Pages Navigation Menu
Tag 5 - Der kometenhafte Aufstieg der 7 Reiseblogger-Musketiere

Der Aufstieg der 7 “Musketiere” – Eine Glosse

Tag 5 - Der kometenhafte Aufstieg der 7 Reiseblogger-Musketiere Genial, super, atemberaubend, phänomenal – ich kann es gar nicht in eigene Worte fassen, was gestern passiert ist. Es gibt sie doch noch, die – in diesem Fall sieben – barmherzigen Samariter. Wie “Phönix aus der Asche” sind sie auferstanden, die besten und erfolgreichsten Reiseblogger Deutschlands, und haben eine Mission: gemeinsame Interessen vertreten und sich für Standards in der Zusammenarbeit zwischen touristischen Unternehmen und Bloggern einsetzen. Geil!

Ja, ehrlich. Ich finde es wirklich gut, wenn sich so erfolgreiche Blogger zusammentun und sich für die Gemeinschaft einsetzen, die Standards in die ahnungslose Bloggerwelt quasi wie Missionare tragen. Geil! Standards, welche Standards? Egal! Ehrlich, ich verstehe auch die ganze Aufregung in der Welt der Reiseblogger gar nicht richtig. Ist doch super, wenn sich die besten, erfolgreichsten, intelligentesten, einflussreichsten sieben Musketiere uns „Hupen“ mal zeigen, wie der Hase wirklich läuft. Ich finde da kann sich doch jeder von uns mal eine Scheibe von abschneiden, oder? Und im Gepäck hat das Kollektiv jetzt eine Million deutsche Reiseblogger, die nur darauf warten, endlich etwas von dem Käse abzubekommen, den die glorreichen 7 auf der Roadshow mit den PR-Agenturen und/oder Journalisten bei einer Tasse Kaffee (sorry, wird wohl jetzt Champagner) für alle Reiseblogger in Deutschland aushandeln. Geil! Reiseblogger-Deutschland jubelt, PR-Agenturen jubeln! Geil! Nein? Doch nicht?

Komisch, wir haben doch in den letzten Tagen so viel von Gemeinschaft, Vereinigung, Zusammenarbeit gelesen, da liegt es doch wohl auf der Hand, dass sich jetzt gerade die, die ohnehin schon besser sind als die anderen, ans Steuer setzen und das Schiff in den sicheren Hafen lenken. Ich frage mich nur, warum freuen sich nicht alle? Warum findet Thomas von Kusafiri.at zum Beispiel, dass es nun Zeit wird, gegen den Strom zu schwimmen? Warum werden in der Reiseblogger-Community Stimmen laut, weil sich viele übergangen fühlen und sich einige die Frage stellen, woher die 7 denn wissen, dass sie die derzeit besten Reiseblogger in Deutschland sind? Warum schreibt eine Marianne V. in einem Kommentar eines Artikels: „Die Frage mit welcher Berechtigung dieses Konstrukt nun für eine ganze Szene sprechen will, sollten sich andere Reiseblogger vielleicht auch mal stellen. Ist das überhaupt eure Meinung, wenn plötzlich ein Reiseblogger KOLLEKTIV zumindest gefühlt mit 7 Hansels eine Branche vertritt und sich diese Rolle auch selbst auf die Fahnen schreibt..“ Warum zum Teufel sind alle nur so undankbar? Ich verstehe die ganze Welt nicht mehr?

Dabei sieht doch alles richtig gut geplant aus. Gestern wurde mit einem Knall das Geheimnis gelüftet, parallel dazu erfolgreich ein Interview im Internet veröffentlicht (“Es handelt sich um die beste News des Jahres in der deutschen Reisebloggerszene”), die Fan-Base mobilisiert, kritischen Artikeln wurde mit knallharten Antworten der Zahn gezogen. Angelika schreibt als Antwort in den Kommentaren zum Beispiel „Ein gesponserter Post muss zum Beispiel klar gekennzeichnet werden – das ist den Lesern gegenüber fair. Allen anderen Kooperationen liegt – laut unseren eigenen Statuten – eine klare Kommunikation zugrunde. Unterstützungen müssen zum Beispiel deutlich genannt werden, aber UNSERE MEINUNG bleibt UNSERE MEINUNG. Das wird mit der Industrie deutlich besprochen.“ Yvonne ergänzt: „Wir haben gemeinsam bestimmte Richtlinien und Statuten ausgearbeitet und würde uns freuen, wenn unsere Aktivitäten (ganz im Sinne Immanuel Kants), eine Grundlage schaffen, an der sich sowohl andere Blogger als auch die Reiseindustrie orientieren können und die damit vielleicht allgemeingültiger werden können.“ Schade, dass diese Richtlinien und Statuten bisher nirgends zu finden sind. Ich meine auch irgendwo gelesen zu haben, dass diese Richtlinien oder Standards jetzt oder doch erst noch basisdemokratisch von allen anderen professionellen Reisebloggern festgelegt werden sollen oder  “keineswegs wollen wir Standards allein setzen”. Höre ich da schon die ersten Unstimmigkeiten im großen Kollektiv?

Ein weiterer Punkt ist das Thema Vermarktung. Auf der Webseite des Kollektivs steht: Das Reiseblogger Kollektiv strebt vor allem partnerschaftliche und langfristige Kooperationen mit der Tourismus-Industrie an, wird künftig aber auch interne oder externe Workshops in Sachen Social Media und Blogging anbieten. Zudem ist eine Roadshow geplant, um das Reiseblogger Kollektiv der Industrie persönlich vorzustellen. Zu den meisten großen Unternehmen im Tourismus-Sektor besteht allerdings bereits intensiver Kontakt. Erster öffentlicher Auftritt der Blogger wird auf der Buchmesse 2012 in Frankfurt im Herbst sein.“ Dazu schreibt Marianne:Nach dem Motto “Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen” soll nun endlich Geld in die leeren Kassen. Nicht umsonst sollen ehemalige (gut situierte) Berufe aufgegeben worden sein, um nun für ein paar Gratisreisen immerhin den gesellschaftlichen Neid als Lohn zu ernsten: Oh wow, REISEBLOGGER, das ist ja cool! Ob man in dieser Konstellation allerdings so offen um Werbeinhalte (sogar Bannerwerbung) buhlt, ist zumindest zweifelhaft. Die steuerrechtliche Komponente des Verbunds mal ganz außer Acht gelassen, widerstrebt der Kooperationstext in so ziemlich allen Belangen journalistischen Grundsätzen – dabei geben Sie doch vor genau das zu sein: Journalisten.“ Hm, Mensch Marianne, hast Du denn immer noch nicht begriffen, dass es hier ausschließlich um das große Ganze geht?

/// Glosse* zu Ende

Elke hat es dann letztlich in einem Kommentar auf den Punkt gebracht: Glückwunsch also zum Vermarktungskollektiv, das bitte nicht als Sprachrohr der Reiseblogger gesehen werden sollte.“ Und so sehe ich das auch und wünsche allen 7 damit wirklich von ganzem Herzen viel Erfolg!

Also, liebes Tagebuch, ich gehe jetzt eine Woche in den Urlaub, die letzten Tage haben mich wirklich geschafft.

P.S.: *Glosse: ein kurzer und pointierter, oft satirischer oder polemischer, journalistischer Meinungsbeitrag.

 

 

Die Beiträge könnten Dich auch interessieren:

The following two tabs change content below.
Jörg Baldin
Als Reisejournalist und Reiseblogger ist Jörg überall in der Welt zu Hause, sein Herz hängt allerdings an der schönen Ostsee in Deutschland. Im Reisegepäck sind immer Foto- und Videokamera dabei, um die schönsten Orte und Länder festzuhalten.

2 Kommentare

  1. Jörg, Jörg, Jörg,

    Du hast mich schwer ent-… begeistert! ;)

    Eben gerade dachte ich beim Lesen Deiner Überschrift: Ohmann, jetzt isses soweit, die "Deutschen Reiseblogger" schreiben nur noch in Metaebene über das Bloggen und Bloggercontent und (Achtung: Seitenknuff) über irgendwelche Rankings der Top 100 Reiseblogs etc.

    Nachdem ich gestern echt genervt war und mir vorgenommen hatte, diesen Mist einfach nicht mehr zu lesen, dachte ich eben, gut, les ichs beim Jörg doch nochmal, denn der trennt wenigstens seinen eigentlichen Content von diesem Metamist als "Tagebuch eines Bloggers".

    Jetzt kann ich nur ganzganz laut rufen: JA! DANKE! EXAKT!

    Mehr ist dem nicht hinzuzufügen.

    Achso, und gut geschrieben isses auch noch. ;)

    Und jetzt hätte ich gerne außer hübsche Reiseberichte nichts mehr von diesem ganzen Quatsch gelesen, der leider für mich so gar nichts mit der Bloggeridee und auch nix mit Reisen zu tun hat. In Reisebüros oder Marketingabteilungen mit Hochglanzmagazinen kann ich woanders gehen. (Vermutlich kann ichs dann doch wieder nicht lassen: Ich LIEBE Metaebenen, aber das ist irgendwie ne andere Geschichte…;)

    Beste Grüße,

    inka

Trackbacks/Pingbacks

  1. Wochenrückblick 34/2012 | Kristine Honig - [...] Reiseblogger schließen sich zum Reiseblogger Kollektiv zusammen. Im Interview, in Tweets und in Blogbeiträgen kommt die Frage auf, ob das Team denn nur …

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>