Alle Artikel von Anja Steinbuch

Redaktion Reisemagazin breitengrad53.deAnja Steinbuch arbeitet als Wirtschaftsjournalistin für die Tages- und Fachpresse. "Jedes Reiseziel ist das Ergebnis einer guten Geschäftsidee. Hier warten meine Stories."

Sportlicher Familienurlaub im Resort Cap Esterel

Die mediterrane Sonne schafft es sogar durch den dichten Pinienwald. Sie wirft ihre heißen Nachmittagsstrahlen scheinbar ungebremst auf meine Haut. Mir ist heiß. Ich stehe auf zwei Drahtseilen zwischen Nadelbäumen…

Die mediterrane Sonne schafft es sogar durch den dichten Pinienwald. Sie wirft ihre heißen Nachmittagsstrahlen scheinbar ungebremst auf meine Haut. Mir ist heiß. Ich stehe auf zwei Drahtseilen zwischen Nadelbäumen in drei Metern Höhe irgendwo an der Cote d’Azur bei St. Raphael und versuche meinen nächsten Schritt sicher zu setzen.

Doch ich kann kaum mein Gleichgewicht halten und bin froh, noch eine Sicherheitsleine an einem Karabinerhaken über mir baumeln zu sehen. Ich setze einen zitternden Fuß vor den anderen und schaffe es auf das nächste Podest am Pinienstamm. Pause, Durchatmen. Der Baum verströmt diesen unverkennbaren würzigen Geruch des Südens. „On dirai le sud.“ So ist’s im Süden. Das sang Nino Ferrer bereits in den 1970er Jahren – eines der schönsten Lieder über das mediterrane Lebensgefühl – das Savoir Vivre. „Et toujour en eté.“ Und immer im Sommer.

Perfekter Sommerurlaub für die ganze Familie

Der Süden zieht uns Nordeuropäer magisch an. Zu Recht. Und so hat es mich in das Pierre & Vacances Resort Cap Esterel gezogen – auf den Anhöhen des Saint-Raphael gelegen, nur zehn Kilometer von der gleichnamigen Hafenstadt entfernt, erstreckt sich das autofreie Feriengelände auf 210 Hektar mit malerischem Blick auf die Bucht „Baie d’Agay“. Gerade mal eine Stunde Autofahrt vom Flughafen Nizza entfernt, ist das von Pierre et Vacances betriebene Familienresort von allen großen Flughäfen Deutschlands schnell zu erreichen. Hier gibt es Apartments, Hotelzimmer und Ferienhäuser in typisch provenzalischen Gebäuden mit Blick auf das Meer, Golfplatz, zwei große Pools oder gen Norden auf das Gebirge Esterel.

Blick auf Landhaus von Saint-Exupery

Das Licht ist 24 Stunden lang berauschend: Morgens leuchtet das Gebirge im Hintergrund rötlich auf das Grün des 9-Loch-Golfplatzes. Mittags ducken sich die Sonnenschirme der Restaurants auf der Plaza unter den weißen Strahlen einer hoch stehenden Sonne. Am Nachmittag glitzert das Meerwasser in der Bucht von Agay – mit einem Blickfang, einem hellen Schloss. Es ist ein Landhaus der Familie Staint-Exupéry. Hier heiratete der Schriftsteller und Pilot Antoine de Staint-Exupéry.

Liebe zum Detail

Palmen und Olivenbäume sorgen für reichlich Grün auf dem Gelände, so dass sich die Gäste zwischen den Gebäuden mit fast 900 Unterkünften pudelwohl fühlen. Bunte Blumen, Torbögen, Durchgänge, Brunnen und Sandplätze zum Petanque-Spielen sind einer historischen provenzalischen Stadt nachempfunden. Hier fühlt man sich geborgen ohne eingeengt zu werden. Mittelpunkt ist eine große terrassenförmig angelegte Poolanlage mit Infinity-Pool sowie Überlauf- und Wellenbecken und einer Wasserrutsche mit Liegewiesen. Sonnenstühle und Liegen stehen hier für Gäste kostenlos zur Verfügung. Rundherum reihen sich Restaurants und Bars sowie kleine Shops und Galerien. Wer genug von der Sonne hat, flaniert an den hübschen Boutiquen entlang durch die Geschäftsstraße. Der Feinkostladen „Maison Père Léon“ hat frische Tapenade – Brotaufstrich aus Oliven und Kapern – zum Probieren rausgestellt. Köstlich.

Mehr als 40 sportliche Angebote

Besondere Highlights sind die sportlichen Aktivitäten im Cap Esterel: Golfer können sich an neun Löchern und besten Sichtverhältnissen erfreuen. Golflehrer zeigen geduldig, wie man am weitesten abschlägt. Zumbakurse finden auf der Plaza statt, Volleyball-, Tischtennis- und Fußballturniere werden regelmäßig ausgerufen. Wer gern durch die Luft fliegt, kann sich am Trapez befestigt wie ein Zirkusakrobat durch die Luft wirbeln lassen. Mein persönliches Aha-Erlebnis war der Hochseilgarten ein paar Schritte außerhalb des Resorts in einem Pininenwald gelegen. An der Endstation der Mini-Bahn holen mich kräftige Coaches in betont legerer Wander-Ausrüstung ab. „C’est pas dur du tout!“ Das sei nicht schwer. Sie schauen auf meine Jogging-Schuhe und grinsen: „Bon, ca va aller.“ Das wird schon klappen. Ich bekomme Sturzhelm und Sicherheitstrapez angelegt und mache mich mit den Karabinern und Sicherheitsvorkehrungen vertraut. Es geht los und vor allem hoch in Richtung Baumkrone. Verschiedene Schwierigkeitsgrade eignen sich für Kinder, erwachsene Kletter-Anfänger und Fortgeschrittene. Ich wackle mich durch den Anfängerparcours.

Geschicklichkeit im Hochseilgarten gefragt

Soviel vorweg: Ich war komplett durchgeschwitzt. Dabei musste ich „nur“ meine Geschicklichkeit und mein Körpergefühl unter Beweis stellen. Diese Anstrengung wird belohnt: Am Ende klicke ich meinen Karabiner in eine Slack-Line und lasse mich fallen: Ich schwebe schnell aber sanft abwärts auf den weichen Waldboden und fühle mich – phantastisch.

Nur ein paar Schritte entfernt liegt der Strand Le Dramont.  Der Blick fällt auf eine markante kleine Insel, die Ile d’Or (Goldinsel). Sie ist aus den Abenteuern von Tim und Struppi bekannt. Hier ist der Sprung ins Meer Ehrensache. Bequem geht es mit der Bimmelbahn des Resorts zurück.

Zeit für einen Besuch im Spa-Bereich: Hamam, Massage und angenehme kosmetische Behandlungen stehen hier mit Blick auf Pool und Meer auf dem Programm. Nach einer sanften Massage fühle ich mich so relaxed, dass sich mein Blick am Horizont verliert und ich sanft einnicke. Cap Esterel hat etwas Magisches. Der Clou: Möglich ist das alles nicht nur für Singles und kinderlose Paare: Dank eines ausführlichen Kinder- und Jugendprogramms für Kids im Alter von drei Monaten bis 17 Jahren, können auch Mütter und Väter aus den mehr als 40 sportlichen Angeboten auswählen und nach Bedarf persönliche Grenzen austesten. Abends kann dann entweder im gut ausgestatteten Familienapartment gekocht werden, oder man besucht gemeinsam eines der Restaurant, das à la carte beste französische Küche anbietet.

Weitere Infos und Buchungen unter www.pierreetvacances.de.

Hinweis: Die Reise fand auf Einladung statt. Fotos von Anja Steinbuch und Heide Moll

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Dresden ist auch im Winter eine schöne Stadt

Es ist das Licht, das Dresden zu einer der schönsten Städte Europas macht. Auch im Winter. Auf der Brühlschen Terrasse, auf dem hübsch restauriertem Neumarkt oder auf einer der Brücken,…

Es ist das Licht, das Dresden zu einer der schönsten Städte Europas macht. Auch im Winter. Auf der Brühlschen Terrasse, auf dem hübsch restauriertem Neumarkt oder auf einer der Brücken, die mich, mit dem Zug von Berlin kommend, über die Elbe in das Herz der sächsischen Residenzstadt bringen. Über der Altstadt-Silhouette aus architektonischen Prunkstücken wie Kunstakademie, Hofkirche und Semperoper platzt in bunten Farben ein Feuerwerk in den dunklen Winterabend. Kuppeln und Türme erstrahlen kurz wie im Scheinwerferlicht. Es ist Semperopernball.

Ballschönheiten bereiten sich vor

Und dieser Ball gehört den Dresdern: Sie tanzen, eingepackt in dicke Wintermäntel, auf dem Theaterplatz, der in rot, blau, silber und gold getaucht ist. Und auch die Semperoper selbst präsentiert sich mit buntem Lichtspiel. Eine fröhliche, feierliche Stimmung erfasst mich auf dem Weg ins QF-Hotel. „Wir läuten die Ballsaison traditionell früh im Jahr ein“, erzählt Dorit Schaper, Chefin des QF-Hotels direkt an der Frauenkirche. Sie empfängt an diesem besonderen Tag ihre Gäste im bodenlangen schwarzen Ballkleid. Mit viel Hotel-Erfahrung aus Dubai und Bahrein hat die ausgebildete Sopranistin mit dem Boutiquehotel auf 5-Sterne Niveau an der historischen Adresse Neumarkt 1, ein Schmuckstück geschaffen, mit italienischem Design und viel Kultur.

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Der Semperopernball bringt Ende Januar viel Farbe in die Stadt. (Fotos: Anja Steinbuch)

Das Quartier Frauenkirche inspiriert

Interessant: Die Verbindung mit dem neuen Quartier Frauenkirche, kurz QF, mit Bars, Restaurants, Galerien und Boutiquen und einem Schönheitstempel – dem Salon Brockmann und Knoedler. Hier werden die letzten Vorbereitungen für den Ball getroffen. Neben Lockenstab und Wimperntusche huscht der Blick durch die Fenster auf das Wahrzeichen der Stadt: Die Frauenkirche. Das barocke Gebäude mit dem warmen hellen Sandstein scheint nicht nur das Licht zu reflektieren. Die Kirche strahlt weit ins Land. Im Salon geben sich Ballschönheiten, TV-Sternchen und lokale Prominenz die Umhänge weiter. Auch für Salonmanager Daniel Thomas ist die wiederaufgebaute Frauenkirche weit mehr als Kulisse, sie ist Zentrum und Quelle der Kultur gleichzeitig.

Dresden ist Mode-Hochburg des Ostens

Kultur ist in Dresden nicht nur die Altstadt mit historischen Gebäuden, einer einzigartigen Schatzkammer, Ausstellungen, Museen, Theater und Operninszenierungen. In der Neustadt, nur einen Steinwurf von der Semperoper entfernt auf der anderen Elbseite hat sich im Barockviertel mit restaurierten Passagen und Hinterhöfen ein Zentrum des guten Geschmacks entwickelt. Die Promi-Modedesignerin Dorothea Michalk hat in der Rähnitzgasse ihren Showroom und Atelier. Die junge Mode-Expertin hat für den Tanz in der Oper eine ganze Kollektion an weich fließenden, glitzernd bestickten Ball-Roben – passgenau und mit persönlicher Beratung für jede einzelne Kundin. Die Seiden-Kreationen von Dorothea Michalk, die nach ihrer Ausbildung in München bei Valentino in Paris landete, aber die Selbstständigkeit vorzog, sind dabei deutlich günstiger als die der internationalen Konkurrenz – bei gleicher Qualität.

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Die feierlichen Ballkleider von Dorothea Michalk in der Neustadt.

Stylische Jeans fürs Leben

Von der Mode-Hochburg in der barocken eleganten Neustadt ist es nur ein kleiner Spaziergang in das Kreuzberg Dresdens, die bunte alternative Szene einer Studentenstadt, mit Bars, Cafés und Läden wie das Exx, das neben klassischer Mode auch eigene Stücke verkauft oder das Louisen Kombinaht in der Louisenstraße, wo politische Botschaften in Taschen und T-Shirts verwoben sind. Sich treiben lassen ist das Motto und so führt der Weg in das Atelier von Johann Rutloff, der maßgeschneiderte Jeans anfertigt, aus Stoffen, die robuster sind als Leder. Das Ergebnis ist ein Kleidungsstück fürs Leben.

Luxusuhren made in Erzgebirge

Das 20 Kilometer entfernte Glashütte im Erzberge ist einen Nachmittag wert. Rund 20 Uhrenmanufakturen befanden sich hier um die Jahrhundertwende und auch heute noch ist das Dorf in den Bergen neben dem Vallèe´des Joux in der Schweiz, der Standort mit den meisten Uhrenmanufakturen der Welt. Große Namen wie Nomos, Glashütte Original und Lange&Söhne haben hier ihre Headquarter und Produktionsstätten. Sogar die Swatch-Gruppe hat sich hier bereits Uhren-Knowhow aus dem Erzgebirge gesichert. Wer sich für Tourbillon und die Unwucht der Unruhe im Inneren einer echten Uhr aus Glashütte interessiert, sollte unbedingt in das örtliche Museum gehen. Von der Feinmechanik made in Erzgebirge beflügelt, lohnt ein Besuch zurück im Elbflorenz in der Boutique von Glashütte Original am Fuße der Frauenkirche: Brillantbesetzte Unikate und Weltzeit-Uhren-Modelle locken mit Glanz und Gloria. Preislich sind die Chronometer allerdings auch Königsklasse.

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Glanzvolle Feinmechanik von Glashütte Original.

Winzerin keltert mit Literatur

Am Abend veranstaltet das QF Hotel in Zusammenarbeit mit Sommelier und „Weinzentrale Dresden“ – Betreiber Jens Pietzonka den „Weinsalon“. Neue Winzer-Talente kommen hier zum Zuge. Tina Pfaffmann stellt heute ihre gold leuchtenden Weissweine in der Bellini-Tagesbar vor. Die junge Winzerin aus der Pfalz bringt mit so viel Hingabe und Temperament ihre Weine ins Glas, dass man am liebsten, um mit der neuen Uhr aus Glashütte zum Ball gehen zu können ein Weingut bewirtschaften möchte, wären die Ernte und das Keltern nicht eine so knochenharte Arbeit. Für Tina Pfaffmann „der schönste Beruf der Welt“, auch wenn sie manchmal, beim Warten auf die Öchsle-Grade verzweifelte Wünsche auf die Fässer schreibt:„Ich wünsche, dass Du ein toller frischer Wein wirst!“ Und es klappt. Kritiker bescheinigen den Weinen von Tina Pfaffmann außerordentliche Eigenschaften. „Sie müssen schmecken“, ist Pfaffmanns Devise. Und das tun sie.

Ein Wochenende mitten im Winter in Dresden: Die Mischung aus Kultur, historischem Erbe und feierlicher Lebensfreude macht jeden Besuch zu einer echten Bereicherung.

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Augenweide: Das QF-Hotel am Fuße der restaurierten Frauenkirche

 

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Im Winter auf Mallorca sind kaum Touristen zu sehen

Du fährst Ende November nach Mallorca?” Meine Bekannte lächelt mich mitleidig an. “Um die Zeit kann es dort ungemütlich sein”, lautet ihr weiser Rat. Unsicher packe ich dicke Socken, Strumpfhosen…

Mallorca im Winter
Du fährst Ende November nach Mallorca?” Meine Bekannte lächelt mich mitleidig an. “Um die Zeit kann es dort ungemütlich sein”, lautet ihr weiser Rat. Unsicher packe ich dicke Socken, Strumpfhosen und warme Pullis in meinen Koffer. Eine Winterjacke und Stiefel erscheinen mir selbstverständlich. So fliege ich am 20. November aus dem Hamburger Nebel direkt nach Palma. Es ist ein ruhiger Flug.

Mir kommen George Sand und Frédédric Chopin in den Sinn. Sie machten sich 1838 auch an einem Novembertag auf den Weg mit der Kutsche, um dem grauen Winter und dem Tratsch in Paris zu entfliehen und um auf der Sonneninsel zu genesen. Mit den Schiff setzten sie von Barcelona nach Palma über. Die Schriftstellerin George Sand, ihre beiden Kinder und der um einige Jahre jüngere Komponist Chopin mit schwerem Husten – wie müssen sie sich gefühlt haben, als sie anlegten? Wie war das Wetter?

Ein Winter auf Mallorca – Georg Sand

George Sand schreibt im ersten Kapitel in “Ein Winter auf Mallorca”, ihrem Reisebericht: “Auf Mallorca erwartete uns sommerliche Hitze. In Barcelona milderte ein frischer Seewind die Sonnenstrahlung und fegte alle Wolken von den breiten, in der Ferne von schwarzen und kahlen oder schneeweißen Gipfeln eingefassten Blickfeldern.”

Druck auf meinen Ohren lässt mich aufwachen. Wir landen in Palma. Sommerliche Hitze flirrte auch mir entgegen, als ich das Flughafengebäude verlasse und im Schutz einer Überdachung bei gefühlten dreißig Grad mit Winterstiefeln auf einen Bus warte. Der Himmel ist so blau als gäbe es nur diese eine Farbe und auch sonst erinnert nichts an Nebensaison. Allerdings sind kaum Touristen zu sehen.

Im Winter auf Mallorca

Hafen von Portixol

Geheimtipp in Palma

Mein Hotel “Portixol” liegt an einem kleinen Fischerei- und Sporthafen zwei Kilometer östlich von Palma mit Blick auf die Kathedrale. Im Restaurant herrscht auch nachmittags geschäftiges Treiben. Die Terrasse ist gut besucht und auf den Liegestühlen sonnen sich Gäste. Das 25-Zimmer-Haus wurde 1996 von den schwedischen Ehepaar Johanna und Mikael Landström gekauft und komplett renoviert. Mit Pool, Spa, Restaurant mit Bar und Terrasse ist das Vier-Sterne-Haus nicht nur bei Touristen beliebt, sondern auch ein frequentiertes Ausflugsziel für die Einwohner der Hauptstadt. “Vor 20 Jahren war das hier noch eine heruntergekommene Gegend”, erzählt Christina Östrem, die Managerin des Hotels. “Dann hat die Inselverwaltung hier einen neue Promenade gebaut und das Hafenbecken renoviert.” Die Gegend ist seitdem ein Geheimtipp. Wenig Touristen, viel maritimes Flair.

Mein Zimmer ist eine Mischung aus skandinavischer Gemütlichkeit und mediterraner Eleganz. Mallorquinische Tapeten harmonieren mit weißen Möbeln und Wänden. Der Blick über die Fischerboote aufs Meer bringt mir die Reisenden aus dem 19. Jahrhundert wieder in den Sinn. George Sand notierte: “… man könnte in ebenso wenigen Tagen hingelangen (wie in die Schweiz) und fände dort eine ebenso sanfte Schönheit und einzigartige, erhabene Größe der Szenerien vor, die der Malerei neue Nahrung gäben. Derzeit kann ich diese Reise guten Gewissens nur körperlich robusten und geistig feurigen Künstlern empfehlen. Zweifellos aber wird die Zeit kommen, da zartbesaitete Kunstliebhaber und sogar gepflegte Frauen mit nicht größeren Mühen und Unbequemlichkeiten als nach Genf nach Palma fahren können.”

“Radelst Du mit zur Kathedrale?” Meine Reisebegleitung reißt mich aus meinen Tagträumen. Wir fahren mit den Hotelrädern auf einer schnurgeraden Promenade mit Radweg immer der Kathedrale entgegen, vorbei an leeren Stränden und der untergehenden Sonne. Das imposante Gotteshaus empfängt uns im festlichen Feuerrot – dahinter lautes Leben in den Straßen Palmas. Jugendliche treffen sich in Cafés, Berufstätige stehen vor ihren Büros und diskutieren die Tagespolitik und Geschäftsleute präsentieren ihre Waren. “Eine europäische Großstadt mitten auf einer Urlaubsinsel”, staune ich. Nicht umsonst nennt man die Balearenmetropole auch “Klein-Barcelona”. Interessant: Auch hier sprechen viele Einwohner katalanisch anstatt Spanisch. Ich tauche ein in die blaue Stunde dieses südeuropäischen urbanen Juwels, schaue, lasse mich von Designerläden wie Pull & Bear, Mango, Massimo Dutti und Uterique verführen. Einrichtungsgeschäfte wie das Rialto Living in der Calle Sant Feliu lassen mich eintauchen in die Welt des internationalen Designs, ferner Reisen und edler Stoffe. Es war wieder ein schwedisches Ehepaar, durch das ein heruntergekommenes Gebäude neues Leben eingehaucht bekam: Das Rialto Living ist ein Stadtpalais das lange als Kino genutzt wurde und dann leer stand. Heute ist das Einrichtungshaus auf zwei Etagen mit Café-Restaurant die Antwort auf das sterile Einkaufen per Klick im Internet. Hier wird stationäres Shoppen zelebriert. “Wir kaufen immer nur kleine Serien eines Produkts ein. Wenn es verkauft ist, ist es weg”, lächelt Barbara Bergmann, die Besitzerin. Lauter Unikate.

Ruhe im Kloster in den Bergen

Betrachtung, Muße und ein bis zur Meditation reichender innerer Monolog bahnen sich den Weg in mein Bewusstsein. Eine wohlige Ruhe setzt ein. “Ob die Reisenden des 19. Jahrhunderts auch so schnell zu sich fanden während ihres Aufenthalts auf der Insel?” Ich finde heraus, dass Sand und Chopin nach ersten Wochen der Suche nach einer Herberge in das Kloster Valldemossa umgezogen sind, weil sie sich in der Stadt der Kritik der Einwohner ausgesetzt sahen. Ruhe fanden sie nur im einsamen Kloster in den Bergen, das heute übrigens ein Museum ist und eine Reliquien der ersten Mallorca-Touristen bereithält. Zum Beispiel das unter großen Mühen herbeigeschaffte Klavier des Komponisten.

Es ist dunkel geworden und unsere Räder haben kein Licht, aber die Promenade bis zu unserem kleinen Hafen, dem “Portixol”, ist hell erleuchtet. Es weht ein lauer Wind vom Meer.

Der historische Zug in Sóller ist über 100 Jahre alt.

Der historische Zug in Sóller ist über 100 Jahre alt.

Am nächsten Morgen steigen wir in den über hundert Jahre alten Holz-Zug nach Sóller. So müssen auch die ersten Touristen damals gereist sein! Die Landschaft zieht am Auge vorbei. Wir nähern uns dem Tramuntana-Gebirge – im Herbst mit eintausend Höhenmetern angenehmen 25 Grad Luft- und 22 Grad Wassertemperatur ein Geheimtipp für Wanderer. Rast und Verpflegung findet man in einem der Ausflugslokale, zum Beispiel dem „Restaurant Sa Teulera“ nur fünf Kilometer hinter Sóller. Von der Terrasse hat man den besten Blick auf eine Tramuntana-Felswand. Dazu die französische Schriftstellerin: “Die Spitze des Felsens zeichnet ihre festen Konturen vor einem strahlenden Himmel ab, die Palme neigt sich von selbst über den Abgrund, ohne dass eine launische Brise ihren majestätischen Haarwuchs zerzaust, und bis zum kümmerlichsten Kaktus am Wegrand scheint alles sich mit einer Art Selbstgefälligkeit der Augenlust darzubieten.”

Das Tal von Sóller

Nach einer gut einstündigen Ruckelfahrt auf dem Holzsitz öffnet sich der Blick auf das Tal von Sóller. Hier bauten die Franzosen einst Obst- und Olivenbäume an. Die Bäume sind geblieben. Bis nach Puerto de Sóller bringt uns die Bahn, die übrigens der Tram in Lissabon zum Verwechseln ähnlich sieht. Unsere Herberge ist das Hotel Espléndido – ein glänzendes Vintage-Strandhotel aus den 1950er Jahren, das ebenfalls von Familie Landström renoviert wurde. Liebevolle Stoffe, Farben, Möbel und Details wie ein Plattenspieler in der Bibliothek lassen die Zeit um Brigitte Bardot und Jean-Paul Belmondo aufleben. Die mehr als 60 Zimmer sind in diesem Design mit vier-Sterne-Komfort und Blick auf die malerische Bucht gehalten. Zwei Außenpools, eine Spa-Landschaft und ein phantasievoller Küchenchef machen den Aufenthalt im Espléndido zu einer Reise nicht nur in die Vergangenheit. Vor dem Frühstück baden wir im 22-Grad-warmen Meer.

Zurück in Palma ist das Castel Bellver ein Muss. Es ist das einzige Rundschloss in Spanien. Hier oben, über den Dächern von Palma hatten die Könige einst den besten Weitblick. Den brauchten sie auch. Denn als das Schloss 1311 nach nur elf Jahren Bauzeit fertiggestellt war, begann der Streit um die künftige Ferieninsel. Als der Neffe von König Jaume II das Zepter übernahm, meldete Pedro IV von Aragon Anspruch auf das Eiland an. 1343 schlugen dessen Truppen bei Peguera die mallorquinischen Kämpfer und machten aus Jaume III einen König ohne Reich. Er verkaufte daraufhin seine Latifundien in Frankreich, um mit einer gut gerüsteten Armee zurückzukehren. Mit dieser verlor er allerdings nicht nur die Schlacht von Llucmajor sondern auch sein Leben. Witwe und Kinder zogen wieder in Bellver ein – als Gefangene. Die Geschichtsbücher halten fest: “Mallorca verlor die nur wenige Jahrzehnte genossene Unabhängigkeit und musste sich nun bis zur Demokratisierung 1975 vom Festland bevormunden lassen.”

Wandern im Tramuntana Gebirge auf Mallorca

Wandern im Tramuntana Gebirge auf Mallorca

Der Duft frischer Orangen und Kräuter, Bilder von sanften Hügeln und schroffen Felsen ziehen durch meinen Traum, als ich im Flieger zurück nach Hamburg sitze. Der König ohne Reich, die Schriftstellerin in Männerkleidung mit ihrem musizierenden Liebhaber, die unabhängigen Mallorquiner und die großzügigen Schweden, die schöne alte Hotels und Stadtpaläste zu neuem Leben erwecken – sie alle sind im November viel besser zu sehen. Winterjacke und Stiefel hätte ich zuhause lassen können.

Tipps zu Mallorca

Lesetipp: „Ein Winter auf Mallorca“ George Sand. Suhrkamp Verlag.

Unterkunft: Portixol Hotel y Restaurante, Calle Sirena. 07006 Palma de Mallorca. www.portixol.com Hotel Espléndido. Es Traves 5, 07108 Puerto de Sóller, Mallorca. www.esplendidohotel.com

Shopping: Rialto Living, Carrer Sant Feliu 3c, 07012 Palma de Mallorca. www.rialtoliving.com

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Familienurlaub im Ferienpark Nürburgring

[dropcaps color=”#0f64af”]W[/dropcaps]as passiert, wenn Vater, Mutter und deren achtjährige Tochter drei Tage Familienurlaub in der Eifel am Nürburgring machen? Sehr viel: Eine Elfenhochzeit mit Schatzsuche, Kräutersammeln im Koboldgarten, eine Feenstaub-Jagd,…

[dropcaps color=”#0f64af”]W[/dropcaps]as passiert, wenn Vater, Mutter und deren achtjährige Tochter drei Tage Familienurlaub in der Eifel am Nürburgring machen? Sehr viel: Eine Elfenhochzeit mit Schatzsuche, Kräutersammeln im Koboldgarten, eine Feenstaub-Jagd, Fruchtcocktail mixen und Quarkwaffeln backen sowie Ziegenkäse zubereiten während die Eltern im Vulkaneifel-Spa entspannen.

Beitrag von Anja SteinbuchDer Lindner Ferienpark Nürburgring liegt auf einer Anhöhe inmitten von Wäldern und Wiesen. Das 2008 erbaute Areal besteht aus 99 Ferienhäusern im skandinavischen Stil, einem Sportplatz, zwei Spiel- und Spaßhäusern für die Kinder sowie einem Hauptgebäude mit Restaurant und Mini-Laden. Hier befindet sich auch ein Wellness-Bereich mit drei Saunen, Hammam, Massage- und Beauty-Räumen. Für gestresste Großstadtfamilien haben die Lindners ein Drei-Tage-Paket geschnürt mit Ausflügen in die Umgebung, Kinderprogramm und Wellnessanwendungen für die Eltern.

Bunte Holzhäuser sind unser Heim für die nächsten Tage

Doch zuerst beziehen wir eines der roten und grünen Holzhäuser, das für drei Tage unser Heim sein wird. Mit drei Schlafzimmern, zwei Bädern, einer Wohnküche und Holzofen sind alle Häuser im Landhausstil eingerichtet mit Blick in die Natur. Unsere Tochter Thea fühlt sich sofort wohl, denn überall sind Garderoben und Ablagen auf Kinderaugenhöhe angebracht. Sie räumt sofort Klamotten und Spielsachen sorgfältig ein und steht mehr als einen Augenblick in der Gartentür und schaut auf die Baumwipfel in der Ferne. Doch dann geht es schon los: Termin mit Linda. Sie ist eine Waldfee und hat die Kinder schon an der Rezeption begrüßt. Sie trägt einen lustigen rosa Blütenhut und ein grünes Kleid. Im Schlepptau hat sie Linus, einen Kobold mit einem überdimensionalen grünen Hut, Vollbart und buntem Frack. Die beiden lachen viel, und haben sogar einen eigenen Song auf CD aufgenommen zu dem sie mit allen Ferienkindern tanzen. Aus zwei großen Boxen schallt es durch das Parkbistro. Das Eis, das sich noch in einigen skeptischen Blicken gehalten hatte, ist nun gebrochen, und alle Kinder verschwinden mit den beiden Exoten im Kinder Chaos Club –einem Ferienhaus, das als Spielhaus mit Bällebad und Riesenrutsche umgebaut ist.

Ferienhaeuser und Spielplatz

Bunte Holzhäuser sind die nächsten Tage unser Heim.

Plötzliche Ruhe für die Eltern. Es ist so, als wenn das Kind überraschend am Tage eingeschlafen ist und man ungewohnte Freizeit geschenkt bekommt. Linda ist Gold wert. Neugierig geht es in die Wohlfühl-Ecke zum Kräuterpeeling. Das ist eine angenehm sanfte Massage mit Öl, Salz und Kräuteraroma. Mit einem Abstecher in die Biosauna entwickelt sich der Nachmittag überaus entspannend. Schnell noch ein Segway und ein E-Bike ausgeliehen und schon geht es auf Entdeckungstour durch den Park. Interessant: Jede Straße hat einen kleinen Spielplatz und Aussichtsplattformen mit Bänken und kleinen Holzhütten. Das sind Grillhütten, in denen man um einen Kamin herum Leckeres brutzeln kann –auch im Winter mit geschlossener Tür. Ein großer Kaminabzug macht‘s möglich.

„Hallo Mama!“Thea kommt aus dem Kinder-Club gerannt, sie trägt ein selbstgestaltetes grünes Plastikkleid und hat hübsche Blumenmalereien im Gesicht: „Wir haben die Feenhochzeit vorbereitet!“

Feenhochzeit ist vorbereitet

Vorbereitungen für die Feenhochzeit

Ein Buffet im Parkbistrot am Abend lässt den ersten Tag Familienurlaub ruhig ausklingen. Später fällt uns die Stille auf, die abends über den Ferienhäusern liegt. Unglaublich, dass wir nur 10 Kilometer vom sagenumwobenen Nürburgring entfernt sind. An der so genannten Nordschleife, die auch „Grüne Hölle“genannt wird, hatte einst Nikki Lauda seinen Unfall, von dem er schwere Brandverletzungen davontrug. Doch zehn Tage später fuhr er bereits sein nächstes Rennen. Das ist Leidenschaft. Auch einige Autos in den Carports der Ferienhäuser lassen auf das Faible ihrer Besitzer für schnelles Fahren schließen. „Viele Skandinavier, Engländer und sogar Chinesen setzen sich ans Steuer eines schnellen Wagens und lenken ihn über den Nürburgring“, erklärt uns Dirk Metzner am nächsten Morgen. Er ist Direktor des Ferienparks und der zwei großen Lindner Hotels am Ring. „Wir können für große Events bis zu 5.000 Menschen unterbringen.“Unternehmensberatungen, Autokonzerne und große Player aus der Pharmabranche nutzten diese Kapazitäten. Entweder als Copilot, als Fahrer im Boliden oder mit dem eigenen PKW kann man eine Tour durch die Grüne Hölle wagen. Nebenan werden Filme im 4-D-Kino mit Wackelsitzen und Regenanlage gezeigt sowie ein Formel-1-Museum bestaunt.

Zurück im Ferienpark warten schon Linda und Linus –sie haben ihren Feenstaub verloren, und suchen ihn nun mit den Kindern im Wald. Das Rufen und Lachen hallt aus den Waldwegen bis zu den Häusern. Die Feenhochzeit ist ein magischer Moment. Linda trägt jetzt einen weißen Rock, alle Kinder ihre selbstdekorierten Kleider und überall liegen Blumen. Die Feenkönigin schwebt heran und vermählt die beiden. Anschließend geht es in das Adventure-Haus zum Kuchen-Essen. Hier können sich ältere Kinder und Jugendliche austoben, sägen und hämmern, auch gekocht und gebacken wird hier auf Anleitung. Beliebt sind der Bolzplatz und das Beachvolleyball-Feld. Die beiden grünen Waldbewohner sind nun verheiratet und verabschieden sich von einer Gruppe sehr, sehr müden Kindern, die nach einem gemütlichen Grillabend hundemüde in ihre Betten fallen.

„Ich will aber noch nicht nach Hause“, so beginnt Thea ihren dritten und letzten Ferientag im Park. Doch es steht noch der Besuch einer Käserei in der Vulkaneifel auf dem Programm. Auf der Vulkanhof Ziegenkäserei in Gillenfeld können Kinder nicht nur die weiße deutsche Edelziege streicheln, sondern auch beim Melken zuschauen, Molke abtropfen lassen, Frischkäse formen und mit Gewürzen und Kräutern verfeinern. Eine leckere Käseverkostung schmeckt auch den Eltern. Im Hofladen gibt alle Sorten von Ziegen-Rohmilch-Käse und sogar Eis aus Ziegenmilch. Ein echter Geheimtipp für Feinschmecker.

Blick auf den Nürburgring.

Blick auf den Nürburgring.

Im Park tanzen Linda und Linus mit den Kindern zu ihrem Ferienhit – zum letzten Mal. „Schade, dass die beiden jetzt in die Flitterwochen fahren“, erklärt Thea. Linda hat an jeder Hand drei Kinder. „Wir lassen dich nicht los”, rufen die Kinder. Theas Kommentar: „Linda ist immer freundlich und lustig und Linus ist frech.“Dank der Beiden und des Lindner-Teams am Nürburgring war der Familienurlaub für alle ein spannendes und erholsames Erlebnis.

Die Anreise mit dem Zug geht am schnellsten über Koblenz und Mayen. Mit dem Auto erreicht man den Ferienpark aus den Regionen um Köln, Düsseldorf und Dortmund innerhalb einer guten Stunde.

 

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Rhodos: Geheimtipp mitten in der Eurokrise

[dropcapss]H[/dropcapss]ier riecht es gut! Ein bisschen nach Tannen und nach Kräutern der Provence.” Meine ersten Worte auf der Insel Rhodos kurz nach der Landung auf dem Flughafen Diagoras lassen meinen…

[dropcapss]H[/dropcapss]ier riecht es gut! Ein bisschen nach Tannen und nach Kräutern der Provence.” Meine ersten Worte auf der Insel Rhodos kurz nach der Landung auf dem Flughafen Diagoras lassen meinen Gastgeber schmunzeln: “Das sagt fast jeder, der das erste Mal hier ist. Rhodos hat ein eigenes Aroma. Würzig, frisch, mit einer Prise Salz.”

Lahania - Blick aufs Meer

Sehnsuchtsort Lahania im Süden der Insel mit Blick aufs Meer

Beitrag von Anja SteinbuchGeorg Petras ist ein Sohn der Insel. Der Deutsch-Grieche ist zwar in Stuttgart aufgewachsen, aber sein Herz schlägt hier auf diesem Eiland, das einst der Sonnengott Helios als Geschenk aus den Händen Zeus’ erhielt. 300 Sonnentage im Jahr versprechen Petras und die Reiseveranstalter. Flink brausen wir in knapp 20 Minuten vom Flughafen ins Hotel nach Rhodos-Stadt. Hier wohnt die Hälfte der Insulaner – im Norden des knapp 90 Kilometer langen und 45 Kilometer breiten Eilands. Geschäftiges Treiben auf den Straßen, volle Taxistände, erleuchtete Geschäfte, Restaurants und Cafés sind gut besucht. Auf meine Frage nach der Krise antwortet Petras: “Auf Rhodos hat die Wirtschaftskrise nur wenige wirklich hart getroffen. Weder Tourismus noch Immobilienmarkt haben massive Einbrüche erlitten, als 2010 der Staatsbankrott ausgerufen wurde.”

“Ola kala!” Das heißt soviel wie “alles in Ordnung”. Ja wirklich?

Der Beweis: Mitten in der Rezession hat Petras ein Büro des Maklerunternehmens Engel & Völkers in Rhodos Stadt eröffnet und sich als Franchisenehmer finanziell ins Zeug gelegt. “Viele haben mich damals für verrückt erklärt”, erinnert sich Petras. 2012 kam dann die Regierungskrise, Neuwahlen, Unsicherheit. Keiner wollte Häuser kaufen. Heute klingelt sein Telefon Sturm. Ein Ehepaar aus Süddeutschland bezieht gerade ein Ferienhaus im Süden der Insel. Ein Möbeldesigner aus England hat im Januar eine Villa in Lindos für drei Millionen Euro gekauft. Die Geschäfte laufen gut im Frühjahr 2014. “Das liegt an den gesunden Strukturen auf der Insel”, erklärt Petras. Fast alle Hotels sind in Besitz von griechischen Familien, das heißt, das Geld bleibt hier und der Immobilienmarkt ist nicht durch Investment-Blasen wie in Spanien zerstört worden.

Im Hotel Mediterranean mit Strand- und Meerblick spricht man Griechisch, Englisch und Hebräisch. Zwischen vielen griechischen Gästen sitzen ein paar wetterfest gekleidete Deutsche neben einer Reihe israelischer Familiengesellschaften im Frühstücksraum. Draußen peitschen schäumend Wellen an den weißen Strand. Die israelischen Charterflieger sind die ersten, die im Frühjahr auf Rhodos landen. Dann kommen die Engländer und ab Ostern auch die Deutschen. Von allen großen Flughäfen kann man dann direkt auf die Insel fliegen. In vier Stunden ist man von Deutschland aus da.

Ein Sonnenaufgang weckt mich am ersten Morgen

Ein Sonnenaufgang wie von Helios geschaffen, weckt mich am ersten Morgen. Sieben Uhr – und im Meer plantschen…. Engländer. Sie schwimmen bei 16 Grad Wassertemperatur. Die Luft ist ähnlich warm und weich und würzig. So richtig zum tief einatmen.

Haus auf Rhodos für 50 Cent

Ein Haus auf Rhodos für 50 Cent

Mein erster Stadtrundgang führt mich zum Hafen. Hier soll der Koloss von Rhodos – eine 300 Meter hohe Bronzestatue in der Antike gestanden haben, bis ein Erdbeben das Abbild Helios’ straucheln lies. Historiker bezweifeln das inzwischen und vermuten den einstigen Standort der kolossalen Standbildes eher weiter oben in der Altstadt. Zwei viel zu kleine Hirsche, das Wahrzeichen der Insel, zieren heute auf zwei mächtigen Säulen die Hafeneinfahrt. Hier legen in der Saison die Kreuzfahrer an. Wenn man vom Mandraki-Hafen aus in die Altstadt (UNESCO Weltkulturerbe) geht, stößt man ziemlich schnell auf der rechten Seite auf die Ritterstraße. Im 14. und 15. Jahrhundert hatten die Ordensritter zu beiden Seiten der Gasse die Herbergen für die einzelnen Landsmannschaften. Mehrere der Häuser tragen noch die steinernen Wappen der Landsmannschaften und der verschiedenen Großmeister. In dieser Gasse befindet sich außerdem das Ordenshospital. Hinter dem zweiten Bogen, der die Gasse überspannt, endet die Ritterstraße und man befindet sich auf dem Kleoboulos-Platz. Zur rechten Seite befindet sich dann der Durchgang zum Großmeisterpalast. Dieses Gebäude wurde von den Italienern während der Besatzungszeit vollständig neu aufgebaut, da der ursprüngliche Bau aus dem 14. Jahrhundert einer gewaltigen Explosion im Jahre 1856 zum Opfer fiel (ein vergessenes Pulvermagazin flog in die Luft). Über 800 Menschen kamen dabei ums Leben. Die Außenmauern entsprechen noch dem mittelalterlichen Stil, innen wurde aber nicht viel Wert auf einen originalgetreuen Nachbau gelegt. Ein Besuch lohnt trotzdem, denn es gibt viele Bodenmosaike (hauptsächlich von der Insel Kos) zu bewundern.

Eine griechisch-orthodoxe Hochzeit empfängt mich auf dem Kirchenvorplatz

Der Palast ist in der Vorsaison geschlossen, aber die Großmeisterliche Kirche an der Strandpromenade ist offen. Lautes Hupen empfängt mich auf dem Kirchenvorplatz. Eine Hochzeit. Eine griechisch-orthodoxe Hochzeit. Das Gotteshaus hat alle Schleusen geöffnet und flutet seine Insassen mit Kronleuchtern, Ikonen, Gold, Brokat und funkelnden Gemälden. Ein Pater empfängt die Hochzeitsgesellschaft mit sakralen Gesängen und Gebeten. Mehr als 100 Menschen haben sich versammelt, um dem Spektakel beizuwohnen. Ein Kamerateam mit Licht und Mikrofon dokumentiert das Geschehen vor dem Altar. Nach einer knappen Stunde frage ich meinen Nachbarn im Gang, wie lange das wohl noch so geht. “Eine halbe Stunde brauchen die noch”, sagt mir der Freund des Bräutigams. Es sei heute nur die kleine Feier geplant für Familie und engste Freunde. Was machen die Griechen dann für die Maxi-Version?

Hochzeit auf Rhodos

Hochzeit auf Rhodos

Berauscht von der opulenten Andacht stärke ich mit im Koykos. Das heißt Kuckuck und ist der Name einer Taverne im Zentrum von Rhodos Stadt – ein Lokal das immer voll ist. Sogar in der Vorsaison. Traditionelle griechische Fleisch- und Fischgerichte sowie Gebäck und guter Kaffee sind die Spezialitäten des Restaurants, das nebenbei eine kleine Ausstellung der Telekommunikation zeigt. Steckverbindungen und alte mechanische Telefone zieren den Empfangsbereich. Draußen prangt eine überdimensionale Kuckucksuhr. “In den Bergen im Landesinneren der Insel ist es wie in Tirol”, sagte mir ein Griechenlandfan vor meiner Reise und ich lächelte damals nur ungläubig: “Klar, Tirol mitten in der Ägäis.” Doch tatsächlich eröffnet sich jenseits der kilometerlangen Strände ein Gebirge bis in die 1000er Grenze. Serpentinenstraßen führen zu urigen Ausflugslokalen und Gebirgsbäche plätschern eifrig. Sie versorgen Rhodos und zwei Nachbarinseln mit Trinkwasser.

Rhodos ist mit 1.400 Quadratmetern die viertgrößte Insel Griechenlands

Rhodos ist mit 1.400 Quadratmetern die viertgrößte Insel Griechenlands und Hauptinsel der griechischen Inselgruppe Dodekanes in der Südost-Ägäis. Nach der Volkszählung von 2011 hatte die Insel 115.490 Einwohner, davon fast die Hälfte in der Stadt Rhodos, dem Hauptort und touristischen Zentrum im Norden der Insel. Schätzungen zufolge kommen auf das Jahr verteilt zwei Millionen Touristen auf die Insel.

Anja Steinbuch auf Rhodos

Anja Steinbuch in Lahania

Die Landschaft von Rhodos ist insbesondere im Inneren sehr gebirgig. Die höchsten Erhebungen sind der Attavyros mit 1215 Meter über dem Meer sowie der Akramitis mit 825 Meter über dem Meer. Die bis an die Küsten reichenden Berge fallen meist steil zum Meer ab. Der Süd- und Nordteil der Insel sind deutlich flacher. Das Südende der Insel geht in die Halbinsel Prasonisi über.

Der nächste Tag führt mich gen Süden. Das Dorf Koskinou ist nur fünf Kilometer von Rhodos Stadt entfernt, liegt leicht erhöht und eröffnet einige malerische Blicke auf das Meer. Yiorgros Stavridis hat hier mit seiner holländischen Frau ein paar hübsche Stadthäuser saniert, restauriert und vermietet sie an Deutsche und Skandinavier. “Hauptsächlich Stammgäste kommen hierher und suchen Ruhe und die Geborgenheit in einem griechischen Dorf”, erzählt Stavridis. Seine Häuser sind für diesen Sommer bereits ausgebucht.

Über Faliraki dem so genannten Ballermann von Rhodos, der allerdings sehr gemäßigt scheint, geht es über Lardos, wo übrigens Hans.W Geisendörfer, der Erfinder der Fernsehserie Lindenstraße, seit 30 Jahren mit seiner Familie lebt, geht es über Lindos, die unverwechselbaren Schönheit an der Akropolis, über Pefkos und Vlicha, wo die Schönen und Reichen urlauben, nach Lahania. Hier haben sich viele deutsche Auswanderer niedergelassen. Viele Künstler leben hier. Maler schätzen das Licht, die Farben. Alles ist intensiver als auf dem Festland.

Mein Ziel ist ein Ort zu dem es keine Straßenschilder gibt, von wo aus man einen Blick über den ganzen Süden der Insel hat. Auch einen Namen hat dieser Ort noch nicht. Ein Ehepaar aus Süddeutschland hat das im traditionellen Stil errichtete Anwesen einer Engländerin abgekauft und pflanzt hier Olivenbäume. Ein echter Platz an der Sonne. Der Süden der Insel ist ein Surferparadies. Wind- und Kitesurfing ist hier Pflichtprogramm

Der Süden der Insel ist ein Surferparadies

Hafeneinfahrt von Rhodos. Hier soll der Koloss von Rhodos gestanden haben.

Mit dem Auto geht es zurück gen Norden nach Rhodos-Stadt. Eine Stunde Schnellstraße und ich stehe wieder vor der Stadtmauer. Im Ta Kioupia stärke ich mich am Kamin mit traditionellen Köstlichkeiten wie Lamm mit Oregano gegrillt und köstlichem Pitabrot und gutem Wein. Viel frischer Salat mit Oliven darf nicht fehlen.  Das Lokal wird in zweiter Generation geführt und ist ein echter Geheimtipp. Gäste sind meist Einheimische nur wenige Touristen finden die Menekleous Straße 22 im Herzen der Altstadt. Ein Wochenende auf Rhodos ist Urlaub für Geist und Sinne – für alle? Marianna Minou verkauft am Hafen Lebensmittel, Kräuter und Souvenirs. Wir kommen ins Gespräch. Sie hat drei Jobs. Ihr Mann hat das Geschäft von seinem Vater übernommen. Dann kam die Krise. Von ihrem Schulleiterinnengehalt konnte sie die Familie nicht mehr ernähren. Sie nahm Lehraufträge an der Uni an. Am Wochenende hilft sie ihrem Mann im Laden, damit er sich nachmittags hinlegen kann. Morgens früh ist er auf dem Großmarkt. Das hört sich anstrengend an. “Viele Geschäfte in der Stadt sind leer”, erzählt Minou. Das war vor der Krise anders. “Hohe Steuern und niedrige Löhne zwingen viele in die Knie.” Doch in Rhodos soll es wieder aufwärts gehen: Die Marina soll bald fertig werden, und Segler und Yachtbesitzer anlocken. Kreuzfahrer bringen schubweise Touristenscharen. Die Bürokratie, zum Beispiel, um ein Geschäft zu eröffnen, wurde abgebaut. Die Grunderwerbssteuer von zehn auf drei Prozent gesenkt. Das macht Immobilienkäufe günstiger.

Am Flughafen werden die Ryanair-Schilder in Position gebracht. Massentourismus ist für Rhodos keine Lösung, aber ein Weg, um eine Marke zu werden, ein Sehnsuchtsort mit Aroma wie Sylt, Mallorca, oder Tirol – von allem etwas.

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