbeiten und das wasserreiche Delta von Maputo. Mit der Erschließung des Südens macht sich Mosambik in gewisser Weise selbst Konkurrenz. Bisher lagen die touristischen Highlights des langgestreckten Landes mit 28 Millionen Einwohnern eher im Norden, etwa die historische Sklaveninsel und frühere Hauptstadt llha de Mocambique, auf der Welteneroberer Vaso da Gama 1498 eintraf. Gefragt ist auch der Inseltraum Bazaruto Archipel, ein nobles Lieblingsziel der englischen Prinzen William und Harry. Mosambik grenzt im Norden an Tansania und im Süden an Südafrika.

 Maputo: Pasteis de Nata und gefallene Engel

 

Die Hauptstadt Maputo mit ihren Art-Deco-Schätzen, ihren modernistischen, teils vergesellschafteten Hochhäusern und ihrem Afro-Polit-Graffiti ist eine Schönheit auf den zweiten Blick. Das Lebensgefühl weniger afrikanisch als lateinamerikanisch. Portugiesisch ist Amtssprache; Pasteis de Nata, die beliebten portugiesischen Sahneküchlein gibt’s in jeder Bäckerei; Marrabenta heißt der Rhythmus, der in Musik-Kneipen gespielt wird.

Im portugiesischen Fort sehe ich eine bizarre Sammlung von Kolonialzeugen, Reiterstatuen und Bronzekanonen. Auf den Spuren des berühmten Architekten Pancho Guedes, der als Siebenjähriger nach Mosambik kam und dort mehr als 500 richtungsweisende Bauten entwarf, bewundere ich Villen wie die „Casa Simoes Ferreira“, 1968 für ein höheres Töchterchen namens Maria Theresa designt, die spätere Gattin des Ketchup-Millionärs Heinz. Überhaupt ist Maputo für Architektur-Fans eine Schatzkammer, etwa der 1916 fertig gestellte Prachtbahnhof, in dem heute eine Galerie sitzt. Im skurrilen Eisenhaus „Casa de Ferro“, gebaut aus Resten des Eiffelturms, schwitzen Beamte eines Ministeriums nahe des Botanischen Gartens. Im Tropengrün, mit typisch luftdurchlässiger Architektur zeigt sich die Universität, Sitz einer der schönsten Kunstsammlungen Maputos. Galerien und Co-Working Spaces wie das von zwei Frauen geleitete „Neto 16“ liegen im Villen-Stadtteil Sommerschield. Im „Riu’s“, einer Kneipe, die genau so auch in Lissabon stehen könnte, serviert der Besitzer Portwein, Suppe und ein kaltes portugiesisches Bier gegenüber dem Stripclub, den Schriftseller Henning Mankell in seinen „Erinnerungen an einen schmutzigen Engel“ beschrieb.

Henning Mankell und die Seele Afrikas

 

Der 2015 verstorbene Schriftsteller Henning Mankell, Wallander-Autor, hatte sich in Maputo verliebt, betrieb in der Innenstadt 29 Jahre lange das „Teatro Avenida“. Die Bühne steht noch, auch das Kassenhäuschen und die kleine, terracottafarben gestrichene Afro-Bar im Foyer. Mein Stadtführer Walter Tembe, selbst ein Architekt, bringt mich hin. Ein Thneatermann, der sich als Alberto vorstellt, sagt über den weltberühmten Autor: “Es wird schwer sein ohne ihn. Er hat die Seele Afrikas verstanden.“ Die Seele der Millionenstadt Maputo erkundet man am besten zu Fuß, „Maputo a Pe“ heißen die hervorragenden geführten Touren des Tourismus-Amts. Ich streife gemeinsam mit Walter Tembe durch Straßen, die sich Avenida Friedrich Engels oder Ho-Chi-Min nennen – Überbleibsel des Kalten Krieges auf afrikanischem Boden.

Vieles ist verwittert, in die Jahre gekommen. Kaum was im Laden, aber alles auf der Straße, scheint die Devise: Überall stehen Straßenverkäufer. Nur noch zwei Prozent der Stadtbewohner sind weiß, 1970 gehörte den Kolonialisten die Stadt praktisch allein. Für die Fülle illustrer Tropen-Architektur, gebaut von 1930 bis 1970, die es so nur in Mosambik und Angola gibt, hat Stadtführer Tembe eine Erklärung: „Die Portugiesen dachten wohl, sie blieben für immer.“ Im Garten des französisch-mosambikanischen Kulturzentrum mitten in der City gibt’s eine schicke Wohnboutique „Machamba“, frische Baguettes und Salate – und Kriegskunst, aus Landminen kreierte Skulpturen. Man spürt den Schmerz Mosambiks noch. Doch als ich mit Walter Tembe die Treppen zur 1944 erbauten weißen Kathedrale „Nossa Senhora da Conceicao“ neben dem düsteren Rathaus hochlaufe, sehen wir draußen über dem Meer, mit blitzroten Verstrebungen, das Zeichen des Aufbruchs: Die nagelneue Hängebrücke von Maputo funkelt im Sonnenlicht.

Tipps & Informationen

Mosambik lageEinreise: Ein Visum für Mosambik wird neuerdings auch nach der Ankunft am Flughafen ausgestellt, ca 50 Euro.

Flüge: Zum Beispiel mit South African Airways von Deutschland über Johannesburg ab 899 Euro, über Krüger-Safaripark ab 925 Euro, jeweils hin- und zurück.

Beste Reisezeit: Mosambik kann ganzjährig bereist werden. Die Temperatur liegt tagsüber selten unter 20 Grad. Im afrikanischen Herbst (April/Mai) und Frühjahr (September) sind die Wetterbedingungen am moderatesten. Der Norden Mosambik ist generell heißer als der Süden. Wärmste, aber auch regenreichste Zeit: Oktober bis März.

Stadtführungen: Maputo a Pe, Maputo zu Fuß. Da 15 000 Mosambikaner in den 80er Jahren in der DDR studiert haben, werden auch Touren in Deutsch angeboten, ab ca 35 Euro.

Reiseliteratur: Die Afrika-Romane Henning Mankells, z.B. „Tea-Bag“. Einen sehr guten Reiseführer hat der ehemalige deutsche Botschafter Philipp Schauer verfasst, mit vielen Spaziergängen durch Maputo. Erhältlich im Tourismusbüro, Rua Henrique de Sousa, Maputo.

Infos: Mosambik Tourismus

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
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Die beste Finca der Welt

Es gibt viele Hotel-Oscars: 10 Best Hotels in the World, die „Gold-Liste“, Hideaway des Jahres, Most Outstanding Luxury Place und wie sie alle heißen. Die Finca Cortesin spielt überall mit. Das luxuriöse Landgut bei Marbella unter deutscher Leitung darf sich „Beste Finca der Welt“ nennen. Was hat die Finca Cortesin, was andere nicht haben? Wir haben uns mal ganz genau dort umgeschaut.

Es gibt viele Hotel-Oscars: 10 Best Hotels in the World, die „Gold-Liste“, Hideaway des Jahres, Most Outstanding Luxury Place und wie sie alle heißen. Die Finca Cortesin spielt überall mit. Das luxuriöse Landgut bei Marbella unter deutscher Leitung darf sich „Beste Finca der Welt“ nennen. Was hat die Finca Cortesin, was andere nicht haben? Wir haben uns mal ganz genau dort umgeschaut

Erster Trumpf: Lage, Lage, Lage

 

Vögel zwitschern, Rosenduft liegt in der Luft, hinter grünen Hügeln blitzt das Mittelmeer auf. Ich bin auf dem Land und doch am Meer. Zwischen Marbella und Gibraltar, an der andalusischen Costa del Sol, der zu Recht ein gewisser Rummelfaktor zugesprochen wird – aber hier ist es gaaaaanz ruhig. Traumhaft ruhig. Ich stehe vor dem „Cortijo“, dem Haupthaus, der Finca Cortesin; üppige Geranien ranken vor weißen Gemäuern. Wo gibt es das schon, Finca-Atmosphäre und Beach-Gefühl in einem? Bis zum Finca-eigenen Beach-Club am Strand von Cesares hinunter sind’s nur 1,5 Kilometer, die schafft man auch zu Fuß. Das Ganze eingebettet in einen mega-gepflegten 18-Loch-Golfplatz, wo schon mehrfach die legendären Volvo-Weltmeisterschaften stattfanden. Trotzdem ist sich Golftrainer Ricardo nicht zu schade, mir als Anfängerin ein Training zu geben; Eimer voller Bälle warten auf meinen Abschlag.

Im Auto brauchen wir nur zwanzig Minuten bis zur munteren Nachbarin Marbella mit ihren weißen Gassen, wo sich schon die Windsors und Obamas vergnügten und gerade ein Comeback mit jüngerem, „Normal“-Publikum eingeläutet wird. Auch das Sherry-Paradies Jerez de La Frontera liegt weniger als eine Autostunde entfernt von der Finca Cortesin. Michelle Obamas Foto steht in einigen Schaufenstern Marbellas; die Leute lieben sie hier. Ich höre diskrete Jauchzer wohlerzogener Kinder, die sich den Pool des berühmten Marbella Clubs stürzen, 1947 von Alfonso von Hohenlohe im Auftrag seines Vaters Maximilian von Hohenlohe gebaut. Lebemann Alfonso (der Ex von Ira von Fürstenberg) hat das Promi-Konzept Marbella quasi erfunden; eine Büste erinnert an den 2003 Verstorbenen. In der Altstadt lockt die weiß-gelb getünchte „La Encarnacion“ Brautpaare aus aller Welt; ein fröhlicher Schneider, der ebenfalls Andrea heißt, bestickt eine Schürze mit meinem Namen. Marbella ist lockerer als gedacht

Die 3 Geheimnisse der Finca Cortesin

Fackeln schimmern im Abendlicht, Romantik XXL. Was macht die Finca Cortesin so speziell, dass Reiseexperten von Condé Nast sie zum schönsten Landgut Spaniens und der besten Finca der Welt kürten? Das Raumwunder des 5-Sterne-Anwesens ist überall spürbar: in den üppig gepflegten Gärten wie an den riesigen, aber dennoch lauschigen vier Salzwasserpools, einer davon innen. Mein Urteil nach ein paar Tagen Die Finca hat drei Geheimnisse – Privatsphäre, Understatement UND ein Mega-Angebot: „Unser Luxus ist die Herzlichkeit, bloß keine Arroganz“, sagt mir der deutsche Generalmanager René Zimmer beim Spaziergang über das rund 215 Hektar Quadratmeter große Landgut – viel, viel Platz für Urlauber in 67 Suiten und sechs Villen. Mal gibt man sich rustikal, mal pompös, irgendwie passt alles zusammen.

 

Ich schnuppere an manikürten Spalieren rosafarbener Pompón Villa de Paris. Alles ist nicht nur tipp-top, sondern wirkt wie ein privater Familiensitz – allerdings mit Freizeitfaktor wie ein großes Hotel: Drei Restaurants, japanische Sterneküche, die Kunst-Galerie Javier López, in der auch angesagte Blattmotive gezeigt werden. Dazu kommt eine fast Zen-gleiche Konzentration auf die individuellen Anliegen des Gastes. Ein Pärchen sitzt am Brunnen im Klostergang – ungestört. Hier bin ich keine Nummer, aber werde auch nicht künstlich herum hofiert. Man behandelt mich eher wie ein gute alte Freundin – alles geht, nichts muss.

Zwischen Orient-Lounge und Klostergang


Englische Blumentapeten und Vorhänge im gleichen Muster.
Eine der Alhambra nachempfundene Veranda mit Orientkissen. Ein klösterlicher wirkender Kreuzgang. Natursteinböden. Antiquitäten aus ganz Europa, zusammen getragen von Innenarchitekt Pinto Coelho. Eine Bar wie ein feiner Pub, wo britischer Humor, spanische Gelassenheit und deutsche Neugier eine fröhliche Symbiose eingehen. Was ein überladener Mix sein könnte, ist auf der Finca Cortesin in Architektur und Design geschmackssicherer kombiniert. 2009 wurde das Anwesen von einer Geschäftsfamilie aus Madrid im palastähnlichen, andalusischen Stil gebaut: ein Neubau mit der Seele eines traditionellen Anwesens. Finca heißt „ländliches Anwesen“ auf Deutsch; ob einfach oder schick ist dem Besitzer überlassen. Zimmer gibt’s auf der Finca Cortesin erst gar nicht, sondern ausschließlich lichtdurchflutete, Schnickschnack-freie Suiten mit Terrassen oder Garten, 50 bis 180 Quadratmeter groß, in denen Sisalteppiche auf Steinböden liegen. Mein Reich besteht aus 2 großen, hellen Räumen (80 qm), mit einem fast ebenso großen Marmorbad und Ankleidezimmer – letzteres mit einer weiß-karierten Biedermeier-Bank, was sonst, damit ich entspannt meine Riemchen-Sandalen schließen kann. Es sind, bei allem Luxus, solche Kleinigkeiten, die Reisende glücklich machen.

Endlich mal: ein Spa ohne Allüren!

 

Kennen Sie das Gefühl, im viel zu weiten Hotelbademantel einen Spa zu betreten und unter den prüfenden Blicken des Personals praktisch zur Salzsäure zu erstarren? Nothing like that auf der Finca Cortesin. Unterkühlt geht’s hier nur in der zur Sauna gehörenden Schneegrotte zu, der einzigen Spaniens übrigens. Im Eingang sind Herrenshorts wie Kunst ausgestellt. Clever: Welcher Mann braucht keine neue Badehose? Die Devise der unprätentiösen Spa-Chefin Anna Gutierrez aus Granada: „Immer entspannt bleiben.“ Sie war vorher Chefin im Six Senses Spa in der Dominikanischen Republik und erklärt mir: “Bei uns ist nichts standardisiert.“ Eine Handvoll Spitzentherapeuten aus aller Welt darf, ja soll, eigenen Stil zelebrieren. Ayurveda-Masseuse Tarifa Mahajamege, 40, aus Sri Lanka, ist ein Urgestein, keine weichgespülte Beauty Puppe. Ich höre sie kräftig atmen bei der Behandlung. Es gibt u.a. Tata Harper-Produkte, die hippe Öko-Kosmetik aus den USA.

“Mein Liebling ist die Drei-Bäder-Lösung”

Mein Liebling ist die Drei-Bäder-Lösung. Ein Bereich für Frauen, einer für männliche Gäste und einmal Unisex, jeweils mit komplettem Sauna-Dampfbad-Set, alles in hellem Holz. Die Krönung des derzeit wohl angesagtesten Wellnesspalast der Costa del Sol ist der 25-Meter-Indoorpool in einem verspielt-gläsernen Gewächshaus mit sechs Metern Deckenhöhe – was für ein Kontrapunkt zu den leider oft üblichen Spa-Verliesen im Basement der Luxushotellerie! Ich schwimme wie ein Weltmeister, das salzige Wasser scheint mich schneller über die Bahnen zu tragen.

Einmal Lobster-Paella mit Champagner, bitte!

 

Wenn echte Feinschmecker nicht meckern, muss es gut sein. 75 Sorten Champagner, Lobster-Paella & Austernsülze. Das Küchenwunder der Finca hat Küchenchef Lutz Bösing aus Aachen zu verantworten. „Ich bin kein Freund von Fusion“, erzählt mir der bodenständige Bösing, der seit 30 Jahren in Spanien kocht: „Jede Spezialität muss für sich wirken.“ Auf der Finca Cortesin gibt es 3 Top-Restaurants, das italienische Don Giovanni, das spanische El Jardin de Lutz und Kabuki Raw, geleitet vom jungen baskischen Chef Luis Olarro, der dafür seinen ersten Michelin-Stern mit 28 Jahren einkassierte. Mal im Haupthaus, mal in Nebengebäuden untergebracht, bummelt man voller Neugier und Appetit von einem zum anderen und kann Dinge essen, die man noch nie im Leben probiert hat.

Gambas-Ceviche und Rinderravioli mit Nüssen etwa, beim Italiener Farmspiegeleier mit Trüffel, beim Japaner wechselndem Champagner zu jedem fein getunten Gang mit exotischen Leckerbissen wie Aprikosen-Meerasche in Tempura oder einer 24 Stunden geschmorten Wagyu-Rippe. Doch glücklich machte mich auch eine Kleinigkeit beim Frühstück (selbstverständlich nicht als Büffet sondern à la Carte serviert): Joghurt-Mousse, ein seidenweicher Traum. Ich brauchte es nur einmal zu erwähnen, genauso wie meine Liebe zu den knackigen Mini-Sardinen, schon fand ich abends ein handgeschriebenes Rezept von Lutz auf dem Kopfkissen. Soviel sei verraten: für die Joghurt-Mousse Gelatine, Mineralwasser und einen Siphon benutzen. Und die Sardinen werden besonders knusprig, wenn man sie vor dem Panieren durch Essig zieht.

„Wir führen nicht einmal ein Gästebuch“

 

Illustre Gästenamen könnte man aufzählen. Deutsche Adels-Gesichter, die mir bekannt vorkommen, sehe ich schon beim Frühstück auf der Sonnenterrasse, beschattet von knorrigen Olivenbäumen, aber auch den Kleinunternehmer mit Gattin aus Detmold und eine spanische Großfamilie aus dem nahen Barcelona. „Doch wir führen nicht einmal ein Gästebuch“, betont der deutsche Generalmanager René Zimmer; Diskretion ist Ehrensache. Der 46-Jährige, der bereits im Grand Hotel von St. Petersburg und im edlen La Residencia von Mallorca tätig war, wurde mehrfach unter die 10 besten deutschen Hoteliers im Ausland gewählt. Der schlanke Bautzener führt das spanische 5-Sterne-Landgut mit entspannter Hand – zumindest wirkt es so nach außen. Die Gäste, so erzählt er mir, kämen aus aller Welt, von den britischen Inseln, ein knappes Drittel aus Deutschland und aus Spanien und Amerika. Ein Drittel kommt zum Golfen. Und es bleibt ungesagt, aber es ist klar: Wenn ein Mann gut essen, die Frau relaxen und vielleicht in Marbella shoppen will, beide ihre Ruhe haben wollen und der gemeinsame Nenner lässiger Luxus ist – dann könnte das märchenhafte Landgut der absolut perfekte Urlaubsort sein.

Was hatte ich auszusetzen an der „Besten Finca der Welt“? Eigentlich nichts, außer natürlich, dass ein Besuch nicht vom Taschengeld zu bezahlen ist. Sterneküche, Perfektion und Liebe zum Detail haben nun mal ihren Preis. Aber eins ist auch klar: Es gibt bezahlbaren und unbezahlbaren Luxus – und letzterer kann natürlich auch ein Glas Wein und Oliven mit dem Liebsten auf der einfachsten Finca der Welt sein…

Tipps & Informationen

Finca Cortesina lageAnreise: Auf einem Areal von 215 Hektar im Süden Spaniens zwischen Marbella und Sotogrande liegt die Finca Cortesin, ein 5-Sterne-Landhotel mit Golf & Spa, sowie eigenem Strand mit Beachclub. Vom Flughafen Malaga ist sie in ca 50 Minuten zu erreichen

Saison: Die Finca Cortesin ist ganzjährig geöffnet, geschlossen nur vom 8.-21. Januar 2019.

Spa: Für Fincagäste frei, Tagespass für externe Besucher 100 Euro, mit einer Wellness-Behandlung 35 Euro. Massagen 50 Min. ab ca 150 Euro

Preise: Mit Hin- und Rückflug nach Malaga, Privattransfers vom Flughafen zur Finca und zurück, drei Übernachtungen in einer Junior Suite / Frühstück beispielsweise ab 1.375 Euro pro Person über airtours. Ansonsten liegen die Preise ab 585 Euro pro Nacht und Suite (für zwei Personen mit Frühstück) bis 8.800 Euro pro Nacht für die teuerste Villa

Restaurants: Im italienischen „Don Giovanni“ der Finca Cortesin Vorspeisen ab 11 Euro, Pasta ca 15 – 30 Euro, Hauptspeisen ca 25 – 35 Euro. Im spanischen El Jardin de Lutz Vorspeisen um 25 Euro, Hauptspeise ca 35 – 45 Euro. – Im „Kabuki Raw“ mit einem Michelin-Stern Menü ab 140 Euro.

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
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Sansibar: Wo Afrika so richtig rockt

Eine verwitterte Festung aus dem 17. Jahrhundert. Mittendrin eine Open-Air-Bühne mit Jagwa-Bands aus Afrika. Wie sich Sansibar im Februar beim großen Musikfestival „Sauti za Busara“ präsentiert ist typisch für die Insel, eine ausgelassene Szene gedeiht inmitten einer historischen Kulisse.

Eine verwitterte Festung aus dem 17. Jahrhundert. Mittendrin eine Open-Air-Bühne mit Jagwa-Bands aus Afrika. Wie sich Sansibar im Februar beim großen Musikfestival „Sauti za Busara“ präsentiert ist typisch für die Insel, eine ausgelassene Szene gedeiht inmitten einer historischen Kulisse. Breitengrad53-Autorin Andrea Tapper über den X-Faktor des sagenumwobenen Archipels

Sansibar - Andrea Tapper - Urlaub auf Sansibar - Reiseblog BREITENGARD53-8424

Starker Auftritt: Die Lumumba Tanz- und Theater-Gruppe beim „Busara“-Festival auf Sansibar – Foto: Link Reuben/Busara

 

Langsam füllt sich das Festivalgelände, nur ein paar Schritte entfernt vom Meer. Scheinwerfer richten sich auf die Bühne. Der Vollmond beleuchtet das Publikum. Rucksacktouristen aus aller Welt sind darunter, Einheimische, Musikfans. Überall sehe ich lachende Gesichter, höre freundliche Töne: „Möchtest Du ein Bier oder einen frischen Mangosaft?“, fragt mich eine junge Afrikanerin hinter einer improvisierten Theke auf dem Rasen des „Old Fort“, einst von Arabern als Verteidigungsfestung gegen die Portugiesen gebaut. Neben ihr probieren Urlauberinnen an einem Klamottenstand Kleider aus afrikanischen Kanga-Stoffen an.

Sansibar - Andrea Tapper - Urlaub auf Sansibar - Reiseblog BREITENGARD53--5

DJane beim Busara-Festival. Foto: Andrea Tapper

Das Multikulti-Ambiente beim “Sauti za Busara“-Musikfestival auf Sansibar – einer Art Mini-Woodstock Afrikas – bringt die Essenz der Insel für mich ziemlich auf den Punkt: Szene und Weltkulturerbe, Zuckerrohrsaft und Kilimanjaro-Bier, Tradition und Internet – alles verschmilzt zu einem heißen, tropischen Medley. Rund 20 000 Weltmusik-Fans zieht das Festival im Februar auf die Insel im Indischen Ozean (diesmal 9. – 12. Februar 2017), im Sommer gibt’s zudem ein vielbeachtetes Filmfestival, ZIFF und das Jahazi Literatur und Jazzfestival. Ganz schön viel los 6 Grad südlich des Äquators.

DIE MUSIK: VON AFRO-ROCK BIS TAARAB

„Hundert Prozent live und non-profit“, erläutert mir Festival-Organisator Yusuf Mahmoud das Konzept von „Sauti za Busara“, übersetzt: Stimmen der Weisheit. Seit 2004 wird das dreitätige Festival mit Workshops, Konzerten, Ausstellungen jährlich veranstaltet, im letzten Jahr allerdings fiel es wegen Geldmangels aus. Eine Zitterpartie bis zum Schluss könnte es auch 2017 werden: „Wir warten immer noch auf einige Spenden“, äußerte Festival-Chef Yusuf wenige Wochen vor dem Ereignis, bei dem vierzig Weltmusik-Bands auftreten sollten.


Bei früheren Busara-Festivals habe ich die stimmgewaltige Nigerianerin und Wahlhamburgerin Nneka und die DJ-Brüder Teichmann miterlebt, die das bunt gemischte Publikum mitrissen. Diesmal sind im Line-up etwa Sängerin Grace Barbé von den Seychellen, Reggaekünstler Rocky Dawuni aus Ghana und der lokale Jazz- und Fusion-Musiker Matona aus Sansibar. Afrika hat den Rhythmus im Blut: Populär sind auch das zweitätige Capetown Jazz Festival (31. März – 1. April 2017) und das „Lake of Stars“- Festival in Malawi im September/Oktober. Zwangspause wegen politischer Unruhen machte seit 2012 das weltberühmte magische Wüstentreffen „Festival au Désert“ in Mali, im letzten Jahr wagte man dort ein selbstbewusstes Comeback.

DIE INSEL: PITTORESKER NACHWUCHSSTAR IM INDISCHEN OZEAN

Zurück nach Sansibar: Afrikas bestgehütetes Geheimnis nennt man nicht nur das Busara-Musikfestival, sondern den ganzen Archipel, der gerade aus jahrzehntelangem Dornröschenschlaf erwacht. Sansibar ist keine Luxus-Destination wie die Schwesterinseln Malediven, Mauritius und Seychellen. Halb so groß wie Mallorca und 40 Kilometer vor der Küste Tansanias gelegen, verblüfft die palmenbestandene, flache Schönheit mit tausendjähriger Geschichte, munterem Eigenleben und Hotelzimmern von zehn bis tausend Euro pro Nacht, eine Seltenheit in Afrika, wo Budgeturlaub eher ungewöhnlich ist. Für mich ist Sansibar ganz klar der pittoreske Nachwuchsstar unter den Ferninseln, mit einem maroden Charme wie Kuba, und einer Altstadt wie Marrakesch.

 

Gewürzinsel, Tauchparadies und Weltkulturerbe: „Wir wussten gar nicht, dass Sansibar überhaupt eine Szene hat“, sagen manche Urlauber, die zum ersten Mal auf die 80 Kilometer lange und 30 Kilometer breite Hauptinsel des Archipels kommen, Unguja genannt, und einst reich geworden durch Sklavenhandel und Gewürznelkenexport. Wer nur im Hotel bleibt, verpasst viel! Unter Kennern gilt Sansibar, das 200 Jahre zum Sultan von Oman gehörte, bis es 1964 in einem blutigen Coup dem sozialistischen Tansania zufiel, bereits als Ibiza Afrikas, eine Relax-Oase auf dem unruhigen Kontinent. Das alte Ibiza wohlgemerkt, mit seinen kleinen Cafés und alternativer Klientel. Arabien hier, Afrika dort: Die Swahili-Kultur hat an der ganzen Ostküste Afrikas eine eigene Sprache, Möbel und Küche geformt. Mein Lieblingsgericht: Pilau-Reis mit Bananen in Kokosnuss.

DIE SZENE: SCHICKE BOUTIQUEHOTELS UND ANGESAGTE BEACHCLUBS

Sansibars Markenzeichen ist die verwinkelte, UNESCO-geschützte Altstadt. Auf einem Quadratkilometer drängen sich hier hunderte kleiner Krämerläden, kunstvoll verzierte indische Handelshäuser, halb verfallene arabische Paläste. Es ist eine marode Schönheit, aber immer noch faszinierend. Ich besuche die erste Ausstellung zum Sklavenhandel, „Slave Trade Exhibition“, kuratiert von einer Amerikanerin mit jugoslawischen Wurzeln. Im „Palace Museum“ an der Uferpromenade erinnert eine verstaubte Schaufensterpuppe an die berühmte Sultanstochter Salme, die anno 1866 mit einem Hanseaten durchbrannte. Die meisten Häuser sind zwischen 100 und 150 Jahren alt. Überall nisten sich neuerdings Boutiquehotels in verwitterten Gebäuden ein, wie auf Kuba hat der Run auf die baufälligen Schätze begonnen. Besonders gefällt mir das fast zweihundert Jahre alte historische „Kisiwa House“, heute ein mit viel Geschmack gestyltes Boutiquehotel und die grüne Kolonialstil-Oase „Hiliki House“.

 

In Lifestyle-Restaurants wie „6 Degrees South“ – benannt nach der geografischen Lage Sansibars – trifft sich eine junge Szene von Locals und Urlaubern zum Shisha-Rauchen mit Blick aufs Meer und den Sonnenuntergang. Die laute Disco „Tatu“ stört dabei von nebenan. Urig geht’s auf dem Hausboot „Dreamer’s Island“ zu, das ein deutsch-sansibarisches Pärchen als Alternativ-Hotel und Kneipe vor dem Stadtstrand verankert hat. Sonntags entspannen wir beim Brunch in Beach-Clubs an den Stränden der Ostküste, im „Upendo“ bei Michamwi verwöhnt mich Besitzerin Trish Dhanak mit meinen Lieblings-Wraps aus frischen Krabben und Avocado. Die neue „Season’s Lodge“ bei Pongwe gehört einem ugandisch-irischen Pärchen. Beide Clubs bieten auch spektakuläre Zimmer mit Meerblick.

WO SOLL ICH WOHNEN: STADT ODER STRAND?

Meine Antwort: Den Urlaub am besten splitten. Eine Woche Strand und ein paar Tage in Stone Town, wie die aus Korallenstein gebaute Altstadt heißt.  Wer will, bucht noch eine Safari im Selous-Nationalpark oder in der weltberühmten Serengeti dazu, beide auf dem tansanischen Festland. In Sansibar kann man auch am Stadtstrand schwimmen, der allabendlich von lokalen Akrobaten und Flanierenden bevölkert wird. Die  Traumstrände und Urlauberhochburgen aber liegen an der Ost- und Nordküste, etwa anderthalb Stunden Autofahrt von der Stadt entfernt. Direkt neben Fischerdörfern wie Jambiani und Paje an der Ostküste gibt’s Surfstationen, 5-Sterne-Hotels neben Budget-Bungalows. Auch am Strand zeigt Sansibar Profil. Selbst in dem touristisch erschlosseneren Nungwe an der Nordküste habe ich manchmal das Meer für mich allein. Im letzten Jahr kamen 300.000 Urlauber nach Sansibar, davon 30 000 Deutsche. Kenia war aufgrund der Sicherheitslage der große Verlierer, Sansibar der Gewinner in Ostafrika.

Sansibar - Andrea Tapper - Urlaub auf Sansibar - Reiseblog BREITENGARD53-1024

Traumstrand an der Nordküste bei Nungwi. Foto: Tapper

„Mein“ Sansibar, auf dem ich seit fünf Jahren ein Winterbüro unterhalte, ist klein, doch es überrascht mich immer wieder. Meine neueste Entdeckung: das extravagante Luxusdomizil „Xanadu“-Villas an der Ostküste bei Michamwi, designt von einem sambischen Millionärs-Paar: „Das letzte, was wir wollten, ist ein Hotel“, sagt mir Besitzerin Eileen, „aber es hat sich einfach so ergeben.“ Sie führt mich durch die edlen, Dom-ähnlichen Ferienhäuser, mit Fußböden aus Planken alter Dhow-Segelboote, glattgewienert wie ein Tanzparkett, bis hin zu ihrem Dachjacuzzi, in dem ein Schaumbad auf Höhe der Palmwipfel wartet. Auf Sansibar werden Träume wahr.

Luxus ohne Ende: die neuen „Xanadu-Villas“ mit Besitzerin Eileen. (Fotos: Xanadu/ Tapper)

INSIDER-TIPPS FÜR SANSIBAR

Beste Reisezeit

Ganzjährig erwarten Euch auf Sansibar Temperaturen zwischen 20 und 35 Grad; in der Hauptsaison Dezember bis März ist es am heißesten, moderater im Juni bis September; Regenzeit: April


Anreise

Eine der besten und preiswertesten Verbindungen bietet neuerdings Turkish Airlines: Über Istanbul geht’s von Deutschland direkt nach Sansibar (ohne Stopp in Dar es Salaam). Ab ca 550 Euro hin- und zurück. Die Verbindung gibt’s ab Bremen, Berlin, Hamburg, Leipzig, Hannover, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Nürnberg, Stuttgart, München; und ab Sommer 2017 auch von Münster, Karlsruhe, Friedrichshafen. Man fliegt etwa drei Stunden bis Istanbul, und acht Stunden bis Sansibar. Dort kauft man am Flughafen ein Urlaubsvisum für 50 Euro.


Hoteltipps, Ferienapartments, Sansibar entdecken

Unsere Autorin Andrea Tapper hat aktuelle Reisetipps für Sansibar in ihrem Buch und auf ihrer gleichnamigen Website „From Sansibar with Love“ zusammengetragen. Sie veranstaltet auf der Insel auch Insider-Touren für Urlauber.


Unternehmungen

Erfahrener Anbieter für Safaris, Ausflüge und Transfers: Madeira Tours & Safaris ; Gute Leihwagen zu fairen Preisen: Kibabu Cars Zanzibar


Pauschalreisen

Verwöhnt werden im arabischen Stil im sehr gepflegten Sultan Sands Island Resort bei Kiwengwa an der Ostküste, all inclusive, mit Flug ab Hamburg oder Köln, 1 Woche ab 1106 € pro Person. Großer Garten und asiatischer Einschlag im Neptune Pwani Beach Resort Spa in Kiwengwa, all inclusive, mit Flug ab/bis Hamburg, 1 Woche ab 1.087 € pro Person – beide mit TUI;
Eleganz und viel Privatsphäre, The Residence Zanzibar, Luxury Garden Pool Villa, 1 Woche Halbpension und Flug, ab 1682 € je Person – mit airtours:


Termine

Musikfestival „Sauti za Busara“, 9.-12. Februar 2017; ZIFF Filmfestival, 8.-16. Juli 2017; Jahazi Literatur- und Jazzfestival jedes Jahr im August/September


Reiseliteratur

Sansibar - Andrea Tapper - Urlaub auf Sansibar - Reiseblog BREITENGARD53-In ihrem Reiseführer mit Love Story erzählen Andrea Tapper und ihr Co-Autor Ahmed Ally aus beiden Perspektiven über ihre deutsch-sansibarische Romanze und den Alltag im Afrika von heute – garantiert ohne Massai-Romantik! „From Sansibar with Love“, Orell Füssli Verlag, über Amazon, 16, 95 Euro


Geld im Urlaub

Die Währung in Sansibar ist der Tansania-Schilling. Ein Tansania-Schilling sind 100 Cents. Doch fast überall wird auch der US-Dollar als Zahlungsmittel akzeptiert. Viele Geschäfte akzeptieren Kreditkarten. Geldautomaten gibt es überwiegend in Sansibar-Stadt. Wer die Abhebegebühren umgehen möchte, für den lohnt sich die Anschaffung einer kostenlosen Kreditkarte. Mehr Tipps zur Zahlung im Urlaub gibt es auf unserer Service-Seite: Geld im Urlaub.

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