Sissi reloaded meets Bohemian Flair…

Sissi reloaded meets Bohemian Flair…

Man kombiniere Wien mit Bratislava, heraus kommt ein unvergesslicher Kurztrip, den ich dringend zum Nachahmen empfehle. Gleich zwei Städte an nur einem Wochenende? Dank modernster Verkehrsmittel ist das völlig entspannt zu bewältigen. Zwei Tage die österreichische Metropole Wien auf Kaiserin Sisis Spuren entdecken- und danach in 70 Minuten im Highspeed auf der Donau mit dem „Twin City Liner“, für eine weitere Nacht den Hauch vergangener Zeiten in der slowakischen Hauptstadt Bratislava einatmen. Gerade mal 70 km liegen zwischen den „Schwesternstädten“, doch für mich sind es gefühlte Welten.

Schloss Belvedere in Wien

Das Schloss Belvedere in Wien wurde von 1668 bis 1745 erbaut.

Wien, die alte Kaiserstadt, wirbt schon bei der Anfahrt durch die Peripherie etwas schräg und bestätigt auf Anhieb mein Klischeebild, dass die Wiener doch ein bisschen anders sind. Große Reklametafeln auf dem Weg vom Flughafen in die City weisen darauf hin, dass die Stadt 1,7 Millionen Hirne hat, ebenso viele, wie Einwohner gezählt sind. Das muss wohl mal gesagt werden. Der Wiener scheint stolz auf sein Hirn – zu Recht, denn schaut man sich die Liste berühmter Stadtsöhne an, so ist zu lesen, dass die Stadt im Laufe der vergangenen Jahrhunderte, erstaunlich viele Dichter, Denker und Visionäre hervorgebracht hat. Großhirne sozusagen. Ob ehrwürdige Komponisten wie Johann Strauß und Franz Schubert, die Maler Schindler und Klimt, der unvergessliche Falco oder der Autor Stefan Zweig, sie alle sind weit über die Grenzen ihrer Heimat bekannt geworden.

Auch die Architekten vergangener Epochen waren mit ihren Bauten echte Visionäre und haben heute noch meine höchste Anerkennung verdient. Die breiten Alleen der Altstadt sind von herrschaftlichen Palästen gesäumt, ehemalige Wohnhäuser der oberen Zehntausend, muten wie Schlösser an. Die Prachtboulevards, wie die legendäre Ringstraße, haben sich heraus geputzt. Mit ihrer imposanten Architektur kann die österreichische Hauptstadt locker mit Madrid, London und Paris mithalten. Kaiserzeit und 21. Jahrhundert treffen aufeinander. Hinter uralten Gemäuern befinden sich heute Clubs, stylishe Boutiquen, Restaurants, Bars und Designhotels. Den Wienern gelingt mühelos der Spagat zwischen Tradition und Moderne. Trotz aller Veränderungen bleiben sie immer Originale, die eines verbindet: Sie alle lieben den ganz großen Auftritt. Sisi reloaded sozusagen, denn der Wiener an sich vergöttert die kaiserliche Vergangenheit seiner Stadt, Sisi und Kaiser Franz Joseph sind allgegenwärtig.

Wien wirkt im ersten Moment wie ein Freiluftmusem

Im ersten Moment wirkt Wien, wie ein gigantisches, nostalgisches Freiluftmuseum. In den kleinen Gassen rund um den Stephansdom und der Hofburg, in der heute u.a. das Sisi-Museum untergebracht ist, weht der Hauch der alten Zeit. Das „Sisi Museum“ ist ein „Must“. Es hat erstaunlich wenig Zuckerbäcker-Guss und zeigt eher die verletzliche, tiefsinnige und freigeistige Kaiserin, die mit ihrer extremen Individualität und Abenteuerlust, so eine Art historische Pippi Langstrumpf hätte sein können. Draußen fahren die Pferdekutschen, die „Fiaker“ über das holperige Kopfsteinpflaster. Heute steigen eher gut betuchte Touristen in den Wagen, denn eine 30-minütige Fahrt kostet ab 80 Euro aufwärts. Ich bevorzuge es, meine Sneakers anzuziehen und die Stadt zu Fuß zu entdecken. Mein Domizil, das „Lindner Hotel Belvedere“, liegt direkt am Schloss Belvedere.

Sissi in Wien

Elisabeth Amalie Eugenie, besser bekannt als Sissi, war von 1854 bis 1898 Kaiserin von Österreich.

Um gleich morgens sportlich in den Tag zu starten, lockt der Schlosspark. Bei schlechtem Wetter bietet sich aus dem Fitnesscenter des Hotels im 7. Stock, ein fantastischer Blick auf Wien. Vom modernen 4-Sterne-Hotel komme ich in nur zehn Gehminuten zur Einkaufsmeile Kärntner Straße, in 20 Minuten bin ich an der Hofburg, in der gleichen Zeit gelange ich auch zum Stephansdom oder zum Naschmarkt. Der tägliche Open-Air-Markt, verwöhnt alle Sinne. In den liebevoll dekorierten Auslagen stapeln sich Berge von Obst-, Gemüse- und Delikatessen. Es herrscht Basaratmosphäre. Man kann den ganzen Tag damit verbringen, sich durch die Köstlichkeiten zu naschen. Kalorien zählen sollte man tunlichst vermeiden, denn in Wien locken überall sündige Leckereien. Im „Demel“, der Hofzuckerbäckerei am Kohlmarkt, zergeht die „Sachertorte“ auf der Zunge. Unter riesigen Lüstern tummelt sich im barocken Ambiente ein internationales Publikum. Man befindet sich in bester Gesellschaft. Schon Kaiserin Sisi war süchtig nach den handgemachten Veilchen-Pastillen, Schauspieler Nicholas Cage schwört auf die Mohntorte.

Modischer Sisi-Kult (unbedingt in der Boutique „Sisi Vienna“ in der Annagasse 6 vorbei schauen), Opernball, Kaffeehäuser – all‘ das gehört zu der modernen Großstadt dazu, genau so, wie die besten Elektromusik-Clubs Europas (z.B. das „On Market“ in der Linken Wienzeile 36) oder die Heurigen, gemütliche Weinlokale, in denen man mit den Einheimischen schnell ins Gespräch kommt (mein Tipp: der „Reinprecht“ im Herzen von Grinzing).

Kaffeehäuser als erweitertes Wohnzimmer

Apropos Kaffeehäuser. Die legendären Begegnungsstätten, sind das erweiterte Wohnzimmer der Einheimischen und wunderbare Spots, um das typische Wiener Leben zu studieren. Das „Cafe Sperl“ (Gumpendorfer Str. 15), das „Cafe Central“ (Herrengasse 14) oder das Literatencafe „Hawelka“ (Dorotheergasse 6) sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Ihre traditionelle Melange aus Kaffee, Topfenstrudel, Zeitungen und Thonet-Stühlen, zählt mittlerweile sogar zum immateriellen UNESCO Weltkulturerbe.

Café Central in Wien

Das Café Central in Wien wurde 1876 eröffnet und eröffnet den Besuchern im Inneraum einen herrlichen Blick auf die alte Kaffeehaustradition. (Fotos: Tina Engler)

Während die Wiener noch ihren Kaiserschmarrn in ihren geliebten Kaffeehäusern verzehren, hat sich die gesamte Lokalszene von Bratislava bereits nach draußen verlagert. Sobald der Frühling in die 500.000 Einwohner zählende, slowakische Hauptstadt einzieht, stellen alle Bars und Restaurants ihre Tische auf die Straße.

Bratislava wirkt wie eine kleine Puppenstadt

Bratislava wirkt wie eine kleine Puppenstadt, doch die Anzahl an Cafés, Bars, kleinen Privatbrauereien und Restaurants entspricht gefühlt der der Bewohner. Zwischen dem mittelalterlichen Michaelertor, der quirligen Michalska und der eleganten Venturska, mit ihren stolzen Stadtpalästen, bis hin zum Platz vor dem slowakischen Nationaltheater, heißt es sehen und gesehen werden, am Wochenende bis in den frühen Morgen.

In den engen Straßen der Altstadt herrscht ein baylonisches Sprachgewirr. Unter der Woche, gegen Abend, wenn die Heerscharen der Touristen nach ihrem Tagesausflug die Stadt wieder verlassen haben, kehrt Ruhe ein. In den Gassen hallen meine Schritte noch lange nach, ich begegne Kapuzinermönchen auf dem Weg in die Abendmesse und Katzen streunen durch die malerischen Hinterhöfe.

Geschäfte sind sieben Tage die Woche geöffnet

Gut, dass ich mich entschieden habe, über Nacht zu bleiben. Das „Lindner Bratislava“ mit Rooftop-Bar im 13. Stock und grandiosem Ausblick bis zur Burg, die majestätisch auf einem Hügel über der Stadt thront, ist direkt an ein ultramodernes Einkaufszentrum angeschlossen. Gefährlich für mich, weil ich einen Hang zum Shoppen habe. Vieles ist günstiger und die Geschäfte sind sieben Tage die Woche geöffnet.

Ost-Chick in Bratislava

Wechselspiel: In Bratislava wechseln sich Plattenbauten mit Jugendstilfassaden und futuristischen Neubauten ab.

Das Hotel ist nur vier Straßenbahnstationen von der Altstadt entfernt, doch die 10-minütige Fahrt fühlt sich an, wie eine Zeitreise. Plattenbauten wechseln sich mit Jugendstilfassaden und futuristischen Neubauten ab, ein faszinierender Mix durch verschiedenste Epochen. Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus hat die junge Metropole zu ihrer neuen Identität gefunden. Die Altstadt mit ihren trutzigen Klöstern, Barockkirchen, den verwunschenen Konventen und den Zuckerbäcker-Palästen der Adligen ist lebendig und vollkommen auf den Tourismus eingestellt. Bohemian-Flair durchströmt die alten Gemäuer. In den restaurierten Hinterhöfen haben sich Second-Hand-Shops, Modedesigner, Galerien, Bildhauer und Maler angesiedelt.

Macht süchtig: Milchschokolade mit Pfeffer und Chili

Als bekennender Schokaholic, habe ich mein neues Sehnsuchtsziel gefunden. Viele kleine Cafés haben sich auf die zart schmelzenden süßen Sünden spezialisiert. Auf vielen Karten ist heiße Schokolade in über 20 Variationen zu haben. Mein Favorit: „Mexico“im „Schokocafe Maximilian“ am Markt. Milchschokolade mit Pfeffer und Chili. Dickflüssig und zum Niederknien lecker. Schon beim ersten schluck spüre ich: Das süffige Gebräu kann süchtig machen… Grund genug, ganz schnell wieder zu kommen!

Hinweis: Die Autorin wurde von Lindner Hotels AG zu dieser Reise eingeladen.

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