Leichtes Ruckeln stört meinen Schlaf beim Anflug auf Prince Edward Island. Die Insel an der Ostküste Kanadas, im Golf von St. Lawrence, sieht aus der Luft aus wie ein Halbmond. Die kleinen schwarz-weißen Flecken auf den grünen Wiesen müssten Kühe sein. Die Insel ist durchzogen von zahlreichen Flüssen und umsäumt von vielen hellen Sandstränden. Wüsste ich es nicht besser – ich könnte auch über Schleswig-Holstein fliegen.

Die Hauptstadt von Prince Edward Island ist Charlottetown, in der rund 35.000 der 145.000 Einwohner der gesamten Insel wohnen. Die Stadt gleicht dabei in vielen Teilen einem alten Museum: alte Villen reicher Kaufleute, Prachtbauten ehemaliger Kapitäne und viele historische Gebäude sind in der Hafenstadt zu finden, die direkt am Trichter der Flüsse Hillsborough, Yorke und Eliot liegt. Charlottetown wurde nach der deutschen Prinzessin Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz benannt. Sie war die Frau von König Georg, dem III.

Landschaftlich wie Dithmarschen

Landschaftlich ist die Region auf Prince Edward Island wie Dithmarschen – flach, mit viel Weideland. Sogar die schwarz-weißen Rinder sehen aus wie die typische Holstein-Kuh aus Deutschland. 1864 wurde die Insel von Vertretern britischer Kolonien in Nordamerika dazu genutzt, um über eine neue politische Form der Zusammenarbeit zu verhandeln. Alle teilnehmenden Regionen traten dem neuen Bündnis 1867 bei, außer Prince Edward Island. Dennoch gilt die Insel heute als Geburtsort Kanadas und inzwischen gehört PEI, wie Prince Edward Island auch genannt wird – zum Staatenbündnis.

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Wer über Prince Edward Island fährt, kommt an der Kartoffel nicht vorbei. Überall sieht man riesige Felder mit Kartoffelpflanzen. Nicht ohne Grund, denn die kleine Provinz liefert rund ein Drittel aller Kartoffeln für den gesamten Staat.

Prince Edward Island hat die dickste Kartoffelskulptur

Knapp eineinhalb Autostunden von der Hauptstadt entfernt, liegt die kleine Stadt O’Leary, in der das „Canadian Potato Museum“ zu finden ist. Direkt vor der Eingangstür steht eine riesige Skulptur einer Kartoffel. Es ist das weltweit größte Modell einer Kartoffelknolle. Einen weiteren Weltrekord hält das Museum selbst: Die Sammlung von landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen, die für den Anbau und die Ernte von Kartoffeln notwendig sind – ebenfalls einmalig auf der Welt. Mit dem Museum hat Prince Edward Island der Kartoffel ein Denkmal gesetzt, denn der Kartoffelanbau ist der wichtigste Wirtschaftszweig der Insel. Über eine Billion Dollar bringt der Handel mit dem Gemüse der Provinz jedes Jahr ein, Tourismus und Fischerei folgen auf den weiteren Plätzen.

Nur wenige Minuten von O’Leary entfernt liegt die Farm von den Brüdern Christopher und Derek Smallman. In der Erntezeit fahren schwere Trucks auf den Hof und bringen jede Menge frisch geerntete Kartoffeln vom Feld in die Halle. Auf dem Feld hat Derek Smallmann das Sagen, der inzwischen in der fünften Generation Kartoffeln auf Prince Edward Island säht und erntet. Auf seinem hochmodernen Traktor überwacht er die Geräte und sorgt dafür, dass möglichst alle Kartoffeln den Weg aus der Erde auf den Anhänger der Trucks finden. Damit der Traktor keinen Fleck auf dem Feld auslässt, hilft ein GPS-System dem Farmer dabei, die scheinbar unendlichen Weiten der Kartoffelfelder systematisch abzufahren. Die Kartoffeln werden mit einer Art riesigem Sieb automatisch aus der Erde auf ein Laufband gefördert, das von zwei Mitarbeitern auf Steine und andere Fremdkörper überprüft wird, um dann in hohem Bogen auf den Anhänger der Trucks katapultiert zu werden.

Die LKW’s fahren anschließend mit der Ladung auf den Hof der Smallmanns, wo Bruder Christopher mit seinem Team schon wartet. Nachdem der Truck die Kartoffeln mit Hilfe eines Förderbandes aus dem Anhänger lädt, sind drei Mitarbeiter damit beschäftigt, beschädigte Kartoffeln oder Steine aus der wertvollen Ladung zu sortieren.

Den Unterschied macht die unendliche Weite der Region aus

Die Kartoffeln werden dann weiter mit dem Laufband in eine riesige Halle gebracht, in der ein beweglicher Kran die Kartoffeln mit Links- und Rechtsbewegungen aufstapelt. Die Kartoffeln der Gebrüder Smallmann werden hauptsächlich zur Herstellung von Chips oder French Fries genutzt. Die Art der Ernte auf Prince Edward Island, unterscheidet sich kaum von der, wie die Kartoffeln hier in Europa geernet werden. Den Unterscheid macht die unendliche Weite der Region aus.

Hinweis: Der Autor wurde von Canadian Tourism Commission auf diese Reise eingeladen.

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