Ich hab es schon wieder getan. Ich bin mit der Color Line zum zweiten Mal von Kiel mit der Fähre nach Oslo gefahren und wieder war es im Dezember. Neu war allerdings, dass mein großer Sohn Gustav (damals fast 5 Jahre alt) mit dabei war. Es war eine Reise voller Überraschungen für mich und mit viel Spaß für Gustav.

Fähre nach Oslo

Auf der Reise ging es mir um mehrere Dinge gleichzeitig: Reise mit der Fähre von Kiel nach Oslo auf Familientauglichkeit prüfen, Übernachtungsmöglichkeiten in der Stadt testen und vor allem mich und meinen Sohn auf Reisetauglichkeit testen. Also gleich drei Wünsche auf einmal…

Die Reise mit der Color Line ist relativ entspannend und für Kinder sicherlich ein Erlebnis. Gustav liebt Schiffe und für ihn war natürlich nichts spannender, wie endlich auf das Schiff zu kommen und alles zu entdecken. Das Boarding ist trotz des großen Schiffes schnell erledigt und so konnten wir unser Zimmer – leider nur mit Promenadenblick – weit vor der Abfahrt aus Kiel in Beschlag nehmen. Der erste Eindruck aus dem Bauch der „Color Fantasy“: Sieht aus wie eine große Shopping-Mal mit Geschäften und Restaurants. Zur Begrüßung spielt die Band im Pub am Eingang und irgendwie fühlt man sich gleich willkommen. Das bleibt auch so…

Wir haben Kiel gegen 14 Uhr verlassen, leider komplett verhüllt im Nebel und mit begleitendem Nebelhorn des Schiffes. Irgendwie ein mulmiges Gefühl, denn mir kommen sofort die Bilder von dem riesigen gekenterten Schiff in den Kopf. Die verfliegen aber auch so schnell wieder, wie der Nebel auf der offenen Ostsee und es trit langsam Entspannung ein. Bei mir vor allem. Gustav drängt schon lange darauf, endlich in das Schwimmbad des Bootes zu gehen. Also gut.

Jörg Baldin in Oslo_2
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Das Schwimmbad (Aqualand) ist recht nett, vor allem für Kinder. Mit einer großen Rutsche, einer kleinen Rutsche, einem Babybecken, einem Strömungskanal und zwei Whirlpool bin ich von der Ausstattung positiv überrascht. Den Preis von rund 8,50€ für eine Stunde pro Person halte ich dennoch etwas übertrieben, aber gut. Warum die Badezeit auch nur auf eine Stunde begrenzt ist, kann ich auch nicht richtig nachvollziehen, denn das Bad ist fast leer.

Nach einer Stunde sind wir dann ausgetobt und hungrig in die Pizzeria des Schiffes.
Buffet zu buchen war mir irgendwie zu teuer, denn Gustav isst maximal wie in großer Spatz und da Kinder ab 4 Jahren den vollen Preis (46,80€ Abendbrot im Weihnachtszeitraum und 16,50€ für das Frühstück) zahlen müssen hab ich die Pizzeria als Abendbrot vorgezogen. Das Thema Preise auf dem Schiff ist sowieso eine Sache für mich. Auch wenn Norwegen generell teurer ist, finde ich viele Dinge maßlos überteuert. 6,90€ für ein norwegisches Bier, 13€ für eine Pizza, die nicht besser schmeckt, als die Pizza von Wagner bei Aldi, einen Burger mit Pommes und Cola für über 20€ oder selbst ein kleiner Croissant zum Frühstück für 3,10€ hinterlassen bei mir doch einen bitteren Beigeschmack.

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Einen sehr positiven Eindruck bei uns hat allerdings das abendliche Showprogramm gemacht. Sowohl auf der Fahrt von Kiel nach Oslo (Musikmadley aus den 80iger Jahren) als auch zurück (70iger / 80iger Jahre-Musik) war das Programm richtig, richtig gut. Auch wenn auf der Rückfahrt die Gruppe mit dem Multi-Kulti-Programm etwas übertrieben hat. Warum der Sahne-Mix von Udo Jürgens (und ich mag den…) mit blauen Wuscheln auf dem Kopf und blauen Federn um die Hüften mit skandinavischem Akzent („Mit seck- und seckzich Jahren”) etwas ins lächerliche gezogen wird, entzieht sich meiner Kenntnis? Aber dennoch: Bisher das beste Programm eines Schiffes, Hotels etc., das ich bisher gesehen habe. Wenn dafür die überhöhte Preise genutzt werden, um die sehr gute Künstler zu buchen, ist das auch für mich ok.

Ansonsten gibt es für Kinder das Kids-Corner (ok bis 6 Jahre), Adventure Planet (eher für Teens), das Aqualand und das Teen’s Plaza (auch eher für Teens).

Oslo hat uns kalt erwischt. Allerdings habe ich damit auch gerechnet und so sind wir dick eingepackt zur nächsten S-Bahn-Station gegangen und in Richtung Hostel gefahren. Das Hostel „Anker Hostel“ liegt super zentral in der Nähe des Hauptbahnhofes und ist ein sehr einfaches Hostel, in deren Zimmer zwei Betten, ein Tisch, ein Schrank und eine kleine Küche vorhanden sind. Für unsere Zwecke vollkommen in Ordnung, sauber und auf alle Fälle weiter zu empfehlen, wenn man keinen Luxus braucht.

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Was absolut nicht in Ordnung war, war die Kooperation mit dem Frühstücksrestaurant “Azmar” nebenan.
Für 55 Kronen (etwa 8€) pro Person war das Frühstück eine absolute Frechheit. Keine Brötchen sondern trockenes Weißbrot in einer zerknüllten Bäckertüte, zwei weitere alte Bäckertüten, in denen nur noch die Reste von Broten lagen, kalter Kaffee, der auf meinen Wunsch kurz warmgemacht worden ist, zwei (!) Tetra-Paks Milch, aus denen die Milch nur noch rausbröckelte machten das Frühstückserlebnis spannend. Immerhin gab es eine Sorte Käse, Wurst und Marmelade. Ich bin allerdings mit Gustav schnell geflüchtet und hab in der Stadt gefrühstückt. Sorry Leute, aber das geht wirklich nicht!

Oslo selbst kann man super mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden. Doch im Winter ist die Stadt eher grau und vor allem dunkel, so dass bei mir nicht so unbedingt ein positives Gefühl aufkam. Wir sind zum „FRAM“-Museum gefahren und haben uns die FRAM angesehen. Das Schiff wurde bei den drei berühmten Polarexpeditionen von Fridtjof Nansen (1893-1896), Otto Sverdrup (1898-1902) und Roald Amundsen (1910-1912) eingesetzt und es ist absolut beeindruckend zu sehen, wie einfach damals Menschen gereist sind, um ein Ziel zu verfolgen.

Klar durfte auf unserem Besuch aus der Holmenkollen nicht fehlen. Als Skisprungfan ist der Besuch der relativ neuen Sprunganlage sehr spannend. Gustav hat allerdings mehr beeindruckt, dass eine Pistenraupe die Landezone in fast 90 Grad-Winkel nur an einem Seil hängend präpariert hat. Sehr geil… Auch den Berg Holmenkollbakken kann man ganz einfach mit der U-Bahn erreichen.

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Zwischendurch habe ich mich noch mit einer Bloggerfreundin aus Holland getroffen, die seit ein paar Monaten in Oslo wohnt. Claudia hat mir erzählt, dass sie für ihre 60qm-Wohnung in der Innenstadt knapp 2.000€ Miete zahlt (kalt). Ok, dass erklärt wahrscheinlich auch, warum irgendwie alles teurer ist in Oslo. Ich vermute mal, dass dort die Gehälter auch deutlich höher sind als bei uns in Deutschland. Wer soll sich das sonst leisten?

Leider reicht die Zeit nicht, Oslo intensiv zu erkunden. Mein Tipp: Lieber zwei Übernachtungen einplanen. Wer gerne ins Museum geht, dem empfehle ich die Oslo-Card. Hier sind die Fahrten mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln sowie fast alle Museumsbesuche im Preis inbegriffen.

Oslo im Winter mache ich nicht nochmal, Oslo im Sommer muss schön sein und so werde ich wohl nochmal im Sommer nach Oslo fahren und mir die Stadt im Sonnenschein, am Hafen mit tollen Cafés oder bei einem Bummel durch die Einkaufsstraßen anschauen. Ohne zu frieren…

Fazit meiner drei Wünsche der Reise:
1. Fähre ist nur bedingt Kleinkindtauglich und in vielen Dingen viel zu teuer. 2. „Anker Hostel“ in Oslo war vollkommen ok, Frühstück im angrenzenden Lokal der Horror. 3. Freue mich schon auf die nächste Tour mit Gustav, hat viel Spaß gemacht.

Hinweis: Ich wurde von Color Line und Hostelbookers Deutschland auf diese Reise eingeladen.

Titelbild: Fotolia.de #150829632 | Urheber: orpheus26