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Das Markgrafen-Museum am Kaspar-Hauser-Platz: Es befindet sich in einem Teilstück der alten Stadtmauer.

Jedes Jahr weht Anfang Juli ein Hauch von Puder und Parfum durch die Stadt. Dann finden im Hofgarten die Rokoko-Festspiele statt. Der Markgräfliche Hofstaat erwacht zu neuem Leben mit Musik und Tanz. Ein zweiter Saison-Höhe-Punkt in Ansbach sind die Kaspar-Hauser-Festspiele.

Ansbach – Am Eingang zum weitläufigen Hofgarten wartet schon die Markgräfin Friederike Luise von Brandenburg-Ansbach (1714-1784), die kleine Schwester von Friedrich dem Großen, in einem entzückenden grünen Taftkleid, das mit Goldfäden bestickt ist, auf uns. Im bürgerlichen Leben heißt unsere charmante Begleitung, die uns durch Hofgarten und Orangerie führen wird, Renate Weinmann und tanzt Rokoko.

Aufwändige Kreationen

„Sieben Meter Stoff sind in diesem Kostüm verarbeitet, 100 Stunden Handarbeit stecken in der feinen Stickerei“, erzählt sie. Der 300. Geburtstag der Markgräfin wird in Ansbach das ganze Jahr über gefeiert. Vom 4. bis 8. Juli wird auch in diesem Jahr wieder mit den „Ansbacher Rokoko-Festspielen“ der große markgräfliche Hofstaat in der imposanten Kulisse von Orangerie und Hofgarten mit festlichen Kostümen, Konzerten und Feuerwerk zu neuem Leben erweckt.

Ansbach gilt als die „Stadt des fränkischen Rokoko“ schlechthin. Italienische Baumeister wie Gabriel de Gabrieli und Leopoldo Retty haben die verspielte Architektur der Stadt geprägt. Die historische Altstadt blieb im Zweiten Weltkrieg verschont, allerdings gingen auf Orangerie, Hof- und Fuchsgarten etliche Bomben nieder.

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Gräfin Friederike Luise von Brandenburg-Ansbach gibt sich die Ehre: Im Hintergrund die Orangerie.

Alraune – Zauberpflanze des Mittelalters

Die Anfänge des Gartens reichen ins 16. Jahrhundert zurück. Der Hofgarten wurde schon von Leonart Fuchs (1501-1566) erwähnt, der sechs Jahre als Leibarzt für den Markgrafen Georg von Brandenburg-Ansbach (1484-1543) tätig war. Fuchs gilt als einer der „Väter der Botanik“, nach ihm wurde auch die Fuchsie benannt. In seiner Ansbacher Zeit begann Fuchs, sein berühmtes Kräuterbuch „Historia Stirpium commentarii insignes“(deutsche Ausgabe: New Kreüterbuch;1543) zu schreiben. Es zählt zu den klassischen Werken der botanischen Literatur. Etliche der 500 von Fuchs beschriebenen Heilpflanzen sind in der Neuanlage des Fuchs-Gartens, einem ehemaligen Rosengarten, der an einen mittelalterlichen Klostergarten erinnert, zu sehen. Dazu gehört auch die Alraune, die klassische Zauberpflanze des Altertums, die Betriebsleiterin Silvia Grabs uns zeigt.

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Der Leonhart-Fuchs-Garten: Fuchs war Leibarzt und Botaniker. Er ist der Namensgeber der „Fuchsie“.

Doppelte Lindenallee und Orangerie

Mittelpunkt des barocken Hofgartens ist die 102 Meter lange Orangerie. Im 18. Jahrhundert wurde der Hofgarten nach französischem Gartenideal neu gestaltet. Markgräfin Christiane Charlotte (1694-1729) hat mit der 1724 angelegten doppelten Lindenallee, auch „Lindendom“ genannt, seine Grundstruktur bis zum heutigen Tag vorgegeben. Auch eine vorübergehende Umgestaltung zum englischen Landschaftsgarten hat er durch Rückbau gut überstanden.

In den 1950er Jahren wurde die im zweiten Weltkrieg beschädigte Orangerie wieder aufgebaut. Heute befinden sich Tagungs- und Konzertsäle sowie ein Restaurant mit exzellenter Küche in dem stimmungsvollen Gartenschloss. Das mit Blumen bepflanzte Rasenparterre vermittelt einen Eindruck davon, wie die prächtige Anlage im 18. Jahrhundert gewirkt haben muss. Die Frühjahrs- und Sommerbepflanzung erfolgt noch heute in Anlehnung an barocke Musterbücher.

300 Pflanzen in „Versailler Kübeln“

Bereits in Zeiten des Barock war der Ansbacher Hofgarten berühmt für seine 180 großen Kübelpflanzen, darunter Citrus-, Orangen- und Olivenbäumchen. Zwei Wochen dauert es jedes Jahr, bis Mitte Mai alle 300 Pflanzen in „Versailler Kübeln“ ausgeräumt und vor der Orangerie platziert sind. Eine Gärtnerin ist ganzjährig nur für ihre Pflege abgestellt. Das 2002 erbaute neue Citrus-Haus wird den Sommer über für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt.

Kaspar-Hauser-Denkmal

Über Ansbachs Gartenzauber sollten seine berühmten Söhne nicht vergessen werden. In der Stadt und im Hofgarten steht ein Denkmal für Kaspar Hauser – das vermutlich adlige Findelkind, das 1828 aus dem Nichts in Nürnberg auftauchte und 1833 als ehrbarer Bürger im Ansbacher Hofgarten niedergestochen wurde. Ansbach ist auch Geburtsstadt des Dichters Friedrich Wilhelm Güll (1812-1879), dessen Reime wie „Gefroren hat es heuer…“ und „Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen…“ viele Menschen in Ihrer Kindheit begleitet haben. Nicht weniger berühmt ist das Hermanns-Denkmal im Teutoburger Wald, das vom gebürtigen Ansbacher Ernst von Bandel (1800-1876) erbaut wurde.

Hinweis: Die Autorin wurde von Franken-Tourismus auf diese Reise eingeladen.

[tabs slidertype=”top tabs”] [tabcontainer] [tabtext]Anreise[/tabtext] [tabtext]Sehenswürdigkeiten[/tabtext] [tabtext]Gastro-Tipps[/tabtext] [tabtext]Weitere Infos[/tabtext] [/tabcontainer] [tabcontent] [tab]Mit der Bahn oder dem Auto. Ansbach liegt ca.100 Kilometer südlich von Würzburg an der B 13.[/tab] [tab]Markgräfliche Residenz mit 27 Prunkräumen

– Markgrafen-Museum am Kaspar-Hauser-Platz mit umfangreichen Sammlungen zur Markgrafenzeit und einer spannenden Kaspar-Hauser-Abteilung sowie Kaspar Hausers Wohnhaus

– St. Gumbertus-Kirche mit der größten rekonstruierten Barockorgel Frankens, Schwanenritterkapelle der Spätgotik und Fürstengruft mit 26 Sarkophagen des 17. und 18. Jahrhunderts.[/tab] [tab]Fränkische Bratwurststube im Hotel Bürgerpalais, Neustadt 48

Orangerie im Hofgarten

Stegmeier frümittagundabend, Pfarrstraße 9

Green § Bean, Reitbahn 1: In der Pfarrstraße 6 befindet sich die Kaffeeschule Green § Bean von Thomas Schweiger, Deutscher Barista-Meister von 2010 und 2012.[/tab] [tab]www.ansbach.de

www.hotel-buerger-palais.de

www.greenandbean.de

www.orangerie-ansbach.de[/tab] [/tabcontent] [/tabs]