Kusadasi ist in ein Flaggenmeer von roten Fahnen mit weißem Halbmond und Stern getaucht. Am Nationalfeiertag, 29. Oktober, sind auch Plakate mit Bildern von Kemal Atatürk, dem Gründer der Republik, allgegenwärtig. Banken und Behörden sind geschlossen, die Geschäfte haben trotzdem geöffnet, denn Kusadasi ist auch zum Ende der Saison noch voller Touristen. Die Türkei ist eine Fundgrube für archäologische Kostbarkeiten. Griechen und Römer haben dort ihre Spuren hinterlassen. Die Hafenstadt Kusadasi ist ein Ausgangsort für Fahrten nach Ephesus und Aphrodisias.

3.500 antike Stätten lokalisiert – Mitnehmen verboten

Erol Sevgen (54) lebt für die Archäologie. Seit 28 Jahren führt der Philologe Touristen durch antike Stätten – und davon gibt es in der Türkei reichlich. „3.500 wurden bisher gefunden und zum Teil erforscht, 3.500 weitere sind noch nicht lokalisiert“, berichtet der Guide. Seine Begeisterung hat auch auf seine Tochter abgefärbt, die studiert Archäologie. „Die Türkei ist eine Fundgrube für archäologische Kostbarkeiten, aber es ist unter Strafe verboten, sie mitzunehmen“, betont der 54jährige. „Aphrodisias, das 3.000 vor Christus entstand, wurde von den Einheimischen ausgeraubt“, erzählt er. „Um diese und andere antike Stätten vor Hobbysammlern mit Detektoren zu schützen, streuen Archäologen dort tonnenweise Nägel aus“, hat Erol Sevgen von seiner Tochter erfahren.

Theater in Ephesus

Beindruckend: das Theater in Ephesus

Kusadasi: Ausgangsort für Kulturtouristen

Der Kurort Kusadasi ist neben Izmir einer der Hauptausgangspunkte zu den antiken Stätten, denn die größte Ausgrabungsstätte Ephesus liegt nur 20 Kilometer entfernt. Tourismus hat in Kusadasi, was auf Deutsch „Vogelinsel“ bedeutet, eine lange Tradition. Klares Wasser, 18 Kilometer Sandstrand bis nach Güzelcamli und ein kleiner Badestrand im Zentrum: Eingerahmt von Yachthafen und Kreuzfahrtterminal liegt eine der schönsten Buchten der türkischen Ägäis. Die 70.000-Einwohner-Stadt ist ein beliebtes Reiseziel für einheimische und ausländische Touristen.

Seit in Ephesus die ersten Ausgrabungen begannen, strömten auch die Kultur-Touristen. Durch den Zweiten Weltkrieg kam der Tourismus vorübergehend zum Erliegen. Erst in den 1960er Jahren besann man sich wieder darauf. Eine osmanische Prinzessin baute das „Kismet“-Hotel („Schicksal“-Hotel), eines der ältesten in Kusadasi. Es befindet sich oberhalb des Yachthafens und wird zurzeit renoviert. In den 1970er-Jahren machten Prominente wie Englands Prinzessin Margaret und US-Präsident Richard Nixon auf ihrem Weg nach Ephesus dort Station, während deren Staats-Yachten im Hafen pausierten.

Blick auf die Hadrians-Thermen

Blick auf die Hadrians-Thermen

Idyllischer Blick auf die Bucht

Die vorgelagerte Taubeninsel ist heute durch einen Damm mit dem Festland verbunden. Auf der Halbinsel thront eine renovierte genuesische Festung aus dem 14./15. Jahrhundert, in der sich ein kleines Museum befindet. Von dort hat man einen idyllischen Blick auf die Bucht von Kusadasi. Kleine Fischer- und Ausflugsboote reihen sich aneinander, Kreuzfahrtriesen spucken mehrmals wöchentlich ein paar tausend Touristen aus. An der von Palmen gesäumten Stadt-Promenade stehen tagtäglich Angler, die ihre Köder auswerfen. Im Zentrum gibt es viele kleine Cafe´s und Restaurants. „Einheimische und Touristen können dort ihren frisch gefangenen oder auf dem Fischmarkt gekauften Fisch gegen einen Obulus zu einer köstlichen Mahlzeit zubereiten lassen“, erzählt Erol Sevgen.

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Gut erhalten: das Stadion für fast 40.000 Zuschauer in Aphrodisias

Aphrodisias: Stadt der Göttin

Etwa 150 Kilometer entfernt, im Landesinneren, aber nicht weniger interessant als die ehemalige Hafenstadt Ephesus, befindet sich das antike Aphrodisias nahe der heutigen Stadt Geyre. Das wohl wichtigste Gebäude, der Tempel der Göttin Aphrodite, wurde im 1. Jahrhundert nach Christi im ionischen Stil errichtet. Noch heute stehen 14 Säulen, die einst das Tempeldach trugen.

Die Ausgrabungen dort hatten Anfang der 1960er-Jahre unter Leitung von Prof. Dr. Kenan T. Erim (1929-1990), der an der Universität von New York lehrte, begonnen. Als Anerkennung für seine Verdienste um die antike Stätte genehmigte die türkische Regierung Erims Beisetzung in einem Marmorgrab, nur einen Steinwurf vom Aphrodite-Tempel entfernt. 30 Jahre hatte sich Prof. Erim mit den Ausgrabungen von Aphrodisias und mit der Beschaffung von Geldern für das Projekt, das er selber als „Liebesaffäre mit Aphrodite“ bezeichnete, beschäftigt.

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Das Tetrapylon führte zum Aphrodite-Tempel: In Sichtweite befindet sich das Grab von Prof. Dr. Kenan T. Erim

Filigrane Steinmetzarbeiten

Besonders schön in Aphrodisias sind die filigranen Steinmetzarbeiten, Sarkophage und Statuen. „Künstler aus Pergamon, die dafür berühmt waren, die natürliche Haltung in Stein zu meißeln, waren 133 v. Christus nach Aphrodisias geflohen, weil sie nicht unter römischer Herrschaft stehen wollten. Ihr Wissen brachten sie mit und gründeten eine Schule“, berichtet Erol Sevgen. Doch Roms Machthunger war grenzenlos und hinterließ in späteren Jahrhunderten mit Hadrians-Bad, Sebasteion, Tetrapylon, großem Theater und Stadion für fast 40.000 Zuschauer auch in Aphrodisias seine beeindruckenden Spuren.

[toggle title=”Anreise”]

Von zahleichen Flughäfen in Deutschland gibt es Direktflüge nach Izmir. Der Transfer nach Kusadasi dauert ca. 45 Minuten. Preisbeispiel: Sieben Übernachtungen mit HP im Sentido Marina Suites (Adults Only-Hotel, vier Sterne), inklusive Flug, Zug zum Flug und Transfer gibt es bei Thomas Cook ab 427 Euro/pro Person.

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Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung von Thomas Cook und Neckermann Reisen.