Der Mann auf dem Quad zieht eine Staubwolke wie eine Herde Büffel hinter sich her. Nachdem er sein Gefährt mit einer filmreifen Vollbremsung zum Stehen gebracht hat, steigt er lässig vom Motorrad, mustert seine neuen Gäste, tippt sich kurz an den Cowboyhut und bringt im breitesten australischen Dialekt ein kaum verständliches „G’day“ über die Lippen. Wow! Steve Price, der Besitzer der Asses Ears Wilderness Lodge, sieht tatsächlich genauso aus wie man sich Crocodile Dundee vorstellt, seitdem Paul Hogan den Job als Krokodilsfänger an den Nagel gehängt hat.

Stahlblaue Augen funkeln uns aus einem braungebrannten, wettergegerbten Gesicht entgegen. „Wie wär’s mit einem Bier?“, fragt Steve, der zum Glück bemerkt hat, dass uns allen schon die Zunge aus dem Hals hängt. Bei Temperaturen von gut 36 Grad im Schatten kein Wunder. Unsere kleine Gruppe von Rucksacktouristen und Individualurlaubern könnte es glatt mit den drei Australian Sheperds aufnehmen, die inzwischen um uns herum hecheln. Also schmeißen wir nur kurz unsere Klamotten in die Hütten, die Steve an Touristen vermietet, und finden uns schnell an seiner gut sortierten Bar ein.

Grampians sind drei Stunden von Melbourne entfernt

Steves Refugium liegt in den Grampians, drei Autostunden von Melbourne entfernt. Der 167.000 Hektar große Nationalpark gilt als Paradies für Naturfans, Wanderer, Kletterer, Mountainbiker, Fotografen und Tierliebhaber. Wälder, Felsen und Wasserfälle soweit das Auge reicht. „Ich bin seit 35 Jahren mit meiner Familie hier“, erzählt uns Steve. „Vorher bin ich ein bisschen durch Europa und Asien getravelt, hab in Kanada und Neuseeland gelebt.“

Und wie kommt man dann zu dieser Lodge in the middle of nowhere, fragen wir entgeistert. Steve zuckt mit den Schultern. „Ich hab das Land bei einer Auktion gekauft. Aus Versehen. Als ich es gesehen habe, wollte ich es gleich wieder loswerden, schließlich gab es hier keinen Schnee wie in Kanada, und irgendwie war es mir auch viel zu heiß. Tja, und dann bin ich doch geblieben.“

Der Australier zählt zu den Tourismus-Pionieren in den Grampians. Er startete mit Übernachtungen für einheimische Urlauber, Rucksacktouristen und Schulklassen, bot geführte Wanderungen und Tierbeobachtungen an. Inzwischen besitzt er ein eigenes Rollfeld für kleine Flugzeuge, einen Fuhrpark an Quads, und die Urlauber kommen mittlerweile aus der ganzen Welt. „Mein nächster Nachbar wohnt etwa vier Kilometer entfernt von mir. Der lebt zusammen mit 3000 Schafen.“ Steve schüttelt grinsend den Kopf. „Da sind mir die Urlauber doch lieber. Ich mag es, nette Leute kennenzulernen!“

„Feuerbrunst rollte auf uns zu“

Etwas zu erzählen gibt es immer. Die ganze Familie Price – sechs Kinder gehören dazu – scheint das Abenteuer im Blut zu liegen. Steves aus England stammende Frau trainiert Rennpferde, einer seiner Söhne nutzte seinen Europa-Trip dazu, im spanischen Pamplona als Stierläufer mitzurennen. „Gib niemals auf!“, scheint das Motto dieser Familie zu lauten. Dieser unbezwingbare Wille – und etwas Glück – bewahrten sie auch davor, im Jahre 2014 alles zu verlieren. „Es war der 3. Januar und ich schaute gerade die Australian Open im Fernsehen, als die Feuerbrunst auf uns zurollte“, erzählt Steve und zeigt uns Fotos, auf denen seine Lodge von riesigen, schwarzen Rauchwolken umgeben ist. „Das Feuer hat uns überrollt wie in einem Bruce Willis-Film, aber wir haben es geschafft, es uns vom Hals zu halten. Wir konnten alle Gebäude retten“, erzählt er stolz und nimmt noch einen Schluck von seinem Bier. Erst nach Stunden können wir uns von Steves spannenden Geschichten losreißen. Draußen zirpen die Grillen, die Nacht ist warm. Über uns funkelt ein Sternenhimmel von einzigartiger Schönheit. Das Kreuz des Südens leuchtet uns den Weg zu den Hütten. „Stolpert nicht über die Kängurus!“, warnt uns Steve noch, bevor er seine kleine Bar am Ende der Welt schließt.

 

Grampians bieten Natur und Kultur

In den Grampians entdecken Australien-Urlauber endlose Wälder, skurrile Felsen, Wasserfälle (z.B. die MacKenzie Falls) und weite Ausblicke. Man kann aber auch die Kultur der Aborigines erfahren, so gibt es z.B. einige Höhlenmalereien im Nationalpark. Wer mehr über die Aborigines wissen möchte, sollte das „Brambuk National Park and Cultural Centre“ in Halls Gap besuchen. Mit fünf Känguru- und Wallaby-Arten bieten die Grampians die größte Vielfalt dieser Spezies im australischen Bundesstaat Victoria. Außerdem gibt es jede Menge Koalas, Emus, Opossums und sogar die seltenen Schnabeltiere. Mehr Infos zu Steves Lodge Allgemeine Infos zu Victoria (auf Deutsch): http://de.visitmelbourne.com/

Lesetipp: Ein geheimnisvoller Stein der Aborigines, magische Träume, ein altes Familiengeheimnis und eine neue Liebe: Der Reise-Roman „Der Stein der Schildkröte“ von Susan de Winter vereint dies alles und macht Lust darauf, die Koffer zu packen und nach Australien zu fliegen. Die Schauplätze des neuen Buches befinden sich in Victoria und werden im Anhang näher beschrieben. „Sehr kurzweilig geschriebener Reise- und Lebensroman. Die Erzählerin schafft es perfekt, tolle Landschafts- mit witzigen Situationsbeschreibungen zu kombinieren.“ (Leser-Meinung, 16 Rezensionen/5,0 Sterne). Hier geht es direkt zum Buch „Der Stein der Schildkröte