In Schladming und im Dachsteingebirge dreht sich vieles um die Planai, den legendären Skiberg, der 2013 Austragungsort der alpinen Ski-WM war. Wird hier und auf der benachbarten Reiteralm der Schnee knapp, stehen Schneekanonen bereit, um das Skivergnügen zu gewährleisten.

Nein, der frühe Winter meinte es in dieser Saison nicht gut mit den österreichischen Alpen. Ein paar kalte Tage und etwas Schnee im November, doch dann kam die Warmluft – und in vielen Skigebieten quer durchs Land blieben die Pisten bis nach Weihnachten grün. Keine optimalen Bedingungen für Thomas Trinker, den „Schneimeister“ auf der Reiteralm am Dachstein, doch für ihn und sein achtköpfiges Team der Reiteralm Bergbahnen bedeuteten immerhin die wenigen kalten Tage im November 2015, dass sie schon vor Saisonbeginn die Kanonen sprechen lassen konnten. „Wenn wir die entsprechende Temperatur haben, sind wir durch unsere Schneekanonen und Schneelanzen vom Schneefall recht unabhängig“, sagt Trinker. 150 Schneekanonen, jede so teuer wie ein Mittelklassewagen, und 50 Schneelanzen sorgen auf der Reiteralm für die weiße Pracht.

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Nicht immer ist am Dachstein der Schnee bereits früh vorhanden. Für diesen Fall hat die Skiregion in ein breites Netz an Schneekanonen investiert. (Fotos (2): Torsten Keller)

35 Millionen Euro fließen jedes Jahr in die Pistenbeschaffenheit

35 Millionen Euro investiert Ski Amadé, der Großverbund, zu dem die Skigebiete Haus, Schladming, Pichl und die Reiteralm am Dachstein gehören, jedes Jahr in die Pistenbeschaffenheit. Ein Tribut, das die Region ihrer niedrigen Höhenlage zollt, die sich am Hauser Kaibling maximal bis auf 2015 Meter schraubt. Doch letztlich relevant für das Skivergnügen ist hier nicht die Höhenlage, sondern die Temperatur. „Wir benötigen minus zwei Grad für die Kanonen und minus fünf Grad, um die Pisten mit den Lanzen beschneien zu können“, erklärt Thomas Trinker. 100.000 Kubikmeter Wasser fasst das größte der drei Wassersammelbecken im Skigebiet, das einmal im Jahr von der Schneeschmelze im Frühsommer und dann noch eineinhalb Mal von dem herauf gepumpten Wasser der im Tal vorbeifließenden Enns gespeist wird, aus deren Wasser dann im frühen Winter die künstliche weiße Pracht hergestellt wird. „Der versprühte Wassertropfen muss in der Luft gefrieren. Tut er das nicht, wird er beim Aufkommen auf der Erde zu Eis“, weiß der Experte. Einmal hergestellt hält sich der Kunstschnee recht lange – bei bis zu fünf Grad über dem Gefrierpunkt maximal bis zu drei Monaten. Doch eines ist Gift für den Kunstschnee: Regen. „Der spült uns alles aus“, warnt Thomas Trinker, „und dann ist das Skifahren ehrlich gesagt kein großes Vergnügen mehr.

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Als eine der ersten Regionen hat die Skiregion am Dachstein seine Pisten digitalisiert. Eine Datenbrille lotst Skifahrer zur nächsten Hütte und zeigt während der Pistenabfahrt aktuelle Fahrdaten an. (Foto: Keller)

Datenbrille als Navi für Dachstein – Skifahrer

Doch Vergnügen wird im Winterurlaub großgeschrieben, und das nicht nur auf der Reiteralm, die zwar als Familienskigebiet gilt, doch aufgrund der eher sportlichen Abfahrten auch ein gerne genutztes Trainingszentrum für Profi-Rennläufer darstellt. Junioren- und  Weltcupteams schätzen das Skigebiet, die hippe Freestyle-Gemeinde zieht es hingegen eher ins benachbarte Schladming, und hier in den „Superpark Planai“ mit seinen Flat Rails, Kicker Jumps, dem Elbow Rail und der „Big Mama“ – dem mit 14 Metern weitesten Sprung des Areals. Hier, wo Shaper und Park Designer über das Aussehen der Anlagen entscheiden, finden zu hipper Musik Contests wie der „Pleasure Jam“ statt, und die Jugend auf einem oder zwei Brettern fühlt sich so richtig sauwohl. So mancher trägt bereits Datenbrille, denn als eines der ersten Skigebiete Europas hat die Skiregion am Dachstein ihr Skigebiet auch digitalisiert. Aktuelle Fahrgeschwindigkeit, absolvierte Höhenmeter und Fahrtstrecke, gar den Kalorienverbrauch berechnet die Hochleistungsbrille beim Fahren auf den Pisten des Planai, des legendären Schladminger Skiberges, der im Jahr 2013 Austragungsort der alpinen Ski-WM war. Ob hingegen das kleine, über eine Steuerkonsole am Arm bedienbare  Datenfenster in der rechten Brillenhälfte demnächst auch die große Masse der Skifahrer über die Pisten am Dachstein zur Schnepfn‘Alm, zur Krummholzhütte oder zur Schafalm leitet, bleibt abzuwarten.

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Jedes Jahr im Januar beim Nachtslalom in Schladming verwandelt sich der Zielhang des Planai in einen Hexenkessel. (Fotos (3): Schladming-Dachstein | Herbert Raffalt)

Vom Zielschuss direkt hinein ins Après-Ski-Vergnügen

Heuer ist in Schladming besonders der Nachtslalom noch legendär, zu dem sich alljährlich Ende Januar die Zieleinfahrt vom Planai in einen zehntausende Zuschauer fassenden Hexenkessel verwandelt. Partystimmung überall, und nicht wenige Zuschauer, die den Zielhang des Planai schon selbst einmal befahren und unbeschadet überlebt haben, messen sich in ihren Legenden mit Marcel Hirscher, Felix Neureuther und Co, die für den Ritt hinunter ins Ziel knappe 55 Sekunden benötigen. Ein Rennen mit Prestige, doch nicht nur das, denn für die direkt an der Zieleinfahrt liegende Tenne, in der sich Partystars wie Antonia aus Tirol und Olaf Henning während der Schneesaison gleich mehrmals die Klinke in die Hand geben, ein Riesenevent mit Après-Ski-Feeling auf allen Partyebenen. Hier, in einem der größten Après-Ski-Tempel Österreichs merkt man besonders, wenn die Pisten einmal nicht wie geplant schon früh zum Saisonbeginn in perfekter weißer Pracht liegen. „Wir haben eine direkte Zufahrt vom Zielschuss quasi direkt hinein ins Vergnügen“, sagt der Geschäftsführer der Tenne nicht ohne Stolz. Bleibt der Schnee jedoch aus, zieht es die Pistenbezwinger vom Planai oft ohne Après-Ski-Zwischenstopp gleich in die Schladminger Restaurants. Damit jedoch der Schnee am Planai nicht einmal ans Ausbleiben denkt, hat auch Schladming in den vergangenen Jahren in eine ganze Armada an Schneekanonen investiert. Bleibt dann nur noch, dass die Temperaturen in der Frühsaison am Berg tief genug sinken, damit auch am Planai genug der weißen Pracht aus der Schneekanone für reichlich befahrbares Kanonenfutter sorgen kann.

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Die junge Freestyle-Generation fühlt sich im Superpark Planai wohl.

 

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