Wer den Mekong, die „Mutter aller Wasser“, noch in seiner wilden Form erleben will, muss sich beeilen. Ist der Staudamm für das Xayaburi-Kraftwerk zwischen Luang Prabang und der Hauptstadt Vientiane erst einmal fertig, ist nichts mehr wie es war. Ich war mit der „Mekong Island“ im Süden des Landes auf Asiens Lebensader unterwegs.

Reisbauern bei der Arbeit - Laos

Reisbauern bei der Arbeit: Noch sind die Felder durch regelmäßige Überschwemmungen fruchtbar.

1.260 Megawatt Strom für das Nachbarland Thailand soll das Wasserkraftwerk, das ein Pilotprojekt ist, voraussichtlich ab 2019 erzeugen. Insgesamt elf Staudämme sind auf dem Mekong-Unterlauf geplant. Die Menschen in Laos, Kambodscha und Vietnam fürchten um den Fischfang und ihre Felder, die bislang durch regelmäßige Überschwemmungen sehr fruchtbar waren. Ganze Dörfer wurden für das Großprojekt bereits umgesiedelt.

Asiens Lebensader durch Staudämme bedroht

Umweltschützer und Anrainer-Staaten protestieren seit Jahren gegen die Pläne der laotischen Regierung in Vientiane, weil die Dämme verheerende Folgen für das Ökosystem haben können. Ob die Fische mit Hilfe von Fischtreppen ihre Laichplätze finden werden, kann niemand garantieren. Dabei sind Fischfang und Aquakultur am Mekong-Unterlauf  die wichtigste Nahrungsquelle für 60 Millionen Menschen.

Noch immer ist eine Reise auf dem Mekong eine Pionierfahrt und ein Stück Abenteuer. Der längste Strom Asiens ist nicht vermessen und der Wasserstand kann von einem Tag zum anderen um bis zu zwei Meter variieren. Vor allem, wenn die Chinesen am Oberlauf  des Mekong ihre Staudämme nach eigenem Gusto öffnen oder schließen.

Kapitaen Si Keo auf dem Mekong

Kapitän Si Keo „liest“ die Wasseroberfläche des Mekong.

Fahrt in Schlangenlinien

Kapitän Si Keo fährt Schlangenlinien auf dem Mekong, von einem Ufer zum anderen, aber er ist nicht betrunken – im Gegenteil! Der 53jährige und der zweite Kapitän der „Mekong Islands“, Thon Phan, blicken hochkonzentriert auf die Wasseroberfläche, sie „lesen“ das Wasser. Die erfahrenen Männer haben jahrzehntelang große Reisfrachter über die laotische Lebensader gesteuert, bevor sie vor einigen Jahren auf  das Flusskreuzfahrtschiff „Mekong Islands“  kamen, um Touristen auf komfortable Weise mit dem Boutique-Schiff des deutschen Reise-Veranstalters „Lernidee“ durch die einzigartige, unberührte Naturwelt in Laos‘ Süden zu schippern.

Besonders zum Ende der Trockenzeit im März/April sind die Kapitäne stark gefordert,  denn dann schauen hunderte Felskuppen  aus dem Wasser. Gefährlicher aber sind die, die ähnlich einem Eisberg nicht zu sehen sind. Doch die beiden Männer kennen den größten Strom Südostasiens  mit seinen Strudeln wie ihre Westentasche.

Buntes Treiben in den Markthallen von Pakse

Buntes Treiben in den Markthallen von Pakse.

Land der eine Million Elefanten

Wir sind in der Provinzhauptstadt Pakse an Bord gegangen und  flussabwärts in Richtung 4000 Inseln unterwegs. Der Weg auf dem Wasser ist in Lane Xang, dem „Land der eine Million Elefanten“ wie Laos bis 1975 hieß, der bequemste, um die Demokratische Volksrepublik zu erkunden. Zwar gibt es die Nationalstraße 13, die von der südchinesischen  Grenze bis nach Kambodscha führt, doch die ähnelt oft einer Schotterpiste. 300 Kilometer in zehn Stunden sind normal. Autofahren ist gefährlich, und Busse sind nicht zuverlässig. Eine Eisenbahn gibt es nicht.

Erstes Ziel unserer Entdeckungsreise in Richtung Süden ist Champasak, früher Sitz der Könige. Nach einem ausgiebigen Frühstück an Deck der „Mekong Islands“, die für sechs Tage unser Zuhause ist,  warten dort zwei große Tuk Tuks, um uns zu den Ruinen des Wat Phu zu bringen (Wat = Tempel).

Tempelanlage Wat Phu

Ein Erbe der Khmer aus dem 8. bis 13. Jahrhundert: Die Tempelanlage Wat Phu wurde als Shiva-Heiligtum gebaut, die Buddha-Figuren kamen erst später dazu.

Schon von weitem ist der 1200 Meter hohe Lingaparvat-Berg zu sehen. Die Tempelanlage am Fuße der Erhebung ist ein Relikt des großen Khmer-Reiches, aus dem 8. bis 13. Jahrhundert und älter als die in Angkor. Seit 2001 gehört die ursprünglich als Shiva-Heiligtum gebaute Anlage zum Weltkulturerbe der Unesco. Die Buddha-Figuren sind erst in späteren Zeiten hinzugekommen.

Am Ende eines Prozessionsweges führt  eine steile  Sandsteintreppe mit über 100 Stufen hinauf in ein kleines Hauptheiligtum. Schöne hinduistische Reliefarbeiten mit den berühmten Khmer-Apsaras (himmlische Tänzerinnen) und mythologischen Darstellungen machen die Anstrengungen des   Aufstiegs schnell vergessen.

Wasserfall Laos Mekong

Die Khon-Wasserfälle sind die wasserreichsten Asiens: Die Expedition der Franzosen scheiterte dort.

Kolonialherren scheitern an Wasserfällen

Am nächsten Morgen fahren wir mit der „Mekong Islands“ weiter Richtung kambodschanische Grenze. Schon bald ist der Wasserstand so niedrig, dass wir auf zwei kleine traditionelle laotische Boote umsteigen müssen, um ins Herz der 4000 Inseln zu gelangen, dort wo der Mekong 14 Kilometer breit wird. Zwei davon besichtigen wir: Don Khone und Don Det.

Auf Don Khone erinnern die Eisenbahnbrücke und die dazu gehörende verrostete Lokomotive an die Mekong-Expedition der französischen Kolonialherren (1866-1868). Eigentlich hatten die Franzosen den Mekong als Transportweg von Südchina bis zum Delta in Vietnam nutzen wollen, doch an den tosenden Wasserfällen Li Phi und Khone Pha Phaeng zerplatzten ihre Träume wie Luftballons. Der Versuch, Schiffe per Eisenbahn über Land zu transportieren, scheiterte ebenfalls.

Die Wasserfälle verhindern auch unsere Weiterfahrt, wir müssen zurück. Mit dem Tuk Tuk fahren wir zum Elefantencamp in Kiet Ngong, einem Dorf der Tieflandlaoten. Die Bewohner feiern gerade ein Richtfest, und mit diesem unvergleichlichen  laotischen Lächeln laden sie uns zum Mitfeiern, Tanzen und Trinken ein. Lao-Lao heißt das  Nationalgetränk, ein Reisschnaps, echt lecker!

Zum Barbecue am Abschiedsabend legt Kapitän Si Keo mit der „Mekong Islands“ an einer Sandbank an. Ein friedliches Postkarten-Idyll: Die knallrote Sonne versinkt hinter den Bäumen, während die Fischer auf dem Fluss ihre Netze einholen. Noch scheint die Welt in Ordnung zu sein …

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Hinweis: Diese Reise wurde unterstützt von „Lernidee“.