Nicht ausgewandert, innerhalb Europas umgezogen

Vom Schwarzwald nach Irland

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Naturverbunden. Bodenständig. Ein Wiesentaler und ein echter Schwarzwälder eben. Und ein Journalist, der sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat. So könnte man Markus Bäuchle charakterisieren. In Schopfheim ist er aufgewachsen, hat bei der Lokalzeitung „Markgräfler Tagblatt“ volontiert, in Heidelberg studiert, Ende der 1980er auch eine Zeit lang die Kreisredaktion des Oberbadischen Verlagshauses Jaumann in Lörrach geleitet. Als Reisejournalist war er später viel unterwegs, hat seinen Wohnort oft gewechselt. Doch dann änderte sich sein Lebensplan.

Herbst 2016. Treffen mit Markus Bäuchle. Im Südwesten Irlands, im Städtchen Glengarriff in der Region Cork. Hier wohnt er, zusammen mit seiner Frau Eliane Zimmermann und zwei Söhnen. 1999 hat sich das Ehepaar entschlossen, den Lebensmittelpunkt zu wechseln. Von „Auswandern“ oder „Zelte abbrechen“ will Bäuchle in diesem Zusammenhang aber nichts hören. „Wir sind innerhalb Europas umgezogen. Das ist alles“, sagt der 57-Jährige. „Was kann ich tun, um die Arbeiten nicht mehr zu machen, die ich eigentlich nicht machen will? Und was, um nicht mehr soviel reisen zu müssen?“ Diese Fragen habe er sich damals gestellt – und die Antworten an diesem idyllischen Fleckchen Erde auf der grünen Insel gefunden. In der Zeit des New Economy hat er von Irland aus eine Online-Redaktion geleitet. Und dann war die Lust an journalistischen Aktivitäten plötzlich ganz weg. „Ich hatte einfach zu lange über die falschen Dinge geschrieben“, sagt er heute. Fast acht Jahre lang gönnte sich Markus Bäuchle eine Schreibpause – der Spaß kam schließlich mit einem eigenen Irland-Magazin zurück.

Auswandern in Europa - Markus Baeuchle - Brigitte Geiselhart - Reiseblog Breitengrad53-1

Wandern und Natur sind seine großen Leidenschaften: Markus Bäuchle auf der vor Glengarriff gelegenen Garinish Island – im Hintergrund sein „Hausberg“ Sugarloaf Mountain. (Fotos: Geiselhart)

Ich war immer auf der Suche nach der Natur

„Eigentlich bin ich ein echtes Landei geblieben. Und ich war immer auf der Suche nach der Natur“, wird Markus Bäuchle ein wenig nachdenklich. „Dort, wo ich als Kind im Wiesental gespielt habe, gibt’s heute Gewerbegebiete und eine Umgehungsstraße. Hier im Südwesten Irlands kann ich tagelang gehen, ohne zerstörerische Eingriffe in die Natur zu sehen. Vielleicht gefällt’s mir gerade deswegen hier so gut.“ Mittlerweile hat er seine „Wanderlust“ zu seinem Hauptberuf gemacht. Der gleichnamige Reiseveranstalter, den er mit seiner Frau vor einigen Jahren gegründet hat, läuft gut. Das Angebotsspektrum ist breit gefächert, sehr individuell gestaltet und reicht von klassischen Wanderferien über Besuche der Küsteninseln bis hin zu Touren durch die schönsten Gärten der Gegend. An diesem Morgen bringt das Ehepaar Bäuchle-Zimmermann sechs Touristen aus dem Frankenland die Schönheiten der vor Glengarriff gelegenen „Garinish Island“ – die wegen ihrer Blütenpracht und ihres fast subtropischen Klimas gerne auch mit der Bodenseeinsel Mainau verglichen wird – nahe. „Hi Markus, how are you“ heißt es beim freundschaftlichen Gespräch mit dem Kapitän der kleinen Fähre oder bei anderen Treffen mit Einheimischen. Man kennt sich, man versteht sich, man plaudert gerne miteinander. Dass Markus Bäuchle sich angenommen und integriert fühlt, daran lässt er keinen Zweifel. „Iren und Deutsche kommen in der Regel gut miteinander klar. Wir Deutschen neigen allerdings schon dazu, die Iren zu romantisieren“, sagt er. „Aber auch hier gibt es Probleme genug. Auch hier wird gehobelt, auch hier fallen Späne – nur wird manches halt etwas freundlicher verpackt.“

Der irische Winter steht vor der Tür. Es wird ruhig, sehr ruhig. Zeit, um die neue Saison gut vorzubereiten. Aber auch Zeit, um aufs Neue zu sich zu finden. „Ich liebe auch den irischen Winter – wenn es nicht gerade wie im vergangenen Jahr vier Monate lang regnet und stürmt“, sagt Markus Bäuchle schmunzelnd. Das mit der Einsamkeit könne freilich schon so eine Sache sein, gibt er gerne zu. Wenn man mit sich selber nicht auskomme, sei man verloren. Umso wertvoller sei eine gute Beziehung. Denn: „Es gibt kaum Abwechslung im Winter. Man kann sich nicht groß ausweichen.“ Mal Urlaub machen? Nicht nötig. „Ich rede mir seit 16 Jahren ein, dass ich hier im Urlaub bin“, sagt er. „Das ist frommer Selbstbetrug, aber es funktioniert.“

“Ich bin hier mehr daheim als zuhause”

„Heimat“ ist für Markus Bäuchle ein sehr komplexer Begriff. „Ich bin hier mehr daheim als zuhause“, umschreibt er die Tatsache, dass er in Glengarriff mit sich, seiner Familie und seiner Umwelt im Reinen ist. Mit „Black Pudding“ zum Frühstück kann er sich allerdings nicht anfreunden. Mit der ewigen Toast-Esserei auch nicht. Deswegen wird gutes Brot auch immer wieder mal selber gebacken. Sauerkrautsaft vermisst er übrigens – und auch guten deutschen Wein. Aber der Schwarzwald ist ja nicht aus der Welt und Schopfheim schon gar nicht. Die regelmäßigen Kontakte nach Deutschland und die Besuche bei seinen Eltern, seiner Schwester und seinen Freunden gehören für Markus Bäuchle zur Selbstverständlichkeit. Schließlich ist er ja nicht ausgewandert, sondern nur innerhalb Europas umgezogen.

Auswandern in Europa - Markus Baeuchle - Brigitte Geiselhart - Reiseblog Breitengrad53-3

„Eine gute Beziehung ist gerade in der Einsamkeit wertvoll.“ Markus Bäuchle mit seiner Ehefrau Eliane Zimmermann.

Vom Journalisten zum Reiseveranstalter

Markus Bäuchle ist in Schopfheim in der Nähe der deutsch-schweizerischen Grenze geboren und aufgewachsen. Nach seinem Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium schlug er eine journalistische Laufbahn ein. Er volontierte in den Redaktionen Schopfheim und Weil des Markgräfler Tagblatts und arbeitete während seines sozialwissenschaftlichen Studiums in Heidelberg als Freier Journalist. Danach arbeitete er in verantwortlicher Position für mehrere Zeitungen, unter anderem auch für Fachzeitschriften aus der Tourismus- und Finanzbranche. Anfang des neuen Jahrtausends zog er mit seiner Familie in den Südwesten Irlands um. Er gründete den Reiseveranstalter „Wanderlust“ und produziert zudem das Internet-Magazin Irlandnews.com mit Nachrichten und Tipps aus Irland (www.irlandnews.com). Im Sommer 2015 erschien die dritte Auflage seines Buches „Irland. Ein Länderporträt“. Zusammen mit seiner Frau Eliane Zimmermann veröffentlichte er im Jahr 2015 das Buch „111 Gründe, Irland zu lieben“. Markus Bäuchle ist 57 Jahre alt und hat drei Söhne.

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