irland - year food drink 2016

Nordirland hat das Jahr 2016 zum „Northern Ireland Year of Food and Drink“ erklärt. An 366 Tagen warten überall in der Region Kochkurse, Bauernmärkte, Bierverkostungen und Backwettbewerbe. (Foto: www.ireland.com)

REISE-NEWS – 11.02.2016 – Die Nordiren sind stolz auf ihre Leistungen beim Anbauen, Züchten, Fangen, Herstellen und Kochen – und das wollen sie auch ihren Besuchern zeigen. Deshalb haben sie das Jahr 2016 zum „Northern Ireland Year of Food and Drink“ erklärt. An 366 Tagen warten überall in der Region Kochkurse, Bauernmärkte, Bierverkostungen und Backwettbewerbe. Zudem verrät Starkoch James McIntosh, warum die Nahrungsmittel und Gerichte Nordirlands zu den besten der Welt gehören.

Nordirland ist eines der bestgehüteten kulinarischen Geheimnissen der Welt!“, so Starkoch und Food-Autor James McIntosh (37), der selbst auf einer Farm in der nordirischen Grafschaft Armagh aufgewachsen ist und schon früh mit dem Thema Essen in Berührung kam. Als Botschafter der nordirischen Küche weiß er um die herausragende Qualität von Nahrungsmitteln der Region, die von perfekten klimatischen Bedingungen auf der grünen Insel profitieren.

Die Nordiren sind stolz auf ihre Leistungen in der Nahrungsmittelproduktion und –Verarbeitung und so haben sie 2016 zum Northern Ireland Year of Food and Drink ausgerufen, unter dem Motto „We cook, we grow, we catch, we craft!“. Gourmets kommen auf einem der vielerorts abgehaltenen Events auf ihre Kosten, darunter Kochkurse, Bauernmärkte, Bierverkostungen oder Backwettbewerbe. Highlights im kulinarischen Kalender sind z. B. das Irish Vegan Festival am 9. April in Belfast, das Lachs- und Whiskey-Festival der Brennerei Bushmills in der Grafschaft Antrim sowie das Rathlin Sound Maritime Festival vom 27. Mai bis zum 5. Juni in Ballycastle – samt Segel-Regatta und frischem Fisch direkt aus der angrenzenden Bucht.

Landesweit steht zudem jeder Monat unter einem besonderen Motto. Im Januar etwa dreht sich alles um das perfekte Frühstück, im Februar werden lokal produzierte Lebensmittel in den Mittelpunkt gerückt. Auf der Website zum Northern Ireland Year of Food and Drink 2016 können Interessierte sich über die zahlreichen Veranstaltungen informieren und erfahren, welche nordirischen Nahrungsmittel die 400 Jury-Mitglieder des Great Taste Awards zu den besten erkoren haben.

Für McIntosh steht der heimliche Star der nordirischen Küche auf jeden Fall fest: Die Kartoffel! „Das sind nicht bloß einfache Kartoffeln, die muss man probiert haben. Der Geschmack und die Konsistenz sind mit keiner anderen Kartoffel auf der Welt vergleichbar!“


Erzählen Sie von sich. Wie kam es, dass Sie Botschafter für nordirische Küche wurden?

Ich bin auf einer kleinen Farm im nordirischen Armagh aufgewachsen. Eine Region, die vor allem für Äpfel der Sorte Bramley bekannt ist und liebevoll „Orchard County“, also „Grafschaft der Obstgärten“, genannt wird. Meine Mutter gab Unterricht im Fach Ernährung. Man kann also sagen, dass mir die Liebe zu gutem Essen schon in die Wiege gelegt wurde. Später, nach meinem Master in Ernährungswissenschaften, habe wurde ich 2008 mit dem Gourmand World Cookbook Award für meine Bücher über nordirisches Essen geehrt. Danach präsentierte ich Food-Formate im chinesischen Fernsehen. Vor der Kamera redete ich auch viel über Nordirland, was dazu führte, dass das englische „Farmer’s Weekly“-Magazin mich zum Botschafter für britisches Essen kürte und von dort ging dann die Reise los. Ich bin wirklich sehr stolz auf meine Heimat, und auf seine warmherzigen, gastfreundlichen Menschen.

Können Sie typisch nordirisches Essen beschreiben? Was sind seine besonderen Merkmale?

Man kann darüber streiten, ob Nordirland eine „Küche“ als solche hat. Ja, wir haben bestimmte Brote und Kuchen und das berühmte Ulster Fry-Frühstück. Außerdem gibt es Kartoffelgerichte wie Boxty, die ursprünglich aus Nordirland kommen. Aber was die nordirische Küche vor allen Dingen definiert, ist die Qualität der Erzeugnisse: Nordirland hat durch den Jetstream ein besonderes Mikroklima. Dadurch entstehen Bedingungen, die der französische Begriff „terroir“ gut beschreibt, also ein perfektes Zusammenspiel von Klima, fruchtbaren Böden und Landwirten, die schon seit Generationen mit ihren Familien dieselben Felder bestellen. Landwirtschaft liegt uns im Blut. Und so haben wir alte Arten von Tieren und Gemüsen erhalten, die außerordentlich gut schmecken und nahrhaft sind. Gleichzeitig gibt es heute neue aufregende Verarbeitungsmethoden. Beides zusammen führt dazu, dass wir vom fantastischen, salzgereiften Rindfleisch bis zum wohl besten Räucherlachs alles bieten können. Auch unsere Getränke-Industrie bekommt mit Cidern, saisonalen Bieren und Shortcross-Gin immer mehr Beachtung. Nordirland gewinnt mehr Preise für Nahrungsmittel und Getränke als jeder andere Teil des Vereinigten Königreiches und was hier hergestellt wird, wird von vielen Starköchen gepriesen.

Kurz gesagt: Nordirland ist Hersteller feinster Zutaten und das ist v. a. unseren Landwirten und Handwerkern im Lebensmittelgewerbe zu verdanken, die diese auf ihren Höfen herstellen. Trotz dieser Tatsache ist Nordirland noch immer eines der bestgehüteten kulinarischen Geheimnisse der Welt und in Verbindung mit den wunderschönen Landschaften einfach ein Muss für jeden „Foodie“.

Hat sich die nordirische Küche im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert?

Immens sogar! Früher bestand unser Essen lediglich aus „Fleisch und zwei Sorten Gemüse“. Aber durch zunehmende Einflüsse von außen haben wir unsere typischen nordirischen Speisen genommen, sie mit unterschiedlichen Aromen und Verarbeitungsmethoden kombiniert und so Geschmäcker kreiert, die man in der Form nirgendwo anders findet. Auch hat Nordirland eine der besten Systeme für landwirtschaftliche Rückverfolgbarkeit in ganz Europa. Das hilft uns, die Authentizität unserer Erzeugnisse zu erhalten. Nach unserer schwierigen Vergangenheit schweißt uns unsere Küche zusammen und jetzt, da 2016 das Northern Ireland Year of Food and Drink ist, teilen wir die Geschichte unseres Volkes quasi „über den Teller“ mit anderen.

Können Sie drei Restaurants in Nordirland empfehlen?

Wir haben in ganz Nordirland großartige Restaurants, die meist Lebensmittel mit sehr kurzen Transportwegen verarbeiten. Um die Verbindung von Geschichte und Essen zu erleben, sollte man am besten eines der Hastings-Hotels besuchen. Das Essen dort ist lokal herstellt und exzellent gekocht. Zudem bekommt man mit jedem Mahl ein kleines Büchlein, das die Geschichte der Lebensmittel und ihrer Hersteller erzählt. Sowohl das Restaurant Epic des Starkochs Michael Deane als auch das Ox, beide in Belfast, haben Michelin-Sterne. Eines meiner persönlichen Favoriten ist das James Street South, das es, neben dem Boathouse in Bangor, dem Epic und dem Ox auf den „La Liste“-Führer der 1000 besten Restaurants der Welt geschafft hat.

Was ist Ihr nordirisches Lieblingsgericht?

Ich habe mehr als ein Lieblingsgericht. Jedoch muss man unbedingt unsere Kartoffeln probiert haben, die in Geschmack und Konsistenz mit keiner anderen Kartoffel dieser Welt vergleichbar sind. Außerdem gedeihen in Nordirland viele verschiedene Sorten. Potato farl, also unser nordirisches Kartoffelbrot, ist sehr einfach zu machen und ein wichtiger Bestandteil jedes Ulster Fry-Frühstücks und ganz anders als das deutsche Kartoffelbrot.

Zubereitung

Kartoffeln im Salzwasser kochen, bis sie gar sind, dann abgießen. Kartoffeln stampfen, dabei Butter und Salz untermischen. Das Mehl nach und nach unter die Stampfkartoffeln mischen und vorsichtig unterrühren bis sich ein geschmeidiger Teig ergibt, der nicht zu klebrig ist. Wieviel Mehl genau man braucht, kommt auf den Feuchtegrad der Kartoffeln an. Dann den Teig auf eine mit Mehl bestäubte Oberfläche ausrollen, bis er circa einen halben Zentimeter dick ist. Die Ränder begradigen und den Teig in jeweils zehn Zentimeter große Quadrate schneiden. Das mag rustikal aussehen, aber genauso essen wir es. Am Ende eine große Pfanne auf starker Hitze platzieren, Öl oder Butter sind nicht benötigt. Wenn die Pfanne heiß ist, die Hitze ein wenig herunterdrehen und die Teigstücke von jeder Seite braten, bis sie goldfarben sind. Dann ein wenig Butter darauf verteilen und genießen.


 

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